Gedenktafel an der Klagenfurter Burg
 soll Nazi-Opfer würdigen

 

erstellt am
14. 07. 14
10.00 MEZ

LH Kaiser: Landtagsbeschluss wird künstlerisch umgesetzt – Wichtiges Zeichen der Erinnerung und Mahnung
Klagenfurt (lpd) - Das Land Kärnten setzt ein weiteres Zeichen der Erinnerungsarbeit und Gedenkkultur. So wird die Landesregierung in ihrer Sitzung am 14.07. den Beschluss fassen, eine Gedenktafel an der sogenannten Burg in der Innenstadt von Klagenfurt anzubringen, wie Landeshauptmann Peter Kaiser mitteilte. Dieses Gebäude, die Burg, war in den Jahren 1938-45 Sitz der Geheimen Staatspolizei (Gestapo). Hier erlitten Menschen furchtbares Unrecht, sie wurden aufgrund ihrer Weltanschauung, ihrer ethnischen Zugehörigkeit oder ihres Widerstands gegen die NS-Gewaltherrschaft gefoltert.

Diese Gedenktafel soll Erinnerung und Mahnung gegen Gewalt sein, betont Kaiser die Notwendigkeit, sich der Geschichte zu stellen und aktiv gegen das Vergessen und Verdrängen vorzugehen. Zugleich sei diese Gedenktafel auch Mahnung, sich stets aufs Neue für Demokratie, Menschenrechte und Frieden einzutreten.

Der Kärntner Landtag hatte mit Beschluss vom 20. Februar 2014 die Kärntner Landesregierung aufgefordert, „im Gebäude der Burg von Klagenfurt am Wörthersee in welchem sich in der Nazi-Zeit das Gestapo Hauptquartier befand, an sichtbarer und würdiger Stelle eine Gedenkstätte für alle jene zu errichten, die wegen ihrer ethnischen Zugehörigkeit, politischen oder religiösen Überzeugung zu Opfern der NS-Unrechtsjustiz wurden.“

Erinnern und Gedenken müsse im Gedächtnis des Landes seinen Platz haben, begrüßt Kaiser diesen Beschluss. Es liege heute an uns allen, den Mut zum aufrechten Gang zu praktizieren, unterstreicht der Landeshauptmann die Notwendigkeit, gegen extremistisches, faschistoides, rassistisches Gedankengut aufzutreten. Eintreten für Menschlichkeit, das sei zu jeder Zeit unsere Aufgabe, so Kaiser. Er erwähnt in diesem Zusammenhang auch weitere Schritte der Gedenkkultur, wie etwa Gedenkstätten in Klagenfurt, Villach, am Loiblpass, die Stolpersteine-Aktion oder die unlängst enthüllte Gedenktafel am Klagenfurter Landhaus, die an Kärntner Parlamentarier erinnert, die der Nazi-Diktatur zum Opfer gefallen sind.

Die Burg war während des NS-Regimes Sitz der Gestapo-Zentrale für Kärnten und Oberkrain. Die Zentrale fungierte als „Relaisstation“, von der aus in Haft Genommene – oft nach brutalen Verhören und Folterungen – an das Landesgefangenenhaus und von dort aus in die Konzentrationslager weitergeleitet wurden. Die Burg war keine Hinrichtungsstätte, Todesfälle durch Folterungen sind jedoch belegt. Dennoch kann keine Quantifizierung der Todesfälle vorgenommen werden.

Zur Umsetzung wurde eine Arbeitsgruppe eingerichtet. Als geeigneter Platz für eine künstlerisch gestaltete Gedenktafel in Reliefform wurde das Arkadenfeld zwischen Hypodurchgang und Stiegenabgang Tiefspeicher im Westtrakt des Burggebäudes festgelegt. Die künstlerische Umsetzung soll durch die Ausschreibung eines Künstlerwettbewerbs gewährleistet werden. Die konkrete Auswahl erfolgt durch ein sechsköpfiges Preisgericht. Die Jurysitzung soll am 28. November stattfinden, die Fertigstellung bis Mitte März 2015 erfolgen und auch in diesem Jahr enthüllt werden. Auf der Gedenktafel soll - basierend auf Textvorschlägen von Landesarchivdirektor Wilhelm Wadl und von Memorial Kärnten-Koroska - nachfolgender zweisprachiger Text ersichtlich sein:

„In diesem Gebäude war in den Jahren 1938-1945 der Sitz der Geheimen Staatspolizei. Hier wurden Menschen aufgrund ihrer Weltanschauung, ihrer ethnischen Zugehörigkeit oder ihres Widerstands gegen die NS-Gewaltherrschaft gefoltert. Das Unrecht, das sie erlitten haben, sei uns Mahnung und Auftrag im gemeinsamen Ringen um Freiheit, Demokratie und Menschenrechte.

V tej stavbi je bil v letih 1938-1945 sedež gestapa, kjer so muc(ili ljudi zaradi njihovega svetovnega nazora, narodne pripadnosti ali ker so se uprli nacistic(nemu nasilju.
Krivica, ki so jo doživeli, naj nam bo opomin in poslanstvo pri skupnem prizadevanju za svobodo, demokracijo in clovekove pravice.”

 

 

 

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