Österreichische Unternehmen mit enormem Cash-Bestand   

erstellt am
12. 06. 12

PwC Liquiditätsreport – Geringe Investitionsbereitschaft der österreichischen Leitbetriebe – Heimische Top-Unternehmen halten ihre Liquidität auf Rekordniveau
Wien (pwc) - Der aktuelle PwC Liquiditätsreport analysiert 107 Leitbetriebe aus Österreich und Deutschland. Die ATX- und Prime Market- bzw. DAX und MDAX-Unternehmen zeigen zum Ende des vierten Quartals 2011 ein divergierendes Bild: Unternehmen beider Länder bauen zwar wieder Liquidität auf, deutsche Unternehmen investieren aber stark, während die österreichische Investitionsbereitschaft maximal auf historischem Durchschnittsniveau liegt. Heimische Unternehmen stocken stattdessen die Eigenkapitalquote weiter auf - die Eigenkapitalausstattung der Österreich AG liegt mit 41,95% deutlich über jener der deutschen Leitbetriebe.

"Die österreichischen Leitbetriebe setzen lieber auf Bargeldreserven, als auf Investitionen. Die Liquiditätsbestände der Österreich AG befinden sich daher auf Rekordniveau. Nach dem Motto ‚Bitte anschnallen und Ruhe bewahren' erwartet man derzeit eher weitere Turbulenzen", erklärt Jörg Busch, Partner, PwC Österreich. PwC hat vor kurzem erneut die deutschen und österreichischen Leitbetriebe auf ihre Investitions- und Finanzierungstätigkeit, ihre liquiden Mittel, die Cashflow-Entwicklung, sowie ihre Eigenkapitalquote untersucht.

Liquidität: Österreich und Deutschland entwickeln sich ähnlich
Nach einem Rückgang bis zum dritten Quartal 2011 stieg die Liquidität der österreichischen Leitbetriebe im vierten Quartal wieder auf rd. € 8,3 Mrd. Dieser Wert liegt knapp unter dem Durchschnitt der letzten zwei Jahre. Insgesamt befindet sich die Höhe der Liquiditätsbestände aber trotzdem auf Rekordniveau. Spitzenreiter unter den österreichischen Unternehmen sind hier Strabag SE (€ 1,7 Mrd.), die Andritz AG (€ 1,2 Mrd.) und die Immofinanz AG (€ 512 Mio.).

Die deutschen Leitbetriebe verzeichneten zwischen dem dritten und vierten Quartal 2011 einen leichten Rückgang der Liquidität auf rund € 109,4 Mrd. Die im Vorquartal erstmals seit Jahresbeginn zu beobachtende Liquiditätserhöhung war somit von kurzer Dauer, wobei abermals die Entwicklung der DAX-Unternehmen mit einer Reduktion von rund € 3,6 Mrd. den Ausschlag gab. Die im MDAX notierten Unternehmen steigerten ihre Cash-Bestände um etwa € 3,4 Mrd., was einen vergleichbaren Anstieg wie im vierten Quartal 2010 darstellt. Mehr als zwei Drittel (76%) wurde von im DAX gelisteten Unternehmen gehalten, wobei mehr als die Hälfte der Cash-Bestände auf die Top-4 Unternehmen entfällt, darunter die Volkswagen AG (€ 18,2 Mrd.), die Daimler AG (€ 9,6 Mrd.) und die Siemens AG (€ 9,0 Mrd.).

Österreichische Leitbetriebe erwirtschaften höchsten Cashflow seit 2008
Bei den ATX- und ATX-Prime-Unternehmen zeigte sich im dritten und vierten Quartal 2011 eine Erholung des operativen Geschäfts in signifikanter Weise. Mit rund € 3,3 Mrd. konnten die Unternehmen einen neuen Rekordwert im Beobachtungszeitraum seit 2008 aufstellen. Getragen wurde diese Entwicklung wesentlich durch den Anstieg des operativen Cashflows der Telekom Austria in Höhe von rund € 1,0 Mrd. gegenüber dem Vorquartal. Im Vergleich mit dem Vorjahr wurde eine Steigerung von etwa € 453 Mio. erzielt.

Die deutschen Leitbetriebe mussten hingegen nach kontinuierlichen Anstiegen seit Beginn des Jahres 2011, im vierten Quartal einen Rückgang des operativen Cashflows in der Höhe von etwa € 10,1 Mrd. hinnehmen. Während sich die MDAX-Unternehmen durch einen Anstieg von knapp € 5,0 Mrd. auszeichneten, brach das Geschäft der DAX-Unternehmen um mehr als € 15,1 Mrd. ein. Das entspricht in etwa der Hälfte des operativen Cashflows des Vorquartals.

