Bauherrenpreis 2013

 

erstellt am
22. 11. 13
14.00 MEZ

Von 27. November 2013 bis 10. Jänner 2014 im Ausstellungszentrum im Ringturm
Wien (wst-versicherungsverein) - Der im Jahr 1967 von der Zentralvereinigung der ArchitektInnen Österreichs begründete Bauherrenpreis hat im Laufe der Zeit an Relevanz und Bedeutung gewonnen: Der Preis wurde Vorbild und Ideengeber für regionale und internationale Preise dieser Art. Zu den notwendigen Kriterien zählt neben außergewöhnlicher architektonischer Gestaltung und Ausführung – entwickelt in intensiver Kooperation zwischen Bauherren und Architekten – auch ein positiver Beitrag zur Entwicklung des jeweiligen Umfeldes. Zum dritten Mal zeigt die Ausstellungsreihe Architektur im Ringturm des Wiener Städtischen Versicherungsvereins alle nominierten Projekte unter Hervorhebung der sieben Preisträger. So entsteht ein Bild der zeitgenössischen Architekturlandschaft Österreichs.

Insgesamt wurden 90 Projekte zum Bauherrenpreis 2013 eingereicht. Pro Bundesland wählten ehrenamtliche Jurys bis zu fünf Bauten aus. Aus diesen ermittelte die international besetzte Jury – Dörte Mandrup, Arno Brandlhuber, Christian Kühn – nach Besichtigung von insgesamt 30 nominierten Projekten die sieben Preisträger. Durch diese Vorgehensweise wird jedes prämierte Projekt auch internationalen Maßstäben gerecht.

Die ausgezeichneten Projekte im Detail

Wohnbebauung BOA
Bauherrschaft: BUWOG Bauen und Wohnen GmbH, Dr. Gerhard Schuster (Geschäftsführer)
Architektur: Köb & Pollak Architektur mit Alexander Schmoeger, Wien
Städtebauliches Leitprojekt: studio uek, Wien
Landschaftsarchitektur: Joachim Kräftner / EGKK Landschaftsarchitektur, Wien
BOA bildet den nordöstlichen Abschluss einer ringförmigen Wohnbebauung, die auf den 2008 von studio uek gewonnenen EUROPAN-Wettbewerb zurückgeht und OASE 22 genannt wird. Schrebergärten, Einfamilienhäuser und Industriebauten bilden die Nachbarschaft. BOA überzeugt durch ein raffiniertes Erschließungssystem und gute Wohnungszuschnitte. Die Einheiten reichen von Einzimmerwohnungen bis zu Wohngemeinschaften für betreutes Wohnen. Eine Besonderheit ist das Angebot an halböffentlichem Raum – nicht nur auf der Ebene der Höfe, sondern auch auf dem Dach, wo sämtliche Bauteile von OASE 22 zu einem durchgängigen Spazierweg verbunden sind. Auf BOA finden sich unter anderem ein Gewächshaus und Hochbeete, die von den Bewohnern intensiv genutzt werden. Der Bauherr hat sich in diesem Punkt vorbildlich verhalten und auch Budget für die Moderation der Nutzerinteressen zur Verfügung gestellt.

Pflegewohnhaus Liesing
Bauherrschaft: Stadt Wien, Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV); Dr. Roland Paukner, Ingrid Thanner, MAS (Direktion der Teilunternehmung Pflegewohnhäuser), Walter Teuschler (leitender Direktor PWH Liesing)
Architektur: Riepl Kaufmann Bammer Architekten, Wien
Gestaltung Andachtsraum: Svenja Deininger, Wien
Gestaltung Glasflächen: Bele Marx und Gilles Mussard, Wien
Landschaftsarchitektur: 3:0, Wien
Die Anlage gilt als vorbildhaft, obwohl sie für über 300 Bewohner konzipiert ist und somit einem für Altenwohnen geltenden Grundsatz bezüglich Größe eigentlich zuwiderläuft. Aufgeteilt in überschaubare Einheiten – zu denen jeweils zwei Tagräume und ein Pflegestützpunkt gehören – ist die Atmosphäre gediegen, ohne bieder zu wirken. Holzverkleidungen geben den Gängen einen wohnlichen Charakter. In den Tagräumen bieten elektrisch geheizte Kachelöfen einen kleinen Luxus. Hier finden sich auch Kochzeilen, in denen die Bewohner selbst aktiv werden dürfen. Die Balkone vor den Zimmern sind schwellenlos erreichbar, damit auch das Bett ins Freie gerollt werden kann. Die verschiebbaren Fensterläden lassen sich auch von den Bewohnern leicht bewegen. Der Bauherrschaft ist hoch anzurechnen, dass sie trotz höherer Kosten in diesen Punkten Konsequenz bewiesen hat. Das gilt auch für die Fassadenverkleidung aus brüniertem Messing, das einen vornehmen Charakter ausstrahlt.

