"Ringa - ringa - jaja"

 

erstellt am
02. 09. 13
14.00 MEZ

Sommerakademie des Österreichischen Volksliedwerkes – Volkskultur in der Rolle als Vermittlerin zwischen den Kulturen
Gmunden/Linz (lk) - Der Verband Österreichisches Volksliedwerk setzt in seinen Projekten auf das Potential von Volkskultur für die interkulturelle Vermittlungsarbeit. Speziell bei der in Gmunden stattgefundenen Sommerakademie des Österreichischen Volksliedwerks "Volkskultur als Dialog" unter dem Titel "Migration Ein- und Ausschlüsse Vermittlungen" stehen vermittelnde Möglichkeiten und Verbindungen zur Migration durch Volkskultur und so genannte multikulturelle sowie kosmopolitische Gesellschaftskonzepte zur Diskussion, die zu weiteren interkulturellen Programmen im volkskulturellen Netzwerk anregen sollen.

Bei der Sommerakademie des Österreichischen Volksliedwerks "Volkskultur als Dialog" unter dem Motto "Migration, Ein- und Ausschlüsse, Vermittlungen" geht es um Fragen des Eigenen und Fremdem im traditionellen Kanon der Volkskultur. Anhand von Tracht, Brauchtum, Kulinarik, Musik, Tanz, Architektur werden Verbindungen aber auch Konflikterfahrungen und kreative Potentiale ausgelotet. Die Begegnung mit dem Fremden impliziert immer auch die Möglichkeit zur Reflexion und Neupositionierung des Eigenen. Gezeigt wird dies bei der Sommerakademie u.a. am Beispiel des interkulturellen-interinstitutionären Jugendprojektes "Heimat.Schachtel.Museum" oder bei einem bosnisch-österreichischen Tanzworkshop mit dem Titel "Ringa - ringa - jaja".

Der Festabend "Csárdás und Ländler" am 30. August 2013 im Landhotel Grünberg, Gmunden bietet Gelegenheit, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Musik und Tanz von den Alpenländern bis Transsilvanien kennen zu lernen und auch auszuprobieren.

Projekt Inter_Folk
Volkskultur besitzt auf Grund ihrer klaren, einfachen Strukturen ein hohes Potential für interkulturelle Vermittlung und Verständigung. Grundmuster und Grundelemente sind in allen Kulturen in ähnlichen Formen vorhanden und lassen sich leicht gegenseitig erlernen. Es finden sich parallele Inhalte und Funktionen, die meist vertraut sind.

Mit diesen Ansätzen wurde bereits das Erwachsenenbildungsprojekt Inter_Folk, gefördert im Rahmen des Programms Integration 2012 des Bundesministeriums für Inneres, vom Österreichischen Volksliedwerk durchgeführt. In 22 Einzelprojekten beteiligten sich in fast allen Bundesländern 6.100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, sowie rund 120 Referenten. Das Projekt zielte darauf ab, aus bestehenden Strukturen neue Räume zu schaffen, die den Integrationsprozess von Migrantinnen und Migranten bzw. Asylberechtigten über die Arbeitswelt hinaus in das Gemeinwesen, sprich in die regionalen, kulturellen wie sozialen Netzwerke (u.a. örtliches Vereinswesen) zu erleichtern. Die Evaluierung der Projekte hat gezeigt, dass für das Gelingen nicht unbedingt die Herkunft jeder einzelnen Person von Bedeutung ist, sondern individuelle persönliche Zugänge zur Volkskultur. In Zukunft wird mit diesen Erfahrungen das lebendige Netzwerk auf internationaler Ebene weiter ausgebaut werden.

