Österreichs Wirtschaft festigt Platz 3   

erstellt am
07. 12. 11

Allianz Studie zur Euro-Zone
Wien (allianz) - Trotz der Staatsschuldenkrise haben sich zwölf von 17 Mitgliedstaaten der Euro-Zone gegenüber dem Vorjahr verbessert, wie die Ergebnisse des aktuellen "Allianz Euro Monitor" zeigen. Österreich ist hinter Deutschland und Luxemburg das wirtschaftlich drittgesündeste Land der Eurozone und konnte im Vergleich zum Vorjahr seinen Gesamtwert verbessern. Um die Stabilität des Euro zu gewährleisten, sei neben der Einführung eines Anleihenversicherers eine engere fiskalpolitische Zusammenarbeit notwendig, ist man bei der Allianz überzeugt.

"Die gesamte Euro-Zone macht Fortschritte im Kampf gegen die Schuldenkrise, Österreichs Wirtschaft gehört zum Spitzentrio. Um Klassenprimus zu werden, müsste Österreich vor allem bei der finanziellen Nachhaltigkeit zulegen", kommentiert Dr. Wolfram Littich, Vorstandsvorsitzender der Allianz Gruppe in Österreich, die Ergebnisse der aktuellen Allianz Studie.

2011: Zwei Drittel der Euro-Länder im Aufwind
Um die Ausgewogenheit und Solidität der Konjunkturentwicklung in der Währungsunion zu messen, hat die Allianz einen Indikator entwickelt: Der sogenannte "Euro Monitor" berücksichtigt neben den Staatsfinanzen auch Exporterfolg, Inlandsnachfrage, Lohnentwicklung, Arbeitslosigkeit und die private Verschuldung. Staaten bekommen in jedem der 15 einzelnen Indikatoren einen Wert zwischen 1 und 10 zugewiesen - je höher der Wert, desto besser die Performance. Zum ersten Mal seit 2007 haben sich makroökonomische Ungleichheiten in der Eurozone nicht ausgeweitet: 12 von 17 Mitgliedstaaten haben ihren Wert gegenüber 2010 verbessert - allerdings weist kein Staat einen Gesamtwert von 8 oder mehr auf. Dies zeige, dass die Staaten der Euro-Zone deutliches Verbesserungspotenzial aufweisen, so die Studie. Über alle insgesamt 15 quantitativen Indikatoren gerechnet, bedeutet das für Österreich (7,0) einen guten dritten Platz hinter Deutschland (7,6) und Luxemburg (7,2). Auf den drei letzten Plätzen befinden sich dagegen Portugal (3,9), Irland (3,7) und Griechenland (2,2). Die nach Deutschland zweitgrößte Euro-Volkswirtschaft Frankreich (5,7) liegt im Mittelfeld auf Rang zehn.

Österreich: Europameister bei Beschäftigung, Produktivität und Ressourceneffizienz
Wirft man einen Blick auf einzelne Indikatoren der Studie, so zeigt sich, dass Österreich im internationalen Vergleich gut abschneidet. Bei der "Wettbewerbsfähigkeit und Inlandsnachfrage" konnte Platz 2 gefestigt werden: Bei den Einzelindikatoren sticht besonders die europaweit zweitbeste Entwicklung bei den Lohnstückkosten hervor. Bei der "Verschuldung privater inländischer Sektoren und Nettoauslandsvermögenssituation" konnte Österreich im Vergleich zum Vorjahr einen Platz gut machen und liegt aktuell auf Platz 3. Dabei stechen insbesondere private Haushalte in Österreich hervor - diese konnten ihre Verschuldung in den letzten fünf Jahren um 2,5 Prozent-Punkte abbauen - und liegen damit auf Platz 2. Bei "Beschäftigung, Produktivität und Ressourceneffizienz" ist Österreich "Europameister": Dabei hat Österreich die niedrigste Arbeitslosenquote der Euro-Zone sowie einen relativ hohen Beschäftigungsanteil (Platz 4) und liegt in Sachen Energieeffizienz auf Platz 2. Die schlechteste Platzierung weist Österreich im Bereich "Finanzielle Nachhaltigkeit" auf, wo es auf Platz 6 liegt, getrieben insbesondere durch eine hohe Staatsverschuldung (Platz 10), sowie die relativ hohe Belastung aus Zinszahlungen an den Staatsausgaben (Platz 9).

