Pensionssicherungskommission veröffentlichte Bericht  

erstellt am
30. 09. 10

Bericht über die langfristige Entwicklung der gesetzlichen Pensionsversicherung für den Zeitraum 2009 bis 2060
Wien (bmask) - Im Mittelpunkt dieses Gutachtens steht die Erstellung einer neuen langfristigen Projektion über Entwicklung der gesetzlichen Pensionsversicherung für den Zeitraum 2009 bis 2060.
Diese Projektion - hier als "Basisszenario 2010" bezeichnet - basiert

  • einerseits auf den jüngsten demografischen Prognosen von Statistik Austria. Für die gesetzliche Pensionsversicherung sind dabei zwei Inputparameter besonders wichtig:
  • Die fernere Lebenserwartung zum Alter 65 steigt bis zum Ende des Prognosezeitraums (2060) um rd. 6 Jahre an: das ist ein Anstieg um mehr als 1 Jahr Lebenserwartungsgewinn pro Jahrzehnt;
    • Die Migrationsannahmen ergeben über die gesamte Periode 2009 bis 2060 einen positiven Wanderungssaldo von knapp mehr als 30.000 Personen pro Jahr;
  • Beide Effekte zusammen ergeben eine Zunahme des demografischen Altersquotienten von derzeit 260 (2009) auf 487 (2060): mit anderen Worten, auf 1.000 Personen im erwerbsfähigen Alter (15 bis unter 65 Jahre) kommen im Jahr 2060 487 Personen im Alter 65+.
  • Andererseits auf ebenfalls erst kürzlich erstellten langfristigen Wirtschaftsprojektionen von WIFO und IHS: Diese Wirtschaftsprojektionen inkludieren bereits die Wirtschafts- und Finanzkrise 2008/2009 und deren Auswirkungen (sofern derzeit schon absehbar) und ergeben folgende Pfade für die wichtigsten wirtschaftlichen Inputparameter:
    • Die Produktivität - und damit modellmäßig auch die Löhne und Gehälter - steigt um 1,5 % pro Jahr;
    • Die Arbeitslosenrate sinkt nur moderat von derzeit 8 % auf 6 % im Jahr 2060;
    • Die Gesamterwerbsquote steigt von derzeit 71 % auf 75 % im Jahr 2060;
    • Die Erwerbsbeteiligung der Älteren (im Bereich 55 bis 64 Jahre) steigt deutlicher an, und zwar von derzeit 37 % auf 52 % im Jahr 2060;
    • Im Zusammenwirken mit der demografischen Entwicklung führt die steigende Erwerbsbeteiligung zu einem moderaten Anstieg der Erwerbspersonen von derzeit 4,1 Mio. Erwerbspersonen auf 4,2 Mio. im Jahr 2015; ab diesem Zeitpunkt bleibt die Erwerbspersonenanzahl mehr oder minder konstant.
    • Die Erwerbspersonenentwicklung und die Annahmen über die Produktivität bestimmen in weiterer Folge das jährliche reale BIPWachstum:
    • dieses liegt im Zeitraum 2009 bis 2060 bei + 1,67 %.

Diese demografischen und wirtschaftlichen Annahmen haben großen Einfluss auf den modellierten Pensionsteil bis 2060 und dessen Ergebnisse:

