Pensionsdebatte

 

erstellt am
27. 11. 14
10.00 MEZ

 Faymann/Hundstorfer: Politische Verantwortung statt Pensionsautomatik
Maßnahmen zur Pensionsreform greifen - Beamtenpensionen bei Mehraufwand berücksichtigen - Bonus-Malus-System kommt
Wien (sk) - Bundeskanzler Werner Faymann und Sozialminister Rudolf Hundstorfer haben am 26.11. im Rahmen einer Pressekonferenz zur Entwicklung des österreichischen Pensionssystems Stellung genommen. Beide Politiker bekräftigten die Ablehnung einer Pensionsautomatik und betonten die Bedeutung der politischen Verantwortung bei Entwicklung und Finanzierung des Pensionssystems. Es wäre geradezu zynisch, so Faymann, würden man den Menschen sagen, sie müssten länger arbeiten, auch wenn es die entsprechenden Arbeitsplätze nicht gibt. "Ein Automat würde das machen. Die Menschen haben aber zu Recht die Erwartung an die Politik, dass sie sich der aktuellen Herausforderungen annimmt." Die Regierung habe eine Vielzahl von Maßnahmen in Sachen Pensionsreform getroffen, die bereits Wirkung zeigen, so Hundstorfer. Zur Kostenentwicklung des Pensionssystems betonte der Sozialminister: "Wer von Kostenwahrheit spricht, muss die Beamtenpensionen mitberücksichtigen."

Bundeskanzler Faymann betonte, man müsse das Pensionssystem so gestalten, dass die Menschen auch davon leben können. Die Sozialdemokratie sei der Lebensrealität der Menschen verpflichtet. "Die Durchschnittspension in Österreich beträgt rund 1.000 Euro. Das ist nicht unverschämt viel", so Faymann. Voraussetzung dafür, dass die Menschen länger im Erwerbsleben bleiben können, sei vor allem die wirtschaftliche Entwicklung und die Beschäftigungslage. "Wir werden alles tun, damit die Beschäftigung so hoch ist, dass die Einnahmen auch ausreichen", unterstrich Faymann. Sozialminister Hundstorfer habe mit Maßnahmen wie der Reform der Korridorpension oder der Invaliditätspension Neu dafür gesorgt, dass das faktische Pensionsantrittsalter steigt, sagte Faymann. 2016 werde evaluiert, welche Maßnahmen gut funktionieren und wo noch nachgeschärft werden müsse, so Faymann.

Das faktische Pensionsantrittsalter sei seit der Umsetzung der Maßnahmen bereits um ein Jahr und einen Monat gestiegen, bestätigte der Sozialminister. Diskussionen um die Finanzierbarkeit des Pensionssystems habe es schon immer gegeben, es gebe derzeit jedoch keinen Grund, eine Pensionsautomatik zu fordern. "Wir sind auf einem guten Weg", die Mehrkosten bei den Pensionen bis 2060 werden sich voraussichtlich nur geringfügig erhöhen, "weil der Pensionsaufwand im öffentlichen Bereich kleiner wird", gab Hundstorfer zu bedenken. So gebe es seit fast 15 Jahren kaum noch Pragmatisierungen. Die Beamtenpensionen müssten - wie auch im Regierungsübereinkommen vereinbart - beim Gesamtaufwand einberechnet werden, forderte Hundstorfer.

Außerdem sei zu bedenken, dass in Österreich eine Vielzahl von Sozialleistungen in Höhe von mehreren Milliarden Euro über die Pension abgedeckt werde, die in anderen EU-Ländern von den Krankenversicherungen oder gar nicht übernommen würden, etwa die Invaliditätspension, Reha-Kosten, Ausgleichszulagen oder die Auszahlung einer Witwenpension. "Das alles steckt in unserem Pensionssystem drinnen. Und es ist ein gutes System, das wir beobachten und um das wir uns kümmern müssen", betonte Hundstorfer.

Um das faktische Pensionsalter anzuheben, sei vor allem auch die Wirtschaft gefordert, sagte Hundstorfer, der die rasche Einführung eines Bonus-Malus-Systems fordert. "Das muss spätestens im Frühjahr -nach den Wirtschaftskammerwahlen -kommen", machte Hundstorfer klar. Bundeskanzler Faymann bestätigte: "Wir werden das Bonus-Malus-System genauso durchsetzen wie die Steuerreform."


