Steirische Kinder- und Jugendanwaltschaft
 fordert neue Formen der Jugendhilfe

 

erstellt am
11. 04. 13
14.00 MEZ

Frühlingstagung der kija in Graz zeigt alternative Methoden zur Fremdunterbringung auf
Graz (lk) - Die steirische Kinder- und Jugendanwaltschaft (kija) präsentierte am Vormittag des 11.04. im Grazer Steiermarkhof die Ergebnisse ihrer Frühjahrstagung, die unter dem Motto „Qualitätsentwicklung in der Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Eltern an der Schnittstelle von öffentlicher Jugendwohlfahrt und stationärer Hilfe" stand. Die beiden renommierten deutschen Experten Hans-Ullrich Krause und Reinhart Wolff erarbeiteten dabei gemeinsam mit den Tagungsteilnehmern in so genannten Fallwerkstätten komplexe Problemlösungsansätze für besonders schwierige Fälle in der Jugendwohlfahrt. Sie zeigten die Vorteile einer Stärken-Schwächen-Analyse auf und verwiesen vor allem auf die enorme Bedeutung des Einbeziehens aller Betroffenen in Krisensituationen. Mit dabei waren rund 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus dem Sozialbereich, Sozialarbeiter und -pädagogen, Erziehungshelfer sowie Sachverständige.

Im Fokus der Tagung stand das Problem der Fremdunterbringung. „Dabei werden Menschenleben gerettet, das ist ganz klar. Aber wir müssen auch an das Sekundär-Trauma denken, dass vor allem bei kleinen Kindern entsteht, wenn sie plötzlich aus ihrer Familie gerissen werden", so Wolff. Er plädierte dafür, sich in Krisensituationen nicht nur auf das Kind zu konzentrieren, sondern sämtliche Beteiligte, also auch die Eltern, miteinzubeziehen. „Wer Kinderrechte schützen will, muss auch die Eltern im Blick haben und achten", so Wolff. „Selbst wenn man zum Wohle des Kindes entscheidet, es stationär unterzubringen, können Eltern dennoch das in die Betreuung einbringen, was ihnen möglich ist, und zum Beispiel ihr Kind in der Einrichtung wickeln oder füttern", erklärt Pörsch. Heute sei es oft so, dass man den Eltern die ersten drei Monate der Fremdunterbringung jeglichen Kontakt zu ihren Kindern untersage: „eine furchtbare, ungewisse Situation für die Kinder, die ja ihre Eltern trotz allem lieben und an ihnen hängen." Zudem gelte es, gute Formen der Langzeitbetreuung zu finden. „Nur wenn wir auch die Kinder und Jugendlichen beteiligen, haben wir eine reele Chance, das zu verwirklichen", ist sich Krause sicher. Die Strukturen hätten sich noch nicht an die Lebenswelten der Menschen angepasst, so Pörsch, die eine bessere Vernetzung innerhalb der Hilfsangebote fordert. Zudem sei es wünschenswert, einen niederschwelligeren Zugang zur Sozialarbeit zu schaffen. „Diese wird in Österreich ja erst aktiv, wenn schon etwas passiert ist. In Deutschland aber gibt es Modelle, wo die Sozialarbeiter die Familie besuchen, sobald ein Kind auf die Welt kommt und ihr Angebot vorstellen. Das wird von 99 Prozent der Eltern gut angenommen", erklärt Pörsch.

Wolff verwies auch auf den Grazer Qualitätskatalog, der unter seiner Mithilfe vor 13 Jahren entstanden ist, aber in städtischen Einrichtungen noch immer nicht umgesetzt werde und lobte die österreichischen Kinder- und Jugendanwaltschaften als „einzigartige Institution in ganz Europa".

 

 

 

Informationen: http://www.kinderanwalt.at

 

 

 

 

 

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