Eine neue Niere ohne Nebenwirkungen

 

erstellt am
31. 03. 14
11.30 MEZ

Erfolge am Weg zu gesteigerter Toleranz von transplantierten Organen
Wien (akh) - Die Transplantation eines Organs geht für PatientInnen mit einer lebenslangen medikamentösen Behandlung einher. Diese Medikamente unterdrücken die Immunabwehr des Körpers, weil dieser sonst das implantierte Gewebe als Fremdkörper erkennen und abstoßen würde. Oft kommt es dabei zu beträchtlichen Nebenwirkungen. Forschungsteams der MedUni Wien verzeichnen nun erste Erfolge, wie auf immunsuppressive Medikamente verzichtet werden kann.

Die Einnahme immunsuppressiver Medikamente ist für PatientInnen, denen ein Organ eingesetzt wurde, ein notwendiges Übel. Sie müssen ihr Leben lang täglich Medikamente zu sich nehmen, die teilweise erhebliche Nebenwirkungen mit sich bringen. So leiden TransplantationspatientInnen langfristig häufig an erhöhten Infekt- und Tumorraten, Diabetes, Bluthochdruck, und trotz der Medikamenteneinnahme kann es zur schleichenden Abstoßung der transplantierten Organe kommen. "Solche begleitenden Medikamente nicht mehr zu benötigen, würde die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten enorm steigern", berichtet der Transplantationsimmunologe Thomas Wekerle von der MedUni Wien.

Dass das eines Tages Realität werden könnte, zeigt ein aufsehenerregender Fall eines jungen Patienten, der nach einer Knochenmark- und anschließenden Nierentransplantation vollständig auf immunsuppressive Medikamente verzichten kann. Dieser Patient litt an einer Tumor-Erkrankung und erhielt im St. Anna Kinderspital eine Knochenmarktransplantation. Jahre später machte ein Nierenversagen eine Organtransplantation im AKH Wien nötig. Bemerkenswert dabei: Sowohl Knochenmark als auch Spenderniere stammten vom gleichen Spender. Durch die vorhergehende Transplantation des Knochenmarks vom selben Spender wurde der Patient immunologisch tolerant gegenüber der Niere. Da dadurch keine Abstoßung drohte, konnte auf immunsuppressive Medikamente gänzlich verzichtet werden. Der Patient ist seither beschwerdefrei und benötigt keine immunsuppressiven Medikamente.

Toleranz fremder Organe ohne Unterdrückung der körpereigenen Immunabwehr
Forschungsteams der MedUni Wien verfolgen diesen Weg der Toleranzinduktion und können von ersten Erfolgen berichten. Thomas Wekerle zu diesen Versuchen: "Unser Ziel ist es, Knochenmark zu transplantieren, ohne dass man den Empfänger vorher massiv vorbehandeln muss, wie es bei einer Knochenmarktransplantation zur Behandlung eines Tumors notwendig ist, wie bei dem beschriebenen Patienten. Erst dann wäre dieser Ansatz im klinischen Alltag der Organtransplantation einsetzbar." Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen, dass eine derartige nicht-toxische Knochenmarktransplantation tatsächlich grundsätzlich möglich ist. Erstautorin Nina Pilat fand, dass die Kombination einer Knochenmarktransplantation mit Verabreichung körpereigener regulatorischer T-Zellen (Lymphozyten, "weiße Blutkörperchen") sogar zu besseren Toleranzergebnissen führt als mit einer sonst üblichen vorhergehenden Bestrahlung des Körpers. Derartige Fortschritte bringen das langfristige Ziel einer medikamentenfreien Transplantation ein Stück näher.

MedUni Wien und AKH Wien als Erfolgsbeispiel fächerübergreifender Zusammenarbeit
Eine Behandlung dieser Komplexität ist nur an medizinischen Spitzeneinrichtungen wie der MedUni Wien/AKH Wien möglich. Im beschriebenen Fall war ein breitgefächertes multidisziplinäres Team beteiligt. Neben der Behandlung im St. Anna Kinderspital kamen u.a. die Fachrichtungen der Chirurgie, Hämatologie, Nephrologie, Blutgruppensenserologie, Pathologie sowie die Transplantationsimmunologie zum Einsatz.

 

 

 

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