Lisabird's Art Collective   

erstellt am
23. 11. 10

Ein neuer Kunstraum in Wien mit internationaler Ausrichtung
Wien (leydolt) - Zum ersten Mal findet in dem von Lisa Kandlhofer neu eröffneten Kunstraum Lisabird´s Art Collective in der Großen Mohrengasse 8, 1020 Wien, auf 500m² Ausstellungsfläche eine internationale Verkaufsausstellung statt. Von 27. November bis 15. Dezember 2010 sind die Arbeiten - aus den Bereichen Malerei, Fotografie, Neue Medien, Mixed Media - von neun jungen, aufstrebenden und bereits bekannten KünstlerInnen aus sieben Ländern zu sehen.

Der Kunstraum
Orte weitestgehender Unabhängigkeit und autonomer künstlerischer Aktivität zu finden, ist heutzutage nicht einfach. Lisabird's Art Collective ist ein solcher Ort inmitten von Wien: er bietet internationalen Kunstschaffenden auf 500m² auf zwei Ebenen großzügige Ausstellungsflächen, um deren künstlerischen Arbeiten zu präsentieren. Zeitgleich ermöglicht er den KünstlerInnen in Atelier- und Wohnräumen interkulturelles, interdisziplinäres und selbstbestimmtes Arbeiten vor Ort.

Lisabird's Art Collective ist ein offener Kunstort, an den auch Kunstinteressierte eingeladen sind, den KünstlerInnen bei deren Arbeit über die Schulter zu blicken und den Entstehungsprozess der Werke unmittelbar mitzuerleben.

Lisa Kandlhofer, Initiatorin und Leiterin von Lisabird's Art Collective, ist Kulturmanagerin und lebt nach längeren Aufenthalten in New York, Toronto und London, wo sie für die UNO und später für Magna tätig war, in Wien. Über die Zusammenarbeit mit dem Bildhauer Calyxte Campe, Neffe von Camille Claudel, knüpfte die erst 25-jährige Grazerin Kontakte mit internationalen KünstlerInnen, SammlerInnen und Museumsleuten. Im Jänner 2010 gründete sie ihr eigenes Kunstmanagement-Unternehmen LIKA.

Kandlhofers Anspruch ist es, Kunstschaffenden unterschiedlicher Sparten - Malerei, Zeichnung, Bildhauerei, Fotografie, Neue Medien - ein Forum zu bieten, in dem in guter Atmosphäre gearbeitet, kontrovers diskutiert sowie Ideen und Meinungen ausgetauscht werden können, wo Kreative, SammlerInnen, GaleristInnen, Museumsleute und Wirtschaftstreibende zueinanderfinden, um gemeinsam Projekte zu realisieren.

Durch Kooperationen mit internationalen Galerien und Partnerschaften mit Wirtschafts- und Kunstunternehmen ist Lisabird's Art Collective aber weit mehr als nur Begegnungs-, Arbeits- und Kommunikationsstätte für Menschen unterschiedlicher Nationalitäten und Kulturkreise: Lisabird's Art Collective ist gleichzeitig Atelier und Galerie. Alle ausgestellten und teilweise vor Ort entstanden Kunstwerke können käuflich erworben werden.


Die Ausstellung
In der ersten Schau des neuen Wiener Offspaces, die von 27. November bis 15. Dezember 2010 in der Großen Mohrengasse 8, 1020 Wien, zu sehen ist, werden Arbeiten von neun KünstlerInnen aus sieben Ländern - Österreich, Irak, Ungarn, Großbritannien, Schweden, Frankreich und Äthiopien - präsentiert, an denen die KünstlerInnen zum Teil direkt vor Ort in den Ateliers von Lisabird´s Art Collective gearbeitet haben.

Der 1973 in Bagdad geborene und seit zehn Jahren in Helsinki lebende Videokünstler Adel Abidin repräsentierte 2007 Finnland auf der Biennale in Venedig, wo er im kommenden Jahr im irakischen Pavillon vertreten sein wird. Mittels intelligent ausgeführter Medienkunst versteht er es, spielerisch, humorvoll und zugleich auf radikale Weise Ideen zu formulieren, in denen er sich mit kultureller Entfremdung einerseits sowie dem Manipulationspotenzial der Informationsgesellschaft und den Grausamkeiten des Krieges im Irak andererseits auseinandersetzt. Seine interaktiven Videoinstallationen machen es möglich, mit den BesucherInnen zu kommunizieren und gemeinsam die Finger in die Wunden der Gesellschaft zu legen.

