Privatisierungen / Schließung der Austria Tabak Hainburg  

erstellt am
06. 05. 11

Austria Tabak: Weiterhin 500 Mitarbeiter in Österreich beschäftigt
Geänderte Rahmenbedingungen - Faire Behandlung aller betroffenen Mitarbeiter
Wien (jti) - Aufgrund des Rückganges der versteuerten Zigarettenmengen in den europäischen Märkten mussten die Pläne von 2007, Hainburg als Zigarettenfabrik für ein jährliches Produktionsvolumen von 15-20 Mrd. Stück Zigaretten auszubauen, neu bewertet werden. Nach einer sorgfältigen Prüfung der Entwicklung der EU-Märkte musste das Unternehmen anerkennen, dass dieser Plan nicht länger realisierbar ist, und beabsichtigt daher, die Produktion zu verlagern und die Fabrik Hainburg zu schließen.

Das versteuerte Zigarettenvolumen in den europäischen Märkten, welche von der Fabrik Hainburg aus beliefert werden, war in den letzten Jahren rückläufig. Aus diesem Grund musste das Unternehmen den Plan von steigenden Produktionsmengen in Hainburg neu bewerten. Die aktuellen Produktionsprognosen für 2011 gehen nur mehr von rund 10 Mrd. Zigaretten aus. Die Gesamtkosten für die Infrastruktur der Hainburger Fabrik erlauben daher keine kosteneffiziente Produktion mehr (an diesem Standort).

Investitionspläne von 2007 die Fabrik Hainburg aufzurüsten
Nach der Akquisition von Gallaher und Austria Tabak im Jahr 2007 konzentrierte JTI die österreichische Zigarettenproduktion in Hainburg. Mit Investitionen in Mitarbeiter, Maschinen und Infrastruktur wurde der Hainburger Betrieb zu einer JTI Fabrik mittlerer Größe mit einer jährlichen Produktionskapazität von 15-20 Mrd. Zigaretten aufgerüstet. Diese Entscheidung basierte auf der Annahme weitgehend stabiler versteuerter Zigarettenabsatzmengen in den europäischen Märkten.

Geänderte Rahmenbedingungen
Die externen Umfeldfaktoren haben sich seit 2007 dramatisch verändert: In den EU-Märkten ging sowohl der Konsum als auch das versteuerte Zigarettenvolumen zurück, verstärkt durch die Finanzkrise und Tabaksteuererhöhungen in ganz Europa. Gleichzeitig gab es einen Anstieg der nicht versteuerten Zigarettenmengen durch Schmuggel und der vermehrten Verfügbarkeit von gefälschten Produkten. Davon sind auch die Produktionsmengen in Hainburg stark betroffen.

Der österreichische Markt (entspricht ungefähr 40% der Produktion von Hainburg), der sich selbst mit zunehmend großen Herausforderungen konfrontiert sieht, konnte den Volumenrückgang der anderen Märkte nicht wettmachen: Zum einen die dramatische Tabaksteuererhöhungen im Jahr 2011, bei denen die Regierung die von unserem Unternehmen und den Trafikantenvertretern gemachten Vorschläge zur Steigerung des Tabaksteueraufkommens und gleichzeitig weniger drastischen Auswirkungen auf den versteuerten Zigarettenmarkt nicht berücksichtigte; zum anderen ein sehr hoher Anteil nicht in Österreich versteuerter Zigaretten - begünstigt durch die Erhöhung der Einfuhrlimits von 200 auf 800 Stück Zigaretten. Unter diesen schwierigen Umständen ist es umso wichtiger, dass unsere Produkte für den österreichischen Markt kosteneffizient produziert werden.

Anpassung der Organisationsstruktur am Wiener Standort
Als Konsequenz der beabsichtigten Schließung der Fabrik Hainburg wurde auch eine Bewertung der zukünftigen Anforderungen an den Wiener Standort gemacht.

Dabei wurde in Betracht gezogen, dass es im Falle einer Schließung der Fabrik keinerlei funktionaler Unterstützung mehr dafür bedarf. Weiters ist auch die Integration der österreichischen Einheit in die Konzernprozesse (Einführung von SAP und anderer Unternehmensprozesse) nun abgeschlossen.