 

 Mitterlehner: Tatenlose Beschwichtigung ist die schlechteste Automatik
ÖVP-Chef: "Wir brauchen eine sachliche Diskussion über die Sicherung der Pensionen " - Wenn Politik ihr Primat nicht nützt, muss es Maßnahmen geben Blümel: Herausforderungen anpacken statt reines Schönreden
Wien (övp-pd) - "Tatenlose Beschwichtigung ist die schlechteste Automatik. Das ist der wahre Zynismus", sagt ÖVP-Bundesparteiobmann Reinhold Mitterlehner am 26.11. anlässlich der SPÖ-Aussagen zu den Pensionen. "Wir brauchen eine sachliche Diskussion über die Sicherung der Pensionen. Das Handlungsprimat der Politik kann dabei ruhig im Vordergrund stehen, aber wenn nichts passiert, wie es viele Beschwichtiger in der Pensionskommission wollen, muss es einen Automatismus geben".

"Natürlich sind die Pensionen sicher. Aber wenn wir schon in fünf Jahren 13,5 Milliarden Euro aus dem Bundesbudget in das Pensionssystem zuschießen müssen, fehlt uns Geld für Bildung, Forschung und Investitionen und damit für die jüngere Generation", so Mitterlehner. In Österreich verbringen die Menschen durchschnittlich 43 Jahre in Ausbildung und in Pension und nur 38 Jahre im Erwerbsleben. In kaum einem Land in Europa gehen die Menschen so früh in Pension wie bei uns.

Blümel: Herausforderungen anpacken statt reines Schönreden
"Bleiben wir bei den Fakten und streuen wir den Menschen keinen Sand in die Augen", hält ÖVP-Generalsekretär Gernot Blümel anlässlich der neuerlichen "Schönrede-Versuche" der Pensionsproblematik seitens der Sozialdemokraten fest. "Wir müssen künftige Herausforderungen beim Namen nennen und angehen, statt den Schein zu wahren und den Bürgern eine heile Welt vorzuspielen." Denn die Prognosen zu den Kosten des Pensionssystems sprechen eine klare Sprache: Allein der Zuschuss zu den Pensionen aus dem Bundesbudget steigt von rund 9,7 Milliarden Euro im Jahr 2013 auf 13,5 Milliarden Euro im Jahr 2019. Bis 2060 rechnet die Pensionskommission mit einem Ansteigen des Bundeszuschusses zu den Pensionen auf rund 32 Milliarden Euro.
Statt diese Tatsachen zu beschwichtigen müssen endlich Nägel mit Köpfen gemacht werden, betont Blümel. "Wir brauchen gezielte Maßnahmen, um das faktische Pensionsantrittsalter in Österreich zu heben! Ein umfassendes, ehrliches und transparentes Pensionsmonitoring ist dafür unabdingbar", so Blümel. Dazu müssen auch Personen in Rehabilitation und Umschulungen, die zuvor in den Invaliditätspensionen erfasst wurden, im Monitoring erfasst werden. "Alles andere ist rein statistisches Herausrechnen, Herumschieben und Verschönern und trägt weder zu einem tatsächlichen Anstieg des faktischen Pensionsantrittsalters, noch zu einer Eindämmung der rasant steigenden Kosten bei. Es ist in unserer Verantwortung, die Herausforderungen der Zukunft anzupacken", betont der Generalsekretär: "Wenn die Lebenserwartung erfreulicherweise immer weiter steigt, die Menschen aber immer länger in Pension sind, dann kann sich das irgendwann einfach nicht mehr ausgehen".


 

Neubauer erteilt Pensionsautomatik eine klare Absage
Menschen einem Automatismus zu unterwerfen, ist höchstgradig unsozial
Wien (fpd) - "Solange das faktische Pensionsantrittsalter Welten vom gesetzlichen entfernt ist und Arbeitsplätze für die Generation 50plus Mangelware sind, brauchen wir über eine Anhebung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters nicht im Entferntesten nachzudenken und schon gar nicht dürfen wir solch sensible politische Instrumente einem Automatismus unterwerfen", sagte der freiheitliche Seniorensprecher NAbg. Werner Neubauer in einer Stellungnahme zu Mitterlehners Vorschlag.

