Michael Haydn, die Augustiner und das Bier   

erstellt am
26. 08. 09

Wien (pew) - Aus Anlass der 200. Wiederkehr seines Todestages steht Joseph Haydn in diesem Jahr im Mittelpunkt der (Kirchen-) Musik. Weniger bekannt, in den letzten Jahren jedoch mit wachsender Aufmerksamkeit bedacht, ist Josephs jüngerer Bruder Michael. Auch er hatte am Wiener Stephansdom eine umfassende Ausbildung erhalten und war dann über vier Jahrzehnte am Salzburger Dom tätig. Anlässlich seines 200. Todestages im September 2006 hatte die Wiener Dommusik das "Michael Haydn-Fest" veranstaltet. Am kommenden Sonntag gibt es im Stephansdom wiederum eine Erstaufführung einer Komposition von Michael Haydn, nämlich seine "Nicolai-Messe" (nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Messe seines Bruders Joseph). Die Messe gilt dem Heiligen Nikolaus von Tolentino, einem Augustinerpater, der als Prediger, Beichtvater und Krankenseelsorger wirksam war und am 10. September 1305 verstarb. Das Pontifikalamt feiert Weihbischof Franz Scharl.

Michael Haydn hatte die Messe dem Gebrauch der Augustinerpatres in der ehemaligen Salzburger Vorstadt zugedacht. Die Augustiner-Eremiten wirkten dort von 1605-1818 (davor bewohnten Augustiner- Chorherren das Kloster). Bereits im Jahr 1621 hatten die Augustiner die bis heute bestehende Bier-Brauerei gegründet, in der auch Michael Haydn gerne zu Gast war. Der Heilige Augustinus ist nicht nur namengebender Patron dieser Brauerei, sondern wird auch ganz allgemein als einer der "Bier-Patrone" verehrt, sein Gedenktag ist der 28. August. Dementsprechend wurde die Aufführung der Haydn-Messe nahe an diesem Datum vorgesehen. Neben der Musik hat Dommusikus Thomas Dolezal noch einen anderen Akzent für diesen Sonntag vorgesehen: Mit Unterstützung durch die Salzburger "Augustinerbrauerei" und der Wiener Gastwirtschaft "Bamkraxler", in der die Tradition um das Augustinusbier besonders gepflegt wird, findet im Anschluss an die Messfeier eine Biersegnung im Dom statt. Danach wird das gesegnete Bier an die Gläubigen verteilt solange der Vorrat reicht).

Die "Nicolai-Messe" war Michael Haydns erste größere Kirchenkomposition, aufgrund ihrer mittleren Länge und ihrer formalen Gliederung entspricht sie durchaus dem Typ einer "Missa solemnis". Bemerkenswert ist die Besetzung der Messe: einstimmiger Frauenchor, zwei Solo-Sopranstimmen, Streicher, Trompeten (Pauken) und Orgel. Dommusikus Dolezal: "In heutiger Zeit sind die kirchenmusikalischen Mittel oft nur eingeschränkt verfügbar. Wo Kirchenchöre noch vorhanden sind, mangelt es nicht selten an Männerstimmen. Deshalb ist die Besetzung der Nicolai-Messe von Michael Haydn eine Gelegenheit für alle, die trotz begrenzter Möglichkeiten bzw. in einem kleineren Kirchenraum eine festliche klassische Messe erklingen lassen wollen".

Die Komposition erfuhr im Todesjahr M. Haydns (1806) durch den Eisenstädter Franziskanerpater Gaudentius Dettelbach eine Bearbeitung, in der die Instrumentalstimmen sämtlich in die Orgelstimme reduziert wurden. Diese Kleinstfassung ist allerdings nicht ediert, ebenso nicht die von Haydn selbst verfertigte Erweiterung für den Salzburger Dom.
     
Informationen: //http://stephanscom.at    
     
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