Wege aus der Krise: Fiskalunion und Anleihenversicherer
"2011 war das schwierigste Jahr für die Eurozone seit ihrer Gründung im Jahr 1999. Die Euro-Schuldenkrise bleibt ungelöst, es gibt jedoch einige ermutigende Entwicklungen", erklärt Dr. Michael Heise, Chefvolkswirt der Allianz SE. Im Vorfeld des in dieser Woche stattfindenden EU-Gipfels sieht Heise Europa an einem Scheideweg: "Die EU-Regierungschefs müssen eine umfassende Lösung der Staatsschuldenkrise liefern und über einen glaubwürdigen Weg für eine tragfähige und nachhaltige Finanzpolitik entscheiden." Dazu benötige die Eurozone klare und verbindliche Regeln für die Mitgliedsstaaten: Der Stabilitäts- und Wachstumspakt müsste ebenso eindeutige Regeln und wirksame Sanktionsmöglichkeiten erhalten. Den Sparprogrammen in den einzelnen Ländern sollten umgehend strukturelle Reformen folgen. Auch seien laut Heise die Bündelung der Steuerhoheit sowie die Etablierung eines starken Finanz-Kommissars, der mit Eingriffsrechten ausgestattet ist, notwendig, um die Staatshaushalte auf Kurs zu halten. "Sparen alleine ist zu wenig: Europa braucht Maßnahmen, die das Wachstum fördern", so Heise. Als flankierende Maßnahme führen die Allianz Experten die Schaffung eines European Sovereign Insurance Mechanism (ESIM) an: Die bereits für den Euro-Rettungsschirm bereitgestellten Mittel würden teilweise für die Schaffung eines Anleihenversicherers eingesetzt. ESIM erhielte für die garantierten Anleihen eine jährliche Versicherungsprämie vom staatlichen Emittenten, deren Höhe sich an der Verbesserung der Schuldenkennzahlen bemessen sollte. Investoren erhielten so Klarheit über den maximal möglichen Verlust und könnten entsprechend kalkulieren und preisen. Dadurch würde ein bezahlbarer Zugang zu den Kapitalmärkten für die betroffenen Staaten wieder hergestellt werden. "Das Schicksal Europas steht auf dem Spiel. Die Zeit für unausgegorene und halbherzige Maßnahmen ist vorbei", so Heise abschließend.

"Der Euro Monitor 2011" ist die zweite Studie ihrer Art nach der Eurokrise. Herausgegeben von den Volkswirten der Allianz SE analysiert der Monitor die 17 Staaten der Eurozone auf Basis von 15 quantitativen Indikatoren in vier Kategorien: Finanzielle Nachhaltigkeit; Wettbewerbsfähigkeit und Inlandsnachfrage; Beschäftigung, Produktivität und Ressourceneffizienz sowie Verschuldung privater inländischer Sektoren und Vermögenspositionen gegenüber dem Ausland. Als makroökonomisches Monitoring- und Frühwarnsystem dient der Monitor dazu, bestehende und neu aufkommende wirtschaftspolitische Fehlentwicklungen aufzudecken. Erstmals werden bei dieser Analyse auch Faktoren wie der demographische Wandel und der Umgang mit natürlichen Ressourcen einbezogen, weil sie aus Sicht der Allianz Volkswirte einen wesentlichen Einfluss auf das nachhaltige Wachstum einzelner Länder haben."

Vorbehalt bei Zukunftsaussagen der Allianz
Soweit wir in diesem Dokument Prognosen oder Erwartungen äußern oder die Zukunft betreffende Aussagen machen, können diese Aussagen mit bekannten und unbekannten Risiken und Ungewissheiten verbunden sein. Die tatsächlichen Ergebnisse und Entwicklungen können daher wesentlich von den geäußerten Erwartungen und Annahmen abweichen. Neben weiteren hier nicht aufgeführten Gründen können sich Abweichungen aus Veränderungen der allgemeinen wirtschaftlichen Lage und der Wettbewerbssituation, vor allem in Allianz Kerngeschäftsfeldern und -märkten, aus Akquisitionen sowie der anschließenden Integration von Unternehmen und aus Restrukturierungsmaßnahmen ergeben. Abweichungen können außerdem aus dem Ausmaß oder der Häufigkeit von Versicherungsfällen (zum Beispiel durch Naturkatastrophen), der Entwicklung der Schadenskosten, Stornoraten, Sterblichkeits- und Krankheitsraten beziehungsweise -tendenzen und, insbesondere im Bankbereich, aus der Ausfallrate von Kreditnehmern resultieren. Auch die Entwicklungen der Finanzmärkte (z.B. Marktschwankungen oder Kreditausfälle) und der Wechselkurse sowie nationale und internationale Gesetzesänderungen, insbesondere hinsichtlich steuerlicher Regelungen, können entsprechenden Einfluss haben. Terroranschläge und deren Folgen können die Wahrscheinlichkeit und das Ausmaß von Abweichungen erhöhen. Die hier dargestellten Sachverhalte können auch durch Risiken und Unsicherheiten beeinflusst werden, die in den jeweiligen Meldungen der Allianz SE an die US Securities and Exchange Commission beschrieben werden. Die Gesellschaft übernimmt keine Verpflichtung, Zukunftsaussagen zu aktualisieren.
     
zurück