Der geschriebene Text ist integraler Bestandteil der Bilderserien Armin Pichlers alias MEAPI. Der 1980 geborene Grazer Künstler kombiniert in collageartiger Manier Fotografie, Malerei und Text und lässt den Betrachter dabei bewusst im Ungewissen, welche der drei Ebenen die wichtigere ist. In MEAPIs Malereien beziehen sich Bild und geschriebenes Wort unmittelbar aufeinander, gehen wie selbstverständlich eine Koexistenz ein, um ein integratives Gesamtverständnis zu erreichen. Indem MEAPI ein Wort, eine Wortfolge oder ganze Sätze in seine Werke einbaut, versucht er sich Klarheit über die Dinge zu verschaffen, die er im Begriff ist, motivisch festzuhalten. Er bezeichnet damit das, was er für formal oder inhaltlich interessant hält und konkretisiert Dinge des alltäglichen Lebens, die ihn betreffen oder betroffen machen.

Der bereits international bekannte ungarische Künstler Attila Szücs (geb. 1967) verwendet als Inspiration für seine poetischen und figurativen Gemälde oftmals Vorlagen wie u. a. Fotografien, Zeitungsartikel, Postkarten, Filmstills. Seine Werke vermitteln kühle Distanziertheit und direkte Emotionalität gleichzeitig. Die geheimnisvollen Sujets leben von Gegensätzen und Grenzsituationen und bewegen sich zwischen Fiktion und Wirklichkeit. Durch die teils surreal anmutende Malerei deutet Attila Szücs das vorgefundene Ausgangsmaterial für seine Malerei neu und stellt es in ungewöhnliche Zusammenhänge. So kreiert er neue Realitäten, die ihrerseits wiederum auf Dekodierung und Interpretation von Außen warten.
Der Londoner Künstler Benjamin Cohen (geb. 1986) ist alles andere als ein klassischer Porträtmaler. Obgleich er sich vornehmlich mit der Darstellung des menschlichen Körpers auseinandersetzt, geht sein Interesse weit über das bloße Abbilden der äußeren Erscheinung hinaus. Die Gesichter und Körper der figurativ Dargestellten sind deformiert und wie aus Fragmenten zusammengesetzt oder scheinen im Zerfall begriffen. Cohens klare und kraftvolle Malereien sind Ausdruck der Fragilität des Lebens. Nicht die Wiedererkennbarkeit der Porträtierten steht im Vordergrund, der Künstler reduziert die Figuren auf ihre bloße Kreatürlichkeit. So legt er auch großen Wert darauf, seine Modelle nicht zu kennen, um aus der Distanz heraus den Körper losgelöst von der Persönlichkeit bildnerisch möglichst objektiv zu behandeln.

Die 1984 in Stockholm geborene Issa Salliander beeindruckt sowohl mit extrem großformatigen Ölgemälden als auch mit kleinen Papierarbeiten. Zitate aus Kunstgeschichte, Rock 'N' Roll und Tagespolitik sind der in London lebenden Künstlerin gleichermaßen Inspirationsquelle. Mit sicherem Pinselstrich modelliert Salliander Tiere, die als Identifikationsfiguren dienen und imaginäre Porträts, in denen Autorität, Rasse, Unterdrückung und Diskriminierung thematisiert werden. Die enorme Größe der Leinwände einerseits und die detailliert ausformulierten Zeichnungen andererseits signalisieren persönliche Empathie mit dem Dargestellten. Issa Salliander schafft es auf diesem Wege, das Publikum unmittelbar zu berühren und die in den Bildern verborgenen facettenreichen Geschichten zum Leben zu erwecken.

