Tolle Zwischenbilanz für ersten Gemeindebau-NachbarschaftsGarten   

erstellt am
29. 05. 09

Pilotprojekt im Oscar-Helmer-Hof erntet erste Früchte
Wien (rk) - Im vergangenen Herbst rief Vizebürgermeister Wohnbaustadtrat Dr. Michael Ludwig den ersten interkulturellen NachbarschaftsGarten in einem Wiener Gemeindebau - dem Oscar- Helmer-Hof in Floridsdorf - ins Leben. Für das Pilotprojekt, das vom Verein "Wirbel" begleitet wird, wurde eine Wiese in Beete für interessierte MieterInnen umgestaltet. Mittlerweile grünt es im NachbarschaftsGarten nicht nur prachtvoll, sondern auch das gute Miteinander blüht und gedeiht. Wohnbaustadtrat Michael Ludwig lud am 29.05. gemeinsam mit MieterInnen und VertreterInnen des Vereins "Wirbel" zu einem Besuch des interkulturellen NachbarschaftsGartens ein.

Der Oscar-Helmer-Hof in Floridsdorf verfügt über rund 790 Wohnungen, großzügige Grünanlagen und seit wenigen Monaten auch über den ersten interkulturellen NachbarschaftsGarten in einem Wiener Gemeindebau. Das Pilotprojekt, an dem rund 20 "GärtnerInnen" und deren Angehörige teilnehmen, hat sich hervorragend entwickelt und erntet auch viel positives Feedback von MieterInnen des Gemeindebaus, die zwar nicht mitgärtnern, die aber gerne auf einen Plausch im Garten vorbeischauen. Denn der NachbarschaftsGarten trägt mittlerweile erste Früchte: In den Beeten reifen Erdbeeren, wachsen verschiedene Gemüsesorten, Kräuter und Blumen, vor allem aber hat sich der gute nachbarschaftliche Kontakt durch das gemeinsame Hobby Gärtnern vertieft. Ältere Mitglieder der Gemeinschaft werden bei der Arbeit tatkräftig von den jüngeren unterstützt, das Beet eines Gemeindebaubewohners, der schwer erkrankte, wird von den anderen mitgepflegt.

"Durchs Reden kommen die Leute zusammen. Das Rezept für den Erfolg des NachbarschaftsGartens ist, durch gemeinsame Interessen Schwellenängste, die oft auch im Kontakt mit Nachbarn bestehen, abzubauen. Man lernt einander näher kennen, organisiert sich bei der Betreuung des Gemeinschaftsbeets, hilft einander und freut sich gemeinsam über die Ernte. Das Miteinander profitiert von dem größeren Verständnis und der damit verbundenen höheren Toleranz für die Nachbarn. Und das ist die beste Basis, um auch auftretende Meinungsverschiedenheiten auf friedliche und demokratische Weise selbst regeln zu können", betonte Wohnbaustadtrat Michael Ludwig bei seinem Besuch im ersten Gemeindebau-NachbarschaftGarten.

Die Mitarbeiterinnen des Vereins "Wirbel" unterstützen das Pilot-Projekt fachlich. Ihre Aufgabe ist es vor allem, den Aufbau der Gartengemeinschaft in der Anfangszeit zu begleiten und praktische Hilfestellung für die Selbstorganisation, aber auch beispielsweise fürs Bio-Gärtnern zu geben. Ziel ist es, eine Struktur aufzubauen, die dann selbstständig weiterbesteht.

Kaffeejause im NachbarschaftsGarten
Im eingezäunten, rund 500 Quadratmeter großen Garten gibt es einen Gemeinschaftsbereich zum Sitzen, Treffen und Spielen mit einer kleinen Rasenfläche, einer Hütte, Beerensträuchern und einem alten Apfelbaum. Daneben befinden sich die 22 Beete (jeweils 10 bis 20 Quadratmeter groß) zum Gärtnern. Die Parzellen sind durch kleine Wege mit Holzhäcksel und einer einfachen Begrenzung mit Pflöcken und Schnüren voneinander getrennt. Ein Gartenplan mit den Namen zeigt, wer welche Fläche bewirtschaftet. Eine Wasserleitung mit zwei Bottichen sorgt für Wasser zum Gießen. Komposterde wurde von der MA 49 (Forstamt) geliefert und kann von den GärtnerInnen zur Bodenverbesserung eingebracht werden.