  • Der Anstieg der Erwerbsbeteiligung - vor allem natürlich im relevanten Altersbereich von 55 bis 64 Jahren - führt zu einem moderaten Anstieg des durchschnittlichen Pensionsantrittsalters: dieses steigt von derzeit 58 Jahren im Durchschnitt auf etwas weniger als 60 Jahre im Jahr 2060.
  • Dieser leichte Anstieg im Antrittsalter und die ebenfalls leichte Zunahme der Erwerbspersonen führt zu einem Anstieg der Versicherten pro Jahr, und zwar um 0,2 % p.a.
  • Zusammen mit dem bereits erwähnten Anstieg der durchschnittlichen Beitragsgrundlagen um 1,5 % p.A. ergibt dies einen Anstieg der Gesamteinnahmen um rd. 1,7 % pro Jahr. Gemessen am BIP steigt damit der Anteil der Gesamteinnahmen von derzeit 9,1 % vom BIP auf 9,3 % vom BIP im Jahr 2060.
  • Weitaus stärker als die Versicherten steigt jedoch die Zahl der ausbezahlten Pensionsleistungen, und zwar um rd. 1,0 % p.A. im gesamten Zeitraum 2009 bis 2060: Dies bedeutet - mit allen Unsicherheiten, die bei einer derartigen Projektion auftreten - einen Anstieg von derzeit 2,2 Mio. Leistungen auf 3,6 Mio. Leistungen im Jahr 2060.
  • Ursache für diese Entwicklung ist natürlich primär die demografische Verschiebung, d.h. die Zunahme des demografischen Altersquotienten. Darüber hinaus bleibt aber auch die gemäß den Erwerbsquotenannahmen modellierte Zunahme des durchschnittlichen Antrittsalters deutlich hinter den Lebenserwartungsgewinnen zurück.
  • Die durchschnittlichen Pensionshöhen steigen real um rd. 1,1 % pro Jahr. Dies ist zum Teil die Folge des sogenannten Struktureffektes, der sich aus den unterschiedlichen Leistungshöhen beim Pensionsneuzugang und beim Pensionsabgang ergibt. Es wurde zwar angenommen dass eine volle Verbraucherpreisabgeltung bei der jährlichen Pensionsanpassung erfolgt, da aber die Löhne stärker steigen als die Preise, folgt daraus ebenfalls ein Zurückbleiben der durchschnittlichen Pensionen gegenüber den durchschnittlichen Löhnen.
  • Da wie bereits erwähnt die Zahl der Pensionen ungefähr gleich steigt wie die durchschnittliche Leistungshöhe, ergibt sich eine signifikante Zunahme bei den Gesamtausgaben der gesetzlichen Pensionsversicherung: diese Ausgaben steigen pro Jahr um durchschnittlich 2,0% an, gemessen am BIP führt dies zu einem Anstieg von derzeit 11,4 % Gesamtaufwendungen am BIP auf 13,3 % am BIP im Jahr 2060. Die Steigerung bei den Gesamtausgaben liegt damit deutlich über jener bei den Gesamteinnahmen.

Welche Konsequenzen haben diese beiden unterschiedlichen Trends bei den Gesamteinnahmen und den Aufwendungen auf die Bundesmittel, d.h. jene Mittel, die vom Bund an die gesetzliche Pensionsversicherung zu leisten sind?

  • Infolge der zunehmenden Schere zwischen Gesamtausgaben und Gesamteinnahmen steigen die Bundesmittel im Basisszenario 2010 natürlich überproportional an, und zwar sowohl in absoluten Werten als auch in Relation zum BIP. In absoluten Werten ergibt sich ein Anstieg um 2,65 % pro Jahr. Gemessen am BIP führt dies zu einem Anstieg der Bundesmittel von derzeit rd. 2,9 % auf 4,5 % vom BIP im Jahr 2060.
  • Da aber die geburtenstarken Jahrgänge gerade im Zeitraum ab 2025 die Pensionsversicherung belasten werden, gibt es in den Jahren 2025 bis 2045 sogar deutlich höhere Werte, die zwischen 5 % und 6 % liegen. Der Durchschnitt im gesamten Zeitraum 2009 bis 2060 liegt demnach bei 4,9 % Bundesmittelanteil am BIP.

