2009 war schwieriges Jahr für Österreichs Landwirtschaft   

erstellt am
30. 09. 10

Grüner Bericht: Rückgang bei Produktion und Einkommen
Wien (pk) - Dass 2009 kein einfaches Jahr für die heimische Land- und Forstwirtschaft war, belegen die Zahlen und Fakten des Grünen Berichts (III-179 d.B.), den der Landwirtschaftsminister nun dem Parlament vorgelegt hat. Die allgemeine Wirtschaftskrise traf im vergangenen Jahr auch den Agrarsektor, wobei die Situation von einem starken Rückgang des Produktionswerts und einer erheblichen Verschlechterung der Einkommen der heimischen Landwirtschaft gekennzeichnet war.

Minus bei Produktionswert und Faktoreinkommen
Wie der Bericht im Einzelnen ausführt, verringerte sich der Produktionswert der Land- und Forstwirtschaft im Jahr 2009 um 11,5 % auf rund 7,4 Mrd. €. Innerhalb der Landwirtschaft entfielen 44 % des Produktionswerts auf die pflanzliche und 46 % auf die tierische Erzeugung, 10 % machten die landwirtschaftlichen Dienstleistungen und Nebentätigkeiten aus. Den Anteil der Land- und Forstwirtschaft an der Bruttowertschöpfung der Volkswirtschaft beziffert der Grüne Bericht mit 1,5 %. Der Arbeitseinsatz in der Land- und Forstwirtschaft nahm gegenüber 2008 um 1,8 % ab, bedingt durch den starken Produktionsrückgang verringerte sich demnach das Faktoreinkommen je land- und forstwirtschaftlicher Arbeitskraft markant, und zwar nominell um 22,3, real um 22,9 %.

Zunahme des agrarischen Handelsbilanzdefizites
Der Außenhandel mit agrarischen Produkten und Lebensmitteln sank 2009 weniger stark als der Gesamtaußenhandel. Bei den Exporten wurde ein Minus von 10,2 % verzeichnet, die Importe nahmen um 5,6 % ab. Daraus ergab sich, wie der Bericht vorrechnet, ein agrarisches Handelsbilanzdefizit von 912 Mill. € - um 334 Mill. € mehr als 2008. Am gesamten Außenhandel wiederum hatten die agrarischen Importe einen Anteil von 8,3 %, der Anteil der agrarischen Exporte lag bei 7,6 %. Bedeutendste Handelspartner Österreichs im Agrarhandel waren die EU-Länder mit einem Anteil von 84,4 % bei den Importen und 78,3 % bei den Exporten.

Bei der Entwicklung der land- und forstwirtschaftlichen Produktion fällt zunächst ein Rückgang der Getreideernte um 11 % im Jahr 2009 gegenüber der Rekordernte von 2008 auf, den der Bericht vor allem mit den geringeren Anbauflächen (rund 7000 ha weniger als 2008) und geringeren Hektarerträgen begründet. Die Gesamtfläche der angebauten Ölfrüchte hingegen war 2009 um 10,2 % größer als 2008. Anstiege wurden auch bei Ernte von Gemüse (+ 3,4 %) und Obst (+ 9 %) verzeichnet. Ernteeinbußen gab es bei Körnerleguminosen (- 22 %), Erdäpfeln (- 4,6 %) und Wein (- 21 %). Im Bereich der tierischen Produktion sank 2009 die Milchanlieferung der rund 40 000 Milchbetriebe gegenüber 2008 um 0,3 %, der Erzeugerpreis ging jedoch um 26 % zurück. Die Bruttoeigenerzeugung bei Rindern nahm um 2,7 %, jene bei Kälbern um 2 % ab, während die Rinderpreise einen durchschnittlichen Rückgang von 6,3 % verzeichneten. Ein Plus von 4,8 % registriert der Bericht hingegen bei der Schweineproduktion, der allerdings ein Preisverfall gegenüber 2008 von 10 % gegenübersteht.

Insgesamt gab es bei den Preis-Indizes 2009 bei der pflanzlichen Produktion 2009 einen Rückgang um 18 %, bei der tierischen Produktion einen Rückgang um 12,7.

Mehr als 30 000 Betriebe weniger als vor zehn Jahren
Die Passagen des Grünen Berichts zur Agrarstruktur in Österreich belegen, dass der rückläufige Trend bei der Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe – in der politischen Diskussion oft als "Bauernsterben" bezeichnet – weiterhin anhält. So wurden 2007 187.034 land- und forstwirtschaftliche Betriebe bewirtschaftet, das waren um 2.557 oder 1,3 % weniger als bei der letzten Agrarstrukturerhebung 2005. Seit der letzten Vollerhebung 1999 ist insgesamt ein Rückgang um 30.474 Betriebe bzw. 14 % zu verzeichnen.

Immer mehr Betriebe entscheiden sich für biologischen Landbau
Die Zahlen des Berichts lassen aber auch auf die zunehmende Bedeutung des biologischen Landbaus in Österreich schließen. 20.870 Betriebe wurden 2009 als Biobetriebe gefördert, das entspricht einem Plus gegenüber 2008 von 4,6 %. Der Anteil der Biobetriebe an sämtlichen land- und forstwirtschaftlichen Betrieben beträgt derzeit 14,7 %, 18,5 % der in Österreich landwirtschaftlich genutzten Fläche wird biologisch bewirtschaftet. Die Zahl der geförderten Bergbauernbetriebe wiederum sank 2009 um 1,3 % auf 67.485.

