Blatnik: Erinnern, Versöhnen, Zukunft gestalten

 

erstellt am
24. 07. 14
10.00 MEZ

Kärntner Bundesratspräsidentin lenkt Blick auf Stärken und Verantwortung des Bundesrats für die Zukunft
Wien (pk) – "Erinnern, Versöhnen, Zukunft gestalten" – unter diesen Leitfaden will die Kärntner Bundesratspräsidentin Ana Blatnik ihre Amtsführung bis Ende dieses Jahres stellen, wie sie am 23.07. in ihrer Antrittsrede vor dem Plenum unterstrich. Kärnten hat am 1. Juli 2014 bis Ende des Jahres nicht nur die Leitung in der Länderkammer des Parlaments, sondern auch in der Landeshauptleutekonferenz übernommen.

Auseinandersetzung mit Vergangenheit ist Voraussetzung für den Blick nach vorn
Blatnik setzt mit dem von ihr gewählten Motto auch einen Schwerpunkt, der auf die bis in die Gegenwart wirkenden historischen Ereignisse im südlichsten Bundesland Bezug nimmt und aus denen Lehren für ein friedliches Miteinander in einem vereinten Europa gezogen werden müssen. Spezielle Initiativen, wie etwa die Wanderausstellung "Zwangsweise Aussiedlung slowenischer Familien aus Kärnten" und die Konferenz im Oktober "Balkan als Chance" sollen einen Beitrag dazu leisten. "Erinnern und Versöhnen im Rahmen einer intensiven Auseinandersetzung mit der Vergangenheit bildet eine wesentliche Voraussetzung für den Blick nach vorn" sagte Blatnik. Eine vielschichtige Beschäftigung mit Spuren der Geschichte in Gegenwart und Zukunft könne auch nicht an Staatsgrenzen enden, sondern komme in Zeiten eines vereinten Europas erst durch die Möglichkeit einer internationalen Perspektive zur Entfaltung. Durch die Erinnerung an die historischen Ereignisse rücke man nicht nur den unschätzbaren Wert des Friedensprojekts "Europäische Union" in den Mittelpunkt, sondern auch die Aufgabe und Herausforderung, diese EU weiterzuentwickeln.

Blatnik lud mit Nachdruck dazu ein, die Herausforderungen im Geist eines von gegenseitiger Wertschätzung getragenem Miteinanders zu bewältigen. Dieses Miteinander äußere sich auch in der Offenheit für kulturelle und sprachliche Vielfalt, spielte sie darauf an, dass sie ihre sprachliche und kulturelle Identität im Parlament schon seit zehn Jahren lebe. Sie dankte daher auch für den diesbezüglichen gemeinsamen Beschluss, der ihr das ermöglicht habe, und fasste am Schluss ihrer Ausführungen die Rede auf Slowenisch zusammen.

Bundesrat als Mitgestalter der Zukunft nicht schwächen, sondern stärken
Die Bundesratspräsidentin betonte insbesondere auch die wesentliche Funktion und Mitverantwortung der Länderkammer bei der Gestaltung der Zukunft. Als wichtiges Bindeglied zu den Gemeinden, zum Land, zur Bundesregierung und zur europäischen Ebene bilde der Bundesrat einen zentralen Baustein, um ein lebendiges Europa der Regionen am Puls der Bedürfnisse seiner Bürgerinnen und Bürger mitzugestalten, umschrieb sie die Rolle der Länderkammer. Vor allem der EU-Ausschuss habe es geschafft, entscheidende Themen zu besetzen. Nur Schweden habe im Rahmen der Subsidiaritätsprüfung mehr Stellungnahmen im EU-Gesetzgebungsverfahren eingebracht als der österreichische Bundesrat, zeigte sich Blatnik über das weithin anerkannte Engagement des Ausschusses erfreut. Um diese Tätigkeit auch in der Öffentlichkeit mehr wahrnehmbar zu machen, sollten die Berichte des EU-Ausschusses im Plenum diskutiert werden, schlug Blatnik vor.

