Mailath-Pokorny überreicht hohe Ehrungen für Historiker Hodik und Steiner   

erstellt am
22 01. 10

Wien (rk) - Courage, Respekt und Toleranz: Als Historiker, die Anfang der 90er Jahre die Grundlagen vieler weiterer Restitutionsverhandlungen schufen bzw. beförderten, hätten sich beide Wissenschaftler, so Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny am 29.01. im Rathaus, "große Verdienste für Wien, aber auch für die Gesellschaft erworben." Hofrat Dr. Avshalom Hodik, langjähriger Generalsekretär der Israelitischen Kultusgemeinde, wurde für seine Verdienste mit der Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien in Silber, Hofrat Dr. Hubert Steiner vom Österreichischen Staatsarchiv mit dem Silbernen Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien in Anwesenheit vieler Festgäste, darunter auch der Generalsekretärin des NS-Opferfonds, Hannah Lessing, geehrt.

Hodik wie auch Steiner spielten Anfang der 90er Jahre, als die Aufarbeitung der Akten der ehemaligen NS- Vermögensverkehrsstelle von Steiner und seinem Team durchgeführt worden war (1993), eine wichtige Rolle für die Einleitung nachfolgender Restitutionsverfahren, wie auch dabei, die "lange Zeit übertünchter Brüche und Verwerfungen" (Pokorny) in Sachen Österreichs Stellung in der NS-Zeit offenzulegen. "Es war keine leichte Zeit, auch nicht für die eigene Familie", erinnerte sich Steiner in seiner Dankesrede, in der er auch mit einer Schweigeminute an die Befreiung des KZ Auschwitz durch die Rote Armee am 27. Jänner 1945 erinnerte. Nach der Waldheim-Affäre Mitte der 80er Jahre war es die Regierung Vranitzky - Pokorny arbeitete damals im Kabinett des Bundeskanzlers -, welche die "Opferrolle" Österreichs hinterfragte und mit der Rückgabe geraubten jüdischen Privatvermögens, etwa jener Güter, die in der Kartause Mauerbach aufbewahrt wurden, begann. Auch die Stadt Wien habe, so Pokorny weiter, in den darauf folgenden Jahren ihre historischen Bestände gesichtet: Von den rund 60.000 Objekten wurden bislang etwa 5.000 Objekte an Erben zurück gegeben. Einen Schlussstrich setzen wolle er nicht, so Pokorny, "die Forschung müsse weiter gehen." In Richtung Hodik hob der Stadtrat hervor, dass dieser maßgeblich an der Wiederbelegung eines lebendigen, selbstbewussten jüdischen Lebens in Wien mitgewirkt habe. Ähnlich äußerte sich auch Lorenz Mikoletzky, Leiter des Österreichischen Staatsarchives, der die Laudatio für Hodik hielt. "Vieles sei hinter dem Vorhang geschehen", erinnerte Mikoletzky, der auch an das reiche wissenschaftliche Schaffen des Geehrten erinnerte, "welches sicherlich noch weitergehen werde."

Für "jenen kleinen Mann mit Schnurrbart" - diese Beschreibung über Hubert Steiner stammt von Ari Rath, der durch eine Verletzung die Laudatio nicht halten konnte - übernahm der Regisseur Herbert Gantschacher die Laudatio. In engagierten Worten, die an das Fortleben von Antisemitismus in der Gegenwart erinnerten, betonte Gantschacher das große Engagement des Historikers im Staatsarchiv, der "sachlich und präzise" die Raubzüge an zehntausenden verfolgten jüdischen Mitbürgern aufgearbeitet, und das Ergebnis 1993 unter dem Titel "Recht als Unrecht" publiziert habe.

Avshalom Hodik
Geboren als Fritz Peter Hodik am 2. April 1944 in Wien, studierte Hodik an der Universität Wien Geschichte und Judaistik, unter anderem auch bei Kurt Schubert. Das Studium schloss er 1972 mit einer Dissertation über die Geschichte der Mattersburger Judengemeinde ab. Im Jahr 1982 wurde Hodik Generalsekretär der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG). Eine enge Freundschaft zu Simon Wiesenthal und sein Engagement für dessen "Bund jüdischer Verfolgter des Naziregimes" führten dazu, dass sich Hodik für den Nachlass Wiesenthals für die Forschung einsetzte bzw. für die Schaffung des "Wiener Wiesenthal Institut für Holocaust-Studien" eintrat. Im Frühjahr 2006 ging Hodik als Generalsekretär der Kultusgemeinde in Pension.

Hubert Steiner
Steiner wurde am 28. September 1957 in Klagenfurt geboren. In Graz studierte er Geschichte, Alte Geschichte und Altertumskunde. Das Studium beendete er mit einer Dissertation über Klagenfurt im Ersten Weltkrieg. Im Jahr 1987 trat Steiner in das Österreichische Staatsarchiv ein, wo er den Bestand "Finanzen" im Archiv der Republik betreut. Neben seiner Aufarbeitung der Akten der NS- Vermögensverkehrsstelle arbeitete Steiner in den Jahren 1998 bis 2003 auch bei der Österreichischen Historikerkommission mit. Steiner ist Träger der Friedrich-Torberg-Medaille der Israelitischen Kultusgemeinde (1999), wie auch des Goldenen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich (2002.
     
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