Die Stellung Salzburgs in Europa aus Sicht der Statistik

 

erstellt am
02. 10. 14
10.00 MEZ

Haslauer: Salzburg kann sich im Vergleich der Regionen sehen lassen
Salzburg (lk) - "Die Vielfalt der Regionen Europas bildet die Stärke dieser Gemeinschaft. Zahlen und Fakten über die einzelnen Mitgliedsstaaten erhöhen das Wissen über diese Länder und können dazu beitragen, Europa besser zu verstehen und Vorurteile abzubauen. Dabei zeigt der Vergleich Salzburgs mit den EU-Ländern, dass auch unter generell wirtschaftlich schwierigen Rahmenbedingungen Salzburg in vielen Bereichen zu den besten Regionen in Europa zählt. Diese Spitzenposition gilt es zu halten und abzusichern", betonte Landeshauptmann Dr. Wilfried Haslauer am 01.10. zum Erscheinen des aktualisierten Folders "Salzburg-Österreich-EU", erstellt von der Landesstatistik Salzburg unter der Leitung von Dr. Gernot Filipp.

Salzburg hat mehr Einwohner/innen als Malta
Zu Jahresbeginn 2013 lebten in Salzburg mit 531.898 Menschen deutlich mehr Einwohner/innen als im EU-Staat Malta mit 421.364 und fast so viele wie in Luxemburg mit 537.039 Personen. Das (bevölkerungs- und flächenmäßig) drittkleinste Land der Europäischen Union ist Zypern mit 865.878 Einwohner/innen. Die bevölkerungsreichsten Länder sind Deutschland mit 82,0 Millionen, Frankreich mit 65,6 Millionen, Großbritannien mit 63,9 Millionen und Italien mit 59,7 Millionen Einwohner/innen. Auch die Einwohnerzahl von Spanien liegt mit 46,7 Millionen nahe an der 50-Millionen-Grenze.

Das Durchschnittsalter der Einwohner/innen von Salzburg und Österreich war zu Jahresbeginn 2013 mit 42,1 bzw. 42,6 Jahren ähnlich hoch wie im Durchschnitt der 28 EU-Länder mit 41,9 Jahren. Nur in sechs Staaten der Europäischen Union waren die Einwohner/innen im Mittel jünger als 40 Jahre, am jüngsten waren sie in Irland mit 35,5 und in Zypern mit 36,2 Jahren. Im Vergleich zu diesen beiden Ländern war das Durchschnittsalter der Bevölkerung in Deutschland mit 45,3 und in Italien mit 44,4 Jahren um fast zehn Jahre höher.

Überdurchschnittlich viele Schüler/innen besuchen weiterführende Schulen
In nur sechs der 28 Staaten der Europäischen Union wurden im Schuljahr 2011/2012 mehr als 95 Prozent der Drei- bis unter Vierjährigen und Vier- bis unter Fünfjährigen institutionell betreut, und zwar in Belgien, Dänemark, Frankreich, Italien, Malta und Spanien. In den meisten Ländern war die Betreuungsquote der Drei- bis unter Vierjährigen allerdings niedriger als jene der Vier- bis unter Fünfjährigen; so auch in Salzburg und Österreich, wo die Betreuungsquote der Drei- bis unter Vierjährigen mit 57,0 bzw. 65,0 Prozent doch deutlich unter jener der Vier- bis unter Fünfjährigen mit 91,3 (Salzburg) und 90,9 Prozent (Österreich) lag. Im EU28-Durchschnitt wurden 83,5 Prozent der Drei- bis unter Vierjährigen und 91,9 Prozent der Vier- bis unter Fünfjährigen institutionell betreut.

Mit 38,9 bzw. 35,7 Prozent war im Schuljahr 2011/2012 in Salzburg und in Österreich der Anteil der Schüler/innen, die eine über die Hauptschule bzw. AHS-Unterstufe hinausgehende schulische bzw. berufliche Ausbildung (Lehre) absolvierten, merklich höher als im EU-Durchschnitt mit 30,4 Prozent. Nur in drei EU-Staaten war dieser Anteil höher als in Salzburg, und zwar in Belgien mit 44,1 Prozent, Finnland mit 40,7 Prozent und Ungarn mit 40,4 Prozent.

