Raiffeisen Bank International erwirtschaftet
 im ersten Halbjahr 2013

 

erstellt am
22. 08. 13
14.00 MEZ

Konzernperiodenüberschuss von € 277 Millionen – Zinsüberschuss steigt um 4,2 Prozent auf € 1.836 Millionen (HJ 2012: € 1.762 Millionen)
Wien (rbi) - Die Raiffeisen Bank International AG (RBI) wies im ersten Halbjahr trotz des anhaltend schwierigen Marktumfelds und gedämpfter Konjunkturerwartungen einen Periodenüberschuss vor Steuern von € 467 Millionen aus. Der damit gegenüber der Vergleichsperiode eingetretene Rückgang um € 460 Millionen beruhte in erster Linie auf Sondereffekten im Vergleichszeitraum des Jahres 2012 von insgesamt € 272 Millionen (aus Verkäufen von Wertpapieren sowie durch den Rückkauf von Hybridanleihen). Der Periodenüberschuss nach Steuern ging aufgrund der gestiegenen Steuerquote um 57,6 Prozent auf € 311 Millionen zurück (HJ 2012: € 734 Millionen). Der Konzern- Periodenüberschuss sank um 60,5 Prozent auf € 277 Millionen (HJ 2012: € 701 Millionen). Der Gewinn je Aktie fiel von € 3,09 im ersten Halbjahr 2012 um € 2,18 auf € 0,91.

Während sich im ersten Halbjahr 2013 das Ergebnis aus Derivaten und Verbindlichkeiten um € 167 Millionen verringerte, wirkte sich ein Anstieg im Provisions- und Zinsergebnis speziell aufgrund der verbesserten Nettozinsspanne positiv auf die Betriebserträge und somit auch auf das Vorsteuerergebnis aus. Die Nettozinsspanne (gerechnet auf zinstragende Aktiva) verbesserte sich durch Preisanpassungen bei Kundeneinlagen sowie durch Liquiditätsoptimierung um 42 Basispunkte auf 3,06 Prozent.

„Wir sind mit dem erzielten Ergebnis in Anbetracht der nach wie vor herausfordernden Rahmenbedingungen nicht unzufrieden. Vor allem die positiven Signale wie die verbesserte Nettozinsspanne und die gestiegenen Betriebserträge in Kombination mit Zeichen einer konjunkturellen Aufhellung stimmen uns für die zweite Jahreshälfte zuversichtlich", sagte RBI-Vorstandsvorsitzender Karl Sevelda.

Der Return on Equity vor Steuern sank um 8,7 Prozentpunkte auf 8,6 Prozent.

Betriebserträge um 2,7 Prozent gestiegen
Die Betriebserträge stiegen im Periodenvergleich um 2,7 Prozent oder € 71 Millionen auf € 2.686 Millionen (HJ 2012: € 2.614). Zu diesem Zuwachs trug eine Steigerung des Provisionsüberschusses um € 65 Millionen bei, die durch Preisanpassungen in einigen Märkten, aber auch durch höhere Transaktionsvolumina erzielt wurde.

Auch der Zinsüberschuss entwickelte sich positiv: In den ersten sechs Monaten 2013 stieg der Zinsüberschuss – er stellt mit einem Anteil von 68 Prozent der Betriebserträge unverändert die größte Ertragskomponente dar – gegenüber der Vergleichsperiode 2012 um 4 Prozent oder € 75 Millionen auf € 1.836 Millionen. Dabei wurde ein Rückgang der Zinserträge aufgrund niedrigerer Kreditvolumina zur Gänze durch geringere Zinsaufwendungen für Kundeneinlagen kompensiert. Der Zinsertrag aus derivativen Finanzinstrumenten erhöhte sich um 30 Prozent oder € 50 Millionen auf € 213 Millionen (überwiegend in der Konzernzentrale).

Der Provisionsüberschuss stieg gegenüber der Vergleichsperiode um € 65 Millionen oder 9 Prozent auf € 785 Millionen. € 34 Millionen oder 52 Prozent dieses Zuwachses sind auf eine wesentliche Verbesserung des Ergebnisses aus dem Zahlungsverkehr zurückzuführen, hervorgerufen vor allem durch Gebührenerhöhungen in Ungarn infolge der Einführung der Finanztransaktionssteuer, die Einbeziehung der Polbank sowie eine volumengetriebene Erhöhung der Erträge aus dem Kreditkartengeschäft in Russland.

Das Handelsergebnis sank im Jahresvergleich um € 26 Millionen oder 16 Prozent auf € 140 Millionen. Hier verzeichnete die Konzernzentrale aufgrund von Bewertungsverlusten derivativer Finanzinstrumente einen Ergebnisrückgang im zinsbezogenen Geschäft um € 49 Millionen, der jedoch durch ein verbessertes Ergebnis aus dem währungsbezogenen Geschäft, dem Kreditderivatgeschäft und dem sonstigen Geschäft nahezu kompensiert wurde.

