Handelspolitische Spannungen trüben
 das Konjunkturklima ein

 

erstellt am
08. 08. 14
10.00 MEZ

Wien (wifo) - Die Wirtschaft der USA überwand im II. Quartal 2014 den Rückgang, der zu Jahresbeginn verzeichnet worden war. Zuletzt ging die hohe Arbeitslosigkeit in einigen EU-Ländern etwas zurück. In Großbritannien setzte sich die Expansion im II. Quartal 2014 fort, in Spanien gewann der Aufschwung an Kraft. Die handelspolitischen Spannungen mit Russland dämpfen das Konjunkturklima in Deutschland und Österreich, die heimische Ausfuhr nach Russland verringerte sich im ersten Jahresdrittel bereits markant. Der private Konsum bleibt in Österreich träge, die Nachfrage nach langlebigen Gütern schwach. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt entspannte sich bisher nicht.

Nach dem wetterbedingten Investitionseinbruch in den USA im I. Quartal 2014 zog das Wachstum im II. Quartal nach ersten Schätzungen wieder an. Angesichts der stabilen Konjunkturlage und der relativ guten Arbeitsmarktsituation wird die Notenbank das Anleihenkaufprogramm im Oktober 2014 beenden. In China stützt die Regierung die Konjunktur wieder mit zusätzlichen Investitionen und lockerte die Kreditvergabebestimmungen, um das Wachstumsziel von 7,5% zu erreichen. Die britische Wirtschaft behielt im II. Quartal dank des starken Dienstleistungssektors den Wachstumspfad bei (+0,8% gegenüber dem Vorquartal), die Industrieproduktion blieb allerdings schwach. In Spanien gewann der Aufschwung im II. Quartal an Kraft (+0,6% gegenüber dem Vorquartal), die Arbeitslosenquote ging weiter leicht zurück. Auch in anderen EU-Ländern mit hoher Arbeitslosigkeit verringerte sie sich etwas.

In Deutschland und Österreich trübte sich das Konjunkturklima ein: Der deutsche ifo-Geschäftsklimaindex gab vor dem Hintergrund der zunehmenden handelspolitischen Spannungen wiederholt nach. Laut WIFO-Konjunkturtest verschlechterte sich die Einschätzung der österreichischen Unternehmen insbesondere in der Sachgütererzeugung und in der Bauwirtschaft. Der Außenhandel belebte sich im ersten Jahresdrittel nicht, nicht zuletzt wegen des markanten Rückganges der Exporte nach Russland. Auch der private Konsum und die Ausgaben für langlebige Güter lösten sich bisher nicht aus der Stagnation. Einzig in der Tourismuswirtschaft verbesserte sich die Lage seit den Wintermonaten, da nicht konsumierte Winterurlaube im Frühsommer teilweise nachgeholt wurden. Mit 1,9% war die Inflationsrate im Juni stabil. Die saisonbereinigte Arbeitslosenquote lag im Juli bei 8,5%.


Methodische Hinweise und Kurzglossar

Periodenvergleiche
Zeitreihenvergleiche gegenüber der Vorperiode, z. B. dem Vorquartal, werden um jahreszeitlich bedingte Effekte bereinigt. Dies schließt auch die Effekte ein, die durch eine unterschiedliche Zahl von Arbeitstagen in der Periode ausgelöst werden (etwa Ostern). Im Text wird auf "saison- und arbeitstägig bereinigte Veränderungen" Bezug genommen.

Die Formulierung "veränderte sich gegenüber dem Vorjahr . . ." beschreibt hingegen eine Veränderung gegenüber der gleichen Periode des Vorjahres und bezieht sich auf unbereinigte Zeitreihen.

Die Analyse der saison- und arbeitstägig bereinigten Entwicklung liefert genauere Informationen über den aktuellen Konjunkturverlauf und zeigt Wendepunkte früher an. Die Daten unterliegen allerdings zusätzlichen Revisionen, da die Saisonbereinigung auf statistischen Methoden beruht.

Wachstumsüberhang
Der Wachstumsüberhang bezeichnet den Effekt der Dynamik im unterjährigen Verlauf (in saisonbereinigten Zahlen) des vorangegangenen Jahres (t0) auf die Veränderungsrate des Folgejahres (t1). Er ist definiert als die Jahresveränderungsrate des Jahres t1, wenn das BIP im Jahr t1 auf dem Niveau des IV. Quartals des Jahres t0 (in saisonbereinigten Zahlen) bleibt.

