Österreichs Industrie steht weiter unter Dampf   

erstellt am
29. 09. 10

Bank Austria EinkaufsManagerIndex steigt im September wieder leicht an – Verbesserte Auftragslage hält Produktionswachstum hoch – Stärkster Jobaufbau seit fast drei Jahren
Wien (bank austria) - Die österreichische Industrie geht mit viel Schwung in den Herbst. "Im September hat sich das Neugeschäft wieder spürbar belebt, die Auftragspolster sind rasant gewachsen", beschreibt Helmut Bernkopf, Bank Austria Vorstand für Corporate & Investment Banking, das wichtigste Ergebnis des aktuellen Bank Austria Einkaufsmanagerindex für Österreichs Industrie. "Die Personalkapazitäten wurden deutlich aufgestockt, um die anhaltende Produktionsteigerung zu bewältigen. Die Erholung der heimischen Industrie hält vorerst mit hohem Tempo an und treibt weiterhin maßgeblich die gesamtwirtschaftliche Aufwärtsentwicklung des laufenden Jahres an", ergänzt Bank Austria Chefökonom Stefan Bruckbauer.
Nach dem deutlichen Rückgang im Vormonat tendiert der Gesamtindikator der aktuellen Umfrage wieder leicht nach oben. "Mit einem Wert von 56,1 kommt der Bank Austria EinkaufsManagerIndex im September zwar nicht mehr an die Rekordwerte des Frühsommers heran, liegt jedoch immer noch deutlich über dem langjährigen Durchschnitt. Zudem übersteigt der Indikator nun bereits seit zehn Monaten die Wachstumsschwelle von 50 Punkten und verdeutlicht damit nicht nur hohe Dynamik sondern auch beachtliche Robustheit des Aufwinds im Sektor", meint Bruckbauer.

Der Schwung für die heimische Industriekonjunktur kommt vor allem aus dem Ausland. "Die kräftig zunehmende Nachfrage aus Westeuropa hat das Neugeschäft im September stark ansteigen lassen. Aufgrund der hohen Auftragsdynamik haben die österreichischen Unternehmer die Produktionsleistung wieder deutlich gesteigert", meint Bruckbauer. Seit mittlerweile fünfzehn Monaten sorgt ein ununterbrochen steigendes Neugeschäftsvolumen für eine Ausweitung der Produktion der heimischen Industrie.

Angesicht der mittlerweile bereits fast auf Vorkrisenniveau gestiegenen Auslastung im Sektor haben die heimischen Industrieunternehmen daher im September wieder neues Personal eingestellt. "Die anhaltenden Auftragszuwächse und die stark angewachsenen Auftragsrückstände lassen bereits seit sechs Monaten neue Jobs in Österreichs Industrie entstehen. Im September war der Beschäftigungsaufbau sogar so stark, wie schon seit drei Jahren nicht mehr", sagt Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl. Im vergangenen Jahr gingen allerdings insgesamt fast 37.000 Arbeitsplätze verloren. Die Anzahl der Beschäftigten in der österreichischen Industrie liegt zu Ende des Sommers nach saisonbereinigten Daten immerhin wieder um mehr als 8.000 über dem Stand zum Jahreswechsel 2009/2010. Zudem deutet die außergewöhnlich hohe Beschäftigungsdynamik bei der Überlassung von Arbeitskräften darauf hin, dass die Industrie mehr und mehr Leiharbeiter engagiert, um flexibel auf die steigenden Produktionserfordernisse reagieren zu können.

Um sich der verbesserten Auftragssituation anpassen zu können, haben die österreichischen Industrieunternehmen die Einkaufsmenge sehr stark angehoben. "Lieferschwierigkeiten aufgrund der kräftigen Nachfrage nach Rohstoffen und auch Kapazitätsengpässen auf Lieferantenseite haben die Einkaufspreise im September überdurchschnittlich stark nach oben getrieben, wenn auch etwas geringer als im Vormonat. Der deutliche Kostenanstieg im Einkauf konnte wegen des scharfen Wettbewerbs jedoch nicht in vollem Umfang auf die Verkaufspreise überwälzt werden", meint Pudschedl. Das Kostenumfeld der heimischen Industrie hat sich im September weiter verschlechtert, eine Entwicklung, die seit nunmehr einem Jahr anhält.

Die heimische Industrie profitiert derzeit besonders stark von der hohen Dynamik der ausländischen Nachfrage. "Die gut aufgestellten, international sehr wettbewerbsfähigen österreichischen Industriesparten können sich im weltweiten Nachkrisenumfeld sehr gut behaupten. Am Schlepptau der deutschen Branchenkollegen hält die Erholung mittlerweile deutlich kraftvoller und länger an, als angesichts der globalen Rahmenbedingungen zu erwarten gewesen wäre", so Bruckbauer. Das Verhältnis zwischen dem Index für Auftragseingänge und jenem der Lagerbestände, das in der Vergangenheit stets ein sehr aussagekräftiger Indikator für die Abschätzung der Industriekonjunktur war, zeigt zwar an, das die dynamischste Phase bereits hinter uns liegen dürfte, ein abruptes Ende des Aufschwungs im Sektor ist jedoch nicht in Sicht. Auch in den kommenden Monaten wird die heimische Industrie ihren Expansionskurs fortsetzen. "Wir gehen mittlerweile von einem Industriewachstum im Jahr 2010 von real zumindest 6 Prozent aus. Damit schiebt der Sektor auch die gesamtwirtschaftliche Entwicklung kräftig an. Im Gesamtjahr 2010 ist dank der exportorientierten Industrie mit einem Wirtschaftswachstum von 1,9 Prozent in Österreich zu rechnen", meint Bruckbauer.

Anmerkung: Werte des EMI über 50,0 weisen auf ein Wachstum gegenüber dem Vormonat hin, Notierungen unter 50,0 signalisieren einen Rückgang. Je weiter die Werte von 50,0 entfernt sind, desto größer sind die Wachstums- bzw. Schrumpfungstendenzen. Diese Aussendung enthält die Originaldaten aus der Monatsumfrage unter Einkaufsleitern der Industrie Österreichs, die von der Bank Austria gesponsert und unter der Schirmherrschaft des ÖPWZ seit Oktober 1998 von Markit Economics durchgeführt wird.
     
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