Geringe Arbeitslosenrate und hohe Erwerbsbeteiligung
Im Jahr 2013 war die (harmonisierte) Arbeitslosenrate in Österreich mit 4,9 Prozent und vor allem in Salzburg mit 2,9 Prozent niedriger als in allen anderen Staaten der Europäischen Union. Vergleichsweise niedrig war die Arbeitslosenrate noch in Deutschland mit 5,3 und in Luxemburg mit 5,9 Prozent. In Griechenland und in Spanien waren hingegen mit 27,3 bzw. 26,1 Prozent jeweils mehr als ein Viertel der Erwerbspersonen ohne Arbeit.

Was die Erwerbsquote betrifft, so nahmen im Jahr 2013 bei den 15- bis unter 65-Jährigen in Salzburg mit 78,1 und in Österreich mit 76,1 Prozent mehr Personen am Erwerbsleben teil als im EU28-Durchschnitt mit 72,0 Prozent. Bei den 55- bis unter 65-Jährigen gibt es hingegen Nachholbedarf, denn hier lag die Erwerbsquote in Salzburg mit 47,5 und in Österreich mit 46,5 Prozent deutlich unter dem Durchschnitt aller 28 EU-Staaten von 54,3 Prozent. Als "Musterland" gilt Schweden, denn in diesem nordischen Land war die Erwerbsquote sowohl der 15- bis unter 65-Jährigen mit 81,1 Prozent als auch jene der 55- bis unter 65-Jährigen mit 77,5 Prozent höher als in allen anderen EU-Staaten.

Wirtschaftsleistung und Tourismus im Spitzenfeld
Mit einem Bruttoinlandsprodukt pro Kopf von 83.400 Euro führte im Jahr 2013 Luxemburg den EU28-Vergleich überlegen an. Salzburg reihte sich mit einer Wirtschaftsleistung pro Kopf von 42.800 Euro neben Dänemark mit 44.400 Euro und Schweden mit 43.800 Euro bei den wirtschaftsstärksten Regionen Europas ein. Das niedrigste Bruttoinlandsprodukt je Einwohner/in wiesen die südöstlichen Mitgliedsländer Bulgarien mit 5.500 Euro, Rumänien mit 7.100 Euro und Ungarn mit 9.900 Euro auf. Im EU28-Durchschnitt ergab sich ein Wert von 25.700 Euro, der auch deutlich unter der Wirtschaftsleistung je Einwohner/in von Österreich mit 37.000 Euro lag.

Nur vier der 28 EU-Staaten konnten 2012 mehr als zehn Nächtigungen je Einwohner/in verbuchen. Dies sind Malta mit 18,7, Zypern mit 16,9, Kroatien mit 14,6 und Österreich mit 13,0 Nächtigungen je Einwohner/in. Diese vier Länder führten zwar den EU28-Vergleich an, konnten den Spitzenwert von Salzburg mit 39,0 Nächtigungen pro Kopf jedoch bei weitem nicht erreichen. Im EU28-Durchschnitt ergab sich ein Wert von 5,1 Nächtigungen je Einwohner/in.

Mit 21,6 Hektar war 2010 die durchschnittliche landwirtschaftliche Nutzfläche je Betrieb in Salzburg größer als in Österreich mit 19,2 Hektar und auch im EU28-Durchschnitt mit 14,4 Hektar. Die größten Betriebe gab es in Tschechien mit einer durchschnittlichen Fläche von 152,4 Hektar, gefolgt vom Vereinigten Königreich mit 90,4 Hektar. Die landwirtschaftliche Erzeugung pro Kopf war im Jahr 2012 in Salzburg mit 513,60 Euro jedoch niedriger als in Österreich mit 816,10 Euro und im EU28-Durchschnitt mit 782,40 Euro. Eine landwirtschaftliche Erzeugung von mehr als 1.000 Euro je Einwohner/in wurde in Frankreich mit 1.151,70 Euro, in Irland mit 1.536,80 Euro, in den Niederlanden mit 1.539,70 Euro und vor allem in Dänemark mit 2.101,60 Euro erwirtschaftet.

Auf jeden zweiten Salzburger entfällt im Schnitt ein Pkw
Rund 285.000 Personenkraftwagen, das sind etwa ein Promille der insgesamt fast 244 Millionen Personenkraftwagen, die zum Jahresende 2012 in allen EU-Staaten zum Verkehr zuge-lassen waren, waren mit einem Salzburger Kennzeichen unterwegs. Bezogen auf die Zahl der Einwohner/innen bedeutet dies, dass fast jede/r zweite EU-Einwohner/in bzw. jede/r zweite Salzburger/in einen Personenkraftwagen besaß. Die niedrigste Pkw-Dichte wiesen erwartungsgemäß die osteuropäischen Länder Rumänien, Ungarn und Lettland auf, die höchste Pkw-Dichte gab es in Luxemburg und Italien. Die Bandbreite variierte dabei von 22,3 (Rumänien) bis 67,6 (Luxemburg) Personenkraftwagen je 100 Einwohner/in.