Es ist eine Schande, wie aktuell wieder einerseits die Pensionisten mit den Jammermeldungen über den steigenden Bundeszuschuss zu den Pensionen und nun auch jene, die diesen Lebensabschnitt noch vor sich haben, verunsichert werden, indem die ÖVP einen Pensionsautomatismus fordert. Mitterlehner hat dabei aber das Rad nicht neu erfunden, sondern nur aus Molterers Keller von 2008 geholt. "Und bereits damals hat die FPÖ dies abgelehnt, weil man so die arbeitende Bevölkerung, die bereits mit geringen Löhnen bei galoppierender Teuerung konfrontiert ist, zu einem fremdgesteuerten Spielball macht. Dies haben sich die Menschen, die jahrzehntelang ins System einbezahlt haben, nicht verdient", so Neubauer.

Erfreulich ist zwar für den Augenblick, dass die Pensionsautomatik von Seiten der SPÖ ebenso keine Zustimmung findet, wenn Darabos aber verlautet, die Menschen könnten sich auf die SPÖ verlassen, so muss dem entschieden widersprochen werden. Wer sich auf die SPÖ verlässt, der ist verlassen, denn betrachtet man, was die SPÖ 2008 in ihrem Wahlmanifest anlässlich der bevorstehenden Nationalratswahl versprochen hat, ist davon nach der Wahl nichts geblieben: Da war die Rede von Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, Bekämpfung der Teuerung, Entlastung niedriger und mittlerer Einkommen, faire und sichere Pensionen oder auch Armutsbekämpfung. Wir wissen, wie die Realität aussieht: die Armut in Österreich ist so hoch wie nie und wir sind mit der höchsten Arbeitslosigkeit in der zweiten Republik konfrontiert - Tendenz rasant steigend und der Sozialminister sieht gelassen dabei zu. "Es trägt daher auch wenig zur Entspannung bei, wenn Faymann sagt, statt der Pensionsautomatik sei ihm lieber, "...der Rudi Hundstorfer legt etwas vor". Das klingt angesichts der gelebten Strukturverweigerung des Sozialministers eher wie eine gefährliche Drohung", sagte Neubauer.

"Daher müssen erst alle Maßnahmen ausgeschöpft werden, um das faktische Pensionsantrittsalter möglichst nahe an das gesetzliche heranzuführen. Es gehen nach wie vor immer noch zahlreiche hochdotierte Beamte viel zu früh in Pension, daher fordern wir die Zusammenlegung der Sozialversicherungsträge und ein Pensionssystem nach ASVG ohne Privilegien. Gleichzeitig ist der Zugang zum Arbeitsmarkt sektoral für ausländische Arbeitnehmer zu schließen und ein Umdenken auf der Arbeitgeberseite in Bezug auf ältere Arbeitnehmer muss unverzüglich forciert werden", so Neubauer.


 

Hable: Es ist eine Frage der Gerechtigkeit, das Pensionsantrittsalter an die Lebenserwartung zu koppeln
Das Budget 2015 läuft jetzt schon aus dem Ruder - Reformen, vor allem im Pensionsbereich sind dringend notwendig"
Wien (neos) - "Es reicht nicht mehr aus, sich auf ein unendliches Wirtschaftswachstum auszureden. Diese Zeiten sind endgültig vorbei", betonte NEOS-Sozialsprecher Gerald Loacker anlässlich der gemeinsamen Pressekonferenz von Minister Hundstorfer und Bundeskanzler Faymann. Der gestrige Bericht der Pensionskommission hat angedeutet, wie dramatisch die Situation unseres Pensionssystems eigentlich ist -auch wenn für die langfristige Prognose noch viel zu optimistische Annahmen getroffen wurden. "Wir haben bereits vor einigen Tagen hochgerechnet, wie sich die Zuschüsse zu den ASVG-Pensionen heuer noch entwickeln werden - und kamen auf konservativ berechnete Mehrkosten von 584 Millionen Euro im Jahr. Wann wird die Regierung endlich zur Kenntnis nehmen, dass wir nachhaltige Reformen brauchen, damit die kommenden Generationen auch noch von dem Pensionssystem profitieren können", so Loacker. Es ist daher eine Frage der Gerechtigkeit, dass das Pensionsantrittsalter an die Lebenserwartung angepasst werde - ebenso wie die rasche Angleichung des Frauenpensionsantrittsalters. Eine verfehlte Arbeitsmarktspolitik darf nicht als Ausrede für fehlende Reformen im Pensionsbereich herangezogen werden.