Atelier Krawagna
Bauherrschaft: Dorli & Peter Krawagna
Architektur: Reinhold Wetschko, Klagenfurt
Die Bauherrschaft – ein Maler-Ehepaar – bewohnt auf demselben Grundstück ein Haus aus dem 19. Jahrhundert mit Blick über den Wörthersee. Das neue Gebäude ist ein großer Atelierraum mit Nordlicht sowie Nebenräumen, Sanitärbereich und Kunstdepot. Es bildet den südseitigen Abschluss zur Straße. Der Neubau sollte den Zugang nicht einengen und den Dialog mit dem alten Haus herstellen. Vom Verglasen der Ecke an der Eingangsseite musste der Bauherr – der sein Atelier zuerst ganz ohne Sichtbezug nach außen gedacht hatte – erst überzeugt werden. Diese offene Ecke ist entscheidend für den Dialog mit dem alten Haus und für den Zugang ins Atelier. Zur Straße hin zeigt sich der Neubau hinter einer dichten Hecke als geschlossene, mit leicht metallisch glänzendem Holz verkleidete Fläche.

Agrarbildungszentrum Salzkammergut
Bauherrschaft: Landes-Immobilien GmbH vertreten durch das Amt der OÖ Landesregierung, Abteilung Gebäude- und Beschaffungs- Management, Mag. Gerhard Burgstaller
Architektur: Fink Thurnher Architekten
Durch die Zusammenlegung zweier landwirtschaftlicher Schulen musste das bestehende Schulgebäude wesentlich erweitert werden. Das neue Ensemble orientiert sich an den ortstypischen Vierkanthöfen: Der konstruktive Holzbau hat einen zentralen Innenhof, um den sich die Bereiche Lernen, Arbeiten und Wohnen anordnen. Unbehandelte heimische Weißtanne wurde für Fassaden, Böden, Wände, Decken und Möbel verwendet. Nachhaltigkeit wird durch ökologische Baumaterialien wie Schafwolle, Minimierung von Oberflächenbehandlungen sowie energetische Optimierung (Passivhausstandard) erreicht. Die Schule begeistert Schüler und Lehrer wegen des Raumangebotes: Beinahe jede Klasse hat – neben dem Klassenraum – einen Zusatzraum mit Oberlicht und Verglasung zu den Gängen für Projekt- und Gruppenarbeit. Jede Lehrperson hat einen eigenen Arbeitsplatz in einem gut gegliederten Großraum. Ohne öffentliche Geldgeber, die Sparsamkeit nicht an oberste Stelle reihen, ohne Nutzer, die ihre Anforderungen klar vermitteln können, und ohne Bauherrn, der auf einem offenen Architekturwettbewerb besteht, kann ein Projekt auf diesem Niveau nicht realisiert werden.

Holzbau Meiberger
Bauherrschaft: Meiberger Holzbau GmbH & Co KG, Walter Meiberger
Architektur: LP architektur ZT GmbH, Altenmarkt im Pongau
Ein Konglomerat aus alten Fertigungshallen und ein Lebensmittelmarkt im Erdgeschoß war der wenig spektakuläre Bestand, aus dem ein neuer Firmensitz für ein Holzbauunternehmen entstehen sollte.
Rhythmus und Gliederung der neuen Fassade wirken überzeugend: Sie legt sich wie ein leichter Schleier aus Holzlamellen vor den Bestand. Nur im Erdgeschoß durchbricht diesen Schleier eine Sichtbetonkonstruktion – die Eingangszone des Lebensmittelmarkts. Im ersten Obergeschoß liegen die Büros des Holzunternehmens. Im Geschoß darüber befindet sich eine Reihe von Kleinwohnungen, die ursprünglich für die Mitarbeiter gedacht waren, aber inzwischen auch frei vermietet werden. Besonderer Wert wurde auf die visuelle Verbindung von Verwaltung und Produktion gelegt: In den Besprechungsräumen erlauben raumhohe Verglasungen den direkten Blick in die Halle.

