Prammer: Sanierung des Parlaments unter größtmöglicher Transparenz   

erstellt am
11. 11. 10

ParlamentsredakteurInnen erleben das Haus vom Keller bis zum Dach
Wien (pk) - Nationalratspräsidentin Barbara Prammer lud am Abend des 10.11. die Mitglieder der Vereinigung der Parlamentsredakteurinnen und -redakteure zu einer Führung der besonderen Art ein. Die Journalistinnen und Journalisten blickten diesmal nicht hinter die politischen Kulissen, sondern konnten Einblick in die sonst nicht zugänglichen Räumlichkeiten des historischen Parlamentsgebäudes nehmen, wo ihnen der dringend notwendige Sanierungsbedarf vor Augen geführt wurde. Anlass für die Führung war der Empfang des neuen und wiedergewählten Vorstands der ParlamentsredakteurInnen.

Das Haus ist kein "marodes Gebäude", betonte Hermann Schnell, zuständig für das künftige Nutzungskonzept. Die Parlamentsdirektion habe immer die notwendigen Maßnahmen ergriffen, um unmittelbare Gefahren auszuschließen, hielt er fest. In Anbetracht des Alters des Hauses sei es aber nicht mehr damit getan, nur den Zustand des Gebäudes zu erhalten. Eine Gesamtsanierung sei unumgänglich, das habe auch das durchgeführte "Gebäuderöntgen" klar gezeigt. Schnell wies mehrmals darauf hin, dass die architektonische Konzeption Theophil Hansens für das Parlamentsgebäude sowie die Bauausführung und die dabei verwendeten Materialien von erstklassiger Qualität seien. Dies erlaube, auch unter Einhaltung aller Auflagen des Denkmalschutzes, bisher ungenutzte Nebenräume vom Keller bis zum Dach in ein neues Nutzungskonzept einzubeziehen und damit eine "Aktivierung toter Flächen" durchzuführen.

Ziel sei es, dadurch einen optimalen Parlamentsbetrieb mit verbesserten Arbeitsplätzen und Barrierefreiheit, mit einem verbesserten Brandschutz und verringerten Betriebskosten zu erreichen. Beispielsweise konnte bisher der Dachboden nicht gedämmt werden, muss aber im Winter beheizt werden, um kritische Schneelasten auf dem Dach zu vermeiden – nur ein Beispiel dafür, wie Energiekosten künftig eingespart werden könnten.

Das Sanierungskonzept und das Nutzungskonzept werden derzeit auf ihre Machbarkeit überprüft und sollen zu einem Gesamtkonzept zusammengeführt werden. Dieses wird dann die Grundlage für die im Februar 2011 zu treffende Entscheidung über das weitere Vorgehen sein. Nationalratspräsidentin und "Bauherrin" Barbara Prammer betonte, sie sei um absolute Transparenz bei der Vorbereitung und Durchführung der Sanierung bemüht. Es werde auf alle Fälle eine begleitende Kontrolle geben, wobei auch der Rechnungshof eingebunden werde.

Die Präsidentin rechnet nicht mit einem Beginn der Sanierung vor Ende des Jahres 2013, zumal die Ausschreibungen und die Vergabe der Aufträge eine äußerst komplexe Angelegenheit darstellen. Nur eine genaue Planung der Abläufe garantiere, dass die Kosten der Sanierung in einem vertretbaren Rahmen bleiben. Es gehe bei dieser Aufgabe nicht um ein schönes Ambiente für die Politik, sondern um das Parlamentsgebäude an sich und seinen Wert, unterstrich Prammer.

Der Rundgang führte zuerst in den "Mischraum" unter dem Nationalratssitzungssaal. In diesem Druckluftraum, der das Kernstück der Belüftungsanlage darstellt, wird Frischluft mit Warmluft vermengt und durch Lüftungsschächte im Gebäude verteilt. In diesem an sich gut konzipierten begehbaren Lüftungssystem liege aber auch ein großes brandschutztechnisches Problem, erläuterte der Brandschutzexperte Michael Pausa. Es bestehe nicht nur die Gefahr der Rauchausbreitung im Brandfall, sondern die später verlegten elektrischen Leitungen bildeten ein zusätzliches Risikopotential. Deshalb sei das Nutzungskonzept auch mit einem Brandschutzkonzept zusammenzuführen, um heutigen Normen zu entsprechen, stellte er fest. Vor dem Hintergrund der Öffnung des Parlaments für die Öffentlichkeit sei es erforderlich, Brandschutzabschnitte zu schaffen. Es werde auch eine Brandalarmordnung und in allen Bereichen des Gebäudes eine Sicherheitsbeleuchtung geben.

Die Gäste konnten am Dachboden auch einen Blick auf die Glasdecken des Plenarsaals und der Säulenhalle werfen und dabei erkennen, wie sehr das Tauwasser, das unter dem Dach entsteht, die Bausubstanz auf Dauer angreift. Die Begehung des Dachbodens gab aber auch die Möglichkeit, die "schlummernden schönen Raumreserven" des Hauses zu erleben. Theophil Hansen hat in seinem Alters- und Hauptwerk sogar die nicht genutzten Räumlichkeiten mit "formaler und handwerklicher Präzision" gestaltet, wie Hermann Schnell formulierte.
     
zurück