Deutsche Leitbetriebe investieren stark - österreichische maximal durchschnittlich
Bei den Investitionen zeigt sich ein höchst unterschiedliches Bild: Die heimischen Leitbetriebe legten zwar nach den Rückgängen in den ersten Quartalen des Jahres auch bei den Investitionen wieder zu; insgesamt vielen diese Investitionen aber deutlich geringer aus, als bei der operativen Geschäftstätigkeit. Sowohl ATX- als auch ATX-Prime-Unternehmen bewegten sich historisch gesehen hier auf eher durchschnittlichem Niveau. Österreichs Top-Investoren waren die OMV AG (€ 685,3 Mio.), die Telekom Austria AG (€ 283,6 Mio.) und die Verbund AG (€ 180,5 Mio.). Im Vergleich zum vorangegangenen Quartal vergrößerte sich die Basis der mehr als € 100 Mio. investierenden Unternehmen von fünf auf sechs Marktteilnehmer (OMV, Telekom Austria, Verbund, Andritz, Strabag, Immofinanz).

Bei den deutschen Leitbetrieben zeigte sich eine starke Zunahme der Investitionen - sowohl bei den DAX als auch MDAX Unternehmen. So konnte ein neuer Spitzenwert seit 2008 von knapp € 44,7 Mrd. erreicht werden. 73 % der Investitionen entfielen auf lediglich acht Unternehmen. Die deutschen Top- Investoren waren die Volkswagen AG (€ 9,5 Mrd.), die Deutsche Telekom AG (€ 9,3 Mrd.) und die RWE AG (€ 3,9 Mrd.).

Kapitalrückführung ausgeglichen
Im vierten Quartal 2011 reduzierte sich der vorherrschende Trend der Netto-Kapitalrückführung der österreichischen Leitbetriebe auf nur noch knapp € 17 Mio. Während die ATX-Prime-Unternehmen hierbei knapp € 96 Mio. aufnahmen, schütteten die ATX-Unternehmen rund € 113 Mio. an ihre Kapitalgeber aus. Nur zwei Unternehmen nahmen mehr als € 100 Mio. auf (OMV, CA Immo); nur drei österreichische Leitbetriebe zahlten mehr als € 100 Mio. aus (voestalpine, Immofinanz, Strabag). Die deutschen Leitbetriebe nahmen auch im vierten Quartal 2011 wieder Kapital in Höhe von rd. € 4,5 Mrd. auf, was eine Steigerung von etwa € 8,7 Mrd. verglichen mit dem vierten Quartal 2010 bedeutet. Das Gros der Kapitalaufnahmen war auf RWE, Daimler, Volkswagen und BMW mit insgesamt € 11,5 Mrd. zurückzuführen, die größten Auszahlungen wurden von der Deutschen Telekom, Metro und Siemens mit € 9,8 Mrd. getätigt.

Die MDAX-Unternehmen nahmen Kapital in der Höhe von rd. € 996 Mio. auf - im Vorquartal hatten diese noch knapp € 1,3 Mrd. ausgezahlt. Die im DAX notierten Unternehmen steigerten ihre Kapitalaufnahme um knapp € 1,0 Mrd. auf etwa € 3,5 Mrd.

Eigenkapitalquote: Österreich stockt wieder auf
Zum Ende des vierten Quartals 2011 war ein deutlicher Anstieg der Eigenkapitalquote der österreichischen Leitbetriebe zu verzeichnen. Die Eigenkapitalausstattung der "Österreich AG" lag bei 41,95%. Im Ländervergleich bleiben die Eigenkapitalquoten der österreichischen Leitbetriebe wie schon in den vergangenen Quartalen deutlich über jenen der deutschen. Die deutschen Leitbetriebe konnten im vierten Quartal 2011 mit 33,80 % den zweithöchsten Wert seit 2008 erzielen. Die österreichischen Leitbetriebe mit der höchsten Eigenkapitalausstattung sind die Century Casinos AG (82,3 %), die Mayr-Melnhof AG (64,2 %) und die Amag AG (62,0 %).

Über PwC
PwC bietet branchenspezifische Dienstleistungen in den Bereichen Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung und Unternehmensberatung. So schaffen wir für unsere Kunden den Mehrwert, den sie erwarten. Mehr als 169.000 Mitarbeiter in 158 Ländern weltweit tragen im internationalen Netzwerk mit ihren Ideen, ihrer Erfahrung und ihrer Expertise dazu bei, neue Perspektiven und praxisnahe Lösungen zu entwickeln.
     
Informationen: http://www.pwc.at    
     
zurück