Grenzüberschreitende Landesausstellung 2013

 

erstellt am
05. 11. 13
14.00 MEZ

Oberösterreich zieht eine erste Schlussbilanz
Linz (lk) - Am 03.11. hat die diesjährige grenzüberschreitende Landesausstellung an den Standorten Bad Leonfelden, Cesky Krumlov (Krumau), Freistadt und Vyssi Brod (Hohenfurth), ihre Pforten geschlossen. Nach 2004 ("grenzenlos" - gemeinsam mit der Stadt und dem Landkreis Passau) und 2012 ("verbündet verfeindet verschwägert" - mit dem Haus der Bayerischen Geschichte) war dies die dritte grenzüberschreitende Landesausstellung, die Oberösterreich in der fast 50jährigen Geschichte dieser kulturellen Großveranstaltung, gemeinsam mit einem internationalen Partner, veranstaltet hat.

Die Landesausstellung hatte den Titel "Alte Spuren. Neue Wege - Oberösterreich und Südböhmen" und präsentierte Gemeinsames und Trennendes aus der seit Jahrhunderten währenden Nachbarschaft der Menschen im Lebensraum zwischen Donau und Moldau.

285.000 mal die Landesausstellung besucht
Insgesamt verzeichnete diese Landesausstellung 285.166 Besuche, sie liegt damit auf dem 14. Platz unter bisher nicht weniger als 30 Landesausstellungen.

Auch wenn diese Landesausstellung in absoluten Zahlen keinen Besucherrekord bedeutet, so wurde doch das selbst gesteckte Ziel von 200.000 Besuchen deutlich überschritten.

Die erreichte Zahl an Besuchen ist auch insofern beachtlich, als Landesausstellungen bei unseren südböhmischen Nachbarn bislang ein Novum waren, während der Markenbegriff "Landesausstellung" hierzulande seit 1965 bestens bekannt und als qualitativ hochwertig anerkannt ist.
Die alljährlich im Auftrag des Landes durchgeführte Kulturstudie belegt dies und so kamen auch bei jener im Jahr 2013 wieder tolle Werte für die Landesausstellung zu Stande.

Von den Gesamtbesuchen entfielen diesmal rund 60 % auf die oberösterreichischen Standorte, 40 % auf die tschechischen. Beachtlich in diesem Zusammenhang ist, dass im Ranking der einzelnen Standorte nach Freistadt der Standort Vyssi Brod (Hohenfurth) folgt, ebenfalls knapp gefolgt von Bad Leonfelden und mit etwas Abstand dahinter liegt Cesky Krumlov.

Die Bedeutung des Zawisch-Kreuzes als weltweit beachtete "Ikone" der Kultur- und Geistesgeschichte wird daran ersichtlich. Außerdem zeigt der hohe Zuspruch der Besucherin und Besucher zum Stift Hohenfurth, dass sich die zahlreichen Bemühungen des Vereines zur Förderung des Stiftes Hohenfurth und des Landes bei der baulichen Revitalisierung und Belebung des Klosters in jedem Fall bezahlt gemacht haben.

Positive Effekte der Ausstellung in vielen Bereichen spürbar
Erreichte Besucherzahlen sind ein wichtiges Kriterium, an dem sich der Erfolg einer Landesausstellung ablesen lässt, doch daneben gibt es auch viele sogenannte "weiche" Faktoren, die den Erfolg einer Landesausstellung ausmachen:

Fast 25 Jahre ist es nun her, dass sich der Eiserne Vorhang geöffnet hat, der Kalte Krieg zu Ende gegangen ist und scheinbar unüberwindbare Grenzen abgebaut wurden. Die Landesausstellung bot eine ideale Möglichkeit, zum ersten Mal seit der Grenzöffnung, kontroversielle Themen der Vergangenheit in einem größeren Kontext zu diskutieren, sich mit der Geschichte und insbesondere mit der jüngeren Geschichte umfassend auseinanderzusetzen. Dies betraf auch so konfliktträchtige Themen wie die Nutzung der Atomkraft oder die Beurteilung der Benes-Dekrete.

Umgekehrt konnte im Rahmen der Landesausstellung dokumentiert werden, wie eng die kulturellen, wirtschaftlichen, sozialen Beziehungen zwischen Oberösterreich und Südböhmen über die Jahrhunderte hinweg waren. Der Lebensraum zwischen Donau und Moldau wurde als ehemals einheitlicher Kulturraum sichtbar, dessen Einheit oft durch politische Maßnahmen entzweit wurde, der aber im Zuge des Europäischen Integrationsprozesses wieder zusammenwächst.

Derart wurden die Besucherin und der Besucher bei der Landesausstellung bewusst eingeladen, sich mit seinem nördlichen bzw. südlichen Nachbarn, dessen Denk- und Lebensweise auseinanderzusetzen und dabei vielleicht so manch existierendes Vorurteil abzubauen.

Die Zusammenarbeit in der Vorbereitung der Landesausstellung war ein gewaltiger Know-How-Transfer, der unseren tschechischen Nachbarn die Art und Weise, wie bei uns solche kulturellen Großprojekte abgewickelt werden, näher gebracht hat. Umgekehrt konnten wir in Oberösterreich bei der Zusammenarbeit mit unseren tschechischen Nachbarn lernen, welche besonderen Herausforderungen und Anstrengungen es nach sich zieht, wenn eine Qualitätsmarke wie die Landesausstellung erst im öffentlichen Bewusstsein verankert werden muss.

