Ärztekammer vs. SVA  

erstellt am
28  05. 10

Wawrowsky: Neues Verhandlungsangebot an SVA
Moderne, patientenorientierte Versorgung anstreben - Leistungsbegrenzungen für Patienten werden abgelehnt
Wien (öak) - Der Bundeschef der niedergelassenen Ärzte und Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Günther Wawrowsky, lehnt das von Gewerbeversicherungs(SVA)-Obmann Christoph Leitl über Pressemeldung übermittelte Angebot zu einer Vertragsverlängerung ab.

Der ÖÄK-Vizepräsident unterbreitete indes Mittwoch ein entsprechendes Gegenangebot. Dabei solle von der bereits im Herbst zwischen SVA und Ärztekammer gefundenen und anschließend vom SVA-Vorstand verworfenen Lösung ausgegangen werden. Diese sehe strukturelle Bereinigungen und Umschichtungen von der technischen Labormedizin hin zu Zuwendungsmedizin vor. Gleichzeitig sichere sie auch den Zugang zu Gruppenpraxen, der gerade für selbständige Patientinnen und Patienten einen großen Komfortgewinn bedeute. Wawrowsky: "Dieser Vorschlag entspricht im übrigen genau dem Angebot, mit dem die Gewerbeversicherung jetzt an die einzelnen Ärztinnen und Ärzte herantritt."

Wawrowsky betonte im Weiteren, dass er für diesbezügliche Gespräche und Verhandlungen "selbstverständlich" zur Verfügung stehe. Auch nach Beginn einer vertragsfreien Zeit werde man die Türen nicht zuwerfen und mit den Vertretern der gewerblichen Sozialversicherung über eventuelle neue Formen der Zusammenarbeit sprechen. Prinzipiell abgelehnt würden allerdings Vorstellungen, die zu einer starken Zugangsbeschränkung und Leistungseinschränkung für Patientinnen und Patienten führten. Solche Modelle hätten zum Beispiel in Deutschland zur "Entarztung ganzer Landstriche und zu einer krassen medizinischen Unterversorgung" geführt, so der ÖÄK-Vizepräsident.

In einer vertragsfreien Zeit würde sich die Qualität der Patientenbehandlung keinesfalls ändern. Wawrowsky: "Die Patientinnen und Patienten erhalten ärztliche Hilfe wie bisher, lediglich die Verrechnungsmethode ändert sich." Zudem werde man in dieser "neuen und ungewohnten Situation" SVA-Patienten dabei helfen, dass ihre Auslagen für ärztliche Leistungen ordnungsgemäß von der Gewerbeversicherung refundiert würden.

 

Gleitsmann: Ärztekammer schlägt die ausgestreckte Hand zurück
SVA-Angebot würde Patt-Situation auflösen - SVA dafür, das neue Modell der SVA weiterzuverhandeln
Wien (sva) - SVA-Obmann-Stellvertreter Dr. Martin Gleitsmann bedauert die Haltung der Ärztekammer zum heutigen Angebot der SVA: "Vizepräsident Wawrowsky schlägt die ausgestreckte Hand zurück. Das ist bedauerlich, schade und eine vergebene Chance, die Patt-Situation aufzulösen." Das neue Modell der SVA ist innovativ, kreativ und zukunftsorientiert.

Die SVA spricht sich klar dafür aus, das Zukunfts-Modell der SVA, das von Kreisen der Ärzteschaft unterstützt wird, weiter zu verhandeln. "Die SVA hat das Angebot für einen Burgfrieden ausgesprochen. Wir nehmen mit Bedauern zur Kenntnis, dass die Ärztekammer dies ablehnt und stattdessen auf Aggression setzt - all das passiert zuletzt auf dem Rücken der Versicherten", so Gleitsmann.Der SVA-Obmann weist ausdrücklich darauf hin, "dass vor allem mit der 20-prozentigen Erhöhung der Tarife die SVA-Versicherten getroffen werden. 60 Prozent der SVA-Versicherten verdienen unter 1.000 Euro. Für diese Gruppe ist die empfindliche Erhöhung eine besondere finanzielle Belastung. Eine solche Behandlung haben sich die SVA-Versicherten ganz sicher nicht verdient."