Erweiterung Gusswerk
Bauherrschaft: Gusswerk Eventfabrik GmbH, Marco Sillaber
Architektur: ARGE Erweiterung Gusswerk (hobby a., LP architektur, CS-architektur, Strobl Architekten)
Das ehemalige Industrieareal am Salzburger Stadtrand wurde vom Bauherrn bereits umgenutzt und
erfolgreich vermarktet. An der nordöstlichen Ecke war noch Platz für eine Erweiterung. Der Bauherr kennt die Erwartungshaltung seiner künftigen Kunden aus dem Textilbereich: Sie wünschen sich für ihre Brand-Center eine eigene Adresse. Das Projekt besteht aus acht Türmen, die im Grundriss
quadratisch sind. Sie sind mit eigenen Zugängen ausgestattet und können über die Innenhöfe auf zwei Niveaus erreicht werden. Das geneigte Gelände erlaubt dabei mehrere Eingangsebenen und ein verbindendes Sockelgeschoß, das die Logistik erleichtert. Die Türme sind in Stahlbeton ausgeführt und mit einer Fassade aus Kunststoff-Stegplatten verkleidet – perfekt belichtete Ausstellungsräume für die unterschiedlichen Bekleidungsmarken. Bemerkenswert ist der Planungsprozess: Der Bauherr veranstaltete unter den vier Architekten, die bereits die Sanierung der vorhandenen Hallen übernommen hatten, einen Wettbewerb. Das Siegerkonzept wurde von allen vier Teilnehmern gemeinsam weiterentwickelt und umgesetzt.

Islamischer Friedhof Altach
Bauherrschaft: Gemeinde Altach Immobilienverwaltung GmbH & Co KG, Bürgermeister Gottfried Brändle
Architektur: Bernardo Bader, Dornbirn
Kunst: Azra Aksamija, Boston, USA
Islamische Friedhöfe folgen – im Vergleich zu christlichen Anlagen – anderen Regeln: So müssen die Gräber beispielsweise nach Mekka ausgerichtet sein, auch die zeitliche Abfolge ist anders. Die steigende Zahl an muslimischen Bürgern veranlasste die Vorarlberger Gemeinden, gemeinsam mit den Religionsgemeinschaften nach einer Lösung zu suchen. Ergebnis der Diskussion war die Entscheidung, einen zentralen islamischen Friedhof in Altach zu errichten. Die mögliche Kritik, dass damit die Isolierung islamischer Bürger gefördert würde, lässt außer Acht, dass im Islam der Tod alle irdischen Bindungen löst, zur Familie wie zur Gemeinde. Der Tote wird in erster Linie als Teil der Umma – der Gemeinschaft der Gläubigen – verstanden. Die Architektur wirkt offen, als würde es hier um einen Aufbruch gehen und nicht um ein Ende. Die Bauherrschaft hat ermöglicht, einen würdigen Ort zu schaffen und der Islamischen Gemeinschaft eine Vorarlberger Heimat zu geben.

Die Ausstellung
Die Ausstellung der Reihe „Architektur im Ringturm“ präsentiert die zum Bauherrenpreis 2013 eingereichten Projekte. Anhand von Plänen, Fotos und Modellen zeichnet die Ausstellung ein Bild der zeitgenössischen österreichischen Architektur, die durch das Zusammenspiel von Bauherren und Architekten ermöglicht wurde. Neben den sieben Siegerprojekten, denen besonderes Augenmerk gilt, werden auch jene näher beleuchtet, die von den ehrenamtlichen Jurys in den Bundesländern nominiert wurden.

Katalog Architektur im Ringturm XXXIV
Bauherrenpreis 2013. (Hg.) Zentralvereinigung der ArchitektInnen Österreichs. ca. 85 Seiten, Preis 18 Euro

 

 

 

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