Hälfte der österreichischen Exporte sind Dienstleistungen 

 

erstellt am
22. 01. 13

Deutschland überschätzt, USA und China bisher unterschätzt, Dienstleistungsexporte deutlich wichtiger
Wien (ba) - Eine gemeinsame Analyse von OECD und WTO bricht mit der konventionellen Ermittlung von Außenhandelsdaten, welche die Handelsströme jedes Mal bei der Überschreitung einer Grenze misst. Stattdessen wird auf die Wertschöpfung abgestellt, die ein Land bei der Produktion von Exportwaren und -dienstleistungen erwirtschaftet. Damit berücksichtigt diese Datenbank aus welchen in- und ausländischen Komponenten und Dienstleistungen sich die Gesamtexporte eines Landes zusammensetzen. „In Ergänzung der bekannten Erfassung der Handelswerte für Ex- und Importe zwischen den Ländern geben die neuen Außenhandelsdaten ein klareres Bild darüber, wie globale Wertschöpfungsketten Handelsbeziehungen und Wirtschaftsaktivitäten beeinflussen. Die Auswirkungen von wirtschaftlichen Schocks aus dem Ausland auf vor- bzw. nachgelagerte Produktionsbereiche und damit in weiterer Folge auf Einkommen und Beschäftigung im Inland wird greifbarer“, fasst Bank Austria Chefökonom Stefan Bruckbauer zusammen.

Die Ökonomen der Bank Austria haben die neuen Außenhandelsdaten für Österreich ausgewertet. Die detaillierte Analyse „Die neue Sicht auf den Außenhandel“ ist auf der Homepage der Bank Austria frei verfügbar. „Die wichtigste Erkenntnis unserer Auswertung der neuen Außenhandelsdaten ist, dass die Bedeutung einzelner Handelspartner für die österreichische Wirtschaftsentwicklung völlig neu eingeschätzt werden muss“, analysiert Bruckbauer. „Während der Außenhandel mit Deutschland für die österreichische Konjunktur bislang überschätzt wurde, wurde der Einfluss der USA aber auch von China erheblich unterschätzt“, so Bruckbauer weiter.

Deutschland ist zwar auch gemäß Wertschöpfungsansatz die Nummer Eins im österreichischen Außenhandel und aufgrund der absoluten Volumina mit Abstand am Wichtigsten für die Erhaltung des Beschäftigungs- und Wohlstandsniveaus in Österreich. Jedoch ist die Bedeutung des Außenhandels mit Deutschland hinsichtlich des Einflusses auf die Konjunktur in Österreich nur etwa halb so stark, wie aufgrund der traditionellen Außenhandelsbetrachtung anzunehmen wäre. Der Anteil der österreichischen Exporte nach Deutschland sinkt gegenüber der reinen Betrachtung auf Basis der Warenexporte von über 30 Prozent auf nur noch 16,4 Prozent, denn große Teile der österreichischen Exporte nach Deutschland sind Vorprodukte und -leistungen, die in Deutschland verarbeitet und wieder exportiert werden. Das heißt, der österreichische Wertschöpfungsanteil bei österreichischen Exporten nach Deutschland ist niedriger. Auch die Importe aus Deutschland beinhalten wiederum viele Vorprodukte für die heimische Produktion, was auch den deutschen Anteil an den gesamten österreichischen Importen geringer ausfallen lässt, als bei konventioneller Betrachtung. Der Importanteil geht von fast 40 Prozent auf nicht ganz 23,5 Prozent zurück.

