Haushalte wählten Alternativen zu inländischen Bankprodukten   

erstellt am
27. 10. 10

OeNB-Direktor Ittner präsentiert anlässlich der traditionellen Weltspartagspressekonferenz das aktuelle Finanzverhalten der Österreicher
Wien (oenb) - Private Haushalte investierten im ersten Halbjahr 2010 einerseits generell weniger in Finanzanlagen und wählten andererseits überdies verstärkt Alternativen zu Bankprodukten. Dazu zählten insbesondere Bargeld, Anleihen und Lebensversicherungen.

Unter dem Eindruck eines nach wie vor geringen Zinsniveaus und sich erholender Aktienkurse waren im ersten Halbjahr 2010 folgende Tendenzen erkennbar: Zum Einen haben private Haushalte ihre Ersparnisbildung gedämpft, um den Konsum stabil zu halten: Die Sparquote fiel von 11,1% im Jahr 2009 auf 9,6% im ersten Halbjahr 2010. Zum Anderen fiel – Hand in Hand mit dem geringeren Sparen – die Finanzvermögensbildung schwächer und je Quartal sehr selektiv aus. Private Haushalte veranlagten im ersten Halbjahr 2010 5,7 Mrd EUR (das sind 114 EUR im Durchschnitt pro Monat für jeden Österreicher). Im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren es noch 9,6 Mrd EUR gewesen.

Wie der Direktor der Hauptabteilung Statistik Turner weiter ausführte, waren die konstanten Faktoren im Vermögensaufbau die Ausweitung der Bargeldhaltung (+610 Mio EUR) sowie eine langfristig orientierte Erhöhung der Lebensversicherungs- und Pensionskassenansprüche (2,1 Mrd EUR).

Ein differenziertes Bild zeigt sich bei den übrigen Finanzveranlagungen: Private Haushalte nahmen insbesondere im ersten Quartal 2010 große Umschichtungen in ihren Portefeuilles vor. Bankeinlagen wurden in diesem Zusammenhang in den ersten drei Monaten per saldo um 1 Mrd EUR stark abgebaut. Diese Entwicklung beeinflusste auch den Halbjahreswert massiv, denn der Anteil der neu veranlagten Bankeinlagen an der Geldvermögensbildung lag mit 900 Mio EUR bei nur 16%.

Ebenfalls sehr unterschiedlich war das Kaufverhalten bei Wertpapieren im ersten Halbjahr: Während im ersten Quartal 2010 Anleihen, Aktien und Investmentzertifikate netto um 1,3 Mrd EUR gekauft wurden, fanden im zweiten Quartal minimale Verkäufe statt. Getrieben wurde diese gegenläufige Bewegung durch Bankanleihen und Investmentzertifikate.

Insgesamt bedeutet dies für Banken als traditionell erste Adresse im Vermögensaufbau der privaten Haushalte, dass sie seit 2009 weniger der neu veranlagten Finanzmittel an sich ziehen konnten. Im ersten Halbjahr wurden nur mehr 10% der gesamten 5,7 Mrd EUR in Bankprodukte (Einlagen, Anleihen und Aktien) investiert.

Das Finanzvermögen der privaten Haushalte stieg im ersten Semester nicht nur durch Neuveranlagungen, sondern auch durch positive Kursentwicklungen auf den Kapitalmärkten um 1,4 Mrd EUR. Insgesamt erhöhte sich das Vermögen zwischen Dezember 2009 und Juni 2010 um 7,1 Mrd EUR auf 447 Mrd EUR (+1,6%). Davon entfielen 34% auf Spareinlagen einschließlich Bauspareinlagen. Letztere entwickelten sich allerdings in den vergangenen Jahren weit weniger „dynamisch“ als die sonstigen Spareinlagen.

Private Haushalte verschuldeten sich im ersten Halbjahr 2010 nur mittels Wohnbaukrediten (380 Mio EUR), während im nahezu gleichen Ausmaß Konsum- und sonstige Kredite netto getilgt wurden. Damit setzt sich der seit 2008 feststellbare Trend einer deutlichen Verlangsamung der Kreditaufnahmen durch private Haushalte fort.

Private Haushalte hatten zum Ultimo 2010 Kreditschulden in Höhe von 156,3 Mrd EUR, davon 25% in Fremdwährungen denominiert (38 Mrd EUR). Kreditschulden in Höhe von 134 Mrd EUR waren bei inländischen Banken ausstehend. Wichtigste Kategorie innerhalb der Verbindlichkeiten waren mit 65% (101 Mrd EUR) Wohnbaufinanzierungen.
     
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