Der in Budapest lebende französische Künstler Ludovic Thiriez (geb. 1984) arbeitet experimentell mit sehr unterschiedlichen Materialien und kombiniert Techniken miteinander, um der Malerei räumliche Strukturen zu verleihen. Auf der Suche nach Körperlichkeit und Bewegung in der Zweidimensionalität beschäftigt er sich intensiv mit Überlagerung von transparenten Bildern. Durch Vorblenden von Glas erlangen seine Gemälde eine überraschende Plastizität und eine zusätzliche formale wie inhaltliche Ebene, die den Faktor "Zeit" mit ins Bild bringt. Durch die Überlagerung zweier Porträts - eines jungen und eines alten Menschen - scheint das Verhältnis von Zeit und Alter auf die Probe gestellt. Der leere Raum zwischen Glas und Leinwandoberfläche symbolisiert den Transfer von Wissen, Erfahrung und Kultur zwischen den Generationen, verweist auf gesellschaftlichen Wandel und regt an, die uns zur Verfügung stehende Lebenszeit qualitativ zu nutzen.

Durch seine spezielle Maltechnik gelingt dem Budapester Künstler Szilárd Cseke (geb. 1967) ein Balanceakt zwischen Abstraktion und Figuration. Mit genügend räumlichem Abstand erinnern die lichtdurchfluteten Bäume im ersten Augenblick an pointillistische Freiluftmalerei. Die Intensität und die zuweilen in komplementären Kontrasten gesetzten Farben begeistern. Nähert man sich den Bildern, die in der Regel aus der Untersicht heraus Details von Waldlandschaften zeigen, so lösen sich die gegenständlichen Motive und das stimmungsvolle Leuchten jedoch in abstrakte Strukturen auf. Auf inhaltlicher Ebene scheint Szilárd Cseke das impressionistische Thema "Licht und Farbe" in seinen unterschiedlichen Qualitäten künstlerisch neu durchdenken zu wollen und zeigt die Erhabenheit der Natur im romantischen Sinne als eine dem Menschen überlegene. Umweltschutz, Ökologie und die Erhaltung des Regenwaldes sind dem ungarischen Maler Herzensangelegenheiten. Aspekte, die als konzeptioneller Hintergrund seiner Kunst nicht wegzudenken sind.

Der im niederösterreichischen Puchberg am Schneeberg lebende Maler VOKA (geb. 1965) hat sich über viele Jahre mit der Kunst des Realismus auseinander gesetzt. Die von ihm begründete Stilrichtung des "Spontanrealismus" definiert nicht nur seinen dynamischen und emotionsstarken Umgang mit Farbe, sondern lässt auch Rückschlüsse auf den agilen Charakter des Künstlers zu. VOKAs Motive sind das Alltägliche, das scheinbar Verborgene und doch Allgegenwärtige. Der Künstler versucht in seinen Bildern Momentaufnahmen festzuhalten, die ihn selbst berühren. So ist auch eine kleine Digitalkamera sein ständiger Begleiter. Mit ihr fertigt er unablässig Schnappschüsse an, die ihm in der Folge als emotionale Gedächtnisstütze und Inspiration für seine Malerei dienen.

Das warme Kolorit der Bilder Yared Nigussus erinnert an die überbordenden Farben seiner Heimat Äthiopien. Die ursprüngliche Idee zu seiner außerordentlich umfangreichen Porträtserie entwickelte sich vor mehreren Jahren in Gesprächen mit einem heute in Frankreich lebenden ehemaligen afrikanischen Kindersoldaten. Yared Nigussu versuchte das Leid der als Soldaten missbrauchten Kinder in Bilder zu fassen und deren grauenhafte Erlebnisse über die Bildnisse sprechen zu lassen. Seither lässt den im kanadischen Vancouver ansässigen Künstler die Porträtmalerei nicht mehr los. Heute geht es ihm beim Porträtieren insbesondere um das Ebenmaß der Gesichter und die Schönheit menschlicher Formen. Als "unerschöpfliche Quelle der Inspiration" für seine Kunst beschreibt Yared Nigussu die Augen seiner Modelle, die dem Künstler als Fenster zur Seele des Menschen unzählige Geschichten bereithalten.

Katalog
Zu der Ausstellung erscheint ein Katalog in englischer Sprache, mit ausgewählten Farbabbildungen der Werke sowie Kurztexte zu den KünstlerInnen und ihren Arbeiten auf 30 Seiten. Der Katalog ist direkt bei Lisabird´s Art Collective sowie auf Anfrage kostenlos erhältlich.


Lisa Kandlhofer
Lisabird´s Art Collective
Große Mohengasse 8
1020 Wien

Ausstellungsdauer: 27. November - 15. Dezember 2010
Öffnungszeiten: Di - So: 12.00 - 22.00 Uhr
     
Informationen: http://www.lisabird.tv    
     
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