Abschließend richtet Gleitsmann den Appell an die Ärztekammer, "sich mit dem Angebot der SVA auseinanderzusetzen und die Chance zu nutzen, einen vertragslosen Zustand - und damit eine Belastung der Patienten - zu vermeiden."

Die Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft (SVA) ist der Sozialversicherungsträger für Österreichs Unternehmerinnen und Unternehmer. In ihrer Zuständigkeit für die gesetzliche Krankenversicherung der Selbständigen betreut die SVA rund 700.000 Anspruchsberechtigte (davon 340.000 Aktive, 130.000 Pensionisten und 230.000 Angehörige), in ihrer Zuständigkeit für die gesetzliche Pensionsversicherung 360.000 Anspruchsberechtigte (300.000 Gewerbetreibende und 60.000 Freiberufler).

Als modernes Dienstleistungsunternehmen setzt die SVA auf Kundennähe, effiziente, schlanke Verwaltung und Aktionen wie "Fit zu mehr Erfolg" und den einzigartigen "SVA-Gesundheitshunderter", welche den Versicherten Motivation zur aktiven Prävention geben.

 

Oberhauser: Patientenvorrang vor Machtgeplänkel
Zurück an den Verhandlungstisch
Wien (sk) - Ein Einlenken der Vertreter der Ärztekammer sowie der Sozialversicherung der gewerblichen Wirtschaft in ihrem Honorarstreit forderte SPÖ-Gesundheitssprecherin Sabine Oberhauser am 27.05. gegenüber dem SPÖ-Pressedienst: "Anstelle sich über die Medien Vorschläge und Gegenvorschläge auszurichten, sollten die Verhandlungsparteien lieber wieder an den Verhandlungstisch zurückkehren. Übrig bleibt bei diesem Machtgeplänkel der Patient. Bei den betroffenen Versicherten handelt es sich nicht nur um "reiche Großunternehmer", sondern in erster Linie um klein- und mittelständische Unternehmer, aber auch um Werkvertragsnehmer und Neue Selbständige oder Ein-Personen-Unternehmer. Die wenigsten können es sich leisten, bei einem Arztbesuch 100 oder mehr Euro vorauszuzahlen und dann wochenlang auf eine ungewisse Kostenrückerstattung warten zu müssen, kritisierte Oberhauser.

SVA und Ärztekammer sollen zum Wohle der Versicherten Vernunft walten lassen und auf das Austragen alter Differenzen verzichten. "Gerade in für alle wirtschaftlich schwierigen Zeiten muss eine weitere Verunsicherung der Patientinnen Patienten vermieden werden", schloss Oberhauser.

 

Grosz: Vertragsloser Zustand ist sozialpolitischer Wahnsinn!
Gerade Gewerbepensionisten sind Ausgleichszulagenbezieher und Bezieher einer Mindestpension
Wien (bzö) - Der vertragslose Zustand zwischen der Sozialversicherung der gewerblichen Wirtschaft und der Ärztekammer kann seitens der Politik nicht einfach hingenommen werden. Diese am 1. Juni drohende Situation ist ein sozialpolitischer Wahnsinn der Sonderklasse, kritisiert der stellvertretende BZÖ-Chef und Rechnungshofsprecher Abg. Gerald Grosz die Sozialversicherungsanstalt massiv.

Einmal mehr sei es die Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft, die Probleme mache, so Grosz und verweist auf einen Bericht des Bundesrechnungshofes, der die Pflegegeldeinstufungen dieser Anstalt bereits massiv kritisiert hatte. "Wer so viel Butter am Kopf hat, sollte nicht ein weiteres Mal einen sozialpolitischen Skandal provozieren. Ein großer Teil von Pflegegeldantragstellern hat die Einstufung der SVA nicht mehr erlebt, weil die Bescheidausstellung bewusst verzögert wurde. Der neuerliche Skandal um den vertragslosen Zustand beweist nur den menschenverachtenden Zynismus der ausrangierten Politgünstlinge aus der Wirtschaftskammer wie Gleitsmann, seinem Vorgänger Kopf und Co", so Grosz in Richtung ÖVP.

