Hofmobiliendepot zeigt Wiener Möbel der Zwischenkriegszeit   

erstellt am
13. 10. 09

Von 14. Oktober bis 14. Februar 2010 - "andere Moderne" und sozialer Wohnbau von 1914 bis 1941
Wien (rk) - Wie finden Wiener Möbel der Zwischenkriegszeit Eingang in ein kaiserliches Hofmobiliendepot? Die Antwort: Durch vorausschauende Planung des Museums. Dieses begann schon in den frühen 1980er Jahren, Möbel aus dieser Zeitperiode zu sammeln - als selbige noch zu erschwinglichen Preisen zu haben waren. Das Ergebnis erwartet interessierte Besucher von 18. Oktober bis 14. Februar 2010 unter dem Namen "Wohnen zwischen den Kriegen. Wiener Möbel 1914-1941" im Hofmobiliendepot (7., Andreasgasse 7). Gezeigt werden einerseits Beispiele bürgerlicher Wohnungseinrichtungen, andererseits ist auch das "Rote Wien" mit seinem sozialen Wohnbau Thema. Beides wird aus dem Kontext der Entstehungszeit und im Zusammenhang mit den jeweils beteiligten Architekten präsentiert.

Bürgerliches Wohnen zwischen den Kriegen
Bestimmendes Moment dieses Ausstellungsteils ist die "Andere Moderne", die sich in Wien in dieser Zeit entwickelte und sich - so Kuratorin Dr. Eva B. Ottillinger - deutlich von der internationalen Moderne abhob. Den klassischen Stahlrohr-Sessel von Ludwig Mies van der Rohe sucht man in den Arrangements vergeblich (auch wenn dieser als Beispiel der Moderne am Anfang der Ausstellung zu finden ist). Ebenso den Bauhaus-Stil, der dieses Jahr übrigens 90jähriges Jubiläum feiert. Vorrang hatten Bequemlichkeit und Individualität. Besonders ins Auge sticht die farbenfrohe Gestaltung, was man, bedingt durch die Schwarz-Weiß Dokumentationen dieser Zeit, nicht vermutet.

Gezeigt werden komplette Zimmer-Einrichtungen verschiedener Auftraggeber, wobei deren Persönlichkeiten und Schicksale ebenso wie die der Architekten , u.a. Ernst Plischke, Walter Loos, Josef Frank und Margarethe Schütte-Lihotzky, miteinbezogen werden. Viele waren nach dem "Anschluss" im März 1938 Enteignungen und Verfolgung ausgesetzt. Die Hälfte der ausgestellten Architekten musste emigrieren, zwei der neun vorgestellten Wohnungsbesitzern waren von "Arisierungen" betroffen. Darunter auch der damalige Finanzstadtrat Dr. Hugo Breitner, Urheber der Wohnbausteuer, durch die das Wohnbauprogramm des "Roten Wien" finanziert werden konnte.

Das "Rote Wien"
Neben ihren gutbürgerlichen Kunden widmeten sich Architekten nach dem ersten Weltkrieg auch der Ideenfindung für sozialen Wohnbau. Darunter Franz Schuster, Urheber der "eingerichteten Kleinstwohnung" und Margarethe Schütte-Lihotzky, von der Pläne zum sog. "Kernhaus Typ 7" zu sehen sind. Besonderheit der Innenraumgestaltung dieser kleinen Siedlungshäuser: Schlaf - und Wohnräume waren mit platzsparenden Einbauschränken ausgestattet. Überhaupt war die Möblierung der entstehenden Kleinwohnungen und Gemeindebauten ein wichtiger Aspekt: Zwar konnten Möbel aus der Zeit des Späthistorismus damals kostengünstig erworben werden, sie waren aber aufgrund ihrer ausladenden Größe nicht für Kleinwohnungen geeignet. Möbel für den sozialen Wohnbau sind leider nur als Fotografien zu sehen, reale Stücke werden nicht gezeigt. Eine ausführlichere Ausstellung über das "Rote Wien" zeigt ab 19. November das Wien Museum in einer Partnerausstellung: "Kampf um die Stadt - Politik, Kunst und Alltag um 1930".
     
Informationen: http://www.hofmobiliendepot.at    
     
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