"Jachym hat den Christen Augen für die Zukunft geöffnet"   

erstellt am
02. 11. 10

Weihbischof Krätzl segnete Denkmal für den 1984 verstorbenen Erzbischof-Koadjutor in Wien-Favoriten
Wien (pew) - „Erzbischof-Koadjutor Franz Jachym war nicht nur der große ‚Bau-Bischof‘, er hat als Präsident der Wiener Diözesansynode 1969/71 auch den Christen die Augen für die Zukunft geöffnet“: Dies betonte Weihbischof Helmut Krätzl bei der Segnung des neuen Jachym-Denkmals auf dem Franz-Jachym-Platz und beim anschließenden Festgottesdienst in der Laaerberg-Kirche in Wien-Favoriten. Franz Jachym (1910-1984), der selbst aus Favoriten stammte, hatte im Auftrag von Kardinal Franz König mehr als 150 Gotteshäuser neu erbauen oder restaurieren lassen. Zur Finanzierung ging er neue Wege und schuf die Kirchliche Aufbauanleihe. Diese Anleihe auf dem Geldmarkt (Motto: „Die Kirche baut – die Kirche bürgt“) löste international großes Aufsehen aus, auch beim damaligen Erzbischof von Mailand, Giovanni Montini, der später als Papst Paul VI. (1963-1978) in die Geschichte einging.

Weihbischof Krätzl, der immer eng mit Jachym zusammengearbeitet hatte, erinnerte daran, dass sich im Leben des Wiener Erzbischof-Koadjutors die Geschichte von Stadt und Kirche im 20. Jahrhundert spiegelt. Jachym habe in seiner Jugend und auch später die tiefe Spaltung zwischen Kirche und Arbeiterschaft erlebt, als die Kirche wegen ihrer engen Verbindung mit der Christlich-Sozialen Partei von vielen als „politische Gegnerin“ empfunden wurde. Der spätere Erzbischof-Koadjutor habe aber auch das NS-Regime leidvoll miterlebt: Er war es, der am 7. Oktober 1938 „mit starker Hand“ Kardinal Theodor Innitzer vor dem Zugriff der „Hitler-Jugend“ in Sicherheit brachte. Am Wiederaufbau habe Jachym zunächst als Moralprofessor und dann ab 1950 als Erzbischof-Koadjutor tatkräftig Anteil genommen. In der Zeit Jachyms sei es der Kirche in Wien durch das Verdienst von Kardinal Franz König gelungen, die politischen Spannungen zu überwinden. Heute sei allen in Wien bewusst, welche Bedeutung die Kirche für das soziale Wohl, die immer drängenderen Sorgen der Hilfe für Arme, Alte, Behinderte, aber auch für die versöhnliche Begegnung mit Immigranten hat.

Als „Bau-Bischof“ sei für Jachym klar gewesen, dass christliche Gemeinden Gotteshäuser brauchen, vor allem in den damals rasant wachsenden Neubaugebieten. Oft habe der Erzbischof –Koadjutor jahrelang um einen Kirchenbauplatz ringen müssen, das sei heute leichter, betonte Weihbischof Krätzl. Auch am Laaerberg habe sich Jachym 20 Jahre gemüht, eine Kirche bauen zu können. Weihbischof Krätzl unterstrich, dass Kirchenbau kein „Prestigeobjekt“ der Kirche sei; ein Gotteshaus sei vielmehr „ein Zeichen für Einheit und Frieden, ein Haus, in dem sich alle ohne Ansehen ihrer politischen Meinung daheim fühlen sollen“. Wörtlich sagte der Bischof: „Christen müssen sich versammeln können, nicht um sich abzuschließen, sondern um ein Zeichen zu setzen, dass Gott da ist“.

Wesentliches habe Erzbischof Jachym bei der Wiener Diözesansynode geleistet, erinnerte Krätzl. Das Zweite Vatikanische Konzil habe die Christen gelehrt, dass Kirche nicht nur Priester und Bischöfe sind, sondern alle getauften und gefirmten Christen. Bei der Diözesansynode habe Jachym eine „Streitkultur“ entwickelt, die es den Vertretern unterschiedlicher Auffassungen möglich machte, miteinander zu reden. Die Beschlüsse der Synode seien auch heute grundlegend für das Zusammenleben der Katholiken in der Erzdiözese Wien. „Wir leben von den Beschlüssen dieser Synode“, so der Wiener Weihbischof. Wie selbstverständlich sei heute die erneuerte Liturgie, „die nur mehr die Älteren als neu empfinden“, die Pfarrgemeinderäte, die Gliederung der Erzdiözese Wien in drei Territorialvikariate. Bei der Synode sei es aber auch darum gegangen, den „großen Schritt von Papst Johannes XXIII.“ zu den „anderen christlichen Kirchen“, den Weltreligionen, zur Welt insgesamt für die Erzdiözese Wien anzuwenden.

Das von Architekt Herbert Schmid entworfene Jachym-Denkmal aus Carrara-Marmor bezeichnete Weihbischof Krätzl als ein Zeichen dafür, „wie Christen heute leben sollen“. Das Denkmal sei ein Symbol, wie sich heutige Seelsorge den Menschen zuwende. In das Denkmal – eine prismenförmige Architekturskulptur – ist u.a. ein Zitat von Kardinal Franz König integriert: „Durch seine umsichtige Leitung einer umfangreichen Bautätigkeit gelang Jachym der äußere Wiederaufbau und großzügige Ausbau in der Erzdiözese Wien. Dies alles sah er im Blick auf die geistige und geistliche Erneuerung der Kirche von Wien“.
Anlass zur Errichtung des Denkmals war der 100. Jahrestag der Geburt von Franz Jachym am 3. September 2010.
     
Informationen: http:// www.erzdioezese-wien.at    
     
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