"Jüdische Genies - Warhols Juden" im Jüdischen Museum Wien   

erstellt am
13. 03. 12

14. März bis 2. September 2012 / Museum Judenplatz
Wien (rk) - Im Jahr 1980 schuf Andy Warhol eine Serie von Porträts wichtiger jüdischer Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts. Die Idee dazu stammte von Warhols Freund, dem früheren Anwalt und heutigen Kunsthändler Ronald Feldman. Feldman hatte Warhols Porträt von Golda Meir gesehen, das ihn zu einer Auseinandersetzung mit der jüdischen Geisteswelt inspirierte.

Unmittelbar nach der Präsentation der "Ten Portraits of Jews of the Twentieth Century" entstand in den USA eine Diskussion über die Serie. Warhol sei nur auf Gewinn aus und trivialisiere wichtige historische Figuren. Thematisiert wurde auch die Auswahl der Persönlichkeiten und die Tatsache, dass Warhol kein Jude war. Dennoch wurde die Serie quer durch die USA immer wieder mit großem Erfolg ausgestellt, vor allem in jüdischem Kontext, in Synagogen, jüdischen Gemeindezentren, etc.

Auch wenn die Porträts als oberflächlich abgetan wurden, sorgten die Arbeiten dafür, dass sich viele Menschen mit der Geschichte und den Leistungen der Porträtierten auseinandersetzten. 2008 zeigte das Jewish Museum New York die Serie in einem neuen Kontext - "Warhols Jews, 10 Portraits reconsidered" - und stellte die jüdischen Porträts in Zusammenhang mit der Kontroverse, die sie ausgelöst hatten.

Zur Entstehung der Porträtserie
Der Anwalt Ron Feldman hängte seine berufliche Karriere an den Nagel und stieg in den 1970er Jahren in den Kunsthandel ein. Seitdem führt er mit seiner Frau Frayda in New York eine erfolgreiche Galerie. Feldmans Familie stammte ursprünglich aus Graz, was er selbst erst recht spät erfuhr. Warhol und Feldman lernten einander eher zufällig kennen, kurz nachdem Feldman in den Kunsthandel eingestiegen war. Aus dieser Bekanntschaft entwickelte sich die Idee zu der Porträtserie. Die Auswahl der Porträts erfolgte in einem langen, kreativen Prozess. Aus einer Liste mit fast 100 Namen berühmter Jüdinnen und Juden wurden zehn ausgewählt. Zehn Personen (mit den Marx-Brothers sind es eigentlich zwölf), die nicht nur prominent waren, sondern die größten Denker, kreativen Talente oder Führungspersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts wie etwa Sigmund Freud, Albert Einstein, Martin Buber oder Gertrude Stein.

Für Ronald Feldman war das Projekt sehr wichtig, weil er damit den nächsten Generationen einen Eindruck davon vermitteln konnte, was Jüdinnen und Juden in verschiedenen Teilen der Welt geleistet hatten. Unterschiedliche Dynamiken der Migration waren ebenso Teil der Überlegungen zu der Serie, wie die spezifisch amerikanische Perspektive auf die ausgewählten Personen. Warhol war begeistert von der Idee und der Tatsache, damit in der Geschichte zurückgehen zu können, denn alle Porträtierten waren bereits gestorben. Außerdem experimentierte er bei dieser Serie intensiver als in vielen anderen seiner Arbeiten mit Farben. Für Ronald Feldman ist die Serie vor allem eines: ein großes Projekt für die Geschichte.

25 Jahre nach Andy Warhols Tod betrachtet das Jüdische Museum Wien, ein Unternehmen der Wien Holding, die Porträts im Rahmen der Ausstellung aus einem ganz neuen Blickwinkel: Wer ist die Person, die Warhol zu dieser Serie überredete? Wie hat er Andy Warhol kennengelernt, wie war es, mit ihm zu arbeiten, wie lief die Diskussion über den Auswahlprozess, wer stand auf der Liste der Genies und warum? Diese und viele andere Fragen hat Museumsdirektorin Danielle Spera Ron Feldman gestellt.

Das Interview mit ihm ist neben den Porträts der "Jüdischen Genies", wie Warhol sie nannte, ein Kernstück in der von Danielle Spera und Astrid Peterle kuratierten Ausstellung. Außerdem ist ein Warhol-Porträt André Hellers zu sehen, der Warhol 1981 während seines Wienbesuches die Stadt zeigte. Der Wienbesuch Warhols wurde auch fotografisch festgehalten. Diese Fotoserie stammt von Gabriela Brandenstein. Die Sammlung WestLicht Wien hat dem Jüdischen Museum einige Porträts zur Verfügung gestellt, die berühmte Fotografen, z.B. Helmut Newton, von Andy Warhol angefertigt haben.

Zur Ausstellung erscheint ein zweisprachiger Katalog: "Jüdische Genies - Warhols Juden", ISBN-Nr.: 978-3-901398-63-6, um 18 Euro, in dem sich auf 72 Seiten Textbeiträge von Danielle Spera, Sebastian Egenhofer, Astrid Peterle und André Heller befinden. Der Katalog ist ab sofort im Museum erhältlich.

"Jüdische Genies - Warhols Juden" ist von 4. März bis 2. September 2012 im Museum Judenplatz, 1., Judenplatz 8 zu sehen. So-Do 10.00-18.00 Uhr, Fr 10.00-14.00 Uhr, Sa geschlossen.

Das zu den Kulturbetrieben der Wien Holding zählende Museum in der Dorotheergasse ist Sonntag bis Freitag von 10.00 bis 18.00 Uhr geöffnet. Das Museum Judenplatz hat Sonntag-Donnerstag von 10.00-18.00 Uhr, Freitag 10.00-14.00 Uhr geöffnet. Samstag sind die Museen geschlossen.

Für beide Museen (Dorotheergasse & Judenplatz) gibt es ein gemeinsames Ticket zum Preis von 10 Euro, ermäßigt 8 Euro, Gruppen 7 Euro, Kinder bis zum vollendeten 14. Lebensjahr frei, SchülerInnen (ab 15 Jahren), Lehrlinge, StudentInnen (bis 27 Jahre), Zivil- und Präsenzdiener 5 Euro. Freier Eintritt für Schulklassen, für die Schülerführung ist ein Kostenbeitrag von 20 Euro zu leisten.
     
Informationen: http://www.jmw.at    
     
zurück