Österreich trotz hoher F&E-Quote deutlich
 hinter Innovation Leadern

 

erstellt am
20. 06. 14
16.00 MEZ

BMWFW und BMVIT legen Forschungs- und Technologiebericht 2014 vor
Wien (pk) - Der Forschungs- und Technologiebericht 2014 beschreibt auf Basis aktueller Daten und Befunde relevante Entwicklungstrends und ausgewählte Themen des österreichischen Innovationssystems und stellt diese in einen internationalen Kontext. Demnach weist Österreich zwar einen im EU-Durchschnitt hohen Einsatz von Mitteln für Forschung und Entwicklung (F&E) auf, befindet sich mit seiner Innovationskraft aber nur im Mittelfeld und in deutlichem Abstand zu den Innovation Leaders. Will Österreich zu diesen aufschließen, so sei eine Ausweitung der Grundlagenforschung, eine Steigerung der Zahl der HochschulabsolventInnen und der Einsatz von mehr Risikokapital notwendig, stellt der Forschungs- und Technologiebericht 2014 fest. Der Bericht, der unter anderem detaillierte Auskunft über die aus Bundesmitteln geförderte Forschung, Technologie und Innovation in Österreich und die Stellung in internationalen Rankings gibt, wurde im Auftrag des Bundesministers für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft Reinhold Mitterlehner und der Bundesministerin für Verkehr, Innovation und Technologie Doris Bures erarbeitet.

F&E-Ausgaben für 2014 bleiben auf annähernd gleichem Stand
Im Jahr 2014 werden in Österreich laut jüngster Globalschätzung (Mai 2014) der Statistik Austria die Gesamtausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E) voraussichtlich 9,32 Mrd. € betragen. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet dies eine Steigerung um 248 Mio. € bzw. einen nominellen Anstieg um 2,73 % . Für 2014 ergibt sich eine F&E-Quote von 2,88 % des BIP, womit auf Basis der vorliegenden Prognosen die F&E-Quote faktisch auf dem Niveau der Jahre 2013 bzw. 2012 (jeweils 2,90 % in der revidierten Fassung) stagniert.

Im europäischen Vergleich übertrifft Österreich damit weiterhin deutlich die durchschnittliche F&E-Quote der EU-28 von 2,06 % (2012) und befindet sich an fünfter Stelle. Die Einführung der neuen Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung bringe ab September 2014 wesentliche Änderungen mit sich, F&E-Ausgaben würden dann in das Bruttoinlandsprodukt einfließen, die F&E-Quote sich voraussichtlich durch diese Neuberechnung leicht verringern, hält der Bericht fest.

Wichtigster Finanzierungssektor bleibt der einheimische Unternehmenssektor, der mit 4,15 Mrd. € annähernd 45 % der gesamten F&E-Ausgaben finanziert, das ist ein Zuwachs von 3,59 % gegenüber 2013. Der Finanzierungssektor Bund, auf den heuer 38,7 % der prognostizierten Forschungsausgaben (3,06 Mrd. €) entfallen werden, verzeichnet damit ein Wachstum von 2,0 % gegenüber dem Vorjahr. Der Finanzierungssektor Ausland umfasst hauptsächlich ausländische Unternehmen, die F&E ihrer österreichischen Tochterunternehmen mitfinanzieren. Er trägt 1,53 Mrd. € bzw. 16 % zur F&E-Finanzierung in Österreich bei und wird 2014 voraussichtlich um 2,9 % wachsen. Der nationale und internationale Unternehmensbereich macht zusammen damit mehr als 60 % der F&E-Finanzierung aus. Die anderen Finanzierungssektoren (Bundesländer sowie Sonstige wie Gemeinden, Kammern, Sozialversicherungsträger) spielen nur eine geringe Rolle. Die Zahl der Beschäftigten in Forschung und Entwicklung lag (in Vollzeitäquivalenten) bei der letzten Vollerhebung 2011 bei 61.170, wovon auf den Hochschulsektor 16.096 entfielen.

Die Position Österreichs in internationalen Innovationsrankings
Österreich konnte seine Innovationsleistung in den vergangenen zehn bis fünfzehn Jahren deutlich steigern. Dies zeigen etwa die Entwicklung der gesamtwirtschaftlichen F&E-Quote, Verbesserungen im Außenhandel mit Mittel- und Hochtechnologiegütern, der wachsende Anteil der Beschäftigten mit Hochschulabschluss oder die Steigerungen der internationalen Publikationstätigkeit der Hochschulen. Das habe sich auch in internationalen Innovationsrankings bis in die jüngste Vergangenheit abgebildet. Angesichts eines forcierten Innovationswettlaufs sowie eines langfristigen wirtschaftlichen Wandels hin zu wissensbasierten Aktivitäten musste Österreich aber zuletzt Verluste in den Rangplätzen hinnehmen.