Insgesamt erwirtschaftete die RBI im ersten Halbjahr 2013 ein Betriebsergebnis von € 1.069 Millionen, was einem Rückgang von 2,6 Prozent im Vergleich zur selben Periode 2012 entspricht (HJ 2012: € 1.097 Millionen).

Nettodotierungen zu Kreditrisikovorsorgen gestiegen
Die Nettodotierungen zu Kreditrisikovorsorgen waren mit € 249 Millionen im zweiten Quartal 2013 um € 30 Millionen höher als im Vorquartal, liegen aber im Rahmen der Erwartungen. Beinahe alle CEE-Länder verzeichneten hier einen Anstieg, während im Segment Group Corporates im zweiten Quartal im Vergleich zum vorherigen Quartal geringere Nettodotierungen anfielen. Hier hatte sich durch einige größere Ausfälle von Firmenkunden in der Konzernzentrale im ersten Quartal 2013 ein höherer Vorsorgebedarf ergeben.

Der Bestand an notleidenden Krediten an Nichtbanken zeigte im zweiten Quartal 2013 einen Rückgang um € 92 Millionen auf € 8.137 Millionen. Das ist überwiegend auf Währungseffekte in Höhe von € 83 Millionen zurückzuführen. Währungsbereinigt waren dabei in Zentraleuropa ebenso Zuwächse zu verzeichnen (plus € 109 Millionen – vor allem in Polen, Ungarn und der Slowakei) wie in Südosteuropa (plus € 39 Millionen – vor allem in Kroatien, Albanien und Rumänien). In allen anderen Segmenten kam es zu Rückgängen (Group Corporates: minus € 78 Millionen, Group Markets: minus € 42 Millionen, GUS Sonstige: minus € 33 Millionen). Die NPL Ratio blieb im Quartalsvergleich mit 9,9 Prozent konstant, die NPL Coverage Ratio sank um 0,2 Prozentpunkte auf 67,3 Prozent.

Höhere Verwaltungsaufwendungen
Die Verwaltungsaufwendungen stiegen im Vergleich zur Vorjahresperiode um € 99 Millionen auf € 1.617 Millionen, zum überwiegenden Teil zurückzuführen auf die im Mai 2012 erfolgte Einbeziehung und laufende Integration der Polbank. Dadurch erhöhte sich trotz der bei den Betriebserträgen erzielten Zuwächsen auch die Cost/Income Ratio um 2,1 Prozentpunkte auf 60,2 Prozent.

Die größte Position unter den Verwaltungsaufwendungen war mit einem Anteil von 50 Prozent der Personalaufwand, der sich insgesamt um 6 Prozent oder € 48 Millionen auf € 815 Millionen erhöhte. Dieser Anstieg wurde überwiegend durch die Einbeziehung der Polbank, Gehaltsanpassungen in Russland sowie kollektivvertragliche Erhöhungen in der Konzernzentrale verursacht. Positiv wirkten sich hingegen Kostensenkungen in der Ukraine sowie der Abbau von Mitarbeitern in Ungarn aus.

Die durchschnittliche Anzahl der Mitarbeiter (ausgedrückt in Vollzeitäquivalenten) sank im Jahresabstand um 2.290 Personen auf 59.393. Die größten Rückgänge verzeichneten die Ukraine (minus 1.317), Rumänien (minus 533), Ungarn (minus 142) und Bulgarien (minus 135).

Der Sachaufwand erhöhte sich um 8 Prozent oder € 43 Millionen auf € 615 Millionen. Während es dabei in einigen Ländern zu deutlichen Reduktionen kam, sorgten die Einbeziehung der Polbank, die Auslagerung von IT-Aktivitäten in der Konzernzentrale und verstärkte Werbekampagnen in Russland für einen Anstieg.

Die Abschreibungen auf Sachanlagen und immaterielle Vermögenswerte nahmen um 5 Prozent oder € 9 Millionen auf € 186 Millionen zu. Zurückzuführen ist das großteils auf die Einbeziehung der Polbank und die Wertminderung von Gebäuden in Russland.

Bilanzsumme im Vergleich zum Jahresende 2012 um 4 Prozent gesunken
Die Bilanzsumme der RBI ging im ersten Halbjahr 2013 gegenüber dem Jahresultimo 2012 um 4 Prozent oder € 5,8 Milliarden auf € 130,3 Milliarden zurück, im Jahresabstand fiel der Rückgang mit 15 Prozent oder € 22,4 Milliarden noch deutlicher aus. Zurückzuführen ist diese Tendenz im Wesentlichen auf die fortgesetzte Optimierung der Liquiditätsposition.

Die Forderungen an Kunden nach Abzug der Kreditrisikovorsorgen gingen seit Jahresultimo 2012 um € 1,4 Milliarden auf € 76,5 Milliarden zurück. Hauptverantwortlich dafür waren die Forderungen aus Pensions- und Wertpapierleihgeschäften mit einem Minus von € 0,8 Milliarden. Das Kreditgeschäft mit Firmenkunden sank um € 1,0 Milliarden, insbesondere in Österreich und Asien. Dagegen legte das Geschäft mit Retail-Kunden um € 0,3 Milliarden zu. Zuwächse wurden hier speziell in Russland verzeichnet, während Polen auch währungsbedingt einen Rückgang aufwies.

