Oö. Geburtenrate: Zwischen Wunsch & Wirklichkeit

 

erstellt am
18. 03. 13
14.00 MEZ

Linz (lk) - Die Kinderzahl pro Frau ist in den letzten Jahrzehnten deutlich gesunken. Seit Anfang der 1990er Jahre oszilliert Österreichs Gesamtfertilitätsrate um 1,4. Dieser niedrige Wert ist jedoch z.T. auch auf ein Aufschieben der gewünschten Geburten zurückzuführen. Nichtsdestotrotz haben 45-jährige Frauen inzwischen durchschnittlich 1,65 Kinder, dies ist der in Österreich aus laufenden Statistiken niedrigste jemals gemessene Wert. Auch die Quote der letztlich kinderlosen Frauen steigt über die letzten 20 Jahre wieder kontinuierlich an und wird in absehbarer Zeit wohl 20 % erreichen.

Der Kinderwunsch der Männer wie für Frauen (Altersgruppe 18 - 45) liegt mit 2,09 jedoch nach wie vor auf demographischem Reproduktionsniveau. Zwei Kinder sind auch nach wie vor eindeutig die soziale Norm. Ungefähr 40 % der kinderlosen Österreicherinnen und Österreicher der befragten Altersgruppe wollen in den nächsten drei Jahren ein Kind, wobei Männer deutlich unsicherer sind als Frauen.

Kinder bekommen zu wollen ist eine der persönlichsten Entscheidungen im Leben eines Menschen. Insofern ist diese Entscheidung in fortgeschrittenen Demokratien auch nur bedingt politisch beeinflussbar. Einige wenige politisch mitgestaltbare Bereiche sind jedoch ausmachbar, die die Realisierungserwartung des persönlichen Kinderwunsches beeinflussen. Vor Übergang zum ersten Kind sind finanzielle Absicherung und - damit verbunden - die Vollzeiterwerbstätigkeit beider Partner förderlich, das gewünschte Kind in absehbarer Zeit auch realisieren zu wollen. Beengte Wohnverhältnisse und noch nicht abgeschlossene Berufsausbildung verzögern die Realisierungserwartung einer Erstgeburt. Die Realisierungserwartung von Folgegeburten ist noch stärker von rein persönlichen Faktoren bestimmt. Indirekt beeinflussbar bleiben die Zufriedenheit mit der Aufteilung der Kinderbetreuung und der Haushaltsführung, die die Realisierungswahrscheinlichkeit gewünschter weiterer Kinder aus Frauensicht steigert, und aus Sicht der Männer nach wie vor die materielle Absicherung und die Wohnverhältnisse.

Ab dem zweiten Kind sehen Männer in der Erwerbstätigkeit der Frau ein Hindernis für die Realisierung einer gewünschten Folgegeburt.

Der Mittelstand/die Mittelschicht - nach inzwischen weit verbreiteter Definition sind dies Haushalte mit einem gewichteten Haushaltseinkommen zwischen 70 % - 150 % des Medians - macht unter Haushalten mit (Ehe)Partnerin im Alter von 18 bis 45 Jahren genau zwei Drittel dieser Haushalte aus. Diese Gruppe weist mit 1,5 Kindern pro Frau eine weit geringere Kinderzahl aus als Haushalte mit geringeren Einkommen (1,9). Es ist davon auszugehen, dass die Familien der Mittelschicht annehmen, durch weniger Kinder ihren Lebensstandard, den sie letztlich auch ihren Kindern bieten können, besser halten bzw. ausbauen zu können. Viele Familien kamen erst durch gesteigerte Erwerbspartizipation der Frauen in den Bereich der Mittelschicht bzw. können sich dadurch in diesem Bereich halten. Auch wenn die volle Erwerbspartizipation der Frauen inzwischen für den Übergang zum ersten Kind förderlich wirkt, so zeitigt sie dämpfende Effekte für Folgegeburten. Ein-Kind-Familien sind im Bereich der Mittelschicht häufiger vorzufinden.

Familien mit drei oder mehr Kindern weisen durchschnittlich zwar leicht höhere verfügbare Haushaltseinkommen als Zwei-Kind-Familien aus, das gewichtete Pro-Kopf-Einkommen zeigt aber auf deutliche Einkommensrückgänge pro zusätzlichem Kind. Dementsprechend steigt auch die Armutsquote bei Familien mit zumindest drei Kindern auf fast 18 %.

Familienreferent LH-Stv. Franz Hiesl
"Da die Familienpolitik in Oberösterreich einen hohen Stellenwert einnimmt, sind wir auch laufend mit wissenschaftlichen Experten wie dem Österreichischen Institut für Familienforschung in Kontakt, um die Situation der Familie zu erfassen und auf Veränderungen oder zukünftige Herausforderungen rechtzeitig reagieren zu können.

Die aktuelle Studie zeigt, dass der Wunsch nach Kindern nach wie vor ungebrochen ist. Etwas bedenklich stimmt mich jedoch der Umstand, dass dieser Wunsch oftmals nicht in die Realität umgesetzt wird. Kinder in die Welt zu setzen, ist mit Sicherheit eine der persönlichsten Entscheidungen im Leben der Menschen. Aufgabe der Familienpolitik ist es daher, jene Bereiche, die außerhalb der persönlichen Entscheidungsfaktoren liegen, so zu gestalten, dass die Entscheidung pro Kind erleichtert wird. Und da sind wir in Oberösterreich auf einem guten Weg."

 

 

 

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