Wien setzt Präventionsschwerpunkt bei Alkohol   

erstellt am
30. 07. 09

Präventionsaktivitäten vermitteln Jugendlichen einen verantwortungsbewussten Umgang mit Alkohol
Wien (rk) - Alkohol ist in unserer Gesellschaft alltäglich. Umso wichtiger ist es, Jugendlichen bereits früh im Umgang mit Alkohol zu sensibilisieren. "Im Jugendalter werden Muster für spätere Verhaltensweisen gelegt, deshalb ist besonders in dieser Zeit das Vorbild der Erwachsenen von entscheidender Bedeutung", betonte Gesundheitsstadträtin Mag.a Sonja Wehsely im Rahmen einer Pressekonferenz mit dem Wiener Drogenkoordinator Michael Dressel am 30.07. "Die Stadt Wien setzt gezielt einen Präventionsschwerpunkt bei Alkohol. Mit einem Bündel von Aktivitäten werden Jugendliche direkt angesprochen. Dabei geht es darum, ihnen einen verantwortungsbewussten Umgang mit Alkohol zu vermitteln", strich Wehsely hervor. Dafür arbeiten Menschen aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen in Wien zusammen.

"Für Jugendliche wird Alkohol meist mit der Pubertät interessant, einer Phase des Ausprobierens und Experimentierens. Deshalb ist es wichtig, gerade in diesem Alter gezielte Präventionsprojekte anzubieten", so der Wiener Drogenkoordinator Michael Dressel. Das Institut für Suchtprävention (ISP) der Sucht- und Drogenkoordination Wien hat verschiedene Projekte mit unterschiedlichen Zugängen entwickelt, um Jugendliche hinsichtlich ihres Alkoholkonsums zu sensibilisieren.

Maßnahmenpaket im Rahmen des Präventionsschwerpunkts bei Alkohol
Viele Jugendliche und junge Erwachsene konsumieren bei Partys, Großveranstaltungen und Events Alkohol, was zu problematischen Verhaltensweisen und Gefährdungen führen kann. Solche Situationen können - neben den negativen Auswirkungen für die KonsumentInnen von Alkohol - bei Festen auch für andere zu Problemen und Konflikten im beruflichen Alltag führen. Im Projekt "Prävention alkoholbedingter Problematiken bei Großveranstaltungen" arbeitet das ISP mit Schlüsselkräften aus den Bereichen Gastronomie, Exekutive, Jugendarbeit und Suchtprävention zusammen. Die Initiative umfasst drei Bausteine: die multiprofessionelle Fortbildungsreihe "prEVENT", das peer-to-peer- Projekt "Party Fit!" und die Publikation "SaferPartyGuide".

Die Fortbildungsreihe "prEVENT" richtet sich an Personen, die professionell bei Großveranstaltungen tätig sind - wie GastwirtInnen, ExekutivbeamtInnen oder JugendarbeiterInnen. Die TeilnehmerInnen von prEVENT erwerben aktuelles Grundlagenwissen zu Suchtprävention und Gesundheitsförderung und erweitern ihre Handlungskompetenzen in Bezug auf riskanten Alkoholkonsum und heikle Situationen bei Partys, Großveranstaltungen oder sportlichen Events. Sie erlernen einen kompetenten Umgang mit jungen Menschen, die bei solchen Veranstaltungen zu viel Alkohol konsumieren. Innovativ an dem prEVENT-Fortbildungskonzept ist, das Wissen und die unterschiedlichen Erfahrungen der verschiedenen Berufsgruppen zu nutzen. Voneinander zu lernen ist ein zentrales Prinzip der Trainings. Daher wird auf eine berufsübergreifende Zusammensetzung der Gruppen Wert gelegt. In Wien ist es damit erstmals gelungen, viele unterschiedliche AkteurInnen, die bei Veranstaltungen zusammenwirken, gemeinsam zu schulen.

Im Rahmen von "Party Fit!" sind ausgebildete Promotionpeer- Teams bei Großveranstaltungen im Einsatz. Sie suchen aktiv das Gespräch mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die Alkohol konsumieren und setzen Kurz- und Frühinterventionen. Zielgruppengerechte Informationsmaterialien wie ein dreisprachiger "SaferPartyGuide", die "pocket-info Alkohol", Give-away-Karten und ein Wissensquiz erleichtern den Promotionpeers den Zugang zur Zielgruppe. Die Ziele sind: Eine aktive Auseinandersetzung Jugendlicher mit ihrem eigenen Konsum- und Trinkverhalten zu initiieren, die Einstellung zu riskantem Konsum von Alkohol kritisch zu reflektieren und eine Bewusstseinsschärfung mit Gruppendruck innerhalb des Freundeskreises zu erreichen. Mit der operativen Umsetzung des Projekts ist "ChEck iT!" des Vereins Wiener Sozialprojekte betraut.

Die "pocket-info Alkohol" ist eine Informationsbroschüre für Jugendliche, die vom ISP und wienXtra-jugendinfo entwickelt wurde. Die Broschüre beinhaltet Informationen zum Thema Alkohol, Hinweise für den Umgang mit Alkohol, zum Beispiel im Straßenverkehr, einen Alkohol-Selbsttest, Tipps für Hilfe in Notsituationen und eine Liste von Beratungs- bzw. Hilfsangeboten für Jugendliche. Die Inhalte wurden gemeinsam mit Jugendlichen bearbeitet, wobei besonders auf eine leicht verständliche, jugendadäquate und geschlechtssensible Sprache geachtet wurde. Insgesamt wurden 90.000 Stück gedruckt.

Im Rahmen des medienpädagogischen Projekts "BilderRausch - Kurzfilme von Jugendlichen zum Thema Alkohol" haben 100 Jugendliche unter Anleitung von MedienpädagogInnen Kurzfilme zum Thema "Jugend und Alkohol" produziert. Dieses suchtpräventive Medienprojekt ist das erste seiner Art in Wien: Die Jugendlichen waren von der Idee bis zur Fertigstellung der DVD eingebunden. Eine DVD mit sieben Kurzfilmen ist das Produkt dieser Auseinandersetzung von jungen Menschen mit ihren Erfahrungen, in denen persönliche und berührende Geschichten erzählt werden. Ein Booklet zur DVD gibt Informationen, wie die Filme in der Jugendarbeit, in der Schule oder bei Elternabenden als Anregung zur weiteren Diskussion eingesetzt werden können.

Ein neu erprobtes Medium für die Vermittlung von Suchtprävention ist das Forumtheaterstück "Mit Maß und Ziel - es kotzt mich an!". Das Konzept des Forumtheaters beruht auf Interaktivität, das Publikum kann spontan einsteigen und mögliche Lösungsvorschläge bei Konflikten und schwierigen Situationen aufzeigen. Die Theatergruppe "Mundwerk" - bestehend aus sieben Jugendlichen und jungen Erwachsenen - hat gemeinsam mit TheaterpädagogInnen drei Modellszenen zum Thema "Jugend und Alkohol" entwickelt. Zielgruppen sind Jugendliche und junge Erwachsene in Schulen und in der Jugendarbeit.

"Prävention alkoholbedingter Problematiken kann nur in Kooperation mit und in gemeinsamer Anstrengung aller relevanten Bereiche umgesetzt werden: Das gilt sowohl auf der Ebene politischer Entscheidungsträger als auch für die an der Basis mitwirkenden AkteurInnen. Besonders wichtig ist, dass man die Projekte auf die jeweilige Zielgruppe zugeschnitten anbietet", so der Wiener Drogenkoordinator Michael Dressel abschließend.
     
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