Die Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft sei ein geschützter Bereich der ÖVP und ein einzigartiger sozialpolitischer "Saustall". "Gerade Gewerbepensionistinnen und Pensionisten sind in den häufigsten Fällen Ausgleichszulagenbezieher und Bezieher einer Mindestpension. Diese Vorgangsweise ist daher zutiefst verantwortungslos und entspricht einem tatsächlichen Sozialabbau", so Grosz.

Er verlange vom Sozialminister als Aufsichtsorgan ein Ultimatum gegenüber der SVA. "Wenn die SVA den vertragslosen Zustand ab 1. Juni durchzieht, sind die Organe der SVA im Rahmen der Aufsichtspflicht des Sozialministeriums abzulösen. Solange es die Herren Gleitsmann und Co nicht an ihren eigenen Funktionsgebühren spüren, werden sie auch nicht tätig werden", so Grosz abschließend.

 

 Lichtenecker plädiert für eine `Krankenversicherung für alle
Streit aufgrund uneinheitlicher Leistungsfinanzierung führt ab 1. Juni zu vertragslosem Zustand
Wien (grüne) - "Eine Krankenversicherung für alle mit neun Zweigstellen", schlägt die Wirtschaftssprecherin der Grünen, Ruperta Lichtenecker, in Reaktion auf das erneute Scheitern der Gespräche zwischen Ärztekammer und Sozialversicherung vor. "Die Zersplitterung des Krankenversicherungssystems fördert nur Ungerechtigkeiten und führt zu Verwirrung und Unsicherheit bei den Versicherten", erklärt Lichtenecker und meint: "Es kann nicht sein, dass der wiederkehrende Tarif-Streit weiter auf dem Rücken der 460.000 UnternehmerInnen und ihren Familien ausgetragen wird, die ihre Arztrechnungen ab 1. Juni vorfinanzieren müssen. Das ist untragbar", kritisiert Lichtenecker. Die von der SVA eingerichtete Hotline, an die sich Versicherte bei Fragen wenden können, sei nur ein schwacher Trost.

"Nachdem die Verantwortlichen ihre Differenzen offenbar weiterhin über die soziale Absicherung Hunderttausender Menschen stellen, muss Gesundheitsminister Stöger endlich durchgreifen. Er soll einen Krisengipfel einberufen, bei dem umgehend eine tragbare Lösung für die Versicherten der Gewerblichen Sozialversicherung gefunden wird", fordert Lichtenecker.

 

 Leitl macht Ärztekammer Angebot für Burgfrieden
Chance für neuen Weg: Eckpunkte bis September 2010 - Umsetzung bis spätestens März 2011 - Leitl: "Die Hand ist ausgestreckt"
Wien (pwk) - Die Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft (SVA) macht der Ärztekammer im aktuellen Konflikt ein Angebot zum Burgfrieden. Im Schnitt liegen die SVA-Tarife 50 Prozent über jenen der GKKs. "Ein guter Vertrag für die Ärzte. Im Sinne einer neuen Partnerschaft werden wir diese Mehrzahlungen nicht in Frage stellen und könnten den Vertrag bis Jahresende verlängern. Die Hand ist ausgestreckt, Reden bringt die Leute zusammen", so SVA-Obmann Dr. Christoph Leitl im Rahmen einer Pressekonferenz. In schwierigen Zeiten würden oftmals die wahren Innovationen passieren.
Der SVA-Vorschlag rückt vor allem die Prävention in den Vordergrund: "Wir wollen vorbeugen, die Qualität sichern und nicht nur in der Krankheit versorgen. Eine aktive Gesundheitspolitik ist besser als nur die Heilung von Kranken - gesund bleiben statt gesund werden", so Leitl. Das neue Modell der SVA basiert auf einem innovativen Versorgungsmodell mit Anreizen für eine integrative Versorgung - mit einem starken Zusammenhang zwischen Behandlungsqualität und Entlohnung sowie einer Förderung der Zuwendungsmedizin. "Das könnte Modellcharakter für andere Kassen haben", so Leitl.

