Wein: 2010, das Jahr der Herausforderung   

erstellt am
03. 11. 10

Wien (öwm) - Der Witterungsverlauf des Jahres 2010 hat den österreichischen Winzern ihr gesamtes Know-How und Können abverlangt. Nach einem Winter, der mit Kälte und im Februar fast frühlingshaften Temperaturen spielte, begann auch der März mit eisigen Temperaturen und endete frühlingshaft. Der April hielt den Westen und Süden Österreichs trocken, in den Weinbaugebieten gab es starke Regenfälle, Hagelschauer und Überflutungen. Im Mai folgten teils viele Niederschläge, dafür wurde an Sonne gespart. Auch der Juni war eher ein holpriger Start in den Sommer. So sorgte Regen und Kälte während des Blütezeitpunktes für Befruchtungsprobleme und verbreitet schwachen Fruchtansatz. Der Zeitpunkt der Blüte war ca. zwei Wochen später als im letzten Jahr, was wieder einmal einen „normalen“ Blütezeitpunkt bedeutete. Während die Witterung bis Ende Juli relativ trocken war, prägten ab August viele Niederschläge das weitere Vegetationsjahr. Das resultierte in einem hohen Infektionsdruck und damit viel Arbeit zur Erhaltung der Traubenqualität. Zum Glück spielte Hagel keine so große Rolle wie in den letzten Jahren. Die eher kühle und feuchte Witterung im September führte dazu, dass nicht auf eine höhere Gradation der Trauben gewartet wurde, sondern die Lese möglichst gesunder Trauben im Vordergrund stand. Auch Ende Oktober erschwerte die feuchte Witterung noch die Lesearbeit.

Geringe Erntemenge
Ging man im August noch von einem um 14 % unter dem Durchschnitt liegenden Ergebnis von 2,2 Mill. hl aus, so wurde mittlerweile diese Schätzung deutlich nach unten revidiert. Erwartet wird laut Josef Pleil, Präsident des Österreichischen Weinbauverbandes eine Ernte die deutlich unter 2 Mill. hl liegt, eine derart kleine Ernte gab es zuletzt 1997. Besonders hohe Einbußen verzeichnet heuer Niederösterreich, wobei vor allem das Weinbaugebiet Weinviertel fast um ein Viertel weniger erwartet, aber auch im Gebiet Wagram sowie dem Kamptal und der Wachau wird mit deutlich geringerer Menge gerechnet.

Burgenland
Wie in den anderen Weinbaugebieten wurde es nach einem grundsätzlich guten Wetterverlauf im August richtig feucht. Eisenstadt war mit 255 l/m2 Regen nicht nur der niederschlagreichste Ort, dies ist sogar der höchste Wert der letzten 65 Jahre. Somit wurde der Lese von gesunden Rotweintrauben der Vorzug vor einer möglichen höheren Gradation gegeben. Im Seewinkel war die Lese mit Anfang Oktober weitgehend abgeschlossen, nur noch Spezialitäten wurden am Stock belassen. Auch im Mittelburgenland war Zweigelt zu diesem Zeitpunkt weitgehend geerntet, bei Blaufränkisch wurde noch zugewartet, solange es die Traubengesundheit erlaubte. Im Südburgenland begann die Hauptlese erst Mitte Oktober, hier freut man sich auch über mehr Ertrag und weitgehend gesunde Weingärten, da sie von der Witterung dieses Jahr begünstigt waren – die Regenmengen waren geringer als in den anderen Gebieten.

Die zeitgerecht gelesenen Trauben lassen heuer einen sehr fruchtigen, kernigen Jahrgang erwarten, der guten Sorten- und Gebietscharakter aufweist und nicht zu breit und üppig wirken wird. Auch wenn man sich über gute Qualität freut ist ein Wermutstropfen dabei: bei der Menge wird mit einem Minus von 40 % gerechnet.

