Antiker Millionen-Schatz aus Österreich   

erstellt am
10. 11. 10

8,8 Millionen Euro bei Auktion in New York für römische Statuen aus Österreich
Innsbruck (universität) - Am 16.11. um 19.00 Uhr berichtet Gallus Pesendorfer M.A. (Stellvertretender Direktor von Sotheby's Österreich / Deputy Director Sotheby's London) in seinem Vortrag "Der Torso in meiner Tür - Antiken am internationalen Kunstmarkt" im Archäologischen Museum Innsbruck, ATRIUM-Zentrum für Alte Kulturen, Langer Weg 11, 6020 Innsbruck über die überraschende Auffindung dieser Figuren in Graz und ihre und Versteigerung in New York.

In der Gründerzeitvilla des Urgroßvaters der Grazer Architektenfamilie N. fanden gerade Renovierungsarbeiten statt, als hinter einer zugenagelten Tür die Reste der Statue eines römischen Kaisers in voller Rüstung entdeckt wurden. Es war bekannt, dass die kunstsinnigen Vorfahren der Familie N. Meteoriten, Käfer, Schmuck und antike Skulpturen im großen Stil gesammelt hatten. Darunter befand sich auch ein prachtvoller antiker Marmortorso, der aus dem kroatischen Solin, dem römischen Salon, stammte, und wohl im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts nach Graz gekommen war. Während sich ein damals ebenfalls entdeckter zweiter Torso heute im Archäologischen Museum in Zagreb befindet, galt die Grazer Figur seit über einem halben Jahrhundert als verschollen. Während des Zweiten Weltkriegs hatte man nämlich die 1,10 Meter hohe Skulptur zum Schutz vor Plünderungen im Zwischenraum zweier Doppeltüren versteckt und diese zugenagelt. Möbel wurden davorgestellt, und so geriet sie dort langsam in Vergessenheit. Andere Wertgegenstände überstanden die Einquartierung russischer Besatzungssoldaten nicht.

Nach dem Fund zogen die aufgeregten Erben einen Experten zu Rate und kontaktierten das Auktionshaus Sotheby's in New York, das die Versteigerung übernehmen sollte. Auf Nachfrage des extra angereisten stellvertretenden Direktors von Sotheby's Österreich Gallus Pesendorfer, ob sich noch weitere Antiken im Besitz der Familie befänden, wurde eine ebenfalls während der Arbeiten entdeckte dreifigurige Satyrngruppe erwähnt, die die Besitzer selbst aber für einen nicht sonderlich wertvollen Abguss aus Gips hielten. "Erst als die stark verschmutzte Figurengruppe hinter einer Kommode hervorgeschleppt wurde, konnte ich erkennen, dass es sich dabei keinesfalls um eine Kopie sondern ebenfalls ein antikes Marmorkunstwerk handelt" berichtet Pesendorfer. Groß war die Überraschung als sich bei Recherchen zeigte, dass es sich bei der Gruppe wohl um das 350 Jahre lang verschollene einzig nachweisbare Exponat "Drei Satyrn im Kampf mit einer Schlange" aus der legendären Antikensammlung Lorenzo de Medicis, genannt der Prächtige, handelt.

Die nach über 50 Jahren wiederentdeckten antiken Marmorwerke aus dem 1. Jahrhundert n.Chr. kamen im Sommer schließlich bei Sotheby's in New York um ein Vielfaches des Ausrufungspreises unter den Hammer. Die vermeintliche Gipsfigurengruppe (Ausrufungspreis 300.000 bis 500.000 US-Dollar) wurde schlussendlich um 3,4 Millionen Dollar von einem anonymen Privatsammler ersteigert. Der Panzertorso, der wohl den römischen Kaiser Augustus, Tiberius oder Claudius darstellt, (Ausrufungspreis: 800.000 bis 1,2 Million US-Dollar) war unter den sieben Bietern im Saal und einer Unzahl von Telefonanwärtern heiß umkämpft, bis um 7,4 Millionen Dollar, mehr als das sechsfache des Ausrufungspreises, ein anonymer Telefonbieter den Zuschlag erhielt. Insgesamt rund 10,8 Millionen Doller (8,8 Millionen Euro) waren die beiden exklusiven Fundstücke dem jeweils Meistbietenden wert. "In Innsbruck wird in dem Vortrag erstmalig über den Millionenfund aus Graz berichtet" freut sich Florian Müller, der Leiter des Archäologischen Museums Innsbruck.
     
Informationen: http://www.uibk.ac.at/archaeologie-museum/    
     
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