Das Basisszenario 2010 wurde sodann einerseits den "Basisszenarien" der vorangegangenen Gutachten und Berichten der Kommission zur langfristigen Pensionsversicherung gegenüberstellt. Infolge der Wirtschaftskrise 2008/2009, aber auch infolge sonstiger ungünstigerer Modellannahmen sowie bis 2009 durchgeführter Leistungsverbesserungen (z.B. bei der Langzeitversichertenregelung und bei der Pensionsanpassung) ist der Bundesmittelpfad beim jetzigen Gutachten deutlich höher als bei den Gutachten und Berichten der Vorjahre. Umgekehrt ist aber insbesondere bei Betrachtung der Kennziffer Bundesmittel gemessen am BIP zu beachten, dass schon allein der auf Grund der Wirtschaftskrise eingetretene Einbruch beim BIP rd. 0,3 %- Punkte der Differenz erklärt.

Darüber hinaus wurde das Basisszenario 2010 sehr eingehend mit dem sog. "Referenzszenario 2003/2004" verglichen. Das letztgenannte Szenario ist bekanntlich die Grundlage für die Ermittlung von "Mehraufwendungen" im sog. "Nachhaltigskeitsmechanismus". Bei diesem Vergleich, dem auch eine sehr detaillierte Ursachenanalyse beiwohnte, trat folgendes zutage:

  • Auf Grund der vielen Unschärfen im Gesetz, die auf Grund großer Lücken zu vielfachen Interpretationsnotwendigkeiten führen, wurden letzten Endes zwei Möglichkeiten herausgearbeitet, den "Mehraufwand" zu quantifizieren: In beiden Interpretationsvarianten erreicht dieser Mehraufwand eine erhebliche Größenordnung.
  • Dieser Mehraufwand ist aber nicht gleichmäßig über den gesamten Prognosezeitraum verteilt, dies sei am Vergleich der Kennziffer Bundesmittel gemessen am BIP noch einmal verdeutlicht: Im gesamten Zeitraum 2009 bis 2050 (Ende des Projektionszeitraumes des Referenzszenarios) beträgt der Unterschied zwischen Basis- und Referenzszenario 1,3 %-Punkte pro Jahr. Davon sind - wie bereits erwähnt - bis zu rd. 0,3 %-Punkte pro Jahr auf das niedrigere BIP-Wachstums im Basisszenario zurückzuführen.
  • Im Zeitraum 2009/2010 liegen die Bundesmittel gemessen am BIP nur um 0,3 %- Punkte höher als im Referenzszenario. Im Zeitraum 2011 bis 2025 steigt der Unterschied auf 0,6 %-Punkte pro Jahr an, in der Periode 2026 bis 2035 liegt er bereits bei 1,1 %-Punkten Differenz bei den Bundesmitteln gemessen am BIP. Im Zeitraum 2036 bis 2050 erfolgt jedoch ein Anstieg der Differenz auf 2,5 %- Punkten.
  • Die Ursache für diese Unterschiede zwischen dem Basisszenario und dem Referenzszenario sind:
    • höchst unterschiedliche demografische, aber auch wirtschaftliche Annahmen;
    • bereits in der Periode 2003/2004 bis 2009 tatsächlich eingetretene unterschiedliche Pfade zwischen realer wirtschaftlicher, demografischen und pensionsmäßiger Entwicklung und damaligen Pfadannahmen des Referenzszenarios;
    • die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009;
    • im Zeitraum 2005 bis 2009 eingetretene Änderungen im Leistungsrecht.
    • Als letzter Punkt bei der Zusammenfassung dieses Gutachtens ist zu erwähnen, dass neben dem Basisszenario 2010 auch mehrere Alternativszenarien - im Sinne einer Sensitivitätsanalyse einzelner Inputparameter - berechnet wurden. Diese führten zu folgenden Ergebnissen:
  • höherer Lebenserwartungsanstieg: Ein zusätzlicher Anstieg der Lebenserwartung um weitere 2 Jahre führt bei den Bundesmitteln gemessen am BIP zu einem Anstieg um 0,5 %-Punkte am Ende des Projektionszeitraumes 2060.
  • Ein zusätzlicher positiver Migrationssaldo von 15.000 Personen pro Jahr entlastet die Bundesmittel gemessen am BIP im Jahr 2060 um 0,9 %-Punkte.
  • Umgekehrt führt das Alternativszenario mit einem gegenüber dem Basisszenario um 15.000 Personen niedrigeren positiven Migrationssaldo zu einem Anstieg der Bundesmittel gemessen am BIP um 1,0 %-Punkte im Jahr 2060.
  • Die negativsten Auswirkungen hätte aber eine drastische Verminderung der jährlichen Produktivitätszuwächse. Das Sinken der jährlichen Produktivitätszuwächse von 1,52 % im Basisszenario auf 0,57 % im "Niedrigeren Produktivitätsszenario" führt zu einem deutlich niedrigeren BIP-Wachstum.

