Städtebund: Wohnen und Soziales im Fokus der Smart
 Cities & Regions-Tagung in Salzburg

 

erstellt am
11. 10. 13
15.00 MEZ

Wien (städtebund) "Eine erfolgreiche Energie- und Klimaschutzpolitik - wie sie das Ziel der Smart City Initiative der Europäischen Union ist - gelingt nur, wenn auch im Gebäudebestand Erfolge erzielt werden", sagte Johann Padutsch, Planungsstadtrat der Stadt Salzburg, bei der Eröffnung der 3. Smart Cities & Regions-Tagung in Salzburg.

Die Veranstaltungsschiene "Städteplattform Smart Cities & Regions" ist eine Informations- und Austauschplattform für alle an "smarter" Stadtplanung und Stadtentwicklung interessierten bzw. bereits aktiven Städte und Gemeinden. Nach Graz und Wien übernahm bei der 3. Tagung Salzburg die Rolle der gastgebenden Stadt und gab auch das Thema "Wohnen und Soziales - Schwerpunkt Quartierssanierung" für die Veranstaltung vor.

Während man im öffentlichen Sektor bereits Vieles erreicht hat, steht nun die Zusammenarbeit mit den privaten Bauträgern und Investoren im Fokus der Bemühungen der Städte um smarte Stadtentwicklung. Die Stadt Salzburg kann zum Beispiel ihre Smart Cities Ziele nicht erreichen, ohne die Sanierungsraten konkret von derzeit 1 Prozent auf mindestens 3 Prozent zu erhöhen. Nachdem man bei den Einzelgebäuden in den letzten 20 Jahren große Fortschritte erzielt hat, sind nun integrierte Sanierungsstrategien auf Quartiersebene gefragt, bei denen eine energetische Sanierung und die Einbindung erneuerbarer Energieträger nur im Einklang mit erforderlichen Verbesserungsmaßnahmen bei den Wohnungen, den Freiflächen etc. gesehen werden. In den Städten werden sich die Sanierungsfälle zunehmend häufen, weshalb es notwendig ist, sich den Herausforderungen bereits heute zu stellen, um gemeinsam an Lösungen für die Zukunft zu arbeiten, die dann großflächig angewendet werden können. "Der Schlüssel dazu ist eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen Stadtverwaltungen und privaten Wohnbauträgern", brachte es Andreas Schmidbaur, Leiter der Raumplanung und Baubehörde in Salzburg, auf den Punkt.

Erfahrungsaustausch und neue Ansätze
Bei der gestrigen Tagung in Salzburg wurde der Schwerpunkt dementsprechend auf den intensiven Erfahrungstausch zwischen Stadtplanungsverantwortlichen und VertreterInnen von Wohnbauträgern gelegt. Gemeinsam diskutierten die Städte im Rahmen zweier Workshops mit VertreterInnen aus Politik, dem Bundesministerium für Innovation und Technologie sowie den anwesenden Wohnbauträgern neue Ansätze und Best Practice Beispiele für integrierte Quartiers- und Stadtteilsanierung im Wohnbau anhand erfolgreicher Projektpräsentationen aus Karlsruhe, Wörgl und Salzburg-Lehen. Dabei ging es insbesondere darum jene Faktoren zu identifizieren, die zu einer Win-Win-Situation sowohl für Stadtverwaltung und Wohnbauträger als auch für die BewohnerInnen führen. Denn nur durch die Partizipation der Bevölkerung und unter Berücksichtigung sozialer Aspekte sind vor allem großvolumige Sanierungsvorhaben überhaupt politisch durchsetzbar. Sanierung bedeutet schließlich, dass die dort wohnhafte Bevölkerung als Zwischenlösung oder auch dauerhaft umgesiedelt werden muss, was einen durchgehenden Beratungs- und Kommunikationsprozess notwendig macht. In dessen Verlauf müssen auch die Kosten für alle Beteiligten transparent dargestellt werden. Gerade im geförderten Wohnbau ist man an strenge Vorgaben gebunden, sodass Kosten und Nutzen ständig evaluiert werden müssen. Anhand eindrücklicher Zahlen stellte Reinhard Jank für Karlsruhe dar, dass bei heutigen Energiepreisen eine Siedlung mit 40 unsanierten Wohngebäuden in 40 Jahren allein 100 Millionen Euro an Energiekosten verursachen. Seine Ausführungen über die Sanierung des Stadtteils Rintheim zeigten jedoch schlüssig auf, dass Sanierung sich rechnet und auch für die Mieter erschwinglich bleibt. Die Sanierung des Altbestands kostet zudem bei entsprechender Umsetzung nur die Hälfte eines Neubaus, wodurch die Mietpreise eher gering gehalten werden können.

