Frauengesundheit wissenschaftlich beleuchtet   

erstellt am
13. 09. 10

Landesrat Dr. Rezar sieht darin wichtige Grundlage für künftige Strategien
Eisenstadt (blms) - Die Gesundheitsmanagerin Nadine Peischl, MA, hat sich im Rahmen ihrer Masterarbeit an der Fachhochschule Krems mit dem Thema „Frauengesundheit und Gesundheitsförderung für Frauen im Südburgenland“ befasst. Auf der Basis von 12 Interviews mit Frauen zwischen dem 20. und 80. Lebensjahr haben sich dabei insgesamt vier „Frauen-Gesundheitstypen“ mit einem traditionellen, alternativen, lebensbejahenden bzw. fürsorglichen Gesundheitsverhalten herauskristallisiert.

Die Traditionelle legt Wert auf ihre Gesundheit, nimmt zumindest teilweise Vorsorgeuntersuchungen in Anspruch, treibt Sport und ernährt sich gesund. Die Alternative richtet sich nicht nach der Meinung der Mehrheit, sondern weiß, was sie will und vertraut auch auf unkonventionellere Behandlungsmethoden. Die Lebensbejahende ist lebenslustig und liebt Spaß und Action. Gesundheit hat wenig Platz in ihrem Leben, da es bereits mit Freizeitaktivitäten ausgefüllt ist. Die Fürsorgliche steckt zugunsten ihrer Familie zurück. Erst nachdem sie alle übrigen Familienmitglieder versorgt weiß, denkt sie an sich selbst – diese Eigenschaft kommt auch bei der Gesundheit zum Vorschein.

„Ich bin sehr froh darüber, dass das Thema Frauenggesundheit zum Thema einer wissenschaftlichen Arbeit geworden ist. Ich weiß, dass wir im Burgenland zwar sehr gute Ansätze einer frauenspezifischen Gesundheitsförderung, es gibt aber durchaus Verbesserungspotential“, erklärte dazu Landesrat Dr. Peter Rezar, der sich dazu bekennt, dass Frauen von der Medizin spezifisch behandelt werden müssen: „Frauen begeben sich öfter als Männer in medizinische Behandlung. Sie nehmen 10 Prozent mehr ambulante medizinische Leistungen in Anspruch und wenden sich häufiger an FachärztInnen als Männer. Eine Untersuchung hat ergeben, dass das allerdings nicht nur mit ihrem höheren Gesundheitsbewusstsein zu tun hat, sondern auch mit der Tatsache, dass sie doppelt so oft zum Arzt gehen müssen wie Männer, damit ihre Symptome ernst genommen werden.“

Im Allgemeinen sind die Burgenländerinnen nicht gesünder oder kranker als
andere Frauen in Österreich. Es gibt Bereiche, in denen Burgenländerinnen einen
besseren Gesundheitszustand aufweisen. Dies ist beispielsweise bei Impfungen der Fall. Die Durchimpfungsraten bei FSME und Tetanus liegen weit über dem österreichischen Durchschnitt. Es gibt aber auch Punkte, bei denen die Burgenländerinnen unter dem österreichischen Durchschnitt liegen. So treiben beispielsweise Burgenländerinnen weniger und unregelmäßiger Sport als Frauen, die in anderen Bundesländern zuhause sind. Im Bereich der Krebserkrankungen entspricht beispielsweise die Brustkrebsinzidenz dem österreichischen Durchschnitt, die Lungenkrebsinzidenz liegt deutlich unter dem Durchschnitt, die Darmkrebsinzidenz darüber.

Dazu Nadine Peischl abschließend: „Ich erachte es deshalb als wichtig, dass für die verschiedenen Frauentypen Angebote geschaffen und mittels Info-Kampagne beworben werden, damit möglichst viele Frauen davon Kenntnis erlangen. Dies könnte anhand der in dieser Masterarbeit vorgenommenen Typisierung erfolgen, denn die ‚Die Traditionelle’ braucht beispielsweise einen anderen Zugang zu den Angeboten, als ‚Die Fürsorgliche’. Nur durch eine zielgruppenspezifische Vorgehensweise kann eine große Gruppe von Frauen von den Angeboten profitieren.“
     
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