Infolgedessen steigt die Kennziffer Bundesmittel gemessen am BIP um 3,2 %- Punkte auf 7,7 % im Jahr 2060.


 

Seniorenrat begrüßt Ergebnis der Pensionskommission, derzeit keine Empfehlungen auszusprechen
Wien (seniorenrat) - Der Österreichische Seniorenrat begrüßt die Entscheidung der Pensionskommission zum jetzigen Zeitpunkt keine Empfehlungen über die langfristige Entwicklung der Pensionssicherung auszusprechen.

"Den vom Österreichischen Seniorenrat vorgebrachten Einwänden und Bedenken gegenüber dem Kommissionsentwurf, insbesondere wegen des nicht aktuellen und damit ungeeigneten Zahlen- und Datenmaterials, wurde damit Rechnung getragen" stellen die Präsidenten Khol und Blecha fest. Der Seniorenrat sieht mit Interesse den Kommissionsentscheidungen für die weiteren Arbeitsschritte entgegen.

 

Mitterlehner: "Empfehlungen zum Pensionssystem schnell erarbeiten"
Langfrist-Gutachten der Pensionskommission angenommen - Generationengerechtigkeit muss oberstes Prinzip sein - Perspektiven der Jugend im Auge behalten
Wien (bmwfj) - "Die Pensionskommission hat heute entschieden, dass der jüngste Bericht über die langfristige Entwicklung der gesetzlichen Pensionsversicherung zur Kenntnis genommen und nicht überarbeitet wird", sagt Wirtschafts- und Jugendminister Reinhold Mitterlehner anlässlich der Sitzung der Kommission. Entsprechend des gesetzlichen Auftrages sind nun auf Basis dieses Gutachtens möglichst rasch die weiteren Arbeiten durchzuführen und Vorschläge zu erarbeiten, wie der im Gutachten prognostizierte Mehraufwand reduziert werden kann. Dies auch im Hinblick darauf, dass der Bundesminister für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz der Bundesregierung auf der Grundlage der Berichte und Vorschläge der Kommission zur langfristigen Pensionssicherung bis längstens 30. November 2010 einen Bericht über die langfristige Finanzierung der Pensionsversicherung vorzulegen hat.

Die Problembereiche des Pensionssystems sind bekannt. Es sind dies Ausnahmebestimmungen wie die Hackler-Regelung, aber auch die relativ hohe Anzahl an Invaliditätspensionen. Entsprechende Reformen dazu wurden im Regierungsprogramm festgelegt. "Im Sinne der Generationengerechtigkeit brauchen wir ein nachhaltiges Gesamtpaket , das die Perspektiven der Jugend im Auge behält", sagt Mitterlehner "Im Rahmen eines solchen Gesamtpakets ist auch das Augenmerk darauf zu legen, dass entsprechende Anreize für längeres Arbeiten gesetzt werden", so Mitterlehner weiter. Nur so könne das faktische Pensionsantrittsalter an das gesetzliche angenähert werden."