"Die Regierung handelt immer noch nach dem Motto: Schönrechnen und sich auf das Wirtschaftswachstum ausreden. Die ständig nach unten revidierten Prognosen deuten darauf hin, dass auch die Steuereinnahmen bald rückläufig sein werden. Gleichzeitig geht die Haushaltsplanung für 2015 jetzt schon von einer Verschuldung von 85,6 Prozent des BIP aus - das ist eine Verschlechterung zu der letzten Prognose von acht Prozentpunkten oder 25,8 Milliarden Euro", warnt NEOS Budgetsprecher Rainer Hable. Reformen - und hier vor allem im Pensionsbereich sind dringend notwendig.

Um die Budgetplanung 2015 öffentlich zu diskutieren, hat NEOS heute im Budgetausschuss ein Verlangen auf Nicht-Enderledigung eines Ausschussberichtes eingebracht. Damit wird der Bericht des Finanzministeriums betreffend der Haushaltsplanung 2015 in der nächsten Nationalratssitzung diskutiert. "Wir wollen die Haushaltsplanung nicht hinter verschlossenen Türen im Ausschuss verhandeln. Wir sind den Bürgerinnen und Bürgern in der Pflicht", so Hable abschließend.


 

 Dringender Handlungsbedarf im Pensionssystem
Aktuelle Zahlen zeigen Reformbedarf im Pensionssystem - zur Anhebung des faktischen Antrittsalters bedarf es Reformmaßnahmen und Anreize
Wien (pwk) - Die Beruhigungsversuche von Bundeskanzler Faymann und Sozialminister Hundstorfer, das österreichische Pensionssystem sei nachhaltig finanziell gesichert, sind vielleicht aus deren Sicht nachvollziehbar, leider gibt es dazu jedoch keinen Grund - im Gegenteil. Das aktuelle Gutachten der Pensionskommission spiegelt die alarmierende langfristige Entwicklung wider. Die Bundesmittel in der gesetzlichen Pensionsversicherung werden sich von 9,2 Mrd. Euro (2,9 % des BIP) im Jahr 2014 auf 35 Mrd. Euro (5,7 % des BIP) im Jahr 2060 fast verdoppeln. Noch dramatischer ist die kurzfristige Entwicklung: Die Bundesmittel steigen von 9,7 Mrd. Euro (3,15 % des BIP) 2013 auf 13,5 Mrd. Euro (3,72 % des BIP) im Jahr 2019. "Die neuesten Zahlen lassen bei vielen Mitgliedern der Pensionskommission wiederholt die Alarmglocken schrillen. Daher wurde das Langfristgutachten in der gestrigen Sitzung der Pensionskommission nur mit knapper Mehrheit (12 Gegenstimmen, 2 Enthaltungen) angenommen", so Martin Gleitsmann, Leiter der Abteilung Sozialpolitik und Gesundheit der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ).
Rasant steigende Pensionsausgaben

Der Reformbedarf bei den Pensionen kann auch aufgrund des Strategieberichts zum Bundesfinanzrahmengesetz 2015 bis 2018 des Finanzministeriums nicht weiter ignoriert werden. So steigen die Aufwendungen für Pensionen im Zeitraum 2013 bis 2018 um 4,2 Mrd. Euro an, während die Aufwendungen für Forschung & Entwicklung um nur 242 Mio. Euro steigen und die Aufwendungen für Bildung gar um 125 Mio. Euro sinken. Gleitsmann: "Wenn wir die rasant steigenden Pensionsausgaben nicht rasch in den Griff bekommen, bleiben uns in den nächsten Jahren noch weniger Spielräume für wichtige Zukunftsinvestitionen in den Bereichen Bildung und Forschung & Entwicklung. Als offene, exportorientierte Wirtschaft brauchen wir gerade in diesen Politikfeldern verstärkt Investitionen, um im internationalen Wettbewerb weiter bestehen zu können".
Anreize im Pensionssystem schaffen