Rahmenprogramm als Fundament künftiger Zusammenarbeit
Seit mehreren Jahren gibt es bei Oberösterreichs Landesausstellungen ein umfassendes Rahmenprogramm. Ein Rahmenprogramm, das nicht "von außen aufgesetzt" wird, sondern das zu 100 % von Kulturschaffenden aus der Region getragen wird. Damit ist das Rahmenprogramm ein wichtiger Beitrag zur Stärkung der kulturellen Identität.

Vor allem bei grenzüberschreitenden Landesausstellungen werden durch die bilaterale Zusammenarbeit bei der Vorbereitung und Durchführung von Rahmenveranstaltungen unzählige persönliche Kontakte geknüpft, die das Fundament für eine künftige Zusammenarbeit auf kultureller und touristischer Ebene bilden.

Diese persönlichen Kontakte sind von unschätzbarem Wert weil sie meist - unabhängig von politischen Ereignissen - für lange Zeit bestehen bleiben und damit zusätzlich beim Abbau von Vorurteilen helfen.
Eine gute Nachbarschaft kann nicht auf politischer Ebene verordnet werden, sie wird von den Menschen, die quasi Tür an Tür wohnen und arbeiten, geprägt. Die Vorbereitung der Landesausstellung, die Einbindung der unzähligen ehrenamtlich tätigen Kulturschaffenden, war dabei ein wichtiger Impuls.

Dies wurde auch vom tschechischen Staatspräsidenten Milos Zeman und Bundespräsident Heinz Fischer bei deren Besuch der Landesausstellung am 18. Oktober in Freistadt konstatiert, die übrigens diese Landesausstellung als Vorzeigeprojekt für die künftige Zusammenarbeit zwischen Österreich und der Tschechischen Republik lobten.

Landesausstellung als Kristallisationspunkt für touristische Aktivitäten
Im Vergleich mit der grenzüberschreitenden Landesausstellung 2012, wo knapp ein Drittel der Gäste an den oberösterreichischen Standorten aus Bayern kamen, fällt der Besuch von tschechischen Gästen bei Landesausstellung und Rahmenprogramm in Oberösterreich mit rund 10 % auf den ersten Blick etwas gering aus.

Zieht man jedoch in Betracht, dass die Marke Landesausstellung in der südböhmischen Öffentlichkeit bis dato nicht verankert war, während es in Bayern jährlich Landesausstellungen gibt, die vom Haus der Bayerischen Geschichte professionell auf dem Gebiet des gesamten Freistaats organisiert werden, relativiert sich dieses Bild.

Und so wurde die Landesausstellung auch auf touristischer Ebene als Plattform verstanden, von der aus künftig weitere gemeinsame Aktivitäten gesetzt werden können. Die Bemühungen auf beiden Seiten, die Ausstellungsinhalte auf Deutsch, Tschechisch und Englisch zu kommunizieren, stellten dabei ebenso wichtige Impulse dar wie das Anbieten von grenzüberschreitenden Erlebnis-Packages oder der bewusste Einsatz von zweisprachigem Bedienungspersonal in gastronomischen Leitbetrieben oder zweisprachige touristische Werbemedien und ein gemeinsamer Internetauftritt.

Das Mühlviertel und Südböhmen konnten sich summa summarum im Einzugsgebiet der Städte Passau, Budweis und Linz als reizvolle Natur- und Erlebnisregion positionieren, die auch in einer künftigen, freilich dann größeren Europaregion Donau-Moldau, ein unverwechselbares Profil besitzt.

Die Nachnutzung der Landesausstellungsstandorte in Oberösterreich
Es gehört zu den wichtigen strategischen Zielsetzungen von Oberösterreichs Landesausstellungen, dass es auch für jeden Standort ein konkretes Nachnutzungskonzept gibt. In Oberösterreich sieht dies folgendermaßen aus:

  • · Die sogenannte "Brauhaus-Galerie" als Teil der Nachnutzung des Landesausstellungsprojektes von Freistadt soll weiterhin auch für grenzüberschreitende Aktivitäten genutzt werden. Für 2014 ist zum Beispiel eine Ausstellung über den tschechischen Illustrator und Zeichner Jiri Doubek geplant.
  • In Bad Leonfelden werden in den Landesausstellungsgebäuden der Festsaal der Landesmusikschule implementiert und wichtige Abschnitte der Stadtgeschichte in einer Dauerausstellung der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Dem berühmten Jugendstil-Künstler Leopold Forstner soll dort ebenfalls breiter Raum gewidmet werden.
  • Dem freudigen Anlass des 25jährigen Jubiläums der Öffnung des "Eisernen Vorhanges" soll auf oberösterreichischer Seite mit einem umfassenden Veranstaltungsprogramm gedacht werden. Grenzüberschreitende Zeitzeugenprojekte oder Kooperationsprojekte auf musikalischer Ebene sind nur zwei Beispiele aus einem ganzen Reigen an Veranstaltungen, der derzeit vorbereitet wird.

 

 

 

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