Der Bericht zieht fünf internationale Innovationsrankings heran, den Innovation Union Scoreboard, den EU 2020 Innovation Indicator der Europäischen Kommission, den Global Innovation Index von INSEAD und WIPO, den Innovationsindikator der Deutschen Telekom Stiftung und des BDI sowie die innovationsbezogenen Elemente des Global Competitiveness Index des World Economic Forums. Österreich befindet sich laut diesen im Vergleich mit anderen OECD- und EU-Mitgliedsstaaten aktuell je nach Ranking zwischen dem 11. und 20. Platz. Im Innovation Union Scoreboard (IUS) hatte Österreich zwischen 2004 bis 2009 seinen Rangplatz deutlich verbessert, fiel bis 2013 allerdings wieder auf den Rangplatz von Anfang der 2000er Jahre zurück.

Auch wenn man davon ausgehen müsse, dass Rankings nur begrenzte Aussagekraft über ein Innovationssystem haben, so bleibe doch unübersehbar, dass laut allen Indikatoren Österreich mit seiner Innovationskraft nur im Mittelfeld angesiedelt ist und ein deutlicher Abstand zu den Innovation Leadern besteht, heißt es im Bericht. Unbeschadet der Position Österreichs in Innovationsrankings sei es daher jedenfalls sinnvoll, den Weg einer Wissens- und Innovationsintensivierung fortzusetzen, lauter das Resümee. Wichtiger als eine Verbesserung der Position in Innovationsrankings sei dabei der Strukturwandel hin zu forschungs- und wissensintensiven Sektoren.

Herausforderungen für FTI-Strategie durch EU-Rahmenprogramm Horizon 2020
Österreichs Beteiligung am 7. Rahmenprogramm der EU könne als durchaus erfolgreich eingeschätzt werden, konstatiert der Forschungs- und Technologiebericht. Von 2007–2013 wurden rund 950 Mio. € an gebundenen Förderungen durch österreichische Beteiligungen und damit eine überdurchschnittliche Rückflussquote lukriert. Ebenfalls erfolgreich war Österreich im internationalen Vergleich mit der viertbesten Bewilligungsquote für ERC-Grants, also Mittel des European Research Council.

Das aktuelle Arbeitsprogramm der Österreichischen Bundesregierung benennt weiterhin die 2011 verabschiedete FTI-Strategie als maßgeblichen Orientierungsrahmen. Demnach sollen die Entwicklungen im FTI-Bereich in Österreich gezielt und systematisch vorangetrieben werden, um bis 2020 den Sprung in die Spitzengruppe der innovativsten Forschungsländer Europas zu schaffen. Instrument der Koordination und Umsetzung ist die "Task Force FTI" der Bundesregierung.

Die österreichische FTI-Politik müsse auf Veränderungen im neuen Rahmenprogramm Horizon 2020 reagieren, etwa durch die Definition von neuen Zielsetzungen, heißt es im Bericht. Dazu gehört eine Steigerung der Rückflüsse auf mindestens 1,5 Mrd. € bis zum Jahr 2020 und die Erhöhung der Zahl der ERC Grants. Der Bericht hebt dazu positiv hervor, dass die Unterstützungs- und Beratungsleistung der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) neu aufgesetzt, verbessert und auf die strategische Beratung konzentriert wird. Sie soll die österreichischen Universitäten beim Aufbau von eigenständigen Kompetenzen und Kapazitäten unterstützen, welche die Beteiligung ihrer ForscherInnen fördern. Zudem werden neue Beratungseinrichtungen zur Stärkung der Rolle Österreichs in der europäischen Forschungspolitik geschaffen.

Österreichs Universitäten im internationalen Vergleich
Durchaus kritisch bezieht sich der Bericht auf Hochschulrankings, die als unverzichtbare Grundlage für eine realistische Einschätzung der Leistungsfähigkeit einzelner Hochschulen und des gesamten Hochschulsystems eines Landes gelten. Grundlegende Unterschiede zwischen den Hochschulsystemen verschiedener Länder und einzelner Hochschultypen schränkten ihre Aussagekraft ein, heißt es im Bericht.

Derzeit finden sich die besten österreichischen Universitäten in internationalen Rankings in den Rängen 100 bis 200. Sie gehörten damit zu den weltweit besten 10 % der Hochschulen, wird festgehalten. In den Output-Kategorien seien jedoch österreichische Hochschulen, an denen bis zu zehnmal mehr Studierenden pro ForscherIn kommen als an großen ausländischen Universitäten, im Nachteil. Englischsprachige Universitäten profitierten überdies in den Rankings durch Popularität, internationale Reputation und eine niedrigere Sprachbarriere für internationale ForscherInnen und StudentInnen.