 

Neubauer: Höhere Zuwanderung sorgt für mehr Arbeitslosigkeit
Gutachten der Pensionskommission hebt Prognose auf 32.000 pro Jahr - Bevölkerungswissenschafter sieht keinen Bedarf an unqualifizierter Zuwanderung
Wien (fpd) - "Neben zahlreichen unrichtigen Annahmen findet sich im gestern von der Pensinskommission behandelten Gutachten auch eine schwindelerregende Annahme zur Zuwanderung", so FPÖ-Seniorensprecher Werner Neubauer: "Wifo und IHS gehen plötzlich von 32.000 Zuwanderern netto jährlich bis 2060 aus, während im vorangegangenen Gutachten noch von 17.000 die Rede war."

Gleichzeitig wurde die Prognose der Arbeitslosigkeit von durchschnittlich 4 auf 6,1 Prozent angehoben. "Daraus folgt, dass die erhöhte Zuwanderung die Arbeitslosenrate erhöht, was nur dann der Fall sein kann, wenn für den Arbeitsmarkt ungeeignete Zuwanderer kommen und Sozialfälle werden, die der Steuerzahler durchfüttern muss", stellt Neubauer fest. Das bedeute aber auch: "Diese Art von Zuwanderern wird das Pensionssystem nicht sichern!" Ziel einer effizienten Zuwanderungspolitik müsse es daher sein, die prognostizierten Daten nicht Realität werde zu lassen.

Neubauer verwies in diesem Zusammenhang auf ein Ö1-Interview mit dem Demographie-Professor und Wittgenstein-Preisträger Wolfgang Lutz, der klarmachte, dass ein nominelles Wachstum der Bevölkerung für Wirtschaftswachstum und Sicherung des Sozialstandards nicht unbedingt gebraucht wird und somit auch keine Zuwanderung, die ein Wachstum garantiert. Wichtig sei es demnach, nicht auf die Zahl der Menschen oder die Altersstruktur der Bevölkerung abzustellen, sondern auf die Bildung, um eine höhere Produktivität und Leistungsfähigkeit der Gesellschaft zu erreichen. Neubauer: "Lutz machte auch klar, dass wir nur Bedarf an besonders qualifizierten Zuwanderern haben und nicht an jenen, die offenbar die Berechnungsgrundlage für das Pensionsgutachten sind. Der Politik wäre daher anzuraten, die führenden Wissenschafter des Landes in diesem Bereich nicht nur mit Preisen zu dekorieren, sondern auch auf sie zu hören."

 

WKÖ begrüßt Annahme des Berichts mit großer Mehrheit
Vorschläge zur langfristigen Sicherung der Altersversorgung werden rasch bearbeitet
Wien (pwk) - Am Vormittag des 29.09. trat die Kommission zur langfristigen Pensionssicherung in Wien zusammen. Im Mittelpunkt stand das neue Langfristgutachten, das die Kommission in Auftrag geben hatte. Namhafte Experten der renommierten Institute IHS, WIFO und Statistik Austria haben daran gemeinsam gearbeitet und unter der Federführung des Sozialministeriums das Gutachten vorgelegt. Heute wurde darüber umfassend diskutiert. Während vier Beschlussanträge in der Minderheit blieben, wurde der Vorschlag zur Annahme des Gutachtens mit großer Mehrheit verabschiedet. Das bedeutet, dass es - entgegen der einen oder anderen Stimme im Vorfeld - zu keiner Änderung des Gutachtens kommen wird. Aus dem Bericht ergibt sich, dass es in der Zukunft zu erheblichen Mehraufwendungen im Pensionsbereich kommen wird.

Offen sind derzeit allerdings noch die Vorschläge, wie diese Mehraufwendungen in den Griff zu bekommen sind. Es bestand in der Kommission Einigkeit, dass jedes Interesse besteht, Vorschläge zur nachhaltigen Sicherung des Pensionssystems rasch zu erarbeiten. Dies wurde auch vom Vorsitzenden der Kommission, Dr. Schwarz, so zugesagt. Die Wirtschaftskammer Österreich begrüßt die Annahme des Berichts. Dazu Dr. Gleitsmann: "Die Wissenschaft hat hier gute und wertvolle Arbeit geleistet. Es freut mich, dass es gelungen ist, den Bericht unverändert abzunehmen und so eine Basis für alle weiteren Überlegungen zu schaffen."