Steiermark
In der Steiermark liegt die Erntemenge heuer etwas über dem Vorjahr, aber ebenfalls wetterbedingt unter dem Durchschnitt. Eine vergleichsweise gute Blüte mit wenig Verrieselung sowie ein relativ trockener Sommer mit nur geringen Unwetterschäden ließen auf gute Menge und Qualität hoffen. Doch dann wurde die Steiermark förmlich „zugeschüttet“. Über 400 Millimeter Regen seit August zwang teilweise zu schneller Lese, um die bis dahin gute Traubengesundheit nicht zu verlieren und Einbußen durch den plötzlichen Fäulnisdruck in Kauf nehmen zu müssen. Somit war die Lese 2010 vielerorts bereits Mitte Oktober zu Ende. Laut Weinbaudirektor Werner Luttenberger wird man sich mit rund 170.00 Hektoliter zufriedengeben müssen. Legt man den steirischen Pro-Kopf-Verbrauch zugrunde, wären rein rechnerisch die Keller in einem halben Jahr geleert. Wenn auch die Menge die Erwartungen nicht erfüllt hat - die Qualität des Jahrgangs wird durchaus positiv. Die Weine werden sich sehr frisch präsentieren, eine hervorragende Fruchtigkeit haben und ausreichend Alkohol besitzen. Die Säure wird “knackiger als in den vorigen Jahren sein“ so Luttenberger.

Wien
Durch gewissenhafte Weingartenarbeit wurde eine etwas größere Erntemenge als im Vorjahr erreicht, doch die Folgeschäden des großen Hagels aus dem Jahr 2009 an den Rebstöcken drücken immer noch auf den Ernteschnitt. Regional unterschiedlich war bezirksweise die Traubenqualität und der Fäulnisdruck, so gibt es beim Regen Unterschiede diesseits und jenseits der Donau von bis zu 300 mm! Auch in Wien zeigt sich heuer welcher Betrieb seine Weingartenarbeit gut im Griff hatte. Neben leichten Weinen werden ebenfalls gehaltvolle lagerfähige Weine zu finden sein, die sich durch ein gutes Säurerückgrat und Fruchtigkeit auszeichnen.

Niederösterreich
Neben dem schlechten Blütewetter war heuer auch ein schwächerer Traubenansatz festzustellen, womit die Erntemenge weit unter dem Durchschnitt liegt. Wettermäßig war Mitte September bereits fast die eineinhalbfache Jahresniederschlagsmenge zu verzeichnen. Das stellte hohe Ansprüche an die Weingartenarbeit – einerseits wettermäßig zeitgerecht zu Spritzen, andererseits vorsorglich nochmals zu Spritzen und dadurch aufgrund der Wartezeiten mögliche – und dann auch leider auch wirklich eintretende - Regenfälle in Kauf zu nehmen. Oder das Risiko zu wagen - und sollte die Traubengesundheit leiden dann auch sofort zu lesen.

Keine leichte Entscheidung, und sie wurde unterschiedlich getroffen, wobei die Regenmengen auch sehr unterschiedlich ausfielen. Von Vorteil war dabei, dass das sehr feuchte Wetter durch die niedrigen Temperaturen im September die Fäulnis nicht weiter gefördert hat. Und so waren Anfang Oktober zwar die ersten Jungweine schon fertig gefüllt am Markt, die Lese für den Grünen Veltliner wurde aber erst richtig begonnen. Die gebietsweise unterschiedlichen Lesezeitpunkte lassen schon dadurch einen interessanten Jahrgang in Niederösterreich erwarten.

Die Qualität 2010
Von schlank, fruchtig und säurebetont bis zu reifen, voll ausbalancierten Weinen wird mit dem Jahrgang 2010 in Österreich alles zu finden sein. Der weithin der Traubengesundheit wegen gewählte frühere Lesezeitpunkt ergibt moderate Alkoholgehalte, die den Trinkfluss unterstützen. Freuen kann man sich auf jeden Fall über gute fruchtige und duftige Weißweine, die mit einer pikanten Säure und vor allem einer ausgezeichneten Fruchtbrillanz ausgestattet sind. Auch bei Rotweinen wird es ein fruchtig - würziger Jahrgang.

Der Jahrgang 2010 war bereits im Weingarten eine große Herausforderung für die WinzerInnen. Die Eigenheiten des Wetterverlaufes verlangten schnelles Reagieren bei der Weingartenarbeit, aber genauso bei der Lese, und letztendlich bei der Vinfikation. Dieses Jahr beweisen die österreichischen WinzerInnen wieder, dass sie ihr Handwerk beherrschen!
     
Informationen: http://www.österreichwein.at/    
     
zurück