Dramatische Einkommenseinbußen durch Preisverfall
Von einer dramatischen Verschlechterung spricht der Bericht im Zusammenhang mit der Einkommenssituation der Land- und Forstwirtschaft in Österreich. So fielen die Einkünfte pro Betrieb auf 19.000 € (-28 %) zurück, je nicht entlohnter Arbeitskraft waren es 14.521 € (-27 %). Grund für diese negative Entwicklung waren vor allem niedrigere Erzeugerpreise, die einen starken Rückgang des Produktionswerts zur Folge hatten, wobei vor allem der Preisverfall bei Milch und Ackerkulturen ins Gewicht fiel. Grundsätzlich mussten 2009 alle Betriebsformen Einkommenseinbußen hinnehmen, die niedrigste Verschlechterung gab es bei Veredelungsbetrieben (-1 %), relativ glimpflich kamen auch die Betriebe mit 25 bis 50 % Forstanteil davon (-9 %), während alle übrigen Betriebsformen Einkommensverluste von 20 % (Gemischtbetriebe) bis 48 % (Dauerkulturbetriebe) verzeichneten. Bei den Bergbauernbetrieben lagen die Einkünfte 2009 um 24 % unter jenen des Jahres 2008. Überdurchschnittlich hohe Einkommensverschlechterungen trafen auch die Biobetriebe mit einem Minus gegenüber dem Vorjahr von 23 %.

EU-Förderungen lassen Agrarausgaben anwachsen
Im Jahr 2009 sind 2.325 Mill. € an EU-, Bundes- und Landesmitteln für die Land- und Forstwirtschaft aufgewendet worden, um 5 % mehr als 2008. Der Bericht erklärt diesen Anstieg vor allem mit der Zunahme bei den Ausgaben für das Ländliche Entwicklungsprogramm, aber auch mit einer Zunahme der ÖPUL-Zahlungen im Zuge der Ausweitung der Tierschutzmaßnahmen auf die Bundesländer Salzburg, Ober- und Niederösterreich, Steiermark und Burgenland. Insgesamt nahmen im Berichtsjahr 73 % aller Betriebe am Umweltprogramm ÖPUL teil. Die Ausgaben, die ausschließlich aus nationalen Mitteln von Bund und Ländern finanziert wurden, betrugen 2009 285 Mill. €.

Für die soziale Sicherheit der bäuerlichen Familien wurden 2009 Leistungen im Wert von 2 775 Mill. € aufgewendet, der Anteil der Mittel für die Pensionsversicherung betrug dabei 71 %. Die Zahl der Versicherten in der Pensionsversicherung lag bei 158 483, wobei die durchschnittliche Alterspension 738 € ausmachte (Männer 1 027 €, Frauen 542 €).

Regierung bekennt sich zu Agrarförderungen und Leistungsabgeltungen
An die Daten des Grünen Berichts zur Einkommenssituation knüpft der Bericht der Bundesregierung über die Maßnahmen für die Land- und Forstwirtschaft im Jahr 2011 ( III-180 d.B.) an und hebt insbesondere die Bedeutung der Förderungen und Leistungsabgeltungen der öffentlichen Hand hervor, durch die, wie es darin heißt, die Einkommen noch einigermaßen stabilisiert werden konnten. Es zeige sich einmal mehr, dass durch eine kontinuierliche Weiterentwicklung der 1. Säule der Gemeinsamen Agrarpolitik (Direktzahlungen) im Zusammenspiel mit der 2. Säule (Entwicklung des ländlichen Raums) gelingen kann, den österreichischen Betrieben ein planbares Wirtschaften zu ermöglichen, lautet der grundsätzliche Befund des Berichts. Die Regierung unterstreicht in dem Papier vor allem ihr Bekenntnis zur Erhaltung und Weiterentwicklung des ländlichen Raums und zu einer bäuerlichen, nachhaltigen und wettbewerbsfähigen Landwirtschaft und hält programmatisch fest, nur durch die Bereitstellung der erforderlichen Förderungen und Leistungsabgeltungen werde es auch in Zukunft möglich sein, dass diese Art der Landwirtschaft, die einen wichtigen Beitrag für vitale ländliche Regionen leistet, erhalten bleibt.

Zukunftsperspektiven durch "Unternehmen Landwirtschaft 2020"
Der Bericht weist in diesem Zusammenhang auf die Initiative "Unternehmen Landwirtschaft 2020" hin, deren Ziel es ist, eine gemeinsame Strategie für die Zukunft der heimischen Landwirtschaft und der Bevölkerung des ländlichen Raums zu erarbeiten und den österreichischen Betrieben Perspektiven aufzuzeigen. Zentrale Themen sind dabei die Zukunft der Gemeinsamen Agrarpolitik in beiden Säulen, ein Business- und Bildungsplan, die Positionierung heimischer Lebensmittel auf nationalen Märkten, dem Binnenmarkt und in Drittländern, die Qualitätspartnerschaft und Wertschöpfung entlang der Nahrungsmittelkette, die effiziente und serviceorientierte Weiterentwicklung der Förderabwicklung und Kontrollen sowie die Konzentration auf neue Produktionsfelder, wie etwa im Bereich Energieträger. Die angekündigte Initiative ist darauf ausgerichtet, die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Landwirtschaft zu steigern und die Versorgung mit gesunden, regionalen Lebensmitteln zu sichern. Weitere Aspekte sind Umweltschutz, Klimaschutz und insbesondere der Bereich der erneuerbaren Energieträger.
     
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