Salzburger Festspiele blicken in die Zukunft   

erstellt am
19  05. 10

Landeshauptfrau Burgstaller und Festspielpräsidentin Rabl-Stadler über Finanzvorschau und Audit-Prüfergebnisse
Salzburg (lk) - Nach der Sitzung des Festspielkuratoriums am Nachmittag des 18.05. berichteten im anschließenden Informationsgespräch Landeshauptfrau Mag. Gabi Burgstaller und Festspielpräsidentin Dr. Helga Rabl-Stadler über die Ergebnisse der Kuratoriumssitzung. Im Mittelpunkt standen die Finanzvorschau und die Konsequenzen aus dem Prüfbericht der Audit Services Austria über Bestellwesen und Auftragsvergabe durch die technische Direktion der Festspiele ab 1. Oktober 2001.

Vor allem folgende Ergebnisse wurden im Bericht von Audit Services Austria aufgezeigt:

  1. Die Auswertungen haben ergeben, dass der Anbieterkreis Unternehmen beinhaltet hat, zu denen der vormalige Technische Direktor Ing. Klaus Kretschmer ein Naheverhältnis hatte beziehungsweise die anbietenden Unternehmen sich untereinander gut kannten und in einem konkreten Fall eine gemeinsame Firmenbeteiligung aufwiesen.
  2. Unterlagen betreffend Bestellwesen in der Technischen Direktion sind teilweise nicht mehr vorhanden, da diese auf Anordnung des ehemaligen Technischen Direktors – ohne Information und Zustimmung des ihm übergeordneten kaufmännischen Direktors – vernichtet wurden.


Die Konsequenzen aus dem Prüfbericht wurden, was die Salzburger Festspiele betrifft, bereits gezogen:

  1. Neue Richtlinien für die interne Revision wurden veranlasst.
  2. Die Geschäftsanweisung wurde in den aufgezeigten Punkten präzisiert. Es muss aber immer festgehalten werden, dass gegen verbrecherische Energie jedes noch so gute Kontrollsystem machtlos ist.
  3. Alle weiteren Konsequenzen aus dem Fall Kretschmer muss das Strafgericht ziehen, wo bereits seit 1. Februar dieses Jahres die Sachverhaltsdarstellung, die die Salzburger Festspiele selber eingebracht haben, liegt.


In der vergangenen Sonderkuratoriums-Sitzung am 23. Februar 2010 wurde beschlossen, dass die internen Prüfungen durch Audit Services Austria auf die Zeit bis 2001 ausgeweitet werden. Der Auftrag an Audit lautete: "Das Direktorium des Salzburger Festspielfonds als Rechtsträger der Salzburger Festspiele hat Audit Services Austria schriftlich beauftragt, die für den Zeitraum 1. Oktober 2006 bis laufend durchgeführte Sonderprüfung auf den Zeitraum ab 1. Oktober 2001 bis 30. September 2006 auszudehnen." Der Auftrag beinhaltete eine vertiefende Prüfung des Bestellwesens und der Auftragsvergabe durch die technische Direktion ab 1. Oktober 2001 unter Berücksichtigung der Erkenntnisse aus der Sonderprüfung für den Zeitraum ab 1. Oktober 2006.

Spiel- und Haushaltsplan 2011
Der in die Zukunft gerichtete zweite Teil der heutigen Kuratoriumssitzung befasste sich mit dem Spiel- und Haushaltsplan der Salzburger Festspiele 2011. Dieser wurde erstmals von dem für 2011 eingesetzten Zweier-Direktorium, Markus Hinterhäuser als Intendant und Dr. Helga Rabl-Stadler als Präsidentin mit neuen kaufmännischen Kompetenzen, vorgelegt und vom Kuratorium beschlossen.

Ein wichtiger Punkt auf der Tagesordnung waren auch die Sonderinvestitionen in den Jahren 2011 bis 2013: In dem 2007 erstellten Gutachten über die notwendigen Investitionen bei den Salzburger Festspielen wurde ein Investitionsbedarf in Höhe von 17,135.000 Euro festgestellt. Das Kuratorium genehmigte in seiner Sitzung vom 2. Oktober 2007 eine erste Tranche in Höhe von 7,2 Millionen Euro (finanzielle Zusagen 6,480.000 Euro), die sich auf die Jahre 2008 bis 2010 verteilen. Mit dieser Tranche können drei Großprojekte realisiert werden: der Komplettaustausch des Daches der Felsenreitschule (ohne Zusatzstockwerk); die Sanierung der Hydraulikanlage des Großen Festspielhauses (Erneuerung der Pumpen, des Steuerpultes und der Linearzüge) und die elektronische Neuinstallation in der Felsenreitschule.

Investition in die Sicherheit
Eine Fortführung dieses Programms in den Folgejahren ab 2011 ist unerlässlich, da es sich um notwendige Investitionen in die Sicherheit der Häuser handelt: Beispielsweise ist eine weitere Dachreparatur nötig: Die Dächer des Großen Hauses und des Karl-Böhm-Saales sowie des Flachdachs eines Bühnenturms sind stark korrodiert und müssen sukzessive erneuert werden. Die veranschlagten Gesamtkosten belaufen sich auf 390.000 Euro. Weiters entspricht die Sicherheitsbeleuchtung nicht mehr dem aktuellsten Stand. Eine Angleichung an das Haus für Mozart und eine Erweiterung auf 1.800 Beleuchtungskörper (derzeit sind es 590) ist notwendig. Die Gesamtkosten werden mit 670.000 Euro veranschlagt.

Das Sicherheits- und Alarmsystem ist noch auf dem Stand der 1960er Jahre. Die Erreichbarkeit einiger Bereiche mit Alarmierungsdurchsagen ist nicht sichergestellt. Ein durchgängiges Lautsprecheralarmierungssystem existiert nicht. Eine Angleichung an das System des Hauses für Mozart ist wichtig. In einer zweiten Phase müssen auch die Brandmelder in allen Räumlichkeiten ergänzt werden. Hier werden die veranschlagten Gesamtkosten mit 780.000 Euro beziffert.

Das Direktorium wies darauf hin, dass die Festspiele in Salzburg im Gegensatz zu anderen Kulturinstitutionen Österreichs laufend aus eigenen Einnahmen Investitionen finanzieren, wie zum Beispiel derzeit die Klimaanlage im großen Festspielhaus, die 1,1 Millionen Euro kostet. Trotz allen Verständnisses für die schwierige wirtschaftliche Lage ist die Unterstützung der öffentlichen Hand unerlässlich, da es um die Sicherheit und die Gewährleistung des technischen Standards der weltweit größten Festspiele geht. 

     
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