Der konjunkturelle Einfluss der USA ist dagegen höher, sogar der zweitstärkste nach Deutschland von allen Handelspartnerländern. „Der konjunkturelle Einfluss der Außenhandelsentwicklung mit den USA und Italien auf Österreich ist gemeinsam fast so groß, wie jener von Deutschland. Das liegt daran, dass ein Exporteuro in die USA oder nach Italien einen höheren österreichischen Wertschöpfungsanteil als ein Exporteuro nach Deutschland enthält“, so Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl, der Autor der Studie. So ist auch der chinesische Einfluss höher, als jener von Ungarn oder Tschechien. Generell sinkt somit auf Wertschöpfungsbasis der Handelsanteil mit Partnerländern mit denen ein reger Warenaustausch auch auf Produktionsvorstufen durchgeführt wird, wie den europäischen Nachbarländern sowohl im Westen als auch im Osten. Der Handelsanteil von zumeist weiter entfernt liegenden Ländern, wie etwa China oder Brasilien ist hingegen tendenziell höher, da wenig Wertschöpfung aus anderen Ländern in die exportierten Produkte eingeht.

Hohe inländische Wertschöpfungskomponente der österreichischen Exporte
Österreich ist als relativ kleines Land sehr stark in die arbeitsteilig organisierte globale Wertschöpfungskette integriert. Während weltweit rund ein Drittel der importierten Vorprodukte in Exporte eingehen, ist es in Österreich etwa die Hälfte. Der ausländische Wertschöpfungsanteil an den österreichischen Exporten ist mit 24,4 Prozent deutlich höher als jener von großen Ländern, wie den USA (17,5 Prozent) oder der Europäischen Union insgesamt mit sogar nur 13,4 Prozent. Dagegen weisen ähnlich große Länder, wie etwa die Schweiz, Belgien oder Dänemark Anteile von über 30 Prozent auf und selbst die deutlich größeren Wirtschaftsnationen Deutschland und Frankreich liegen in einem entsprechenden Ranking noch vor Österreich. „Im Vergleich zu Ländern ähnlicher Größe ist die inländische Wertschöpfungskomponente der heimischen Exporte mit rund drei Viertel äußerst hoch.“, so Pudschedl.

Einige Sektoren der heimischen Wirtschaft weisen jedoch eine überaus starke ausländische Wertschöpfungskomponente an den gesamten Exporten auf. Dazu zählen insbesondere die Fahrzeugerzeugung mit einem Anteil von fast 40 Prozent, sowie die Metallherstellung, die Chemische Industrie und der Maschinenbau. Der heimische Wertschöpfungsanteil ist dagegen am Bau und vor allem auch bei Dienstleistungen sehr hoch. „Bei unternehmensnahen Dienstleistungen und Finanzdienstleistungen liegt der inländische Wertschöpfungsanteil bei über 90 Prozent der Gesamtexporte. Dienstleistungen und insbesondere Finanzdienstleistungen ´Made in Austria´ tragen daher zum österreichischen Volkseinkommen besonders viel bei“, so Pudschedl.

Dienstleistungen viel wichtiger als bisher gedacht
„Nach der Wertschöpfungsmethode werden nicht nur Dienstleistungen für sich sondern auch die Wertschöpfung von Dienstleistungen bei der Produktion von Waren erfasst und damit auch ihr Anteil an den gesamten Güterexporten. Damit erhöht sich der Dienstleistungsanteil an den Gesamtexporten in Österreich von traditionell rund einem Viertel auf beinahe die Hälfte. Dienstleistungen sind also viel wichtiger für die Gesamtexporte als bisher angenommen“, meint Bruckbauer. Der österreichische Anteil liegt aufgrund des starken Produktionssektors erwartungsgemäß etwas unter dem Durchschnittswert in der Europäischen Union von 55 Prozent, aber ganz knapp vor Deutschland. Ein entsprechendes Ranking wird wenig überraschend von Luxemburg angeführt, auch Irland und Großbritannien sind unter den Spitzenreitern. Selbst in der Verarbeitenden Industrie gibt es mit der Fahrzeugherstellung, dem Maschinenbau und der Holz- und Papierindustrie einige Sparten, die auf beachtliche Dienstleistungsanteile von weit über 30 Prozent an den Gesamtexporten kommen.

 

 

 

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