Österreichs Fruchtverarbeiter leiden unter massiven Versorgungsengpässen   

erstellt am
10. 09. 10

Ungünstige Witterungsverhältnisse haben 2010 zu Mengen- und Qualitätseinbußen bei Früchten und damit zu spürbaren Preissteigerungen geführt
Wien (pwk) - Wetterkapriolen haben 2010 europaweit Obstanbietern gravierend zugesetzt. Die Hersteller von Marmeladen, Konfitüren, Fruchtzubereitungen, Fruchtsaftkonzentraten und Fruchtsäften sehen sich mit deutlichen Preissteigerungen bei vielen Früchten konfrontiert. Der verspätete Erntebeginn und die stark reduzierten Erntemengen haben primär zu einem höheren Nachfragedruck auf den Frischmärkten geführt, was die für die Obstveredelungs- sowie Fruchtsaftindustrie notwendigen Fruchtmengen zusätzlich eingeschränkt hat.

Das geringe Angebot sowie verstärkte Nachfrage führten zu empfindlich steigenden Preisen bei den begehrtesten Früchten der Österreicherinnen und Österreicher: Erdbeeren, Kirschen, Weichseln, Marillen, Himbeeren, Heidelbeeren, Ribisel, Holunder und Preiselbeeren. Ernteausfälle, verbunden mit deutlichen Preisanstiegen, werden aktuell auch bei den Zwetschken befürchtet. Besonders dramatisch ist die Situation beim Honig: Bei Akazienhonig gibt es Ernteausfälle von 80 Prozent. Beim Blütenhonig haben die Preise infolge der weltweiten Verknappung bereits historische Höchststände erreicht.

Die wichtigsten europäischen Anbaugebiete in Polen, Ungarn, Serbien sowie Deutschland und Österreich melden Ernteausfälle bis zu 60 Prozent. Die Preise sind bei allen Früchten bereits deutlich gestiegen und haben sich z.B. bei Erdbeeren, Weichseln und Holunder verdoppelt. Dem gegenüber steht eine global wiedererstarkte Nachfrage nach Tiefkühlfrüchten, Fruchtzubereitungen und Fruchtsaftkonzentraten, die auch künftig Auswirkungen auf die weltweite Beschaffung von Früchten haben wird. Mengenmäßig kleinste Apfel- und Birnenernte EU-weit erwartet In der EU steht zusätzlich eine der mengenmäßig geringsten Apfel- und Birnenernten der vergangenen zehn Jahre bevor. Mit deutlichen Preissteigerungen sowohl im Frischobst- als auch im Fruchtsaftbereich ist ebenfalls zu rechnen, weil die Lagermengen der erntemäßig sehr guten Vorjahre durch die gestiegenen Absätze in den letzten Monaten bereits weitestgehend abgebaut wurden.

Zusätzliche Sorgen bereitet den österreichischen Fruchtverarbeitern der Trend, dass der Obstanbau in vielen europäischen Anbaugebieten rückläufig ist. Notwendige Vorleistungen im Pflanzenanbau, in die Plantagenpflege, beim Ankauf von Düngemitteln, bei der Verfügbarkeit von Erntehelfern und deren Lohnsituation usw. bergen oft große Risiken für die Unternehmen, die sie nicht mehr tragen können und wollen. Dem gegenüber steht die weltweit steigende Nachfrage nach Früchten für die Weiterverarbeitung. Engpässe und in der Folge Preise auf hohem Niveau bei den für die Obstveredelungs- und Fruchtsaftindustrie wichtigsten Früchten sind daher vorprogrammiert. Die österreichischen Fruchtverarbeiter verfolgen diese Entwicklung mit großer Sorge.

Als Folge der massiven Verteuerungen bei Honig und Früchten im Jahr 2010 werden Preisanpassungen bei Marmeladen, Konfitüren, Fruchtzubereitungen, Fruchtsaft-konzentraten und Fruchtsäften unvermeidbar sein. Zeitpunkt und Ausmaß werden die einzelnen Betriebe in nächster Zeit je nach Fruchtsorte und Fruchteinsatz individuell beurteilen und mit ihren Kunden verhandeln müssen. "Alles in allem eine sehr schwierige Situation für die österreichischen Fruchtverarbeiter, die damit zu Preisanpassungen gezwungen werden", wird abschließend vom Fachverband der Lebensmittelindustrie festgehalten.
     
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