Asyl  

erstellt am
14  05. 10

 Fekter: Sinnvolles, praxisnahes und menschliches Asylsystem auf europäischer Ebene schaffen
Adäquate Unterstützung besonders belasteter Länder, aber kein Aussetzen der Dublin-Verordnung
Bratislava/Wien (bmi) - "Die Sitzung des Forum Salzburg war, unter anderem, einem für Österreich sehr wichtigem Thema, nämlich der zukünftigen Europäischen Asylpolitik, gewidmet", sagte Innenministerin Dr. Maria Fekter im Rahmen der Forum Salzburg Konferenz am 13. Mai 2010 in Bratislava.

Fekter: "Einige der Vorschläge, die die Europäische Kommission in diesem Zusammenhang zur Diskussion gestellt hat, sind in unseren Augen sehr problematisch. Zusammen mit meinen Kolleginnen und Kollegen habe ich daher gemeinsame Positionen besprochen, die wir nun in den Verhandlungen auf europäischer Ebene einbringen werden."

Schaffung eines gemeinsamen Europäischen Asylsystems unerlässlich
Bei den kritischen Passagen handelt es sich um einzelne geplante Änderungsvorschläge in der Verfahrens-, der Aufnahme- und der Status-Richtlinie sowie der Dublin-Verordnung. "Österreich hat sich immer für die Schaffung eines gemeinsamen Europäischen Asylsystems ausgesprochen. Es ist unerlässlich, dass sowohl Verfahren als auch Aufnahmebedingungen im Asylbereich europaweit angeglichen werden. Gleiche Fälle müssen gleich behandelt werden und zum selben Ergebnis führen - im Sinne der Schutzbedürftigen, die ein Recht auf ein rasches und faires Verfahren haben", betonte die Innenministerin. Eine europaweite Angleichung der Asylpraxis würde zudem Sekundärmigration und Asylmissbrauch verhindern und jene Länder, die aufgrund hoher Standards bei Verfahren, Aufnahme und Behandlung von Flüchtlingen besonders attraktiv scheinen, entlasten.

Neues Asylsystem muss sinnvoll, kosteneffizient und praxisnah sein
Gerade in diesem sensiblen Bereich sei die rasche und menschenwürdige Abwicklung der Asylverfahren wichtig. "Österreich ist aufgrund seiner geopolitischen Lage mit sehr hohen Asylantragszahlen konfrontiert. 2009 lagen wir mit 15.830 Anträgen im europäischen Pro-Kopf-Vergleich an vierter Stelle, hinter Malta, Zypern und Schweden. Aus unserer mittlerweile jahrzehntelangen Erfahrung im Asylbereich ist uns bewusst, wie wichtig es ist, möglichst rasch und unbürokratisch jenen Menschen Schutz zu gewähren, die ihn tatsächlich benötigen. Parallel dazu muss allerdings dem Missbrauch durch entsprechende Standards bei Verfahren ein Riegel vorgeschoben werden", so Fekter weiter.
Zahlreiche, von der Europäischen Kommission vorgeschlagenen Änderungen, insbesondere der Verfahrens- und der Aufnahme-Richtlinie sowie der Dublin-Verordnung, würden jedoch sogar zu einem erhöhten Verwaltungsaufwand, zu Verfahrensverzögerungen, zu erheblichen finanziellen Mehrbelastungen in den Mitgliedstaaten und zu Missbrauchsanreizen führen.

Adäquate Unterstützung besonders belasteter Länder, aber kein Aussetzen der Dublin-Verordnung
Sehr kritisch äußerte sich Ministerin Fekter im Forum Salzburg auch zu den vorgeschlagenen Maßnahmen für besonders belastete Länder. Zu diesen zählen insbesondere die Mittelmeerstaaten, wie etwa Griechenland, Malta oder Italien, die mit dem schwierigen und tragischen Problem ungebremster Flüchtlingsströme konfrontiert sind. Für diese hat die Kommission die Möglichkeit einer Aussetzung der Dublin-Verordnung vorgeschlagen.

Für Innenministerin Fekter nimmt dieser Ansatz jedoch von vornherein jedes Druckmittel, um höhere Asylstandards in diesen Ländern zu erreichen. "Die Europäische Kommission hat es in den vergangenen Jahren verabsäumt, diese Länder bei der Erreichung adäquater Standards für Asylverfahren und Aufnahmebedingungen zu unterstützen. Nun gilt es, klare Kontrollen einzuführen und entsprechend Druck zu machen – im Sinne der Schutzbedürftigen. Außerdem haben wir mit der Dublin-Verordnung ein erfolgreiches Instrument zur Bekämpfung von Asylshopping geschaffen. Dieses System auszuhöhlen würde neben Missbrauch eine weitere Ungleichverteilung der Belastung unter den Mitgliedsländern bedeuten", so Fekter. "Österreich ist jedoch selbstverständlich bereit, den besonders belasteten Ländern konkret zu helfen. So hat beispielsweise das österreichische Bundesasylamt Griechenland angeboten, beim Aufbau einer Asylbehörde in den Bereichen Qualitätssicherung und Aus- und Fortbildung zu unterstützen".

