Tirol: Start des Integrationsprojekts "Edelweiß"   

erstellt am
07. 04. 11

Einzigartiges Projekt unterstützt unbegleitete minderjährige Flüchtlinge bei Integrationsprozess
Innsbruck (lk) - Mit dem Ziel, 16- bis 20-jährigen Flüchtlingen die Eingliederung ins berufliche und soziale Leben in Österreich zu erleichtern, läuft Anfang April 2011 im Nationalpark Hohe Tauern in Tirol das bisher einzigartige Integrationsprojekt „Edelweiß“ an. Es wird in enger Kooperation des Vereins der „Freunde des Nationalparks Hohe Tauern“ mit dem Land Tirol und Caritas durchgeführt und von der Jacobs Foundation finanziert.

Im Mittelpunkt dieses Projektes stehen so genannte „unbegleitete minderjährige Flüchtlinge; diese mussten ohne Begleitung ihrer Eltern oder anderer erwachsener Bezugspersonen ihr Heimatland verlassen und haben in Österreich ein Asylgesuch gestellt. Sie leben nun in Tirol, Wien und im Burgenland.

In der eindrucksvollen Bergwelt sollen diese jungen Menschen bei ihrer Integration gezielt unterstützt werden. Dabei liegt der Schwerpunkt auf beruflicher Integration und dem kulturellen Lernen. Über individuelle Beratung, Arbeitspraktika in Betrieben und Bewerbungstrainings sowie Nationalpark-Aktivitäten – gemeinsam mit erfahrenen Rangern – erhalten sie Einblicke in verschiedene Berufsfelder. Sie lernen Menschen und Lebensformen im ländlichen Raum kennen und werden so praxisnah auf ihr berufliches und soziales Leben in Österreich vorbereitet.

Entwickelt wurde das innovative Projekt in enger Kooperation des Vereins „Freunde des Nationalparks“ mit der Caritas der Erzdiözese Wien, dem Nationalpark Hohe Tauern, dem Land Tirol, der Sigmund Freud Universität und der Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik. Finanziert wird das Projekt von der Jacobs Foundation, einer in der Kinder- und Jugendentwicklung international tätigen Stiftung mit Sitz in Zürich.

Der Tiroler Landeshauptmann-Stellvertreter und Nationalpark-Referent Hannes Gschwentner begrüßt das Projekt als Beitrag zum interkulturellen Dialog in der Region. „Die Einbindung in das Nationalparkprogramm ermöglicht einen innovativen interkulturellen Austausch z.B. über die Kontakte zu Betrieben und zur Bevölkerung vor Ort. Dies ist nicht nur für die jungen Menschen positiv, sondern ist auch eine Bereicherung für die Menschen, die in der Region leben. Durch das Projekt erhalten sie die Gelegenheit, die Lebenswelten der Flüchtlinge kennenzulernen“, erklärt Gschwentner.

Werner Wutscher, Präsident des Vereins der Freunde des Nationalparks Hohe Tauern kommentiert das Projekt folgendermaßen: „Die Jugendlichen lernen durch die Wissensvermittlung der Ranger und über erlebnispädagogische Aktivitäten direkt im Nationalpark die Umgangsformen mit der Natur kennen und erfahren damit auch einen wichtigen Aspekt unseres mitteleuropäischen Weltbildes.“

„Die Projektteilnehmer sind asylberechtigt oder es wurde ihnen subsidiärer Schutz zuerkannt. Da sie wissen, dass sie in Österreich bleiben dürfen, sind sie sehr bemüht, Integrationsschritte zu setzen. Die Fortschritte bei ihren Deutschkenntnissen sind beachtlich. Ein gezieltes Stufenprogramm über acht Wochen soll ihnen Einblick in verschiedene Berufsbereiche geben und den Berufseinstieg erleichtern“, erläutert Tirols Soziallandesrat Gerhard Reheis. Job-Coaching, Schnupperpraktika und Naturvermittlung im Nationalpark sollen berufliche und persönliche Kompetenzen fördern und den Einstieg in den Arbeitsmarkt erleichtern. Das Projekt „Edelweiß“ läuft in fünf Modulen bis Ende 2011.

„Integrationsprozesse sind sehr komplexe Vorgänge. Integration braucht daher viele unterschiedliche Ansätze und innovative Ideen. Durch die Angebote in diesem Projekt erhalten die jungen Menschen konkrete Perspektiven für ihren weiteren Bildungs- und Berufsweg in Österreich“, betont Bettina Schörgenhofer, die Bereichsleiterin von „Hilfe in Not“, der Caritas der Erzdiözese Wien.

Es sei zudem von großer Bedeutung, dass solch innovative und ressourcenintensive Projekte von unabhängiger Seite wissenschaftlich begleitet und auf Ihre Wirkung hin ausgewertet würden, weiß Sandro Giuliani von der Jacobs Foundation. „Auf diesem Weg wird sichergestellt, dass künftige Projektentscheide aufgrund wissenschaftlich solider Ergebnisse gefällt werden können“.
     
zurück