Faire Behandlung aller betroffenen Mitarbeiter
Das Unternehmen betont, dass die Mitarbeiter in Hainburg und Wien eine exzellente Arbeit während der Integration und der Aufrüstung der Fabrik Hainburg geleistet haben. Daher ist es umso bedauerlicher, dass hauptsächlich externe Veränderungen zu den nun angekündigten Plänen geführt haben.

Diese Pläne betreffen zusammen ungefähr 320 Arbeitsplätze - ca. 240 in Hainburg und ca. 80 in Wien.

Der Kultur des Unternehmens entsprechend und wie bereits in der Vergangenheit praktiziert, wird allen betroffenen Mitarbeitern eine faire und angemessene Behandlung zugesichert. In einem nächsten Schritt wird das Unternehmen Beratungen mit dem Betriebsrat führen, um diese Pläne und deren Auswirkungen auf die betroffenen Mitarbeiter zu diskutieren.

JTI Bekenntnis zu weiterer starken Marktpräsenz in Österreich
Nach der geplanten Restrukturierung wird JTI weiterhin 500 Mitarbeiter beschäftigen und das führende Tabakunternehmen in Österreich sein. Der österreichische Markt wird auch in Zukunft ein wichtiger Markt für JTI sein mit fortgesetzten Investitionen in die Mitarbeiter sowie Marken.

Das Großhandelsunternehmen Tobaccoland und die F&E Einrichtung Ökolab sind von diesen angekündigten Plänen nicht betroffen.

Japan Tobacco International (JTI) gehört zur Japan Tobacco Group of Companies (JT), einem führenden internationalen Hersteller von Tabakprodukten. JTI stellt drei der Top fünf Zigarettenmarken weltweit her: Winston, Mild Seven und Camel. Weitere internationale Marken sind u.a. Benson & Hedges, Silk Cut, Sobranie of London, Glamour und LD. Mit Sitz in Genf und einem Nettoumsatz von USD 10,2 Milliarden zum 31. Dezember 2010 beschäftigt Japan Tobacco International mehr als 25.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und ist in 120 Ländern tätig. Austria Tabak gehört seit 2007 zu der JTI Unternehmensgruppe.

 

 Kopf: Mut zu weiteren Privatisierungen
ÖVP-Klubobmann: Gesundung der Staatsfinanzen hat Vorrang
Wien (övp-pk) - Die in den 80er Jahren eingeleiteten Privatisierungen staatseigener Unternehmen haben zu einer nachhaltigen Existenzsicherung zahlreicher Betriebe geführt. Aus hochverschuldeten, unrentablen und strukturell festgefahrenen Unternehmen wurden gewinnbringende, prosperierende sowie wettbewerbs- und leistungsfähige Konzerne, die Arbeitsplätze sicherten und neue schufen. Auch in Zukunft muss der Gedanke der Privatisierung aktiv umgesetzt werden, ohne dabei strukturnotwendige Institutionen in Frage zu stellen, sagte ÖVP-Klubobmann Karlheinz Kopf am 05.05.

Kopf unterstützt in dieser Frage Aussagen von Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl und IV-Präsident Veit Sorger, die heute in einer Pressekonferenz weitere Privatisierungsschritte gefordert haben.

"Die Gesundung der Staatsfinanzen und Rückführung der Verschuldung haben absoluten Vorrang. Dafür müssen alle verfügbaren Potenziale ausgeschöpft werden. Für die Budgetsanierung müssen wir auch wieder den Mut haben, den Privatisierungsprozess des letzten Jahrzehnts aufzugreifen" betont der Klubobmann der ÖVP. Die Privatisierung von ÖIAG-Beteiligungen sind ein gutes Beispiel, wie erfolgreich eine strukturelle und eigentümerseitige Neuaufstellung von Unternehmen vorgenommen werden kann, um zum einen die Staatsschulden zu reduzieren und zum anderen den Unternehmen eine neue Perspektive zu geben", schloss Kopf.