Durchschnittliche Veränderungsraten
Die Zeitangabe bezieht sich auf Anfangs- und Endwert der Berechnungsperiode: Demnach beinhaltet die durchschnittliche Rate 2005/2010 als 1. Veränderungsrate jene von 2005 auf 2006, als letzte jene von 2009 auf 2010.

Reale und nominelle Größen
Die ausgewiesenen Werte sind grundsätzlich real, also um Preiseffekte bereinigt, zu verstehen. Werden Werte nominell ausgewiesen (z. B. Außenhandelsstatistik), so wird dies eigens angeführt.

Produzierender Bereich
Diese Abgrenzung schließt die NACE-2008-Abschnitte B, C und D (Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden, Herstellung von Waren, Energieversorgung) ein und wird hier im internationalen Vergleich verwendet.

Inflation, VPI und HVPI
Die Inflationsrate misst die Veränderung der Verbraucherpreise gegenüber dem Vorjahr. Der Verbraucherpreisindex (VPI) ist ein Maßstab für die nationale Inflation. Der Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) ist die Grundlage für die vergleichbare Messung der Inflation in der EU und für die Bewertung der Preisstabilität innerhalb der Euro-Zone ( siehe auch http://www.statistik.at/ ).

Die Kerninflation als Indikator der Geldpolitik ist nicht eindeutig definiert. Das WIFO folgt der gängigen Praxis, für die Kerninflation die Inflationsrate ohne die Gütergruppen unverarbeitete Nahrungsmittel und Energie zu verwenden. So werden knapp 87% der im österreichischen Warenkorb für den Verbraucherpreisindex (VPI 2010) enthaltenen Güter und Dienstleistungen in die Berechnung der Kerninflation einbezogen.

WIFO-Konjunkturtest und WIFO-Investitionstest
Der WIFO-Konjunkturtest ist eine monatliche Befragung von rund 1.500 österreichischen Unternehmen zur Einschätzung ihrer aktuellen und künftigen wirtschaftlichen Lage. Der WIFO-Investitionstest ist eine halbjährliche Befragung von Unternehmen zu ihrer Investitionstätigkeit ( http://www.konjunkturtest.at/ ). Die Indikatoren sind Salden zwischen dem Anteil der positiven und jenem der negativen Meldungen an der Gesamtzahl der befragten Unternehmen.

Arbeitslosenquote
Österreichische Definition: Anteil der zur Arbeitsvermittlung registrierten Personen am Arbeitskräfteangebot der Unselbständigen. Das Arbeitskräfteangebot ist die Summe aus Arbeitslosenbestand und unselbständig Beschäftigten (gemessen in Standardbeschäftigungsverhältnissen). Datenbasis: Registrierungen bei AMS und Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger.

Definition gemäß ILO und Eurostat: Als arbeitslos gelten Personen, die nicht erwerbstätig sind und aktiv einen Arbeitsplatz suchen. Als erwerbstätig zählt, wer in der Referenzwoche mindestens 1 Stunde selbständig oder unselbständig gearbeitet hat. Personen, die Kinderbetreuungsgeld beziehen, und Lehrlinge zählen zu den Erwerbstätigen, nicht hingegen Präsenz- und Zivildiener. Die Arbeitslosenquote ist der Anteil der Arbeitslosen an allen Erwerbspersonen (Arbeitslose plus Erwerbstätige). Datenbasis:
Umfragedaten von privaten Haushalten (Mikrozensus).

Definition der Arbeitslosenquote
Personen in Schulungen: Personen, die sich zum Stichtag in AMS-Schulungsmaßnahmen befinden. Für die Berechnung der Arbeitslosenquote wird ihre Zahl weder im Nenner noch im Zähler berücksichtigt.

Unselbständig aktiv Beschäftigte: Zu den "unselbständig Beschäftigten" zählen auch Personen, die Kinderbetreuungsgeld beziehen, sowie Präsenzdiener mit aufrechtem Beschäftigungsverhältnis. Zieht man deren Zahl ab, so erhält man die Zahl der "unselbständig aktiv Beschäftigten".

 

 

 

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