Modernes Mobilitätskonzept spart Geld und Energie
Die Wohnbauträger verwiesen auf weitere Einsparungsmöglichkeiten, wie sie zum Beispiel durch das Phänomen entstehen, dass in vielen Städten bereits der Trend abzulesen ist, dass weniger PKW-Stellplätze benötigt werden, als vorgeschrieben sind. Da sich diese mit hohen Kosten im Wohnbau zu Buche schlagen, könnte durch ein modernes Mobilitätskonzept auch hier Geld sowie Energie eingespart werden. Die optimale Lösung, um Mobilitäts-, Freiraum-, Energie- und Sozialraumkonzepte für ein wohn- und lebenswertes Umfeld effektiv entwickeln und umsetzen zu können, ist dabei die quartiersbezogene Herangehensweise an die Gebäudesanierung. Die Initiierung und aktive Koordinierung dieser Projekte ist Aufgabe der Städte, eine hohe Kooperationsbereitschaft aller die Voraussetzung für ein Gelingen.

Bei der anschließenden Führung durch den Stadtteil Lehen in Salzburg konnten sich die TeilnehmerInnen von einer überwiegend gelungenen Umsetzung einer solchen Quartierssanierung selbst ein Bild machen.

"In Anbetracht der ungebrochenen Zuwanderung in die städtischen Räume ist eine zukunftsorientierte, integrative Stadt(teil)entwicklung das Gebot der Stunde - zumal die Städte bei entsprechend "smarter" Planung aufgrund der baulichen und funktionalen Dichte urbaner Räume auch die besten Voraussetzungen dafür haben, den Herausforderungen unserer Zeit wie Energie- und Ressourcenverbrauch, erhöhtes Verkehrsaufkommen und damit einhergehender Lärm- und Schadstoffbelastung zu begegnen. 65 Prozent der Bevölkerung wohnen in urbanen Räumen, knapp 80 Prozent arbeiten hier und nahezu 90 Prozent des Verkehrs passiert in und um die Städte und Stadtregionen. Hier smarte Lösungen zu finden und auch umzusetzen ist somit ein Thema, das uns alle betrifft", so Thomas Weniger, Generalsekretär des Österreichischen Städtebundes.

Der Österreichische Städtebund fordert daher die politische und finanzielle Unterstützung der neuen Bundesregierung für smarte Projekte und Prozesse in den urbanen Regionen Österreichs. Auch die Bundesländer als für die Raumplanung verantwortlichen Gesetzgeber werden aufgefordert, zeitgemäße Rahmenbedingungen für Energieraumplanung, geförderten Wohnbau, und nachhaltige, sozial gerechte Mobilität zu schaffen sowie verstärkt Fördermöglichkeiten für den kommunalen Bereich, wie etwa einen Stadtentwickungsfonds nach dem Vorbild des Schweizer Infrastrukturfonds, vorzusehen, um die Städte in ihren Bemühungen, den gestiegenen Ansprüchen der Bevölkerung gerecht zu werden, zu unterstützen.

Informationen über den Österreichischen Städtebund
Der Österreichische Städtebund ist die kommunale Interessenvertretung von rund 250 Städten und größeren Gemeinden. Etwa 65 Prozent der Bevölkerung und 71 Prozent der Arbeitsplätze befinden sich in Österreichs Ballungsräumen.
Mitglieder des Städtebundes sind neben Wien und den Landeshauptstädten praktisch alle Gemeinden mit über 10.000 EinwohnerInnen. Die kleinste Mitgliedsgemeinde zählt knapp 1.000 EinwohnerInnen. Die Mitgliedschaft ist freiwillig. Der Österreichische Städtebund ist Gesprächspartner für die Regierung auf Bundes- und Landesebene und ist in der österreichischen Bundesverfassung (Art. 115 Abs.3) ausdrücklich erwähnt.

 

 

 

Informationen: http://www.staedtebund.gv.at

 

 

 

 

 

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