EU-interner "Lastenverteilungsmechanismus" für Asylwerber wird abgelehnt
Nicht minder kritisch zeigten sich die Forum Salzburg Mitgliedstaaten Österreich, Bulgarien, Polen, Rumänien, Slowenien, Slowakei, Tschechien und Ungarn auch bei dem, von der Europäischen Kommission immer wieder angedachten, Solidaritätsmechanismus. So könnte die Europäische Kommission vorschlagen Asylwerber durch einen Lastenteilungsmechanismus künftig innerhalb der EU quasi "gleichmäßig zu verteilen". "Was theoretisch betrachtet nach einer Entlastung für Mitgliedstaaten mit hohen Asylanträgen klingt, würde in der Praxis einen enormen Pull-Faktor kreieren", so die Innenministerin. Die belasteten Mitgliedsstaaten würden versuchen, Asylwerber oder Asylberechtigte so schnell wie möglich in der restlichen Europäischen Union zu verteilen. Die Qualität der Verfahren würde leiden, parallel dazu würden aber immer mehr Menschen versuchen, in die Union zu kommen.

"In Anbetracht der zu erwartenden Probleme spreche mich daher entschieden gegen Vorschläge aus, die zu einer schlechteren Situation für Antragssteller, aber auch für die prüfenden Behörden führen. Nun gilt es, gemeinsam auf europäischer Ebene zu handeln. Denn diese Probleme betreffen ja nicht nur Österreich, sondern letztendlich alle EU-Mitgliedstaaten", so Innenministerin Dr. Maria Fekter.

 

Mölzer: Asylpläne der EU-Kommission sind Einlandung zum Asylmißbrauch
Asylrecht muß EU-weit verschärft werden - EU-Grenzschutzagentur Frontex ist zu stärken, für abgelehnte Asylanten ist konsequente Rückführungsstrategie auszuarbeiten
Wien (fpd) - Es sei erfreulich, daß Innenministerin Maria Fekter, so wie beim Treffen osteuropäischer EU-Innenminister in Preßburg, Verbündete gegen die Asylpläne der EU-Kommission sucht, meinte der freiheitliche Delegationsleiter im Europäischen Parlament, Andreas Mölzer. "Was Brüssel plant, ist nichts anderes als eine Einladung zum Asylmißbrauch. Eine Aufweichung der Dublin-Verordnung, wonach jener Staat für das Verfahren zuständig ist, in dem der Flüchtling erstmals registriert wurde, würde die Asylantenzahlen in Österreich in die Höhe schnellen lassen. Und eine Anhebung der Grundversorgung auf nationalstaatliches Sozialhilfeniveau wäre nichts anderes als eine unzumutbare Belastung für die Steuerzahler", betonte Mölzer.

Allerdings sei es zuwenig, so der freiheitliche EU-Mandatar, bloß die Pläne der EU-Kommission abzulehnen. "Vielmehr muß es darum gehen, das Asylwesen EU-weit deutlich zu verschärfen. Denn das Asylwesen ist längst zu einem Vehikel für die Massenzuwanderung geworden, weil es sich bei den meisten Asylanten nicht um politisch Verfolgte, sondern um Wirtschaftsflüchtlinge handelt. Und diesem Mißstand muß endlich ein Riegel vorgeschoben werden", erklärte Mölzer.

Damit die Europäische Union nicht zu einem Eldorado für Wirtschaftsflüchtlinge werde, bedürfe es einer ganzen Reihe von Maßnahmen, so der freiheitliche Europa-Abgeordnete. "Die EU-Grenzschutzagentur Frontex muß gestärkt werden, damit sie in die Lage versetzt wird, die EU-Außengrenzen effektiv zu schützen. Zudem braucht es eine konsequente Rückführungsstrategie für Asylwerber, deren Anträge abgelehnt wurden. Und schließlich sind die Herkunftsländer der unter dem Deckmantel des Asyls in die EU gekommen illegalen Zuwanderer in die Pflicht zu nehmen, was durch eine Kürzung oder Streichung der Entwicklungshilfe zu geschehen hat, wenn sie sich weigern, ihre eigenen Staatsbürger zurückzunehmen", schloß Mölzer.
     

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