 

Tumpel: Keine Empfehlungen auf Basis überholten Daten
Entscheidung für Überarbeitung richtig
Wien (ak) - "Die Kommission folgt weitgehend den Anregungen der AK, wird den Bericht überarbeiten und auf neuesten Stand bringen", zeigt sich AK Präsident Herbert Tumpel zufrieden. Die AK hatte kritisiert, dass die Kommission bei ihrem Bericht wesentliche Aspekte ausblendet und von überholten, viel zu pessimistischen Annahmen ausgegangen ist. Das soll jetzt korrigiert werden. Insbesondere sollen in der Überarbeitung die kostendämpfende Maßnahmen durch die Budgets ab 2011 und die jüngsten wesentlich optimistischeren Annahmen für die Konjunkturentwicklung einfließen. "Es ist notwendig, die nächsten Monate abzuwarten, um feststellen zu können, welche Trends sich verfestigen, damit die Ausgangsbasis für mittel- und längerfristigen Berechnungen geklärt ist", sagt Tumpel und ist überzeugt, dass die überarbeiteten Berechnungen einen wesentlich günstigeren Finanzierungsbedarf für das gesetzliche Pensionssystem ergibt, als der ursprüngliche Entwurf. In den neuen Bericht sollen jedenfalls die Beamtensysteme und die öffentliche Förderung für die betriebliche und private Vorsorge auch in die Betrachtung miteinbezogen werden. " Aber das Wichtigste für die Finanzierbarkeit unseres Pensionssystems ist eine hohe Beschäftigung und ein solides Wirtschaftswachstum - das gilt es zu erreichen und zu sichern."

Datenvergleich: Vergleich Gutachten - Aktuelle Prognosen
Bruttoinlandsprodukt (BIP) lt Gutachten Pensionskommission 2010: 1,4 Prozent; 2011: 1,6 Prozent; 2012: 1,7 Prozent; 2013: 1,7 Prozent; 2014: 1,6 Prozent

BIP lt aktuellen Prognosen Wifo, IHS 2010: 2 Prozent; 2011: 2 Prozent; 2012: 2,1 Prozent; 2013: 2,3 Prozent; 2014: 2,3 Prozent

Arbeitslosenrate (ALR) lt Gutachten Pensionskommission 2010: 8 Prozent; 2011: 8 Prozent; 2012: 8 Prozent; 2013: 8,1 Prozent; 2014: 8 Prozent

ALR lt aktuellen Prognosen 2010: 6,9 Prozent; 2011: 6,8 Prozent (Wifo)/6,7 Prozent (IHS); 2012: 6,9 Prozent (IHS); 2013: 6,8 Prozent (IHS); 2014: 6,7 Prozent (IHS)

 