Der Bericht behandelt auch die Frage der Entlohnung als Faktor für erfolgreiche Rekrutierung hochqualifizierter UniversitätsforscherInnen. In Österreich liegen die Jahresbruttogehälter sowohl im EU- als auch im OECD-Vergleich über dem Durchschnitt, aber doch deutlich hinter den Ländern mit den höchsten Gehältern. Die Entlohnung müsse zusammen mit den für ForscherInnen relevanten Rahmenbedingungen betrachtet werden, wolle man die Attraktivität der Gehälter und in Folge der Positionen an Universitäten richtig einschätzen, stellt der Bericht fest. So zeichneten sich die Vereinigten Staaten, aber auch einige europäischen Länder durch gute Rahmen- und Arbeitsbedingungen aus. Dazu gehören etwa wissenschaftliche Arbeitsplätze, die schon früh klare Karriereperspektiven bieten, aber auch Forschungsautonomie, Qualität und Prestige der ForscherInnen, wo Österreich im internationalen Vergleich im Mittelfeld liegt.

Ein vergleichsweise hoher Anteil der von Unternehmen finanzierten F&E an Hochschulen kommt aus dem Ausland. Würde man zudem die über die Kompetenzzentren finanzierte Forschung in der Betrachtung der Wissenschafts-Wirtschafts-Kooperationen einrechnen, wäre Österreich diesbezüglich im europäischen Spitzenfeld anzusiedeln, hält der Bericht fest.

Wachsende Rolle der Fachhochschulen in der nationalen Forschungslandschaft
Seit Gründung des Fachhochschulsektors (FH-Sektor) und der Etablierung von ersten Studiengängen im Studienjahr 1994/95 sind die Kapazitäten des FH-Sektors zur Erfüllung des gesetzlich verankerten Auftrags, angewandte Forschung und Entwicklung zu betreiben bedeutend gewachsen. Der FH-Sektor verzeichnete im Zeitraum 2002 bis 2011 einen Anstieg der F&E-Ausgaben von 21 Mio. € auf 77 Mio. €, wovon 93 % auf die Bereiche angewandte Forschung und experimentelle Entwicklung entfallen. Gemessen an den F&E-Ausgaben des Hochschulsektors zeichnen die österreichischen Fachhochschulen damit für 7,3 % der angewandten Forschung und 7,8 % der experimentellen Entwicklung verantwortlich. Für die anwendungsorientierte Forschung des FH-Sektors waren Forschungsförderungsprogramme des Bundes, wie FHplus und COIN sowie die Josef-Ressel-Zentren, maßgeblich, heißt es im Bericht. Darauf aufbauend werden im FH-Sektor insbesondere anwendungsorientierte F&E-Projekte in einem vorwiegend regionalen Umfeld mit Unternehmen umgesetzt.

Globale Wertschöpfungsketten und F&E-Kooperationen
Im Zuge der Globalisierung der letzten Jahrzehnte hat der Grad an internationaler Verflechtung auch in Österreich drastisch zugenommen. Die Wirtschaft greift bei der Produktion von Gütern und seiner Exporte immer stärker auf Inputs aus dem Ausland zurück. Festzustellen sei, dass der Anteil der heimischen Wertschöpfung in Österreichs Bruttoexporten in den letzten Jahren zwar etwas gesunken ist, absolut gesehen die heimische Wertschöpfung in den österreichischen Exporten jedoch im Schnitt um 4,4 % jährlich wächst, heißt es im Bericht. Analysen zum Wertschöpfungsgehalt internationaler Handelsverflechtungen zeigen, dass Österreich sich gut in internationalen Wertschöpfungsketten positionieren konnte, sowohl als Importeur von Vorleistungsinputs als auch als bedeutender Bereitsteller zentraler Produktionsinputs für das Ausland.

Österreichs Anteil in der Produktion und den Exporten anderer Länder, insbesondere in Europa, stieg zwischen 1995 und 2011 kontinuierlich, im Schnitt um rund 7 %. Im Jahr 2011 wurden rund 37 % der direkt exportierten heimischen Wertschöpfung von den Empfängerländern weiterexportiert. Besonders Deutschland ist wesentlich für die Einbindung Österreichs in globale Wertschöpfungsketten. Der Befund der Patentstatistik lasse bezüglich internationaler F&E-Kooperationen von österreichischen Unternehmen keinen eindeutigen Trend erkennen, heißt es im Bericht. Angemerkt wird, die Tatsache, dass ausländische Unternehmen mit Patentaktivitäten in Österreich in immer größerem Ausmaß auf österreichische Ressourcen zurückgreifen, sei ein Indiz für die Qualität des F&E-Standorts Österreich.

