Spindelegger: "Dialog das beste Hausmittel gegen Europa-Ängste"   

erstellt am
11. 05. 09

Maßnahmenpaket des Außenministers zum Europadialog in Österreich
Wien (bmeia) - "Die Diskussionen und Begegnungen mit den Österreicherinnen und Österreichern während meiner 'EU-Zuhörtour' quer durch die Bundesländer, war nicht nur eine spannende und bereichernde Erfahrung, ihr Erfolg und das Echo darauf hat meine Erwartungen weit übertroffen. Bei dieser Zuhörtour zeigte sich, dass die Österreicher ein differenziertes Bild von Europa haben. Gerade in der Wirtschaftskrise spüren sie, dass wir die Verankerung in einer starken und handlungsfähigen Gemeinschaft brauchen. Zugleich äußern viele auch Kritik und Sorge: Verlust der Eigenständigkeit, mangelnder Einfluss auf die Geschehnisse auf EU-Ebene und Überregulierung waren dabei häufige Schlagworte", erklärte Außenminister Michael Spindelegger anlässlich des Sonderministerrates zum Europatag am 09.05.

"Bei allen regionalen Unterschieden in der Wahrnehmung Europas, war ein Wunsch auf allen Stationen der Tour am deutlichsten spürbar: Die Österreicherinnen und Österreicher wollen mehr Diskussion zu Europa. Sie wollen das direkte Gespräch, einen echten "Bürgerdialog" zu europäischen Fragen. Das ist für mich ein konkreter Handlungsauftrag", betonte der Minister.

Spindelegger: "Überzeugen kann nur das persönliche Gespräch. Reden ist das beste 'Hausmittel' gegen Europa-Ängste. Dazu muss es uns gelingen, Gesprächsangebote auf allen Ebene zu schaffen. Europa muss Teamarbeit sein - von der Gemeinde bis zur Bundesregierung."

Der Außenminister hat dazu heute im Ministerrat erste Vorschläge präsentiert - nicht für Werbekampagnen, sondern für mehr Diskussion und Dialog. Die wichtigsten Vorschläge, auf die sich die Bundesregierung geeinigt hat:

1. Den Dialog institutionalisieren

- Nach dem erfolgreichen Vorbild in einigen Bundesländern,
sollen fortan in allen Bundesländern "Europaforen" für den
laufenden Dialog zu EU-Themen eingerichtet werden. Diese neun
EU-Länderforen könnten in einem "Europaforum Österreich"
zusammengefasst werden.

- Der Europatag sollte künftig von den Mitgliedern der
Bundesregierung dazu genützt werden auch aktiv in den
Bundesländern das Europagespräch mit dem Bürger zu suchen.

- Es wird bis Herbst des Jahres ein langfristiges, umfassendes
Konzept zur Europa-Informationsarbeit gemeinsam von
Bundskanzleramt, Außenministerium und Finanzministerium
erstellt.

2. Den Dialog regionalisieren

- Gerade in einer Zeit massiver Umbrüche erwarten die Menschen
Vertrautheit und Orientierung. Das kann am ehesten auf
regionaler und lokaler Ebene geleistet werden.

- Daher sollten Bundesländer, Städte und Gemeinden aktiv in den
EU-Dialog einbezogen werden, etwa die Europaausschüsse der
Landtage. In den Gemeinderäten könnten etwa eigene EU-
Beauftragte als Kontaktpunkte in EU-Fragen der Bürger
designiert werden.

- Konkrete Vorschläge, wie der Europadialog auf lokaler und
regionaler Ebene intensiviert werden könnte, werden gemeinsam
mit den Vertretern der Landtage und der Städte und Gemeinden
erarbeitet.

- Um zu verdeutlichen, welche Beiträge die Europäische Union zu
Projekten auf kommunaler Ebene leistet, sollten die
Gemeinden "Europaprofile" erstellen.

- Das Außenministerium wird den Informationsfluss mit den
Landtagen verdichten und ihnen den "Europabericht" des BMeiA
direkt zur Verfügung stellen.

3. Den Dialog konkretisieren
- Offene und rasche Auskunft über die Beschlüsse auf Ebene der
EU ist Voraussetzung für einen informierten Dialog. Künftig
sollten alle Mitglieder der Bundesregierung möglichst
umgehend nach einem EU-Rat unter Verwendung moderner
Kommunikationsmittel über die Beschlüsse und ihr
Abstimmungsverhalten informieren.

- Die Bundesregierung muss überschießender Bürokratie und
Regulierung auf europäischer Ebene mit konkreten Vorschlägen
entgegentreten. Jedes Mitglied der Bundesregierung wird
ersucht, bis zum ersten Ministerrat nach der Sommerpause EU-
Rechtsakte aus seinem Bereich vorzuschlagen, die aus seiner
Sicht eingespart oder zumindest vereinfacht werden könnten.
Diese Vorschläge könnten dann einen Input für die laufenden
Arbeiten der Kommission auf diesem Gebiet darstellen.
     
Informationen: http://www.bmeia.gv.at    
     
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