Export bleibt wichtiges Standbein
 der heimischen Milchwirtschaft

 

erstellt am
05. 12. 14
10.00 MEZ

Petschar zu HCB: Heimische Milch ist nach wie vor sicher
Wien (aiz) - Anlässlich des AMA-Milchforums in Baden veröffentlichte die Agrarmarkt Austria Marketing am 04.12. aktuelle Zahlen zum heimischen Milchmarkt und gab einen Einblick in ihre Strategien für die Zeit nach Abschaffung des EU-Quotensystems im Jahr 2015. Generell müsse man künftig noch stärker auf geprüfte Qualität bei Molkereiprodukten setzen, wurde betont. "EU-geschützte Ursprungsangaben und geschützte geografische Angaben spielen dabei eine zentrale Rolle", so Geschäftsführer Michael Blass. Die aktuelle Russlandkrise bereite der Molkereibranche derzeit große Probleme, langfristig wolle sie aber von der weltweit steigenden Nachfrage nach Milchprodukten profitieren und ihre Exportaktivitäten verstärken, kündigte der Präsident der Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter (VÖM), Helmut Petschar, an. Zur aktuellen HCB-Problematik in Kärnten stellte er klar, "dass heimische Milch nach wie vor sicher ist".

Wachstumstreiber Export
Auch die AMA Marketing sehe im Außenhandel noch große Wachstumschancen, unterstrich Blass. "Der Export leistet einen wesentlichen Beitrag zur Wertschöpfung der heimischen Milchwirtschaft, immerhin hat er sich wertmäßig seit Österreichs EU-Beitritt vervielfacht. Im ersten Halbjahr 2014 hat der 'Exportmotor' zu stottern begonnen, trotz schwieriger wirtschaftlicher Bedingungen konnten aber Steigerungen bei den Ausfuhren verzeichnet werden. Die Lieferungen von Milchprodukten in unseren Hauptmarkt Deutschland konnten um 12,5% erhöht werden, bei Käse wurde sogar ein Plus von 16% verzeichnet", berichtete Blass.

"Österreichische Molkereiprodukte stehen weltweit für hohe Qualität, Natürlichkeit, Authentizität und feinen Geschmack, diese Einzigartigkeit müssen wir nach dem Auslaufen der Milchquote noch stärker betonen. EU-geschützte Ursprungsangaben und geschützte geografische Angaben spielen dabei eine zentrale Rolle", unterstrich der Geschäftsführer. Österreich habe bei der Eintragung dieser Herkunftszeichen noch einen großen Aufholbedarf.

Auch am Heimmarkt rüstet sich die AMA Marketing mit verstärkter Information für die Zeit nach dem Quotenende. Auf der einen Seite wird der Qualitätsvorsprung von Milchprodukten mit dem AMA-Gütesiegel und dem AMA-Biosiegel in den Fokus gerückt. Andererseits wird mit Kampagnen auf den Wert von Milcherzeugnissen in einer ausgewogenen Ernährung aufmerksam gemacht. Ein Antrag auf Kofinanzierung künftiger Maßnahmen der AMA wurde bei der EU-Kommission eingebracht.

Hoher Bioanteil bei Milch und Butter
Blass verwies in diesem Zusammenhang auf aktuelle Zahlen zum heimischen Milchmarkt: Ein österreichischer Haushalt gibt pro Monat im Schnitt 40 Euro für Molkereiprodukte aus. Der Löwenanteil entfällt dabei auf Käse (38%) und Trinkmilch (19 %). "Österreich hat sich mittlerweile als Käsenation etabliert. Der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch beträgt 20 kg und ist damit ähnlich hoch wie in Frankreich oder Italien", so der Geschäftsführer.

Der Bio-Anteil ist bei Milchprodukten relativ hoch: Rund 16% der Trinkmilch und 8% der Butter werden im Lebensmitteleinzelhandel bereits in Bio-Qualität gekauft. Bei Käse sind es immerhin 6%. Der Heumilch-Anteil ist bei Frischmilch mittlerweile auf 13% gestiegen.