Trend zu Open Innovation und neuen Finanzierungsformen
Die Innovationstätigkeit von Unternehmen ist von mehreren Trends geprägt, zuvorderst von "Open Innovation" in verschiedenen Formen. Dazu zählen die "Nutzer-getriebene Innovation" und das "Crowdsourcing", bei denen die Nutzer aktiv in den Innovationsprozess einbezogen werden. Der Community Innovation Survey zeige, dass sich eine Öffnung des Innovationsprozesses auch in Österreich empirisch festmachen lasse, so die ExpertInnen. So habe sich in den letzten beiden Jahrzehnten die Anzahl österreichischer Unternehmen mit Innovationskooperationen auf fast ein Viertel aller Unternehmen mehr als verdoppelt und liege damit etwa auch im internationalen Vergleich hinsichtlich der Kooperation zwischen Wirtschaft und Hochschulen auf überdurchschnittlichem Niveau.

Bei neuen Formen der Innovationsfinanzierung wie Crowdfunding bzw. Crowdinvesting befindet sich Österreich noch am Anfang einer Entwicklung. Klärungsbedarf bestehe dabei aktuell vor allem in Fragen der Regulierung und des Anlegerschutzes, wird festgehalten. Für die öffentliche Hand würden sich daraus unterschiedliche mögliche Anknüpfungspunkte ergeben: als Promotor zur Steigerung der Bekanntschaft von (geförderten) Projekten oder als Netzwerk und Drehscheibe für Community-Veranstaltungen. Die Orientierung hin zu offenen Innovationsprozessen sei jedenfalls für die Unternehmen mit einem messbar positiven Einfluss auf den Unternehmenserfolg verbunden.

Der Bericht geht auch auf die Rolle von wissensintensiven unternehmensbezogenen Dienstleistungen (knowledge intensive business services, KIBS) ein. Unternehmen aus KIBS-Sektoren gehen demnach deutlich häufiger Innovationskooperationen ein und tragen durch ihre hohe Kooperationsintensität maßgeblich zur Distribution von Wissen über alle Sektoren hinweg bei. Vor diesem Hintergrund würden sich neue Handlungsfelder für die österreichische FTI-Politik ergeben, heißt es dazu. Neben der Auslotung und Förderung des Potentials für alternative Kooperations- und Finanzierungsformen gelte das auch für den Bereich der intellektuellen Eigentumsrechte.

Messung der ökonomischen Wirkung von Innovationsaktivitäten
Der Forschungs- und Technologiebericht sieht die kontinuierliche, in kleinen Innovationsschritten stattfindende Verbesserung von Positionen in Weltmarktnischen als traditionelle wirtschaftliche Stärke Österreichs. Das führe zwar zu keiner High-Tech-Struktur der Wirtschaft, aber gleichwohl zu einer international hohen Wettbewerbsfähigkeit. Vor dem Hintergrund der anhaltenden Bemühungen Österreichs, zur Gruppe der führenden Innovationsländer aufzusteigen, gewinnen Indikatoren zur Abbildung von ökonomischen Wirkungseffekten von Innovation in der Diskussion zunehmend an Bedeutung. Hier schneidet Österreich nach den Indikatoren des Innovation Union Scoreboard (IUS) deutlich unterdurchschnittlich ab (Rang 17). Das sei allerdings nicht zuletzt auf eine Unterschätzung der ökonomische Effekte von Innovation im IUS zurückzuführen, meinen die ExpertInnen. Dort sei nämlich nur der Strukturwandel hin zu wissensintensiven Branchen abgebildet. Eine Ergänzung des IUS um Indikatoren für sektorales Upgrading würde im Bereich ökonomische Effekte von Innovation ein Vorrücken Österreichs auf Rang neun bedeuten.

Damit bleibe Österreich jedoch in der Innovationsleistung immer noch deutlich hinter den "Innovation Leadern" zurück. Weitere Anstrengungen, besonders in Bereichen, die zu Struktureffekten führen, seien notwendig, hält der Bericht fest. Es brauche die Ausweitung der Grundlagenforschung, eine Steigerung der Zahl der HochschulabsolventInnen und die Verbesserung der Innovationsrisikofinanzierung (Risikokapital), um zu den führenden Innovationsländern aufzuschließen und Österreichs positive wirtschaftliche Entwicklung abzusichern.

 

 

 

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