Prof. Fritz Molden ist tot

 

erstellt am
13. 01. 14
11.30 MEZ

Am Morgen des 11. Jänner 2014 ist Fritz Molden in einem Krankenhaus in der Tiroler Stadt Schwaz gestorben, in das ihn seine Familie wegen einer Erkrankung während der Weihnachtsfeiertage gebracht hatte...

Fritz Molden wurde am 8. April 1924 in Wien in einen großbürgerlichen Haushalt geboren. Sein Vater, Ernst Molden, war Chefredakteur der "Neuen Freien Presse", seine Mutter Paula Preradovic war Lyrikerin und Schriftstellerin. Sie verfaßte übrigens den Text der österreichischen Bundeshymne.

Als er 14 Jahre alt war, wurde er - kurz nach dem "Anschluss" - verhaftet, weil er sich als Mitglied des katholischen Untergrunds an Aktionen gegen das NS-Regime beteiligte, und das sollte nicht das letzte Mal gewesen sein. Schließlich, als er wehrtauglich war, versetzte man ihn zu einem Strafbataillon an der russischen Ostfront. Es gelang ihm die Flucht und er lebte anschließend bei den Partisanen im Apennin. Von dort gelangte er in die Schweiz, wo er Mittelsmann zwischen der österreichischen Widerstandsbewegung O5 und den Alliierten fungierte - ab 1944 im Rang eines Verbindungsoffiziers, wofür ihm drei Jahre später, 1947, mit der "Medal of Freedom" gedankt wurde.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs begann Fritz Molden seine beeindruckende Karriere als Sekretär von Außenminister Karl Gruber, für den er auch die Pressearbeit erledigte. Ein Jahr später, 1946, führte ihn die Funktion eines Redakteurs für die von seinem Vater wiedergegründete "Die Presse" ins Ausland und war daraufhin als Diplomat in den USA im Informationsdienst des Österreichischen Generalkonsulates in New York tätig.

Nach Wien zurückgekehrt übernahm er 1950 die kaufmännischen Agenden der "Presse" und gründete im selben Jahr das Magazin "Wochenpresse". Dann folgte die Gründung der Boulevard-Zeitung "Express" gemeinsam mit dem späteren ORF-Generaldirektor Gerd Bacher und wurde, nach dem Kauf des Wiener Wochenblatts "WiWo", als 34jähriger der größte und wichtigste Zeitungsherausgeber des Landes und erreichte Marktanteile von bis zu 28 Prozent.

Sein Interesse für die Autonomiebewegung in Südtirol führte so weit, daß er bis 1960 als Mitglied des Politischen Komitees des Befreiungsausschusses Südtirol verhandelte.

Bereits in den 80er-Jahren setzte sich Molden als Präsident des Auslandsösterreicherwerks ebenso für eine Erleichterung im Staatsbürgerschaftsrecht ein - vor allem was die Doppelstaatsbürgerschaft anbelangte - und machte sich für die Einführung der Briefwahl für Auslandsösterreicher stark - das aber dann noch viele Jahre auf sich warten ließ...

Mit seinem eigenen Buchverlag, der neben Memoiren und Sachbüchern auch einige Bestseller namhafter Autoren auf den Markt brachte, hatte er allerdings weniger Glück und mußte 1982 Konkurs anmelden. Er widmete sich daraufhin wieder der Schriftstellerei und machte sich durch verschiedene Reisen ins Ausland für Österreich stark, als die "Affäre Waldheim" die Berichterstattung über unser Land dominierte.

Im Herbst 1976 übernahm Fritz Molden auf Wunsch von Bundeskanzler Bruno Kreisky und Wirtschaftskammerpräsident Rudolf Sallinger als Präsident die Leitung des Auslandsösterreicherwerks. Das trat für Hilfsmaßnahmen für bedürftige Auslandsösterreicher ein, für Aktionen in Österreich und aller Welt und mit der Zeitschrift "Rot-Weiss-Rot", die Verbindung zwischen der Heimat und AuslandsösterreicherInnen zu stärken. Schon damals bestand eine Zusammenarbeit mit dem Weltbund der Österreicher im Ausland, mit dem das Auslandsöstereicherwerk 2004 schließlich fusioniert wurde.

Lesen Sie mehr über das bewegte Leben von Fritz Molden in der Ausgabe 127 unseres "Österreich Journal" pdf-Magazins, das ab dem Abend des 30.01. verfügbar sein wird.


 

Bundespräsident Heinz Fischer
Der Bundespräsident nahm die Nachricht vom Ableben von Prof. Fritz Molden mit großer Trauer und Bestürzung auf
Wien (hofburg) - "Fritz Molden hat bei der Gründung der Zweiten Republik und in weiterer Folge durch viele Jahrzehnte hindurch in Österreich eine hervorragende Rolle gespielt. Er war ein vielseitig interessierter Intellektueller, eine energiegeladene Verlegerpersönlichkeit und ein echter österreichischer Patriot im besten Sinne des Wortes. Während der Nazi-Zeit war seine Haltung beispielhaft und seine jahrzehntelange journalistische Tätigkeit war von einer liberalen Gesinnung im besten Sinne des Wortes geprägt.

