Wie sehr setzt das geänderte Mediennutzungsverhalten
 dem Qualitätsjournalismus zu?

 

erstellt am
01. 10. 13
15.00 MEZ

Kick off für die ersten Mediengespräche NÖ im Rahmen der Researchers‘ Night St. Pölten
St. Pölten (fhstp) - Im Rahmen der European Researchers‘ Night fanden am 27.09. die ersten Mediengespräche NÖ im Cinema Paradiso statt. Zum Thema „Was kosten die Nachrichten von morgen – user-generated content vs. paid content“ diskutierten Gerlinde Hinterleitner, Geschäftsführerin und Chefredakteurin von derStandard.at, Mag. Christof Hinterplattner, Geschäftsleiter von Digitale Medien Heute, Dipl.-Ing. Dieter Zirnig, Chefredakteur von Neuwal, Prof. Reinhard Christl, Medienwissenschafter, Department-leiter Medienwirtschaft der FH St. Pölten und Prof. Harald Knabl, Geschäftsführer und Verlagsleiter der NÖN. Durch die Diskussion führte FH-Prof. Mag. Rosa von Suess.

Im Zuge der Digitalisierung veränderte sich die Medienlandschaft radikal, NutzerInnen werden auf neuen Kommunikationsplattformen und auf Social-Media-Kanälen selbst zu AkteurInnen. Vor diesem Hintergrund scheint es der Qualitätsjournalismus zunehmend schwer zu haben. Wie lange kann Webcontent den UserInnen noch kostenlos zur Verfügung gestellt werden? Oder wird eine Paywall künftig der Überlebensgarant für Medien sein?

Bezahlschranken für KundInnen?
Gerlinde Hinterleitner von derStandard.at sieht in der Entwicklung von paid content ein ursächliches Problem: „Durch eine Paywall schafft man überhaupt erst eine Nische für Konkurrenzmedien, die ohne Beschränkung ihre Inhalte anbieten“. General-Interest-Medien würden es sich nicht leisten können, den User wegzuschicken, dennoch fehlen geeignete digitale Geschäftsmodelle, um Qualitätsjournalismus entsprechend zu entlohnen. Man müsse den User „einladen“ – die Paywall sei ein zu negativ besetztes Wort. Leserclub klinge viel einladender und User-freundlicher meinte Reinhard Christl: „Für hochwertigen Journalismus wird man auch künftig Geld verlangen müssen. Die Frage ist, wie viele Leute bereit sein werden, solches auszugeben, nachdem man jahrelang alles verschenkt hat“

Mixmodelle
Crowdfunding-Modelle, in denen eine Vielzahl an Personen als Kapitalgeber agieren, hätten laut Dieter Zirnig Potential als Geschäftsmodelle, auch weil sie Arbeitsplätze generieren würden: „Crowd: Von jedem User 1 Euro. Das generiert Arbeitsplätze“. Der Finanzierbarkeit von Webinhalten via Paywall und weiteren Finanzierbarkeitsmodellen steht Christof Hinterplattner skeptisch gegenüber. Auch, weil in Österreich das Nachrichtenangebot fehle, das mit Bezahlmodellen funktionieren könnte: „Ich sehe in Österreich kein Nachrichtenangebot, das mit paid content funktionieren würde. Derzeit schielt die Branche auf „was macht Axel Springer?“. Dabei wird ein wesentliches Faktum ausgeblendet – die haben exklusive Rechte für Bewegtinhalte der deutschen Bundesliga – dafür wird bezahlt, so ein asset sehe ich hierzulande (noch) keines. Dass Problem ist vielmehr, dass in der digitalen Werbewirtschaft zu viele „Vermittler“ zu viel Geld vom Werbekuchen der Medien abschneiden.“

Dass qualitativ hochwertige journalistische Arbeit etwas kosten muss, davon ist Harald Knabl überzeugt: „Es wird in Zukunft einen Mix aus User-generated und paid content geben. Ersterer kann aber das Informationsbedürfnis der Leser alleine nicht befriedigen. Daher bedarf es auch weiterhin journalistisch sorgfältig recherchierter Geschichten, die dann aber auch etwas kosten dürfen – denn Qualität wird immer ihren Preis haben.“

Die Fachhochschule St. Pölten ist Anbieterin praxisbezogener und leistungsorientierter Hochschulausbildung in den Themengebieten Medien, Informatik, Verkehr, Gesundheit und Soziales. In mittlerweile 16 Studiengängen werden rund 2.000 Studierende betreut. Neben der Lehre widmet sich die FH St. Pölten intensiv der Forschung. Die wissenschaftliche Arbeit erfolgt innerhalb der Kompetenzfelder Medientechnik, Medienwirtschaft, IT-Sicherheit, Simulation, Schienenverkehr, Gesundheit und Soziales. Es erfolgt ein stetiger Austausch zwischen Studiengängen und Instituten, in denen laufend praxisnahe und anwendungsorientierte Forschungsprojekte entwickelt und umgesetzt werden.

 

 

 

Informationen: http://www.fhstp.ac.at

 

 

 

 

 

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