Angesichts dessen sollte man sich nicht darauf konzentrieren, wie man den Parlamentarismus und Föderalismus schwächen, sondern vielmehr wie man die beiden Pfeiler unserer Demokratie stärken könne, stellte sie mit Blick auf die immer wieder geäußerte Forderung nach Abschaffung des Bundesrats fest. In der Frage der Stärkung des Bundesrats gelte es aber abzuwägen, was realistisch und was konkret umsetzbar ist, mahnte Blatnik.

Sie tritt in diesem Sinn wie ihre Vorgänger auch dafür ein, der Länderkammer bereits vor Beschlussfassung im Nationalrat ein Stellungnahmerecht einzuräumen und ihr auch die Möglichkeit von Teileinsprüchen zu geben. Ein weiterer zentraler Punkt stellt für die Präsidentin ein Rederecht von Bundesrätinnen und Bundesräten im Landtag dar. Der Länderkammer sollte Blatnik zufolge ferner ein Mitspracherecht bei der Bestellung der Volksanwältinnen und Volksanwälte gewährt werden, da diese ja auch mit Ländermaterien betraut sind.

Ein eigener Ausschuss für Kinderrechte und eine Enquete zur dualen Ausbildung
Einen wesentlichen Auftrag für eine gute Zukunft sieht Blatnik vor allem auch darin, die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich wieder zu schließen und sich konsequent für die Gleichstellung zwischen Mann und Frau einzusetzen. Ein besonderes Augenmerk müsse dabei dem Bildungsbereich geschenkt werden, hielt Blatnik fest, denn es sei trotz intensiven Bemühens noch immer eine Realität, dass sich eine Mehrheit der Mädchen bei der Berufswahl auf typische Felder beschränkt, die schlechter entlohnt würden, was sich wiederum auf die Altersversorgung auswirke. Daher seien Anstrengungen erforderlich, um Frauen für technische und naturwissenschaftlich ausgerichtete Ausbildungszweige zu interessieren und Rahmenbedingungen zu schaffen, damit junge Mädchen neue Wege gehen können.

Für Blatnik zählt dazu auf jeden Fall ein adäquates Kinderbetreuungsangebot. Sie sprach sich deshalb für die Abhaltung einer Enquete mit dem Schwerpunkt "duale Ausbildung" aus, in der alle Facetten dieser Problematik beleuchtet und Impulse für Veränderungen gegeben werden.

Des Weiteren will sich die Bundesratspräsidentin für die Einrichtung eines eigenen Kinderrechte-Ausschusses stark machen. "Eine gerechte, zukunftsorientierte Gesellschaft ist für mich auch eine, die sich ihrer jüngsten Mitglieder annimmt. Ich werde mich daher dafür einsetzen, dass Kinderrechte nicht mehr unter ferner liefen vorkommen, sondern mehr Gewicht erhalten" begründete sie ihre Initiative.

Festakt im Parlament zum Vorsitzwechsel
Anlässlich des Vorsitzwechsels im Bundesrat und in der Landeshauptleutekonferenz lud Blatnik gemeinsam mit dem Kärntner Landeshauptmann Peter Kaiser Mittwochabend auch zu einem Festakt ins Parlament. Das Land Kärnten sei stolz, dass erstmals eine Kärntner Slowenin Bundesratspräsidentin sei, hob Landtagspräsident Reinhard Rohr in Vertretung von Kaiser hervor. Politisch machte sich der Kärntner Landtagspräsident im Sinne eines gelebten Föderalismus für ein vernünftiges Gleichgewicht zwischen den verschiedenen politischen Ebenen und eine vertrauensvolle Zusammenarbeit im Interesse der Bevölkerung stark.

Auch nach Meinung von Blatnik können die aktuellen Aufgaben nur mit einem Miteinander und nicht mit einem Nebeneinander oder gar einem Gegeneinander bewältigt werden. Sie sieht den Vorsitz im Bundesrat und in der Landeshauptleutekonferenz im zweiten Halbjahr 2014 außerdem als Chance für Kärnten, als modernes, weltoffenes und international orientiertes Bundesland in Erscheinung zu treten.

Für viel Kärntner Flair beim Festakt sorgten der Männerchor des Kulturvereins "Bilka" und der Gemischte Chor der Sängerrunde Ludmannsdorf.

 

 

 

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