Konjunktur bleibt trotz steigender Risiken in Schwung   

erstellt am
15. 03. 11

Bank Austria Konjunkturindikator im Februar weiterhin auf 3-Jahreshoch – Österreichs Wirtschaft weiter in guter Stimmung, Binnennachfrage gewinnt an Stärke
Wien (ba) - Mit kräftiger Unterstützung aus dem Ausland geht die Erholung der österreichischen Wirtschaft weiter. „Der Bank Austria Konjunkturindikator hat im Februar mit einem Wert von 3,7 das 3-Jahreshoch des Vormonats abermals erreicht“, sagt Bank Austria Chefökonom Stefan Bruckbauer. „Der Aufschwung stabilisiert sich, das Konjunkturklima klart weiter auf.“ Die vorhandenen Risiken wie steigende Rohstoffpreise, Unsicherheiten in Zusammenhang mit der Verschuldungskrise in einigen Ländern der Eurozone oder Folgen des Erdbebens in Japan, sollten nach Einschätzung der Ökonomen der Bank Austria den Konjunkturaufschwung in Österreich nicht in Gefahr bringen. Dennoch ist die Konjunkturphase mit der höchsten Dynamik mittlerweile voraussichtlich überschritten.

„Angesichts der guten Stimmung in der heimischen Wirtschaft ist damit zu rechnen, dass sich der derzeit so kräftige Aufschwung in den kommenden Monaten fortsetzen wird, wenn sich auch in der Detailbetrachtung eine leichte Verlangsamung der Dynamik ankündigt“, so Bruckbauer. Der Bank Austria Konjunkturindikator hält auf Basis der günstigen Stimmung unter Österreichs Verbrauchern sein hohes Niveau. „Der derzeitige Optimismus der heimischen Konsumenten stärkt unsere Erwartung, dass der private Konsum aufgrund der günstigen Beschäftigungs-entwicklung das Wirtschaftswachstum auch weiter unterstützen wird, allerdings mit abnehmender Kraft im späteren Jahresverlauf“, meint Bruckbauer. Die Budgetkonsolidierung, höhere Inflation und steigende Zinsen werden dem privaten Konsum voraussichtlich nur geringfügig zusetzen, denn die österreichischen Haushalte werden bei weiterhin recht verhaltener Kreditnachfrage ihre traditionell hohe Sparquote leicht reduzieren. Insgesamt ist nach dem Anstieg des privaten Konsums um 1 Prozent real im Jahr 2010 für 2011 ein etwas geringeres Plus von immerhin 0,8 Prozent zu erwarten.

Die Binnennachfrage wird in den kommenden Monaten an Dynamik zulegen können, was kräftigeren Investitionen zu verdanken sein wird. „Der moderate Aufschwung der Investitions-tätigkeit seit Mitte vorigen Jahres wird sich beschleunigen“, ist Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl überzeugt. „Die Kapazitätsauslastung in der heimischen Industrie ist mittlerweile sogar höher als in Deutschland und liegt bereits über dem Vorkrisenniveau. Angesichts stark steigender Neuaufträge und wachsender Auftragsrückstände besteht ein Nachholbedarf, der sich 2011 in einem Plus der Ausrüstungsinvestitionen um über 6 Prozent zeigen wird. Die Bauinvestitionen werden dagegen aufgrund der Zurückhaltung der öffentlichen Hand im laufenden Jahr verhalten bleiben.

Im Sog der dynamischen Auftragslage aus den vornehmlich asiatischen Schwellenländern zeigt mittlerweile auch der innereuropäische Handel klar nach oben. „Die Zuversicht unter Österreichs Industriebetrieben hat sich auf dem höchsten Stand seit mehr als drei Jahren stabilisiert, unterstützt durch das günstige europäische Stimmungsumfeld“, so Pudschedl. Während die positive Stimmung in Italien, Frankreich sowie einigen osteuropäischen Ländern, wie Slowakei und Polen jüngst etwas zurückgegangen ist, steht die Konjunkturlokomotive Deutschland weiterhin unter Dampf. Das komfortable Auftragspolster, sowohl der europäischen als auch der österreichischen Industrie verspricht für die kommenden Monate ein anhaltend solides Produktionswachstum. „Die Auslandsnachfrage wird in den kommenden Monaten jedenfalls die treibende Kraft der heimischen Wirtschaft bleiben, wenn auch der Schwung mittelfristig nachlassen dürfte“, meint Pudschedl.

Der Höhenflug der Rohstoffpreise, zusätzlich angefacht durch die Unruhen in der arabischen Welt, hat die Abwärtsrisiken für die globale Wachstumsdynamik erhöht. Zudem steigen die Sorgen hinsichtlich zumindest kurzfristig negativer wirtschaftlicher Folgen der Ereignisse in Japan, die jedoch aufgrund der bisher vorliegenden Datenlage nicht seriös bestimmt werden können. Augenscheinlichste Gefahr für die Entwicklung in Europa bleibt die angespannte Verschuldungssituation der Länder an der EU-Peripherie. „Die am EU-Gipfel am Wochenende vorgeschlagenen Maßnahmen könnten sich erneut als zu gering herausstellen. Mehr Flexibilität wäre ein besserer Garant für die Stabilisierung der Situation“, meint Bruckbauer.

„Bei einem zu etwa gleichen Teilen von der Binnen- und Auslandsnachfrage getragenen Wirtschaftswachstum gehen wir für 2011 von einem Anstieg des BIP um 2,3 Prozent aus. Dies ist sogar ein etwas stärkeres Wachstum als 2010. Allerdings werden sich die Quartalswachstumsraten 2011 gegenüber den sehr starken Zuwächsen der letzten drei Quartale von 2010 etwas abschwächen“, beschreibt Bruckbauer das aktuelle Wachstumsszenario der Bank Austria für das laufende Jahr. Mit Anstiegen um 0,3 bis 0,5 Prozent zum Vorquartal, wird die österreichische Wirtschaft im laufenden Jahr weiterhin recht schwungvoll unterwegs sein.
     
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