Land Tirol richtet Förderungsschwerpunkt
 zur Erinnerungskultur ein

 

erstellt am
04. 10. 13
15.00 MEZ

Gesamtgutachten des Historikers Michael Wedekind liegt vor
Innsbruck (lk) - Kulturlandesrätin Beate Palfrader nahm am 03.10. das Gutachten des Historikers Michael Wedekind zum Stand der wissenschaftlichen Forschung über die Entwicklung der Tiroler Volkskultur entgegen. „Da dieses Gutachten von vielen mit Spannung erwartet wurde und durchaus von allgemeinem Interesse ist“, betont die Kulturlandesrätin, „werden wir es sofort veröffentlichen“. In unmittelbarer Reaktion auf das Gutachten kündigt LRin Palfrader einen eigenen Förderungsschwerpunkt „Erinnerungskultur“ sowie die Einberufung eines Beirates an, der dazu eingereichte Projekte begutachten und weitere Empfehlungen ausarbeiten soll.

Das Gutachten wurde vor dem Hintergrund der Debatte über die Rolle von Tiroler Komponisten im Nationalsozialismus und über deren Darstellung in verschiedenen Publikationen im Herbst 2012 in Auftrag gegeben. „Von Experten wurde uns geraten“, sagt Landesrätin Palfrader, „jetzt nicht einzelne Biographien von Personen aufarbeiten zu lassen, die durch ihr Engagement für den Nationalsozialismus belastet sind, sondern das gesamte Gefüge der Tiroler Volkskultur in Augenschein zu nehmen und auch zu fragen, was es dazu bislang schon an seriösen Forschungsergebnissen gibt“.

Somit nimmt der erste Teil des Gutachtens Bezug auf die Rolle und die Stellung der in der „Arbeitsgemeinschaft Tiroler Komponisten“ aktiven Musikschaffenden. Wedekind geht auf den Stand einschlägiger wissenschaftlicher Forschungen ein, benennt vorhandene Defizite und enthält Empfehlungen zu ergänzender Aufarbeitung. Im zweiten Teil des Gutachtens widmet sich der Historiker einem breiteren Rahmen der Tiroler Volkskultur in der Zeit von der Ersten zur Zweiten Republik. Er geht der Frage nach der inhaltlichen Bedeutung von Volkskultur in Tirol nach, erläutert die Struktur der organisierten Volkskultur, die Art und die Mechanismen der politischen Instrumentalisierung und den Stand der wissenschaftlichen Forschung. Den Abschluss bilden wiederum eine Darstellung von Themen und Fragestellungen, denen sich die wissenschaftliche Forschung vermehrt widmen sollte, und einige Vorschläge zu konkreten Dokumentations- und Forschungsprojekten.

Eine wesentliche Aussage des Gutachtens ist, dass – trotz zahlreicher Forschungslücken im Detail – zu den historischen Zusammenhängen des 20. Jahrhunderts einschließlich der Zeit des Nationalsozialismus auch für Tirol doch schon umfangreiche, wissenschaftliche Erkenntnisse vorliegen, dass aber die Wahrnehmung und die Aufarbeitung dieser Erkenntnisse in der kulturellen Praxis noch nicht sehr weit gediehen ist. „Wir werden natürlich auch auf diesen Hinweis entsprechend reagieren“, erklärt LRin Palfrader, die sich über die weiteren Maßnahmen bereits mit der Südtiroler Kulturlandesrätin Sabina Kasslatter Mur verständigt und ihre Mitarbeiter in der Abteilung Kultur heute mit folgenden Aufgaben betraut hat:

  • Vorbereitung eines Förderungsschwerpunktes „Erinnerungskultur“, der ab 2014 mit 100.000 Euro dotiert ist und zu dem bis Ende des Jahres eigene Förderungsrichtlinien zu erarbeiten sind. Gefördert werden sollen wissenschaftliche Forschungsprojekte und Projekte der künstlerischen, sozialen oder pädagogischen Vermittlung einschlägiger historischer Erkenntnisse in die kulturelle Praxis.
  • Einberufung eines Beirates, der über die zur Förderung eingereichten Projekte zu befinden hat. Diesem Beirat sollen auch Experten angehören, die von der Südtiroler Landesregierung nominiert werden und damit die in der Volkskultur naheliegende Zusammenarbeit und Abstimmung zwischen Tirol und Südtirol gewährleisten.


„Es ist Aufgabe der Politik, die Bedingungen dafür zu schaffen, dass wissenschaftliche Forschung in Freiheit und Eigenverantwortung stattfinden kann“, stellt LRin Palfrader fest und betont: „Es ist mir aber auch ein großes Anliegen, dass die in der Volkskultur engagierten Verbände, Vereine und ihre Mitglieder von Anfang an aktiv eingebunden werden. Ich sehe deshalb meine Aufgabe darin, einen möglichst breiten Austausch von Wissenschaft und kultureller Praxis zu ermöglichen. Wir müssen uns dem vielfach belasteten historischen Erbe stellen und uns gemeinsam um eine Weiterentwicklung bemühen. Denn Volkskultur ist nicht statisch, sie lebt und hat Zukunft.“

Das Gutachten von Michael Wedekind ist auf der Homepage des Landes Tirol unter abrufbar.

 

 

 

Informationen: http://www.tirol.gv.at/kunst-kultur/abteilung-kultur/

 

 

 

 

 

zurück

 

 

 

 

Kennen Sie schon unser kostenloses Monatsmagazin "Österreich Journal" in vier pdf-Formaten? Die Auswahl finden Sie unter http://www.oesterreichjournal.at