Die Verbindlichkeiten gegenüber Kunden stiegen hingegen um € 0,3 Milliarden leicht auf € 66,6 Milliarden an. Während hier die kurzfristigen Einlagen von Firmenkunden (vor allem in der Konzernzentrale) um € 0,6 Milliarden und jene des öffentlichen Sektors (überwiegend in Russland) um € 0,7 Milliarden wuchsen, sanken sie bei den Retail-Kunden um € 1,0 Milliarden. Die größten Rückgänge gab es dabei in Polen (minus € 0,7 Milliarden), in der Tschechischen Republik (minus € 0,2 Milliarden) und in Ungarn (minus € 0,2 Milliarden).

Core Tier 1 Ratio 10,4 Prozent
Das bilanzielle Eigenkapital, das sich aus dem Konzern-Eigenkapital, dem Konzern-Periodenüberschuss und dem Kapital der nicht beherrschenden Anteile zusammensetzt, nahm gegenüber dem Jahresultimo 2012 um 4 Prozent oder € 445 Millionen auf € 10.428 Millionen ab.

Die Überdeckungsquote ging um 5,5 Prozentpunkte auf 89,0 Prozent zurück, das entspricht einer Überdeckung von € 5.892 Millionen. Bezogen auf das Gesamtrisiko ergab sich eine Core Tier 1 Ratio von 10,4 Prozent und eine Kernkapitalquote (Tier 1), gesamt von 10,9 Prozent. Die Eigenmittelquote sank auf 15,1 Prozent.

Per 30. Juni 2013 betrug die Anzahl der Geschäftsstellen 3.056, was gegenüber dem Ultimo 2012 einer Reduktion um 50 Geschäftsstellen (1,6 Prozent) entspricht.

Zinsüberschuss im 2. Quartal 2013 im Quartalsvergleich um 12 Prozent gestiegen

Im Vergleich zum ersten Quartal 2013 stieg der Zinsüberschuss im zweiten Quartal 2013 um 12 Prozent oder € 107 Millionen auf € 972 Millionen. Die Nettozinsspanne (gerechnet auf zinstragende Aktiva) verbesserte sich im Quartalsvergleich um 37 Basispunkte auf 3,25 Prozent. Hauptgründe dafür waren insbesondere eine weitere Optimierung der Liquiditätsposition sowie die Reduktion hochverzinslicher Kundeneinlagen.

Der Konzern-Periodenüberschuss betrug im 2. Quartal € 120 Millionen, was einer Reduktion um € 37 Millionen oder 23,5 Prozent im Quartalsvergleich entspricht.

Ausblick
Im Zuge der sich aus heutiger Sicht abzeichnenden gesamtwirtschaftlichen Entwicklung insbesondere in CEE peilt die RBI mittelfristig einen Return on Equity vor Steuern von rund 15 Prozent an. Hierbei sind etwaige Kapitalerhöhungen sowie heute noch nicht absehbare regulatorische Anforderungen nicht berücksichtigt.

Die RBI geht für 2013 davon aus, dass die Forderungen an Kunden auf dem Niveau des Vorjahres liegen werden. Für das laufende Geschäftsjahr wird eine leicht steigende Nettozinsspanne erwartet. Unter Kundengesichtspunkten soll der Bereich Corporate Customers weiter das Rückgrat des Geschäfts bilden, und der Bereich Retail Customers soll mittelfristig einen größeren Anteil am Geschäftsvolumen des Konzerns einnehmen als bisher.

In Anbetracht der Wirtschaftsaussichten bleibt die Lage in einigen Märkten der RBI angespannt. Im Jahr 2013 wird daher ein Bedarf an Kreditrisikovorsorgen auf Vorjahresniveau erwartet.

Auch 2013 widmet die RBI den Kosten große Aufmerksamkeit. Insgesamt wird von einer stabilen bis leicht steigenden Kostenentwicklung ausgegangen, insbesondere aufgrund der erstmals ganzjährigen Berücksichtigung der Polbank.

Vor dem Hintergrund der sich ständig verändernden regulatorischen Anforderungen sowie einer weiteren Stärkung der Bilanzstruktur überprüft die RBI laufend Höhe und Struktur der Eigenmittel, um zeitnah und flexibel agieren zu können. Dabei stellt weiterhin, abhängig von der weiteren Entwicklung der Märkte, auch die Durchführung einer Kapitalerhöhung eine mögliche Option dar.

Alle angeführten Zahlen gemäß International Financial Reporting Standards (IFRS).

 

 

 

zurück

 

 

 

 

Kennen Sie schon unser kostenloses Monatsmagazin "Österreich Journal" in vier pdf-Formaten? Die Auswahl finden Sie unter http://www.oesterreichjournal.at