Schulprojekt "Mit allen Sinnen"
Anlässlich des Europäischen Jahres 2013 "Jahr der Bürgerin und des Bürgers werden sich im kommenden Schuljahr im Schulprojekt "Mit allen Sinnen" des Österreichischen Volksliedwerks Schüler und Lehrer ebenso mit den Themenschwerpunkten rund um Migration beschäftigen: Dabei soll die kulturelle Vielfalt Europas stärker ins Bewusstsein der Schülerinnen und Schüler gerückt werden. Die Vielfalt der Länder und Menschen in Europa wird z.B. an Hand von Gemeinsamkeiten und Unterschieden von Tänzen, Musikstücken, Liedern, Bräuchen, Sagen und Erzählungen entdeckt werden. Das Recht der Bürgerinnen und Bürger auf freie Bewegung, Reisen und Wahl des Wohn- und Aufenthaltsortes innerhalb der EU kann mit Liedern zur Auswanderung, Einbürgerung und mit Heimatliedern thematisiert werden. Auch zu Riten, Überlebensstrategien in Bezug zu Feind und Freund, Grenzen, Krieg, Frieden, Soldat und Wehrdienst wird gearbeitet werden. Alle diese Aspekte sowie der Zugang zu Gesundheitsfürsorge und Sozialleistungen finden auch Niederschlag in Revolutionsliedern, sozialkritischen und politischen Liedern. Gerade die Thematik des Miteinanders, der gegenseitigen Wertschätzung und des respektvollen Umgangs innerhalb einer Gemeinschaft soll mittels volksmusikalischen Ausdrucksformen und musikalischen Gesetzmäßigkeiten geschult werden, z.B.: Verhaltenscodex beim Tanzen und Musizieren. Nur das Wissen über die kulturellen Eigenheiten in Europa kann Barrieren abbauen, den Wert einer Gemeinschaft in den Vordergrund rücken und das gegenseitige Verständnis vertiefen. Projektideen können bis Ende November in den Volksliedwerken (unter: http://www.mit-allen-sinnen.at) eingereicht werden.

Neue Publikationen

  • Sprache, Musik, Architektur - kulturelle Merkmale regionaler Räume sind stets von der Rezeption mit Fremden geprägt. Das zeigt auch die in Kürze (Ende September 2013) erscheinende Publikation "Seegang", herausgegeben vom Oberösterreichischen Volksliedwerk und vom Adalbert-Stifter-Institut des Landes Oberösterreich. Das Augenmerk in den Beiträgen u.a. von Bodo Hell, Stephan Gaisbauer, Johannes Leopold Mayer, Klaus Petermayr liegt dabei auf ausgewählten Miszellen, die den See und seine Umwelt aus nicht touristischer und wenig bekannter Perspektive darstellen sollen. Dabei wird die mythische Wasser- und Sagenwelt des Traunsees genauso beleuchtet wie hiesige Dialektformen und das Leben von Künstlern und anderen berühmten Persönlichkeiten der Region.
  • Anlässlich des 90. Geburtstages von Prof. Dr. Walter Deutsch (29. April 2013), Volksmusikforscher, Musiker und Ehrenpräsident des Österreichischen Volksliedwerks erschien die CD "Noch einmal Kind sein" mit Liedern von Walter Deutsch nach Gedichten von Emil Breisach, gesungen von Agnes Palmisano und Clara Frühstück am Klavier in Zusammenarbeit mit der Volkskultur Niederösterreich.
  • Ende des Jahres werden unter der Leitung von Walter Deutsch in der Editionsreihe zur Volksmusik "Corpus Musicae Popularis Austriacae (COMPA)" noch 2 Bände veröffentlicht: Weststeirisches Musikantentum und Totenlieder und Totenbrauchtum am Wechsel. Walter Deutsch hat auch im Programm der Sommerakademie 2013 einen Vortrag gehalten. Unter dem Titel "Nationale Volksmusiksammlungen in der k.u.k. Monarchie" zeigt er auf, dass bereits ab dem 19. Jahrhundert Volksmusikforschung als Mittel zur interkulturellen Verständigung eingesetzt wurde.


Der Verband Österreichisches Volksliedwerk
Das Österreichische Volksliedwerk ist der Verband der Volksliedwerke der Bundesländer. Seit seiner Gründung 1904 zählen Sammlung, Archivierung, Dokumentation und Vermittlung der musikalischen Volkskultur in überlieferten und gegenwärtigen Erscheinungsformen zu den Hauptaufgaben der Institution. Basis der Arbeit stellen die seit mehr als 100 Jahre gesammelten Materialien der Archive der Volksliedwerke dar. Im Verbund werden jährlich etwa 80 Publikationen (CDs, Notenhefte, Bücher) veröffentlicht, etwa 100 Projekte und 1.300 Veranstaltungen (Stammtische, offene Singen, Seminare, Symposien, Workshops Konzerte etc.) durchgeführt, 10.000 Archivanfragen nach Liedern, Noten oder Fachpublikationen beantwortet. Anliegen ist es, die regionale musikalisch-kulturelle Vielfältigkeit festzuhalten, weiterzugeben, das Selber tun und die Kreativität zu fördern, um damit nachhaltig zur Verlebendigung und Erhaltung des kulturellen Erbes unseres Landes beizutragen.

 

 

 

Informationen: http://www.volksliedwerk.at

 

 

 

 

 

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