Ich habe Fritz Molden Anfang der 60er Jahre, also vor einem halben Jahrhundert kennen und schätzen gelernt und viele seiner Aktivitäten bewundert. Fritz Molden war ein hervorragender Herausgeber und Autor zahlreicher Publikationen und sein unerschrockener Einsatz für die Wiedererrichtung eines freien und demokratischen Österreich bleibt unvergessen, sagte der Bundespräsident, der der Witwe des Verstorbenen, Frau Dr. Hanna Molden, in einem persönlichen Kondolenzschreiben seine Anteilnahme an ihrem schweren Verlust zum Ausdruck brachte."


 

Ostermayer: Mit Fritz Molden verliert Österreich eine der profiliertesten Persönlichkeiten der Zweiten Republik
Wien (sk) - Betroffen von der Nachricht vom Tod des Publizisten, Verlegers und Widerstandskämpfers Fritz Molden zeigte sich Bundesminister im Kanzleramt Josef Ostermayer gegenüber dem Pressedienst der SPÖ. Der in den Morgenstunden im 90. Lebensjahr verstorbene Molden konnte zahlreiche Stationen in einem bewegten Leben zurückblicken.

Der 1924 geborene Molden engagierte sich schon in seiner Jugend im Widerstand gegen den Nationalsozialismus, unter anderem in der Widerstandsbewegung "O5". Mehrere Male wurde er dafür vom NS-Regime zu Haftstrafen verurteilt. Nach dem Krieg begann er 1945 seine Karriere in der österreichischen Medienwelt. Zuerst 1945 als Pressechef im Außenministerium, danach als Journalist. Molden fungierte im Laufe seines Karriere als Herausgeber zahlreicher Zeitschriften und Zeitungen. Der von ihm gegründete Verlag machte Fritz Molden durch die Veröffentlichung der Werke zahlreicher namhafter Autoren auch auf internationaler Ebene bekannt. 1988 unterstützte er Oscar Bronner bei der Gründung der Tageszeitung "der Standard".

In den 1980er Jahren engagierte sich Fritz Molden neben seiner publizistischen Tätigkeit in verschiedenen Sonderfunktionen auf diplomatischer Ebene, ebenso war er als Präsident der Auslandsösterreicher tätig.

"Österreich verliert mit Fritz Molden einen bedeutenden Publizisten und eine der profiliertesten Persönlichkeiten der Zweiten Republik. Ich drücke seiner seiner Familie mein tief empfundenes Mitgefühl aus", so Ostermayer.


 

Rupprechter: Ein ganz Großer ist von uns gegangen
Wien (bmlfuw) - Bundesminister Andrä Rupprechter drückt sein tiefes Bedauern über das Ableben von Fritz Molden aus: "Fritz Molden hat seine Spuren als Widerstandskämpfer, Verleger, Journalist und Diplomat, nicht nur in Österreich hinterlassen. Er war auch Mitbegründer des "Forum Alpbach" und ist schon 1945 für eine Idee eingetreten, die noch heute wesentliche Akzente für unsere Gesellschaft setzt. Meine Gedanken sind bei seiner Familie, denen ich viel Kraft und Zuversicht in dieser schweren Zeit wünsche".


 

Meinl-Reisinger: Fritz Molden - ein Leben für Demokratie und Antifaschismus
Wien (neos) - Beate Meinl-Reisinger zeigt sich tief betroffen über den Tod von Fritz Molden. "Heute bleibt mir nur Danke zu sagen, für den Mut, die Entschlossenheit und die Widerstandskraft dieses wunderbar streitbaren Menschen. Fritz Molden bleibt ein Vorbild in seinem Einsatz nicht nur mit der Macht der Worte für Demokratie und Menschlichkeit aber auch in seinem bedingungslosen Kampf gegen den Faschismus. Danke für seine spitze Feder als Journalist, seine Arbeit als Verleger und seinen Willen nie aufzugeben. Diese Erinnerung bleibt und mit ihr ganz gewiss Fritz Molden," schließt die Kulturausschussvorsitzende.


 

Mailath: Ein mutiger, vielseitiger Patriot im besten Sinne
Wien (rk) - Mit tiefer Betroffenheit nimmt Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny das Ableben von Fritz Molden zur Kenntnis: "Fritz Molden war ein engagierter Bürger und zeitlebens mit voller Energie gestalterisch tätig. Bereits in jungen Jahren gegen die Nazis aktiv, blieb er sich bis zur letzten Konsequenz treu. Später war er am Wiederaufbau Österreichs beteiligt und gestaltete die heimische Medienlandschaft - mit persönlichen Höhen und Tiefen - prägend mit. Sein Wirken ist das eines mutigen, überaus vielseitigen Patrioten im besten Sinn", so Mailath.

"Mit ihm verliert Österreich einen kritischen Geist, mit ihm gewinnt Österreichs Geschichte aber auch einen erinnerungswürdigen Menschen, der die wechselvolle jüngere Vergangenheit seines Landes durch seine Biografie auf faszinierendste Weise widerspiegelt", so Mailath abschließend.

 

 

 

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