Petschar: Der Milchmarkt wächst
"Milch hat ein großes Potenzial in der menschlichen Ernährung, dies zeigt auch der steigende Konsum. Die FAO erwartet zwischen 2010 und 2020 einen Anstieg der Weltmilchproduktion von 600 auf 740 Mio. t, besonders Länder mit hohen Einkommenssteigerungen im südost-asiatischen Raum setzen immer mehr auf dieses hochwertige Lebensmittel und sorgen damit für hohe Nachfragezuwächse, die durch die örtliche Produktion nicht befriedigt werden können. Dieses Potenzial möchte auch die heimische Milchwirtschaft nutzen", erläuterte VÖM-Präsident Petschar.

"Der Export der heimischen Milchwirtschaft hat sich seit dem EU-Beitritt sehr positiv entwickelt, die Ausfuhren sind von 123 Mio. auf 1.123 Mio. Euro im Jahr 2013 gewachsen, der positive Außenhandelssaldo stieg von 17 Mio. auf 465 Mio. Euro. Mit dem Auslaufen des Quotensystems wird auch in Österreich mehr Milch zu erwarten sein, die vornehmlich im Export abgesetzt werden muss. Die heimischen Molkereien bereiten sich durch Investitionen in der Be-und Verarbeitung auf den verschärften Wettbewerb vor und versuchen derzeit auch, neue Märkte zu erschließen", erläuterte Petschar.

Aktuelle Situation am Milchmarkt schwierig
Die aktuelle Situation am Milchmarkt sei nach wie vor gekennzeichnet durch die Auswirkungen des russischen Import-Embargos. Seit August sei der gesamte russische Markt für Milchprodukte aus der EU gesperrt. "Damit fallen rund 260.000 t Käseexporte sowie zirka 30.000 t Butterexporte Richtung Moskau mit einem Schlag weg. Diese Mengen müssen nun anderwärtig vermarktet werden, das drückt auf die Preise. Leider wurde dies auch in Österreich von manchen Handelsketten zum Anlass genommen, die Einkaufspreise für heimische Milchprodukte abzusenken", bedauerte Petschar.

Milch sei aufgrund seiner hervorragenden ernährungsphysiologischen Eigenschaften ein besonders hochwertiges Lebensmittel. Milch aus Österreich punkte nicht nur mit seiner hohen Qualität, sie sei zu 100% gentechnikfrei und stamme überwiegend aus Berg- und benachteiligten Gebieten. Sie werde unter strengsten Umwelt- und Tierschutzbestimmungen in klein- und mittelbäuerlichen Betrieben hergestellt und unterliege strengsten Qualitätskontrollen. Daher eigne sie sich nicht als Lockartikel für Schleuderpreis-Aktionen, appellierte Petschar an die Vertreter des Handels und forderte von ihnen partnerschaftliches Verhalten.

Erzeugerpreise 2014 im Durchschnitt über 2013
Der durchschnittlich ausbezahlte Milchpreis (mit natürlichen Inhaltsstoffen) lag in den ersten zehn Monaten des heurigen Jahres in Österreich bei 39,90 Cent/kg netto und 44,69 Cent brutto, dies stellt gegenüber dem Vergleichszeitraum 2013 ein Plus von 8,9% dar. Seit Oktober wird jedoch das Vorjahresniveau unterschritten, aufgrund der europaweit rückläufigen Preise geht Petschar davon aus, dass die Talsohle erst in einigen Monaten erreicht sein wird.

+Österreichische Milch ist sicher
P
etschar, der auch Geschäftsführer der Kärntnermilch ist, ging heute ebenso auf die aktuelle Diskussion über die Hexachlorbenzol-Belastung im Görtschitztal ein: "Der jüngste Vorfall, der offensichtlich auf unsachgemäße Entsorgung einer Altlast durch ein Zementwerk zurückzuführen ist, muss lückenlos aufgeklärt werden. Mangelnde behördliche Kontrolltätigkeit haben die Milchwirtschaft in dieser Region in Misskredit gezogen. Die Molkereien unternehmen jedenfalls alles, um die hohe österreichische Qualität und Lebensmittelsicherheit zu gewährleisten. Fest steht, dass österreichische Milch weiterhin sicher ist, darüber darf es keinerlei Zweifel geben", stellte Petschar fest. Derzeit seien noch 13 bäuerliche Betriebe gesperrt, deren Milch werde solange entsorgt, bis auch hier eine entsprechende Auswertung der Proben vorliege.

 

 

 

Allgemeine Informationen:
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