 

 Kräuter: Privatisierungen sind keine Mutfrage
Vergangenheit noch nicht bewältigt
Wien (sk) - SPÖ-Bundesgeschäftsführer Günther Kräuter weist die heutige Aussage von ÖVP-Klubobmann Karl-Heinz Kopf im Fahrwasser der aktuellen Privatisierungsvorstöße von Wirtschaftskammer und Industriellenvereinigung zurück, wonach es "Mut" brauche, "den Privatisierungsprozess des vergangenen Jahrzehnts aufzugreifen". Kräuter am 05.05. im Gespräch mit dem SPÖ-Pressedienst: "Privatisierungen sind keine Frage des Mutes, sondern eine Frage der langfristigen wirtschaftspolitischen Vernunft. Die SPÖ weist mit Nachdruck alle Forderungen nach weiterer Verschleuderung von öffentlichem Eigentum zugunsten privater Profiteure zurück."

Der Zugang von einzelnen Repräsentanten aus Politik und Wirtschaft, sich aller wirtschaftspolitischen Steuerungsmöglichkeiten in der Republik Österreich von der Daseinsvorsorge bis zur Energieversorgung zu begeben, sei für die SPÖ nicht nachvollziehbar.

Die heute bekannt gewordene Schließung eines weiteren Produktionsstandortes der unter Schwarz-Blau verscherbelten Austria Tabak koste weitere 320 Arbeitsplätze. Kräuter verweist ergänzend darauf, dass die skandalösen Begleiterscheinungen der Privatisierungen des letzten Jahrzehnts derzeit die Justiz massiv beschäftigen würden. "Allein die noch nicht vollständig aufgeklärte BUWOG-Causa mit Grasser, Meischberger, Plech und Co sollte ausreichen, um von weiteren leichtfertigen Privatisierungsabenteuern Abstand zu nehmen", so Kräuter abschließend.
     
Herbert: Verlust von 240 Arbeitsplätzen in Hainburg ist ein schwerer Schlag für den Bezirk Bruck/Leitha
Nach Arbeitsmarktöffnung weiterer Schlag für die Arbeitnehmer in der Region
Wien (fpd) - "Mit der Schließung des Austria Tabak-Werkes in Hainburg verliert die Region nicht nur 240 Arbeitsplätze, sondern auch genauso viele Arbeitnehmer ihre finanzielle Existenzgrundlage", reagierte der FPÖ-Bezirksparteiobmann und freiheitlicher Bereichssprecher für den Öffentlichen Dienst, NAbg. Werner Herbert, am 05.05. auf entsprechende Presseaussendungen.

Der Verlust dieser Arbeitsplätze und der damit verbundenen Wertschöpfung stelle gerade in einer Zeit, wo nach dem Auslaufen der Übergangsregelungen am 1. Mai 2011 und Inkrafttreten der umstrittenen Arbeitsmarktöffnung zugunsten der östlichen EU-Mitgliedstaaten ohnedies prekäre Zeiten gerade auf den Grenzbezirk Bruck/Leitha zukommen, eine zusätzliche Belastung für die Wirtschaft in der Region dar", so Herbert. Umso Unverständlicher sei daher die Entscheidung der "Austria Tabak", aus marktwirtschaftlichen Gründen die Produktion in ein anderes EU-Land zu verlegen.

"Auf der Strecke bleiben dabei einmal mehr die betroffenen Arbeitnehmer, die nunmehr nicht nur die für sie negativen Folgen einer abgehobenen EU-Wirtschaftspolitik hinnehmen sondern darüber hinaus auch zur Kenntnis nehmen müssen, dass sich auch die heimische Wirtschaft zunehmend ins Ausland verabschiedet. Dieser fatale und desaströse Ausverkauf der heimischen Wirtschaftsinteressen lässt für die zukünftige Entwicklung des Bezirk Bruck/Leitha wahrlich nichts Gutes erwarten - für den Wirtschaftstandort nicht und schon gar nicht für die Arbeitnehmer in der Region", so Herbert abschließend.