Durch das neue Modell der SVA entsteht eine dreifache Win-Situation:

  1. Versicherte haben geringere Kosten durch niedrigere Kostenanteile.
  2. Ärzte erhalten einen Bonus, wenn sie Unternehmer gesund erhalten oder chronisch Kranke am Behandlungspfad halten.
  3. Die SVA reduziert insgesamt den Aufwand in der Krankenversicherung.

Die Eckpunkte des neuen SVA-Modells sollen bis Ende September definiert sein, die Umsetzung soll bis Ende des Jahres bzw. spätestens März 2011 erfolgen.

Es gehe um eine neue Form des Miteinander - und es müsse in die Honorierung mit einbezogen werden, was für die Gesundheitserhaltung getan wird und nicht nur für die Beseitigung von Krankheit. Bei Ärztekammer-Präsident Dorner habe man dafür "Verständnis gefunden". Leitl weiter: "Auch Ärztekammer-Vizepräsident Wawrowsky wird froh sein, wenn niedergelassene Ärzte aufgewertet werden. Diese sind es schließlich, die ein besonderes Vertrauensverhältnis zu den Patienten haben."

Leitl verwies auf den Vorteil, den auch der Staat bei der Entlastung von Krankenhäusern und Ambulanzen habe: "In Österreich haben wir ein Mega-Problem auf Grund der demographischen Entwicklung hinsichtlich der Pflege. Der Aufwand wird umso höher, je weniger die laufende Betreuung vorhanden ist", so Leitl, der betonte, "dass Gesundheitsminister Stöger den neuen Vorschlägen - im Sinne der Ärzte, der Patienten und der Gesundheitspolitik - zugestimmt hat."SVA-Obmann-Stellvertreter Dr. Martin Gleitsmann unterstrich die Aussagen des Rechnungshof-Berichtes, in dem die großen Diskrepanzen bei den Tarifen kritisiert wurden: "Auch der Rechnungshof kam zum Schluss, dass die unterschiedlichen Tarife für gleiche Leistungen nicht argumentierbar sind. Natürlich geht das nicht von heute auf morgen, aber in der Tendenz muss man was tun. Jetzt besteht eine große Chance, in etwas Neues, das qualitäts- und patientenorientiert ist, hineinzugehen."

Abschließend sprach Gleitsmann die Hoffnung aus, dass auf diesen konstruktiven Weg nun eingegangen wird und appellierte an die Ärzte: "In dieser Situation muss darauf geachtet werden, dass die Versicherten auch weiterhin die medizinische Versorgung bekommen - wir haben dafür gesorgt, die Verrechnung mit der e-card bietet sich weiterhin an, über die kann unbürokratisch abgerechnet werden."

Die Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft (SVA) ist der Sozialversicherungsträger für Österreichs Unternehmerinnen und Unternehmer. In ihrer Zuständigkeit für die gesetzliche Krankenversicherung der Selbständigen betreut die SVA rund 700.000 Anspruchsberechtigte (davon 340.000 Aktive, 130.000 Pensionisten und 230.000 Angehörige), in ihrer Zuständigkeit für die gesetzliche Pensionsversicherung 360.000 Anspruchsberechtigte (300.000 Gewerbetreibende und 60.000 Freiberufler).

Als modernes Dienstleistungsunternehmen setzt die SVA auf Kundennähe, effiziente, schlanke Verwaltung und Aktionen wie "Fit zu mehr Erfolg" und den einzigartigen "SVA-Gesundheitshunderter", welche den Versicherten Motivation zur aktiven Prävention geben.

     

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