Der in den letzten Tagen von Vizekanzler Mitterlehner ins Spiel gebrachte Nachhaltigkeitsautomatismus sei eine sehr gute Möglichkeit, um das Pensionsantrittsalter an die stetig steigende Lebenserwartung zu koppeln. Selbstverständlich wird der Politik durch Einführen eines derartigen Automatismus nicht ihre Gestaltungsmöglichkeit genommen. Und angesichts der drastisch steigenden Zugangszahlen zur Schwerarbeitsfrühpension (plus 345 % bis 2019) sei es auch notwendig, alle Frühpensionslücken zu schließen. Um das primäre Ziel der Politik zu erreichen, das faktische Antrittsalter anzuheben, bedarf es entsprechender Anreize im Pensionssystem. Die Wirtschaftskammer Österreich schlägt daher ein Anreizmodell für Versicherte und Betriebe nach der Formel 25/25/50 vor: Versicherte, die trotz Rechtsanspruchs auf eine Pension weiterarbeiten, könnten demnach zusätzlich zum regulären Einkommen 25 Prozent zu ihrer fiktiv errechneten Pension erhalten. Weitere 25 Prozent bekäme der Betrieb, welcher den älteren Mitarbeiter weiter beschäftigt, und 50 Prozent blieben als Einsparung im Pensionssystem.


 

 


 

 Blecha: Nein zur "Pensions-Verschlechterungs-Automatik"
Nur mit Jobs für Ältere kann Pensionsantrittsalter steigen
Wien (pvö) - Ein klares Nein kommt von Pensionistenverbands-Präsident Karl Blecha zur von der ÖVP geforderten Pensionsautomatik: "Das ist ein NO-GO! Weil in Wahrheit ist das eine Pensions-Verschlechterungs-Automatik durch einen herzlosen Computer, die die Aktiven und die Jungen trifft weil es dabei einzig darum geht, deren Pensionen zu kürzen! Ich habe schon 2008 erfolgreich gegen die ÖVP-Pensionsautomatik gekämpft und tue das auch jetzt wieder, und zwar im Sinne der Jüngeren! Ich danke daher Bundeskanzler Werner Faymann und Sozialminister Rudolf Hundstorfer, dass sie diesem alten Hut der ÖVP eine klare Absage erteilt haben." Blecha bezeichnete die "es-gibt-zwar-keinen-Job-für-dich, du-sollst-aber-länger-arbeiten"-Mentalität der ÖVP als "zynisch".

Keine Kastration der Politik durch einen Computer
Blecha sieht in der Pensionsautomatik auch demokratiepolitische Bedenken: "Der Politik wird jeder Spielraum genommen, demokratische Mitentscheidungsprozesse der Parteien und Sozialpartner sowie eine parlamentarische Gesetzwerdung beim Pensionsrecht werden dadurch ausgeschlossen, weil ein Computer entscheiden soll - absurd! Die Politik darf sich doch nicht selbst kastrieren!"

Reform der Arbeitswelt wichtiger
"Wir brauchen keine Pensionsautomatik, sondern wir brauchen eine Reform der Arbeitswelt! Menschen ab 50 dürfen von ihren Firmen nicht länger als 'zu alt und zu teuer' angesehen werden! Viel zu viele Unternehmen mobben ihre älteren Dienstnehmer und schieben sie in die (Früh-)Pension oder Arbeitslosigkeit ab", kritisiert Blecha.

Blecha: "Wir brauchen ein Umdenken in den Unternehmen und Personalbüros. Dort muss endlich kapiert werden, dass ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sich durch Erfahrung, Entscheidungs- und Urteilsfähigkeit, kommunikative Gesprächsführung, Zuverlässigkeit, Verantwortungsgefühl, Kritikfähigkeit, hohes Arbeitsbewusstsein und Loyalität zum Betrieb auszeichnen", so Blecha, der vor allem die Wirtschaft in der Pflicht sieht.