 

 Haberzettl: ÖVP hat falsches Verständnis von Mut
Kopf habe mit seiner damaligen Zustimmung im Nationalrat zu den schwarz-blauen Privatisierungen den Verlust dieser Arbeitsplätze mitzuverantworten
Wien (ögb) - "Die ÖVP hat ein völlig falsches Verständnis von Mut", so der stellvertretende Vorsitzende der Verkehrs- und Dienstleistungsgewerkschaft vida, Wilhelm Haberzettl, zu den heutigen Aussagen von ÖVP-Klubobmann Karl-Heinz Kopf, wonach "Mut" notwendig sei, "den Privatisierungsprozess des vergangenen Jahrzehnts aufzugreifen". Durch die Schließung eines weiteren Standortes, der unter der ehemaligen ÖVP-FPÖ-Regierung "ausverkauften" Austria Tabak, verlieren jetzt 320 Beschäftigte ihre Arbeitsplätze.

"Ich fordere die ÖVP und Kopf auf, lieber mehr Mut beim Erhalt und der Schaffung von Arbeitsplätzen an den Tag zu legen." Kopf habe mit seiner damaligen Zustimmung im Nationalrat zu den schwarz-blauen Privatisierungen den Verlust dieser Arbeitsplätze mitzuverantworten, unterstrich Haberzettl am 05.05.

"Heute sorgen die noch nicht vollständig durchleuchteten Skandale im Umfeld der einstigen schwarz-blauen Privatisierungen bereits für eine erhebliche Auslastung der österreichischen Justiz", sagte Haberzettl. "Angesichts der erhobenen Vorwürfe gegen diverse Akteure dieser Zeit, kommt man zum Schluss, dass für das Winden in einem derartigen Morast tatsächlich einiges an Mut - wenn auch der falsche - notwendig war", bekräftigte Haberzett: "Mut darf in der Politik deshalb auf keinen Fall mit korrupter Energie verwechselt werden."

"Wenn man weiß, wie wichtig der gemeinwirtschaftliche Bereich in Österreich beispielsweise für SeniorInnen, PendlerInnen oder SchülerInnen ist, so kann man die heutigen Aussagen von Kopf im Fahrwasser der tragischen Ereignisse bei Austria Tabak nur als verantwortungslos bezeichnen und mit Kopfschütteln quittieren", schloss Haberzettl.

 

 Arbeitnehmer zahlen bei Privatisierungen drauf!
Bereits Anfang 2000 wurde von der damaligen Regierung die Totalprivatisierung der Austria Tabak beschlossenen und Mitte 2001 auch umgesetzt.
Wien (ak) - Die AK spricht sich erneut gegen weitere Privatisierungen aus, wie sie gestern von Wirtschaftskammer und Industriellenvereinigung gefordert wurden. Die heute, Donnerstag, bekannt gewordene Schließung des Austria Tabak Werkes in Hainburg bestätigt die AK Kritik: Österreich hat eine Konzernzentrale und Arbeitsplätze verloren. Gewonnen haben private Investoren, so die AK. Der aktuelle Jobabbau ist die traurige Folge der großen Privatisierungswelle zwischen 2000 und 2006: 240 Mitarbeiter in Hainburg und 80 in der Wiener Zentrale verlieren ihren Arbeitsplatz.

Bereits Anfang 2000 wurde von der damaligen Regierung die Totalprivatisierung der Austria Tabak beschlossenen und Mitte 2001 auch umgesetzt. Die AK war bereits damals vehement gegen eine Totalprivatisierung der Austria Tabak und forderte das Festschrei-ben der strategischen Eigentümerfunktion des Staates in Form einer Verpflichtung zum Halten von zumindest 25 Prozent plus einer Aktie des stimmberechtigten Kapitals seitens der ÖIAG. Damit sollten hohe Verluste an Wertschöpfung und Arbeitsplätzen vermieden werden. Damals waren bei Austria Tabak europaweit noch 3.500 Menschen beschäftigt. 2007 wurde dann der ursprüngliche Käufer, der britische Gallaher-Konzern von Japan Tobacco übernommen. Mit der angekündigten totalen Produktionsverlagerung würden nur mehr rund 500 Arbeitsplätzen in Österreich verbleiben.
     

Wir übernehmen hier Stellungnahmen aller im Parlament vertretenen Parteien –
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