Schloss Esterházy und Eisenstadt als internationales Zentrum des Streichquartetts   

erstellt am
24  02. 10

Wien/Eisenstadt (esterhazy) - Kaum eine andere musikalische Gattung kann auf eine bis heute so ungebrochene Tradition verweisen wie das Streichquartett. Von Haydn initiiert, ent- und weiterentwickelt, gilt diese Musikgattung in ihrem unendlichen Facettenreichtum vielen Musikern und Musikfreunden als wohl intimste und intensivste musikalische Form.

Um der Bedeutung der Gattung Streichquartett, international gerecht zu werden, ist es unsere langfristige Zielsetzung, das Esterházy Streichquartett Festival zu einer Institution werden zu lassen.

Dieses spezifische Format, dem weltweit kaum ein Festival zur Gänze gewidmet ist, hat Potenzial, Zentrum der internationalen Streichquartettszene zu werden sowie zahlreichen jungen Hoffnungsträgern als Sprungbrett in das internationale Konzertleben zu dienen.

Welcher Ort für ein Streichquartett Festival wäre geeigneter als die langjährige Wirkungsstätte seines Erfinders Joseph Haydn. Im Haydnjahr erstmals sehr erfolgreich veranstaltet, wird das Esterházy Streichquartett Festival heuer und auch in den nächsten Jahren im Haydnsaal des Schlosses Esterházy seine Fortsetzung finden.

Die Erweiterung des erstklassigen musikalischen Angebots um Darbietungen anderer Kunstgattungen wie der Literatur und die Einbindung aktueller gesellschaftspolitischer Themen verleihen dem Festival eine einzigartige Ausstrahlung.

Der Fokus liegt jedes Jahr auf einem anderen Land des mittel- und osteuropäischen Raumes. Den Beginn im Jahr 2009 machte Ungarn, in Gedenken an das historische Jahr 1989, in dem der "Eiserne Vorhang" unweit von Eisenstadt an der ungarisch-österreichischen Grenze fiel.

Das Esterházy Streichquartett Festival 2010
Die künstlerische Leiterin, Alja Batthyány-Végh, stellt 2010 die Musik und Literatur der ehemaligen "Tschechoslowakei" - heute die Slowakei und die Tschechische Republik - in den Mittelpunkt des Festivals.

Besonders beeindruckend bei der Musik des späten 19. sowie des 20. und 21. Jahrhunderts bei vielen Komponisten dieser Länder ist deren besondere Verbindung zu ihrer Heimat. In zahlreichen Werken wird die Heimat, die heimatliche Landschaft, der Urgrund des Lebens, gewissermaßen komponiert und in Klang gefasst.

Heimat aber bedeutet auch ein prägendes, oft auch schmerzliches Erlebnis von Entferntsein -das Bestreben zu reisen, das quälende, aber auch beglückende "Unterwegs" in künstlerische Form zu bringen. Wir finden dies bei Antonín Dvorák und bei Bohuslav Martinu. Beide reisten in die Ferne, verließen ihre Heimat. Im übertragenen Sinne trifft das auch auf Leos Janácek zu, der sich mit politisch-gesellschaftlichen Problemen musikalisch beschäftigend gleichsam in Konflikt mit der Heimat zu Wort meldete.

Der Begriff "Heimat" ist in seiner Emotionalität eher ein Begriff der Romantik, den wir nicht unbedingt mit Joseph Haydn in Verbindung setzen können, obwohl auch Haydn - vor allem in seinen späten Jahren - ein Reisender war. Ein Künstler, ein Mensch des gewagten "Unterwegs", der Entfaltung in der Ferne, aber auch des Bewusstseins von tiefer Verwurzelung in den Regionen seiner Kindheit und seines langen schöpferischen, gleichwohl beruflich abhängigen Lebens.

In diesem Zusammenhang ist nicht nur ein rein geographischen Heimatbegriff herzustellen, sondern auch der metaphorische in Bezug zur Musik. So stellt unter anderem Gideon Klein einen starken Bezug in seiner Musik zur Mährischen Tradition her, aber auch zu Martinu und Janácek, welcher wie auch Gideon Klein seine Werke mit Mähren verbunden hatte. Auch in dieser mährischen Tradition komponierte Pavel Haas, der Schüler von Leos Janácek war.

Als Beispiel der Programmierung sei hervorgehoben, wie besonders Sinn bringend der Zusammenhang von Musik und Literatur in Janáceks Streichquartett Nr. 1 dargestellt wird, welches der Komponist in Anlehnung an Leo Tolstois Novelle "Kreutzersonate" komponierte. In dieser Novelle ist Ludwig van Beethovens "Kreutzersonate" ein wesentlicher Wendepunkt.

Pavel Kohout und Jirí Grusa - zwei große Literaten und beide aktive Protagonisten des Prager Frühlings 1968 - begleiten mit Prologen aus ihren Werken das zweite Esterházy Streichquartett Festival 2010.

Fünf international renommierte und international erfolgreiche Streichquartette - das Pavel Haas Quartett, das Mandelring Quartett, das Auryn Quartett, das Apollon Musagète Quartett und das Panocha Quartett - spielen Werke von Haydn, Dvorák, Smetana, Martinu, Janácek, Haas, Ullmann und Suk.

2. Esterházy Streichquartett Festival
18. bis 20. Juni 2010, Haydnsaal, Schloss Esterházy in EisenstadtInfos Esterházy Privatstiftung Esterházyplatz 5 7000 Eisenstadt
     
Informationen: http://www.esterhazy.at    
     
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