Bei sonnigem Wetter haben viele GärtnerInnen in den ersten Wochen nach der Eröffnung des Gartens die Gelegenheit genutzt, ihre Beete zu bearbeiten, einzeln oder gemeinsam Wege anzulegen und beim Arbeiten oder bei Kaffee, Tee und Kuchen mit den anderen GärtnerInnen Kontakte zu knüpfen und sich gegenseitig bei der Arbeit zu helfen. Alle beteiligten MieterInnen sind dem neu gegründeten Verein "Nachbarschaftsgarten Roda-Roda-Gasse" beigetreten und haben nun durch einen eigenen Schlüssel jederzeit Zugang zum Garten.

Auch die ersten Fragen und Unsicherheiten im Umgang miteinander sind aufgetaucht und wurden besprochen, einerseits zwischen den GärtnerInnen direkt und andererseits mit den Frauen vom Verein "Wirbel". Sie sind derzeit zwei Nachmittage im Garten tätig und stehen für Gespräche, Fragen und Mithilfe zur Verfügung. Diskussionsthemen bisher waren z. B. die Überschreitung der zugewiesenen Flächen, wie den jüngeren Kindern der sorgfältige Umgang mit den Beeten vermittelt werden kann, wie Kinder mit besonderen Bedürfnissen gut in das Gartenleben integriert werden können, wie die verschiedenen Pflanzen in den verschiedenen Sprachen heißen und wer den Müll, der immer wieder über den Zaun geweht wird, wegräumt. Im Tun neben- und miteinander werden natürlich auch die unterschiedlichen kulturellen Hintergründe spürbar und thematisiert. Viele Talente, Fähigkeiten und Vorlieben der verschiedenen GärtnerInnen werden sichtbar und tatkräftig eingesetzt.

Viele der beteiligten MieterInnen kannten sich bereits vom Sehen, hatten aber bisher nie Kontakt und lernen sich jetzt über das gemeinsame Hobby kennen. Gespräche über den Zaun sind häufig. Bekannte, NachbarInnen und Neugierige fragen nach und informieren sich. Auch die bisher skeptischen Stimmen der unmittelbaren AnrainerInnen sind in wohlwollendes Beobachten, Freude und Interesse, selbst mitzumachen, umgeschlagen. Es wurde eine Warteliste eingerichtet für all jene, die derzeit keine eigene Parzelle bekommen können und die InteressentInnen wurden eingeladen, öfter vorbeizuschauen. Auch der engagierte Mieterbeirat des Oscar-Helmer-Hofs unterstützt das Projekt nach Kräften.

Ziele des Pilotprojekts
Das Projekt wird zwei Jahre lang vom Verein "Wirbel" begleitet und soll dann von den beteiligten MieterInnen selbstständig weitergeführt werden. Der Verein "Wirbel" - Institut für feministische Forschung und Praxis, hat bereits viele Erfahrungen bei der Errichtung und Förderung von Mädchengärten, aber auch bei der Planung und Gestaltung von ökologischen Gärten gesammelt. Die Mitarbeiterinnen des Vereins beim Pilotprojekt sind mehrsprachige Expertinnen aus verschiedenen Fachbereichen, die über zusätzliche Qualifikationen, etwa im Bereich der Konfliktarbeit, verfügen. Ein besonderer Projekt-Schwerpunkt wird bei der Betreuung der beteiligten Frauen und Mädchen liegen. Denn oft sind es die Frauen, die sich im Alltag um einen Garten kümmern, ihre Anliegen sollen daher gezielt angesprochen und gefördert werden. Das Pilotprojekt im Oscar-Helmer-Hof wird evaluiert und soll als Vorbild für weitere GemeinschaftsGärten in Wiener Gemeindebauten dienen.

Finanzierung des Pilotprojekts
Das Projekt finanziert sich durch Wiener Wohnen, die Magistratsabteilung 17 (Integrations- und Diversitätsangelegenheiten), durch kleine Kostenbeiträge der teilnehmenden MieterInnen im Ausmaß von 20 Euro pro Jahr und durch Sponsoren. Die gesamten Mittel werden für das Projekt, so z.B. für die Erhaltung des Gartens und für die Anschaffung von Geräten, verwendet. Es entstehen somit keinerlei Kosten für die nicht am Projekt beteiligten MieterInnen des Gemeindebaus. Drei Sponsoren haben das Pilotprojekt bereits tatkräftig unterstützt: Die Firmen Algebra und Weitschacher sponserten den Zaun und eine Sitzbank, das Unternehmen Labau sorgte kostenlos für das Umbrechen der Gartenfläche und das Roden alter Sträucher.
     
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