Dörfer 2020: Agieren statt lamentieren!

 

erstellt am
11. 03. 14
11.30 MEZ

Europäische Konferenz mit LH Erwin Pröll in Wroclaw beriet darüber, wie aus Krisen und Wandel Chancen erwachsen können.
Wroclaw/St. Polten (landentwicklung.org) - Rund 150 Interessierte aus zehn Ländern Europas sind am 06. und 07.03. einer Einladung der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung zur Konferenz „European Rural Visions 2020. Krisen – Wandel – Chancen“ ins polnische Wroclaw gefolgt und beschäftigten sich zwei Tage lang mit den mannigfaltigen Zukunftsfragen, die Europas ländliche Regionen bewegen und herausfordern. Der niederösterreichische Landeshauptmann und Vorsitzende der ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung, Erwin Pröll, brachte es in einem einleitenden Statement auf den Punkt: „Die Entwicklung von Dörfern und ländlichen Regionen kann längst nicht mehr auf die Landwirtschaft reduziert werden, sondern reicht erheblich weiter. Wir müssen uns mit der ganzheitlichen Dimension auseinandersetzen und die großen Herausforderungen in Angriff nehmen, mit denen sich unsere Gesellschaft konfrontiert sieht.“

Zu diesen großen Herausforderungen zählen der demografische Wandel, der Themenkreis Klima und Energie, die Schaffung von regionaler Wertschöpfung angesichts einer globalisierten Wirtschaft oder der Umgang mit den Ressourcen Landschaft und Boden. Manche dieser Entwicklungen wie etwa der demografische Wandel betreffen ländliche Dörfer und Gemeinden in besonders dringlicher Weise, für andere wiederum – Stichwort erneuerbare Energien – bieten vitale ländliche Räume gangbare Lösungen. Klar ist daher, wie dies im Rahmen der Konferenz vonseiten der international und interdisziplinär zusammengesetzten Runde der ReferentInnen wie auch TeilnehmerInnen mehrfach festgestellt wurde: Nur durch ein Miteinander von Stadt und Land, ein Miteinander städtischer und ländlicher Gesellschaft sind wir befähigt, Antworten auf die großen Fragen der Zukunft Europas zu finden.

Zeitgemäße Lebensräume brauchen Diversität
Um die Attraktivität von Dörfern als Lebensraum für Menschen jeder Generation und beider Geschlechter zu steigern, bedarf es in vielen Bereichen des täglichen Lebens einer Auswahl an Angeboten – sei es im Bereich der Kinderbetreuung, sei es im Dienstleistungsbereich oder im Vereinswesen. Da einzelne Gemeinden diese Diversität nicht zu bieten vermögen, sind kommunale und interkommunale Allianzen von unschätzbarer Bedeutung. „Der demografische Wandel, der neben einem Älterwerden der Bevölkerung auch dadurch gekennzeichnet ist, dass die Gesellschaft bunter wird, ist nicht aufzuhalten, nicht in den großen Städten und schon gar nicht in den Dörfern – umso wichtiger ist es daher, auf ihn zu reagieren und Strategien zu entwickeln, die ihn nicht als Bedrohung beklagen, sondern als Chance erkennen“, zeigte sich etwa BOKU-Professorin Gerlind Weber überzeugt.

(Wieder-)Entdeckung alternativer Wirtschafts-, Demokratie- und Energiekonzepte
Keineswegs im Widerspruch zu nationalen, europäischen und globalen Realitäten stehen ländliche Regionen, die durch Kreativität und Innovationskraft alternative Wege bestreiten, wenn sie beispielsweise durch die Besinnung auf das Genossenschaftswesen und die Etablierung von Regionalgeld Wertschöpfung neu definieren und den Verlust von Kaufkraft minimieren, wie dies Franz Galler vom bayrischen Büro für nachhaltige Regionalentwicklung darlegte. Eine Intention übrigens, die angesichts der Tatsache, dass die Europäische Union jährlich rund 400 Milliarden Euro für den Import von Erdöl und Erdgas vorwiegend aus Russland und dem Nahen Osten ausgibt, neben dem Klimaschutz auch das zentrale Argument für die Erzeugung erneuerbarer Energien darstellt, wie dies der luxemburgische Staatssekretär für Nachhaltigkeit und Infrastruktur, Camille Gira, betonte. „Ohne ländliche Räume, wo neben Nahrungsmitteln auch ein breites Portfolio an erneuerbarer Energie erzeugt wird, ist die Energiewende, an deren Notwendigkeit längst kein Zweifel mehr besteht, schlicht und einfach unmöglich.“ Neue Beteiligungsmodelle spielen bei der Finanzierung von alternativen Energieanlagen genauso eine Rolle wie bei einer Vielzahl anderer Projekte, die von und mit den BürgerInnen erdacht und umgesetzt werden – eine „Schule für Basisdemokratie par excellence“, so Henning Kuschnig vom Sächsischen Staatsministerium.

Am Rande der Konferenz, die in Kooperation mit den polnischen Wojewodschaften Niederschlesien und Oppeln sowie der Universität für Naturwissenschaften Wroclaw, veranstaltet wurde, zeigte die Europäische ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung eine Fotoausstellung, die die Vielfalt und Schönheit von Kulturlandschaften in europäischen ländlichen Räumen eindrucksvoll widerspiegelt, und präsentierte die zweisprachige „Rural Raodmap“, ein Leitbild für eine nachhaltige Entwicklung europäischer Dörfer und Landgemeinden.

 

 

 

Allgemeine Informationen:
http://www.landentwicklung.org

 

 

 

 

 

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