"Am Pensionssektor sind zahlreiche Maßnahmen gesetzt worden, die auch bereits greifen und je länger diese Maßnahmen wirken, desto mehr wird man sehen, dass es die richtigen Maßnahmen sind", so Blecha in Bezug auf das Auslaufen der Hacklerregelung, die Reform der Invaliditätspension und die Einführung des Pensionskontos.

"Wenn heute jemand über 50 seinen Job verliert, hat sie oder er fast keine Chance auf einen neuen Arbeitsplatz. Daher her mit den Jobs für Ältere und zwar Jobs, die nicht krank machen! Daher auch: her mit der betrieblichen Gesundheitsvorsorge! Her mit dem Pensionsmonitoring -dadurch wird detailliert aufgeschlüsselt in welchen Betrieben, in welchen Branchen, in welchen Betriebsgrößen, in welchen Regionen besonders häufig Altersarbeitslosigkeit und Frühpensionen vorkommen. Und auch her mit dem Bonus-Malus-System für Unternehmen, wo Betriebe belohnt werden die Ältere beschäftigen und einen Malus zahlen müssen, wenn sie dies nicht tun", so Blecha abschließend. 


 

 Neumayer: Pensionskommissionszahlen unterstreichen dringenden Handlungsbedarf
Beschwichtigung ist fehl am Platz - Massiver Anstieg der Pensionskosten - Bisherige Reformschritte unzureichend - Antrittsalter an Lebenserwartung koppeln
Wien (pdi) - "Die Kosten für das Pensionssystem liegen heute schon weit über Plan und steigen weiter massiv an. Die aktuellen Pensionskommissionszahlen unterstreichen erneut den dringenden Handlungsbedarf im Pensionssystem", betonte der Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV), Mag. Christoph Neumayer am 26,11, anlässlich der Pressekonferenz von Bundeskanzler Werner Faymann und Sozialminister Rudolf Hundstorfer. Laut aktuellen Daten der Pensionskommission steigen die Bundesmittel für Pensionen von 9,7 Mrd. Euro im Jahr 2013 auf 13,5 Mrd. Euro im Jahr 2019 an, im Jahr 2007 waren es noch 6,9 Mrd. "Es ist jetzt Zeit zu handeln, die bisherigen Reformschritte im Pensionssystem sind unzureichend. Beschwichtigungen sind fehl am Platz. Seit 1970 hat sich die Pensionsbezugsdauer der Frauen im Durchschnitt rund verdoppelt, jene der Männer vervierfacht", so der IV-Generalsekretär.

"Wir brauchen ein Pensionssystem, das die Veränderung der Lebenserwartung konsequent berücksichtigt. Das entspricht auch der wiederholten Empfehlung von EU-Kommission und OECD. Nur so können wir echte Nachhaltigkeit und die langfristige Finanzierbarkeit sicherstellen", unterstrich der Generalsekretär. Auch die weitere Einschränkung gesetzlicher Frühpensionsmöglichkeiten und eine raschere Anpassung des gesetzlichen Frauenpensionsalters an das der Männer seien notwendig. Nach derzeitiger Gesetzeslage würde eine stufenweise Angleichung des Frauenpensionsalters erst 2024 beginnen und erst 2033 abgeschlossen sein. Damit befände sich Österreich unter den letzten in der EU. "Rufe nach Bonus-Malus-Modellen bzw. einer Pönalisierung der Betriebe gehen am eigentlichen Problem vorbei. Wir müssen im Pensionssystem selbst ansetzen, um Nachhaltigkeit sicherstellen zu können", so der IV-Generalsekretär. "Es muss das Ziel sein, für heutige und kommende Generationen eine verlässliche Altersversorgung garantieren zu können. Das kann uns nur gelingen, wenn wir endlich damit anfangen, die steigende Lebenserwartung auch im Pensionssystem abzubilden", betonte Neumayer. "Die Betriebe leisten jedenfalls ihren Beitrag - das beweisen immer mehr Beispiele aus Unternehmen, die für alter(n)sgerechtes Arbeiten sorgen. Aber auch jede bzw. jeder Einzelne muss ihren bzw. seinen Beitrag leisten", so Neumayer.

 

 

 

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