Annäherung zwischen Katholiken und Orthodoxen schreitet voran   

erstellt am
27. 09. 10

Gemeinsame Pressekonferenz von Kardinal Schönborn, Metropolit Zizioulas und Erzbischof Koch in Wien
Wien (pew) - Die Annäherung zwischen katholischer und orthodoxer Kirche schreitet voran, aber es bleibt noch viel zu tun: Das wurde am 24.09. im Wiener Kardinal-König-Haus bei einer gemeinsamen Pressekonferenz von Kardinal Christoph Schönborn sowie der beiden Delegationschefs bei der 12. Vollversammlung der internationalen Kommission für den theologischen Dialog zwischen katholischer und orthodoxer Kirche – Erzbischof Kurt Koch und Metropolit Ioannis (Zizioulas) - deutlich. Wie Kardinal Schönborn betonte, herrscht heute Übereinstimmung darüber, dass der Bischof von Rom im ersten Jahrtausend in der damals noch geeinten Weltkirche eine besondere Stellung hatte. Jetzt müsse man darüber reden, was diese Vorrangstellung wirklich bedeutete.

Metropolit Ioannis (Zizioulas) von Pergamon (Bergama) in Kleinasien legte dar, dass die Anerkennung der besonderen Rolle des Bischofs von Rom bei der Vollversammlung der Kommission in Ravenna (2007) vorbereitet wurde (dort hatten orthodoxe und katholische Theologen die Bedeutung des „Primats“ auf lokaler, regionaler und universaler Ebene herausgearbeitet). Inzwischen sei man auch gemeinsam zur Überzeugung gekommen, dass diese „besondere Rolle“ auch von der Geschichte des ersten Jahrtausends bestätigt wird. Jetzt gehe es darum, gemeinsam zu erforschen, was das im kirchlichen Alltag bedeutet habe. Der Metropolit setzte dabei einen Akzent der orthodoxen Auffassung: Im ersten Jahrtausend habe der Bischof von Rom offenbar nie gehandelt, ohne seine Mitbischöfe zu konsultieren. Erzbischof Koch betonte seinerseits, dass es um den „Austausch der Gaben“ gehe: In der katholischen Kirche sei das Prinzip des Primats stark betont worden, in der orthodoxen Kirche das Prinzip der gemeinschaftlichen Entscheidungsfindung (Synodalität). Diese Prinzipien könnten einander wechselseitig bereichern.

Beide Delegationsleiter stimmten überein, dass es heute zwischen katholischer und orthodoxer Kirche „gegenseitigen Respekt“ und „keinerlei Misstrauen“ gibt. Zwischen den offiziellen Vertretern der beiden Kirchen würden „freundliche und brüderliche Diskussionen“ geführt. Dieser Dialog sei auch eine Antwort auf die von Johannes Paul II. im Jahr 1995 veröffentlichte Enzyklika „Ut unum sint“, in der er zum Gespräch über die Art der Ausübung des Petrus-Dienstes einlud, sagte Metropolit Ioannis. Erzbischof Koch erinnerte seinerseits an das ebenfalls von Johannes Paul II. geprägte Bild von den zwei Lungen – der westlichen und der östlichen -, mit denen die Christenheit atmen müsse. Die ökumenischen Kontakte seien damit „so etwas wie Atemübungen“. Der neue Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen verwies aber auch darauf, dass der heutige Papst Benedikt XVI. noch als Theologe im Jahr 1976 bei einem aufsehenerregenden Vortrag in Graz betont hatte, dass von den Orthodoxen „nicht mehr an Primatslehre“ erwartet werden dürfe, „als im ersten Jahrtausend gelebt wurde“.
     
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