Im Jahr 2012 wurden EU-weit bei Verkehrsunfällen mehr als 1,4 Millionen Personen verletzt und mehr als 29.000 Menschen getötet. Auf Salzburgs Straßen mussten 3.880 Verletzte und 46 Tote beklagt werden, österreichweit gab es fast 51.000 Verletzte und 531 Tote.

Überdurchschnittliche Zahl an Ärzten und Ärztinnen sowie Krankenhausbetten
In Salzburg gab es im Jahr 2011 insgesamt 505,8 Ärzte und Ärztinnen (ohne Zahnmedizi-ner/innen) und 917,4 Krankenhausbetten je 100.000 Einwohner/innen, das waren deutlich mehr als im Durchschnitt der EU-Staaten mit 348,3 Ärzten und Ärztinnen und 538,7 Krankenhausbetten je 100.000 Einwohner/innen und auch mehr als in den meisten EU-Staaten. Die höchste Ärztedichte der EU-Länder gab es in Griechenland mit mehr als 600 und in Österreich mit fast 500 Ärzten und Ärztinnen je 100.000 Einwohner/innen. Mit 822,2 Krankenhausbetten je 100.000 Einwohner/innen führte Deutschland im Jahr 2011 den EU-Vergleich vor Österreich (764,7), Litauen (744,1) und Ungarn (718,7) an.

Überdurchschnittlicher Energieverbrauch und unterdurchschnittliche Treibhausgasemissionen
Der Energieverbrauch je Kopf variiert zwischen den einzelnen EU-Staaten deutlich. Während im Jahr 2012 jede/r Einwohner/in in Malta und Rumänien weniger als 50 Gigajoule Energie verbraucht hat, waren es in Finnland 195,3 und in Luxemburg sogar 329,4 Gigajoule. Salzburg und Österreich lagen mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von jeweils rund 135 Gigajoule über dem EU-Durchschnittswert von 91,3 Gigajoule.

Was die Treibhausgasemissionen pro Kopf im Jahr 2012 betrifft, so hob sich Luxemburg mit 22,3 Tonnen deutlich von den anderen EU-Staaten ab, in denen die Emissionen zwischen 5,4 Tonnen (Lettland) und 14,5 Tonnen (Estland) variierten. Mit 9,5 Tonnen bzw. 7,1 Tonnen waren die Treibhausgasemissionen in Österreich höher und in Salzburg niedriger als im Durchschnitt der 28 EU-Staaten mit 9,0 Tonnen.

Unterdurchschnittliche Wahlbeteiligung und hoher Anteil der Fraktionslosen
Bei den vergangenen Europawahlen im Mai 2014 machten im Durchschnitt der EU-Staaten 42,5 Prozent der Wähler/innen von ihrem Wahlrecht Gebrauch, wobei in nur acht der insgesamt 28 EU-Staaten mehr als die Hälfte der Wähler/innen zur Wahl gingen. In Belgien und in Luxemburg war die Wahlbeteiligung mit 89,6 Prozent bzw. 85,6 Prozent am höchsten. Im Vergleich dazu ging in der Slowakei (13,1 Prozent) und in Tschechien (18,2 Prozent) nicht einmal jede/r Fünfte zur Wahl. In Österreich lag die Wahlbeteiligung mit 45,4 Prozent etwas über, in Salzburg mit 40,5 Prozent knapp unter dem EU-Durchschnitt.

Beim Vergleich der Wahlergebnisse zwischen den Staaten ist zu beachten, dass nicht in jedem Land Parteien aller Fraktionen kandidiert haben. So sind in Österreich und damit in Salzburg keine Parteien für die Fraktion der Konservativen/Reformisten, der Linken und der Freiheit/Demokratie angetreten bzw. haben es nicht geschafft, für eine dieser drei Fraktionen in das Europäische Parlament einzuziehen. Der hohe Stimmanteil der Sonstigen mit 26,3 Prozent in Österreich und 25,2 Prozent in Salzburg erklärt sich dadurch, dass in dieser Gruppe auch die FPÖ, die keiner der sieben Fraktionen zugehörig ist, mit einem Stimmanteil von knapp 20 Prozent enthalten ist.

 

 

 

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