Langsame Stabilisierung der Industriekonjunktur 

 

erstellt am
28. 12. 12

Moderate Korrektur nach starkem Ausschlag nach oben im Vormonat – Bank Austria EinkaufsManagerIndex notiert im Dezember bei 48,1 Punkten
Wien (bank austria) - Erwartungsgemäß kann die Industrie die Stagnation im laufenden Jahr noch nicht überwinden. Die Stabilisierung im Produktionssektor setzt sich aber weiter fort. „Der Bank Austria EinkaufsManagerIndex hat nach dem starken Anstieg im Vormonat im Dezember leicht nach unten auf 48,1 Punkte korrigiert. Damit hat sich der Indikator zwar wieder etwas von der Marke von 50 Punkten – die Wachstum signalisiert – entfernt, liegt aber spürbar über den Werten vom Sommer und Herbst dieses Jahres“, so Bank Austria Chefvolkswirt Stefan Bruckbauer. Die Industrie befindet sich zum Jahreswechsel am Beginn der erwartet holprigen Erholungsphase, die sich auch in den kommenden Monaten in einem volatilen Entwicklungstrend zeigen wird. Doch die Anzeichen für die Trendwende sind evident. „Im Dezeber führte die unbeständige Auftragslage wieder zu einem leichten Produktionsrückgang. Auf das schwierige Geschäftsumfeld mit stärker steigenden Einkaufs- als Verkaufspreisen reagierten die Betriebe mit besonders hohem Kostenbewusstsein in der Lagerhaltung und bei der Planung ihrer Personalkapazitäten“, fasst Bruckbauer die aktuellen Trends gemäß der monatlichen Umfrage unter den österreichischen Einkaufsmanagern zusammen.

Beim Neugeschäft schlug aufgrund des schwierigen gesamtwirtschaftlichen Umfelds nach dem leichten Plus im Vormonat nun wieder ein Minus zu Buche. „Die zurückhaltende Exportnachfrage erweist sich als Bremsklotz, die sich im Dezember in einer leichten Zurücknahme der Produktionsleistung niedergeschlagen hat“, meint Bruckbauer. Bereits seit neun Monaten gehen die Bestellungen aus dem Ausland, die angesichts der hohen Exportorientierung der heimischen Industrie von entscheidender Bedeutung für die Gesamtperformance sind, zurück. Erstmals seit fast einem Jahr legten jedoch die Auftragsbestände im Dezember wieder zu.

Neben den gestiegenen Auftragspolstern im Investitionsgüterbereich geben auch die aktuellen Preistrends einen Hinweis auf die laufende Stabilisierung im Sektor. Die Einkaufspreise legten den vierten Monat in Folge zu, aktuell sogar mit steigendem Tempo. Insbesondere die Investitionsgüterhersteller sind offenbar nachfragebedingt mit spürbar steigenden Kosten konfrontiert. Die Auftragssituation, die bei den Investitionsgüterherstellern günstiger als etwa bei den Konsumgüterhersteller ist, erlaubte im Dezember zumindest eine teilweise Überwälzung der Kosten auf die Verkaufspreise. „Der Preisauftrieb gewinnt wieder an Fahrt, ein Signal für die anlaufende Konjunkturwende. Der recht kräftige Anstieg der Einkaufspreise konnte durch die Preisanhebung im Verkauf nicht ganz kompensiert werden“, so Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl.

Um angesichts der ungünstigen Preistrends die Ertragssituation positiv zu beeinflussen, setzten die heimischen Betriebe auf ein verstärktes Kostenbewusstsein in der Lagerhaltung. Um die Vormateriallager gezielt abzubauen, wurde die Einkaufsmenge im Dezember den achten Monat in Folge und mit beschleunigter Rate reduziert. Auch die Bestände in den Fertigwarenlagern wurden verringert, was bereits den dritten Monat in Folge zur Verlängerung der durchschnittlichen Lieferzeiten führte. „Der scharfe Blick auf die Kostenentwicklung wirkte sich in den heimischen Industriebetrieben im Dezember wieder auf den Personalstand aus. Seit dem Sommer gehen im Sektor nun Monat für Monat Jobs verloren“, analysiert Pudschedl. In den kommenden Monaten ist noch mit einem weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit in der österreichischen Industrie zu rechnen.

„Im letzten Quartal 2012 hat das schwache internationale Umfeld erwartungsgemäß zu einem Minus in der österreichischen Industrie geführt, was sich auch auf die Gesamtwirtschaft durchgeschlagen hat. Wir gehen von einem Rückgang des BIP um 0,1 Prozent zum Vorquartal aus, womit das Wirtschaftswachstum im Gesamtjahr 2012 dennoch zumindest 0,5 Prozent betragen hat. Die Industrie steht zum Jahreswechsel 2012/2013 allerdings vor einer Trendwende – dies signalisieren einige Detailergebnisse der Umfrage, ungeachtet des leichten Rückgangs des Gesamtwerts des Bank Austria EinkaufsManagerIndex im Dezember“, ist Bruckbauer überzeugt. Neben der im Dezember gestiegenen Auftragsbestände, der anziehenden Preisdynamik und ermutigender Signale aus dem Investitionsgütersektor zeigt auch das aktuell verbesserte Verhältnis zwischen Auftrags- und Lagertrends – der zuverlässigste Indikator für die Entwicklung in den kommenden Monaten – eine bevorstehende, moderate Aufwärtsentwicklung an. Mit stärkerer Unterstützung aus dem Ausland, für die etwa der jüngste Anstieg des deutschen IFO-Geschäftsklimaindex spricht, wird die heimische Industrie wieder auf den Wachstumspfad mit einem Plus von rund 3 Prozent im Jahr 2013 einschwenken. Die hohe internationale Konkurrenzfähigkeit vieler Branchen, an der Spitze der Maschinenbau und die Metallwarenerzeugung, wird für die Fortsetzung eines industriell geprägten Aufschwungs im kommenden Jahr sorgen.

 

 

 

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