Stadträtin Wehsely enthüllt Tafel
 für den "Stephan-Rudas-Platz"

 

erstellt am
30. 10. 13
14.00 MEZ

Ehemaliger Chefarzt des PSD bewirkte größte Psychiatriereform der Zweiten Republik
Wien (rk) - Sein Ziel war klar: eine optimale Versorgung und Inklusion psychisch schwerkranker Menschen aus allen sozialen Schichten. Prof. Dr. Stephan Rudas (1944-2010) war der Wegbereiter und maßgebliche Gestalter der Wiener Psychiatriereform und langjährige Chefarzt der Psychosozialen Dienste in Wien (PSD). Zu seinen Ehren wurde heute eine Straßentafel im 14. Wiener Bezirk, Baumgartner Höhe/Kreuzung Raimannstraße enthüllt, da die Verkehrsfläche vor dem Käthe-Jonas-Weg in "Stephan-Rudas-Platz" umbenannt wurde. "Stephan Rudas war ein kämpferischer Visionär, ein weiser Humanist, ein messerscharfer Analytiker und ein beeindruckender Mensch", sagt Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely.

Regionalisierung, Dezentralisierung und wohnortnahe Betreuung
Der ehemalige Gesundheitsstadtrat Alois Stacher hat den damaligen Assistenzarzt der Psychiatrischen Universitätsklinik und Therapeut der Bewährungshilfe 1977 zum neuen Psychiatriebeauftragten ernannt. Das von ihm entwickelte System der flächendeckenden ambulanten Versorgung von Menschen mit psychischen Erkrankungen sowie die Gründung des PSD machte Wien zum internationalen Vorreiter auf diesem Weg. Die wichtigsten Schlagworte lauteten Regionalisierung, Dezentralisierung und wohnortnahe Betreuung. "Psychisch kranke Menschen sollen nicht komplett aus ihrer bekannten Umgebung gerissen werden", so Bezirksvorsteherin Andrea Kalchbrenner, "denn auch soziale Kontakte sind wichtig für den Genesungsprozess." Dezentralisierung der psychiatrischen Regionalabteilungen ist auch Bestandteil des Wiener Spitalskonzeptes 2030: Im Sommer wurde die Dachgleiche des neuen Gebäudes in der Juchgasse 22 im Dritten gefeiert, auch im Krankenhaus Nord wird es eine psychiatrische Regionalabteilung geben, wie sie im Donauspital und im Kaiser-Franz-Josef-Spital bereits existiert.

Sichtbare Erfolge der Psychiatriereform
Im Vergleich zum Jahre 1979 braucht die Stadt Wien dank der ambulanten Behandlungsmöglichkeiten heute nur noch rund 1/5 der stationären psychiatrischen Betten von damals. Unfreiwillige Aufnahmen konnten im Zuge der Psychiatriereform bis 2010 von 80 auf rund 25 Prozent reduziert und beispielsweise die Zahl der Suizide in Wien etwa halbiert werden. Die Gründung der Psychosozialen Dienste war ein wesentlicher Schritt zur Reformierung der Psychiatrie und einem neuen Umgang der Gesellschaft mit psychiatrischen PatientInnen. 248 MitarbeiterInnen, davon rund ein Fünftel ÄrztInnen, betreuen und behandeln heute bei den Psychosozialen Diensten in Wien jährlich über 10.000 PatientInnen im Rahmen von rund 150.000 Behandlungskontakten.

Kampf gegen Stigmatisierung
Stephan Rudas' Wirken galt aber auch ganz entschieden dem Ansehen seines Fachs. Laut Prognosen wird in Zukunft jeder dritte Mensch einmal in seinem Leben an einer psychischen Erkrankung leiden. "Es ist daher wichtig, dass psychisch Erkrankte nicht an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden", so der heutige Chefarzt des PSD Primar Dr. Georg Psota, "sondern sich auf ein gutes Versorgungsnetz und rasche Hilfe verlassen können." Dies gelingt nur durch Aufklärung über psychische Erkrankungen und den Ausbau von psychosozialen Leistungen. "Die moderne Psychiatrie von heute ist unendlich humaner als die vor über 30 Jahren, das ist in großem Maße der Verdienst von Stephan Rudas", so Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely.

 

 

 

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