Mitterbauer: Realitätsverweigerung bei den Pensionen inakzeptabel
Grundlegende Reformen dringend notwendig - Schieflage zu Lasten der jüngeren Generationen untragbar - Generationenvertrag nicht überstrapazieren
Wien (pdi) - Als "völlig inakzeptabel" bezeichnete die Bundesvorsitzende der Jungen Industrie (JI) Dr. Therese Mitterbauer, die derzeitige "Vogel-Strauß-Haltung mancher politscher Akteure" in der Pensionspolitik. "Das jüngste Gutachten der Pensionskommission wurde von der Kommission zu Kenntnis genommen. Es ist unverantwortlich, wenn jetzt manche die Augen vor der Realität verschließen und die Fakten nicht anerkennen wollen." Der stete Anstieg der Kosten für das Pensionssystem sei seit Jahren bereits Realität. Es sei selbst als Laie "geradezu logisch, das sich die bereits heute vorhandene Schieflage im System zu Lasten der Jüngeren weiter verschärfen wird, wenn wir nicht rasch handeln", so Mitterbauer, die zudem klarstellte, dass es irrelevant sei, wenn nun über manche Annahmen des Gutachtens gestritten werde: "So oder so ist doch klar: Bereits jetzt kostet unser Pensionssystem zu viel - wir brauchen unbedingt Investitionen in die Zukunftsfähigkeit unseres Landes und nicht eine Unterstützung für unsere chronische 'Frühpensionitis'". Selbst wenn der im Gutachten prognostizierte steile Anstieg der Kosten bis 2050 nicht stattfinden sollte, sei jeder weitere Anstieg ohnehin untragbar. "Der Generationenvertrag ist ein Vertrag. Dazu braucht es zwei Seiten. Wer den Generationenvertrag bis an die Grenze der Belastbarkeit ausreizt, der nimmt in Kauf, dass von jungen Menschen eine Aufkündigung dieses Vertrages überlegt wird. Es wird jedenfalls Zeit, dass wir in Österreich endlich aus unserem gefährlichen Dornröschenschlaf aufwachen!"

Dringend geboten sei es daher einmal, den "schlimmsten Sündenfall", die sogenannte "Hacklerregelung" sofort abzuschaffen. "Sogar die Pensionistenvertreter haben einen ersten kleinen Schritt in die richtige Richtung gemacht, und zumindest die sofortige Abschaffung der Anrechenbarkeit der Ersatzzeiten bei der Hacklerregelung verlangt", so die JI-Bundesvorsitzende. Alle politischen Akteure sind zum Handlen aufgerufen: "Die Hacklerregelung ist schlicht ungerecht, sie muss ersatzlos abgeschafft werden und zwar nicht erst 2013!" Neben der Unterstützung für Frühpensionierungen sei die Hacklerregelung schließlich nicht einmal zielgenau: "Gerade einmal 19 Prozent derjenigen, die im Vorjahr die Hacklerregelung in Anspruch genommen haben, sind tatsächlich Schwerarbeiter. Hingegen gehen 38 Prozent der Angestellten, 30 Prozent der Bauern und 40 Prozent der Beamten in die Hacklerpension." Weiters müsse man die Invaliditätspension reformieren, und sämtliche Privilegien, "ob nun auf Ebene der Länder oder im Falle mancher Sonderrechte wie bei der OeNB oder den ÖBB", müssten ebenfalls sofort fallen.

Junge bereit, ihren Beitrag zu leisten
Angesichts der notwendigen Budgetkonsolidierung seien alle Teile der Gesellschaft gefordert: "Seitens der jüngeren Generationen sind wir durchaus bereit, unseren Beitrag zu leisten. Die JI hat daher ein eigenes Pensionsmodell vorgelegt, das schnell umzusetzen, transparenter und vor allem fairer als das Bestehende wäre", so die JI-Vorsitzende. Das Reformmodell der JI sieht vor, dass jeder Versicherte in der Pension auch tatsächlich nur das bekommt, was er Zeit seines Lebens eingezahlt hat. "Unterm Strich würde das natürlich bedeuten, dass die überdurchschnittliche österreichische Nettoersatzrate sinken würde", erläuterte Mitterbauer: "Wir Junge sind durchaus bereit, eine dementsprechende niedrigere Pension, als sie uns nach dem bestehenden Modell zustehen würde, zu akzeptieren. Die Alternative ist nämlich die völlige Unfinanzierbarkeit des Pensionssystems." Dementsprechend erwarte man sich nun aber auch von allen anderen die Bereitschaft, solidarischen Verzicht zu leisten.
     

Wir übernehmen hier Stellungnahmen aller im Parlament vertretenen Parteien –
sofern vorhanden! Die Reihenfolge der Beiträge richtet sich in der Regel nach deren
Mandatsstärke im Parlament bzw. nach der Hierarchie der Personen. Die Redaktion

 
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